Oktober 2018

30. Oktober 2018 - 9:36

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

 

Ein schier unerschöpfliches Thema für Künstller und Künstlerinnen ist die Beziehung des Menschen zu seinem Hund. Der südkoreanischen Künstlerin Eun-Joo Shin fielen die vielen Hundehalter auf, die die europäischen Straßen bevölkern und sie beschloss sich mit dem Phänomen des Gassi-Gehens auseinanderzusetzen. Eine Bildserie nach Fotografien entstand.

 

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

 

Mensch und Hund sind in typischen Bewegungen und Tätigkeiten dargestellt - der Hund zieht an der Leine, muss neben dem sitzenden Herrchen rasten, wartet während Gesprächen, heischt nach Aufmerksamkeit, wird getragen - in Situationen, die man von seinen eigenen Streifzügen mit Hund kennt. Die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird in ihren sensiblen Arbeiten ebenso deutlich wie die Stimmung, in der das Flanieren statt findet.

 

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

 

Eun-Joo Shins Werke schauen auf den ersten Blick wie Aquarell-Malerei aus, die Künstlerin malt aber in Öl, wobei sie die Farbe in dünnen Schichten auf Malkarton oder Leinwand aufträgt. Auch die leeren weißen Flächen verstärken den fragmentarischen Eindruck der Aquarellmalerei. Nur durch zarte Liniengerüste wird eine perspektivische Verortung angedeutet, werden aus den weißen Flächen Räume. Durch den Wechsel von detaillierten, großzügig gemalten und leeren Stellen, erzeugt sie zusätzlich Spannung, vereint sie Elemente traditioneller ostasiatischer und westlicher Seh- und Malweisen.

 

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

 

Die zarte Farbgebung der Gemälde, Eun-Joo Shin konzentriert sich auf Grün-Blau- sowie Gelb-Braun-Töne, evoziert auch eine psychologische Tiefe der Porträtierten und scheint uns einen Blick in deren Innenleben zu gestatten, vermittelt Leichtigkeit und Spontaneität. Die Verläufe der verdünnten fließenden Farbe machen den Entstehungsprozess der Bilder nachvollziehbar.

 

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

Gassi-Gehen, 2008 © Eun-Joo Shin

 

Eun-Joo Shin (*1968) stammt aus Südkorea und lebt seit 1996 in Deutschland. Nach ihrem Studium in Seoul und einem Studium der Freien Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart lebt und arbeitet sie in Frankfurt am Main.

alle Bilder © Eun-Joo Shin

 

Ausstellung, Malerei, Zeichnung
23. Oktober 2018 - 9:07

Kinoplakat für Dogman

 

"Dogman" ist ein Film für all jene, die Hunde lieben. Gleichzeitig ist es ein Film, für all jene, die Hunde hassen.

Ich habe Matteo Garrones Film bei einer Vorführung für Fördermitglieder des Wiener Filmmuseums gesehen, ohne vorher die geringste Ahnung zu haben, was mich erwartet. Ohne viel vorwegzunehmen: Sie sehen "Bella Italia" von seiner hässlichsten Seite. Gedreht wurde nördlich von Neapel in Castel Volturno, einem verlassenen Dorf, das in den Siebzigerjahren für US-amerikanische NATO-Soldaten und deren Familien gebaut worden war. In einem Ort, der trostloser und devastierter nicht sein könnte. Gefilmt wurde fast ausschließlich in dieser kleinen, ehemals glamourösen Gemeinde: Der Ort wurde zu einer eigenständigen Figur in der Geschichte.

 

Standbild von Dogman

 

Ich stelle in der Regel keine Filme vor, nur weil Hunde darin vorkommen. Da die Hauptfigur Marcello einen Hundesalon und später eine "Hundepension" (ich muss sie einfach unter Anführungszeichen setzen) führt und auch auch Hunde für Hundeausstelleingen frisiert, habe ich mich an meinen Blogbeitrag "Dog Show" erinnert und finde, dass der Film inhaltlich - und nur unter diesem einen kleinen Aspekt - dazu passt.

 

Standbild von Dogman

Standbild von Dogman

 

Im Programmheft des Filmmuseums wird der Film kurz und bündig beschrieben:

 

Der neueste Film von Matteo Garrone beruht lose auf einen Kriminalfall, der 1988 in Italien die Schlagzeilen beherrschte. Stilistisch zwischen einem märchenhaften Noir und einem Vorstadtwestern angesiedelt, erzählt Garrone eine Geschichte, in der sich Elemente des Thrillers, der Sozialstudie und der absurden Komödie ebenso wunderbar ergänzen wie die Motive "Hundesalon" und "Mafia". (zit. n. Filmmuseum)

 

Die großen Themen, die der Film verhandelt, sind Gewalt, Angst, das Böse, der ewige Kampf zwischen den Schwachen und Starken. Marcello, der Betreiber des Hundesalons gehört vorerst zu den Schwachen, er hat selbst etwas von einem geprügelten und beschwichtigendem Hund, der gefallen will. Insofern ist der Filmtitel mehrdeutig. "Dogman" heißt Marcellos Hundesalon, er verweist aber auch auf Marcello selbst.

 

Standbild von Dogman

Standbild von Dogman

 

Für den Regisseur Matteo Garrone ist die Art wie die Geschichte erzählt wird, wichtiger als diese selbst. Es geht ihm um die Bildsprache, die den Inhalt transportiert, um Atmosphäre, und Gesichter. Die Kamera wechselt zwischen Panoramaaufnahmen des Ortes und Einstellungen, bei denen die Kamera lange auf dem Gesicht Marcellos verbleibt. Es geht um fast irreales Licht, intensive Farbe, Sonne, Regen.

Auch die Hunde haben treten in inhaltlicher und formaler Funktion auf: Am Umgang mit ihnen zeigt sich Marcellos Menschlichkeit: seine Fürsorge, Großzügigkeit, Warmherzigkeit, aber auch sein Mut. Visuell rahmen die Hunde den Film mit einer sehr eindrücklichen Anfangssequenz und als tierische Zuschauer des brutalen Kampfes am Ende.

 

Standbild von Dogman

 

Ein Interview mit dem Regisseur, der 2008 mit der Verfilmung Roberto Savianos Roman "Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra" bekannt wurde, finden sie  im Schweizer Film Bulletin.

Regie: Matteo Garrone; Drehbuch: Ugo Chiti, Massimo Gaudioso, Matteo Garrone; Kamera: Nicolai Brüel; Darsteller: Marcello Fonte, Edoardo Pesce, Alida Baldari Calabria, Nunzia Schiano, Adamo Dionisi u.a. DCP, Farbe, 102 min
 

Standbilder © Mongrel Media

 

Film
18. Oktober 2018 - 10:37

Johann Till der Jüngere, Braune Dogge © Belvedere, Wien
Johann Till d. J., Braune Dogge, Öl auf Karton, 21 x 28 cm, Belvedere, Wien,
© Belvedere, Wien

 

Nicht nur Wilhelm Leibl hat ein großartiges kleines Werk einer Dogge gemalt, auch Johann Till der Jüngere malte eine Dogge in Dreiviertelansicht, wobei der Kopf nicht ganz "richtig" auf den Körper passen will. Auch Tills kleine auf Karton gemalte Dogge lässt den Kopf hängen, erscheint recht melancholisch. Ich finde die Ähnlichkeit zu Leibls Dogge insofern bemerkenswert, als gut erkennbar ist, wie sich die rassetypischen Merkmale seit dem 19. Jahrhundert verändert haben. Ich zumindest hätte beide Hunde nicht als Doggen erkannt.

 

Johann Till der Jüngere, Bernhardiner © Belvedere, Wien
Johann Till d. J., Bernhardiner, Öl auf Karton, 30 x 25 cm, Belvedere, Wien,
© Belvedere, Wien

 

Johann Till der Jüngere (1827-1894), ein österreichischer Historien- und Genremaler, malte historische und religiöse Darstellungen, Themen aus dem Alltag, aber auch Landschaften und Tiere. Viele Historienbilder ergänzte er durch Hunde - in der für ihn typischen Ansicht von schräg hinten. Er war Realist, wie seine gelungenen, natürlichen und sensibel beobachteten Hundedarstellungen belegen. Wie schwungvoll, vom Pinselstrich fast expressiv gemalt, ist doch der "sich wälzende Hund"!

 

Johann Till der Jüngere, Sich wälzender Hund © Belvedere, Wien
Johann Till d. J., Sich wälzender Hund, Öl auf Karton, 28,5 x 34,5 cm, Belvedere, Wien,
© Belvedere, Wien

 

Johann Till der Jüngere, Ritter mit Hund © Belvedere, Wien
Johann Till d. J., Ritter mit Hund, Öl auf Karton, 19,5 x 27,5 cm, Belvedere, Wien,
© Belvedere, Wien

 

Die kleinen gemalten Studien gefallen mir viel besser als z.B. Tills religiöse Gemälde, in denen er weitaus weniger modern malt, ihn vielleicht die Motive in der Tradition verhaften lassen.

Das Wiener Belvedere besitzt viele Arbeiten Tills, die Sie hier betrachten können.

alle Bilder © Belvedere

 

Malerei
14. Oktober 2018 - 8:07

Im Blogbeitrag über Lotte Laserstein habe ich erwähnt, dass sie seit Kindheit an wie Wilhelm Leibl (1844-1900) malen wollte. Was liegt näher, als Ihnen eines seiner Gemälde mit Hund zu zeigen.

 

Wilhelm Leibl, Porträt des Malers Johann Ernst Sattler mit Dogge, 1870/71

 

Oft wird behauptet, dass sich Herr/Frau und Hund optisch ähneln. Auf den porträtierten Johann Ernst Sattler und seine Dogge trifft das sicher zu, aber auch beider Temperament scheint sich mit den Jahren angeglichen zu haben. Noch schwermütiger als Sattler scheint nur sein Hund zu sein.

Ich weiß selbstverständlich nichts über Sattlers Gemütszustand! Auf der Homepage der Pinakotheken wird er als "sehr unstet" bezeichnet. Ob sich das auf ein ruheloses Wesen oder eine unbeständige Qualität seiner Arbeit bezieht, weiß ich nicht. Er gehörte dem Leibl-Kreis an, einer Gruppe von Künstlern, die sich in den Jahren 1871 bis 1873 um Wilhelm Leibl  gesammelt hatten und deren Werke stilistische Verwandtschaft zueinander aufwiesen.

Sicher allerdings ist, dass es sich um ein ganz wunderbares, mich tief berührendes Doppelporträt handelt, sehr pastos in warmen Tönen gemalt und kurz nach Wilhelm Leibls Begegnung mit Gustave Courbet entstanden.

Leibl wählt nur einen kleinen intimen Zimmerausschnitt, bringt uns nahe an den Maler Sattler heran, der ebenso wie sein Hund aus dem Bild herausblickt. Wir scheinen zu stören, das Betrachten der Papiere wird unterbrochen, die Nähe und Vertrautheit zwischen Herr und Hund kurz aufgebrochen.

Lange stand das Werk "achtlos und ungerahmt" in Leibls Atelier, bevor es in den Besitz Wilhelm Trübners überging, der es 1910 an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verkaufte.

 

Malerei
10. Oktober 2018 - 8:15

Die deutsch-schwedische Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) gehört zu den wichtigen Wiederentdeckungen der letzten Jahre. Nach dem 2. Weltkrieg war sie für viele Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, erst 2010 wurde ihr Hauptwerk "Abend über Potsdam" durch die Berliner Nationalgalerie erworben. Zur Zeit findet eine große Ausstellung im Frankfurter Städel statt, ab April 2019 werden ihre Werke im Museum Berlinische Galerie zu sehen sein.

Lotte Laserstein beschäftigte sich vor allem mit Porträtmalerei, wobei ihr Fokus auf Frauenporträts lag. Sie zeichnete dabei ein einfühlsames und psychologisch tiefes Bild der emanzipierten, selbstbewussten Städterinnen. Lotte Laserstein selbst gehörte auch zu diesen modernen "neuen" Frauen.

Als eine der ersten Frauen studierte sie von 1921 bis 1927 an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und arbeitete danach zielgerichtet an ihrer Karriere. Sie engagierte sich in Künstlerinnenvereinen und schuf sich dadurch ein breites Netzwerk, das ihr Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten bot, sie eröffnete eine private Malschule, die ihr auch finanzielle Sicherheit brachte. Bald gehörte sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen in der Weimarer Republik und konnte von ihrer Kunst leben. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und in Zeitschriften publiziert. Allerdings wurde sie noch nicht in Museen ausgestellt, als sie, als Jüdin gebrandmarkt, 1937 nach Schweden emigrieren musste. Dort arbeitete bis zu ihrem Tod als erfolgreiche Malerin und gefragte Auftragsporträtistin.

Ihr Hauptwerk ist das 1930 entstandene große querformatige Tafelbild "Abend über Potsdam". Ihre Meisterschaft in der Porträtmalerei bringt sie in dieses streng komponierte Gruppenporträt ein.

 

Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930, Foto: Staatliche Museen zu Berlin, N
Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930, Öl auf Holz, 111 x 205,7 cm
(Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Staatliche Museen zu Berlin,
Nationalgalerie / Roman März © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

 

Erzählungen zufolge ließ sie eine große Holzplatte zuerst mit der Berliner S-Bahn, dann mit der Pferdekutsche nach Potsdam transportieren und auf eine Dachterrasse tragen. Dort gruppierte und skizzierte sie ihre Freunde und legte die Potsdamer Stadtlandschaft topografisch genau an. Der Entwurf wurde dann in ihr Berliner Atelier gebracht, wo sie das Gemälde in monatelanger akribischer Arbeit fertigstellte. Sie ging dabei nicht den einfacheren Weg nach Foto zu malen, sondern ließ ihre Freunde in langwierigen Prozessen Modell stehen.

Das die Porträtierten Verbindende ist das Schweigen, in dem fünf Personen und ein Hund verharren. Melancholisch und vereinzelt scheint jeder seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

 

„Lasersteins Kunst aber ist das Schweigen. Ist die Versonnenheit. Ein In-sich-Blicken. So sieht man ihre Freunde auf dem wohl bekanntesten Bild, das sie gemalt hat: Abend über Potsdam. Versunken, erschöpft, alle Worte sind gewechselt, so sitzen, so stehen sie da, der wolkige Himmel hängt tief. Vielleicht gab es Streit? Vielleicht ist gerade eine Nachricht eingetroffen, dort oben über den Dächern Potsdams – und nun sind alle verstummt, weil sie es nicht fassen können? Vielleicht erzählt dieses Bild aber auch von einer anderen Art Unfasslichkeit: von jener tiefen Vertrautheit der Freunde, die sich nicht festhalten oder einfach aufmalen lässt. Im stummen Miteinander scheint sie auf und will in der Melancholie des Augenblicks schon wieder schwinden.“ (zit. n. Hanno Rauterberg: Ein Wagnis namens Nähe)

 

Die Freunde schweigen an diesem Potsdamer Abend nicht nur, die präzise an ihren Platz Gestellten schauen einander auch nicht an. Zwei Seitenfiguren, sie müssen den Kopf senken, damit sie ins Bild passen, flankieren die Gruppe. Die linke Figur am Geländer ist Traute Rose, Freundin und wichtigstes Modell. Ihr Mann Ernst sitzt am Tisch und wendet uns den Rücken zu. Zu seinem Fuß und halb unter dem Tisch liegend sein Hund: Auch er drückt und drängt sich von unten ins Bild, scheint kaum hinein zu passen an diese zentrale Stelle.

Doch was ist seine Funktion in dieser malerischen Fülle, warum musste er noch ins übervolle Bild? Er gehörte zu ihrer besten Freundin und deren Mann, war vielleicht immer mit dabei. Vielleicht erfüllte er auch eine kompositorische Funktion. Sollte er die Komposition der Gäste zur Ellipse schließen oder die - in der Rezeption immer wieder betonte - formale Analogie zu Leonardo da Vincis "Letztes Abendmahl" verstärken. Die dortige konkave Einwölbung des Tisches korrespondiert mit der Wölbung des Tischtuchs im "Abend über Potsdam", durch den Hunderücken bedingt.

Oft wurde in der Rezeption auf die kommende Machtergreifung der Nationalsozialisten hingewiesen, die die Dargestellten im sprachlosen Entsetzen vorausahnen. Ich tendiere eher dazu, das Gemälde als Bild der Vertrautheit zu deuten, weniger zeitkritisch als stimmungsvoll. Zu ruhig liegt der dösende Hund, er spiegelt keine Aufgeregtheit der Menschen.

Noch ein weiters Mal kommt der Hund in einem Gemälde vor. "Die Unterhaltung" von 1934 zeigt eine Gruppe von drei jungen Männern, darunter Ernst Rose, in Lasersteins Atelier. Die kompositorische Enge, die im "Abend über Potsdam" durch die Seitenfiguren angedeutet ist, wird bei dieser Unterhaltung noch gesteigert.

 

Lotte Laserstein, Die Unterhaltung, 1934
Lotte Laserstein, Die Unterhaltung, 1934, Foto epd, von Frankfurter Rundschau

 

Lotte Lasersteins Malweise ist sehr akademisch, ihre Bilder sind einem Realismus verpflichtet, der nicht den Geist der in der zwanziger Jahren aktuellen "Neuen Sachlichkeit" wiederspiegelt, sondern sich am 19. und frühen 20. Jahrhundert, an Menzel, Leibl, Schuch oder Trübner orientiert. Seit Kindheitstagen an, wollte sie einmal so malen wie Wilhelm Leibl. (vgl. Art In Words) Zur "Neuen Sachlichkeit" fehlt Laserstein das Kühle, Überzeichnende, das Gesellschaftskritische.

Dieses Kühle, fast Hysterische kommt in Dix "Bildnis des Fotografen Hugo Erfurth mit Hund" von 1926 sehr gut zur Geltung, so sieht der Hund der "Neuen Sachlichkeit" aus, übertrieben erregt, nervös, überspannt, mit dem typischen stechenden Dix-Blick: gemeinsames Erschrecken, bizarres Erstarren mit seinem Herrchen Hugo Erfurth.

 

Otto Dix, Bildnis des Fotografen Hugo Erfurth mit Hund (Detail), 1926
Otto Dix, Bildnis des Fotografen Hugo Erfurth mit Hund (Detail), 1926,
Tempera und Öl auf Holzplatte, 80 x 100 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid),
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

 

Da Lotte Laserstein nicht dieser Avantgarde zugehörig war, wurde ihr Werk nach dem 2. Weltkrieg nicht rezipiert. In den 1950er Jahren richtete sich das Interesse auf die Expressionisten und auf abstrakte Maler, in den 1960er Jahren auf die Künstler der "Neuen Sachlichkeit". Da Laserstein auch nicht in der Ausstellung "Entartete Kunst" diffamiert wurde, ihr Stil war dazu zu konservativ, konnte auch durch diese Nachkriegsforschung keine Wiederentdeckung erfolgen.

Das Städel in Frankfurt zeigt Lotte Laserstein vom 19. September 2018 bis zum 17. März 2019. In Berlin, im Museum Berlinische Galerie, werden vom April 2019 an Werke von ihr zu sehen sein.

Quellen: Städel Museum, Art In Words, Zeit online, Der Tagesspiegel

 

Ausstellung, Malerei