Video

23. Februar 2017 - 11:48

Die Video- und Fotoarbeiten von Anna Jermolaewa bestechen durch eine unprätentiöse, prägnante Bildsprache. Doch nur vordergründig erscheinen die kurzen Filmstücke anspruchslos und schlicht. Auf den zweiten Blick entblößen sie verstörende Bedeutungsebenen: Die Filmsequenzen thematisieren die sozialen Beziehungsabläufe und Routinen unserer Gesellschaft, zeigen Macht- und Kontrollmechanismen. Dabei steht die Einfachheit der filmischen Darstellung im Gegensatz zur Hintergründigkeit ihrer Werke.

Anna Jermolaewa sieht sich nicht als Videokünstlerin im eigentlichen Sinne, da sie kaum mit dieser Technik experimentiert und das Videomaterial auch nicht durch digitale Nachbearbeitung oder Spezialeffekte manipuliert. Einzig durch den Einsatz des Loops, eines ihrer Markenzeichen, wird die gefilmte alltägliche Situation, das alltägliche Motiv potenziert.

Ich möchte drei Videoarbeiten vorstellen, die mit dem Motiv des Hundes arbeiten.

Untitled, Video, 1 min., 2004

Dieses Video bietet nur einen ersten Eindruck, in besserer Qualität und voller Länge finden Sie die Arbeit auf der Homepage der Künstlerin.

 

 

 

Wie meist in ihren Arbeiten wird der Zuschauer auch hier mit einem starren, das Geschehen strikt begrenzenden Bildausschnitt konfrontiert. Wir sehen batteriebetriebene Spielzeughuskys, deren Augen nacheinander rhythmisch zu blinken beginnen. Erst dieses Blinken verwandelt die Spielzeuge in etwas Außergewöhnliches. Verwandeln sich die Spielzeughunde, ergänzt durch den "belebenden" Ton aus dem Inneren, in Wesen, die bedrohen, ängstigen und nicht nur unterhalten? Kippt des Alltägliche und Belanglose ins Unheimliche? Oder zwinkern sie uns doch nur ironisch zu?

Von drei Seiten ist der Besucher von den blinkenden Huskys umgeben. Wird er Augen- und Ohrenzeuge einer quasi unaufhörlichen Besessenheit und Zwanghaftigkeit?

 

Ausstellungsansicht Galerie XL, Moskau, 2008
Ausstellungsansicht Galerie XL, Moskau, 2008

 

Untitled, Video, HD, 3.48 min., Loop, 2010/2012

Ein Schäferhund ist auf einem Gepäckförderband auf einem russischen Flughafen zu sehen. Er beschnüffelt, von einer Sicherheitsbeamtin instruiert, die Koffer und springt dann vom Fließband hinunter und aus unserm Blickfeld hinaus. Die statische Kamera ist quasi teilnahms- und emotionslos auf die Koffer und mit Plastik verschnürten Pakete gerichtet, die sich in der Kurve stauen, weiterschieben, auftürmen und herunterfallen.

Mein erster Gedanke war, dass es um die Funktionalisierung des Hundes für menschliche Zwecke geht. Der (Arbeits-)Hund hat in dieser Situation keine Entscheidungsgewalt über sein Tun, sondern seine Beziehung zum Menschen ist z.B. von Gehorsam oder Gefallen-Wollen geprägt, sodass er als Drogenhund benützt werden kann. Der öffentliche Ort einer Transitzone im Flughafen wird nicht nur durch Überwachungskameras kontrolliert, auch die Gepäckstücke unterliegen organisierter staatlicher Kontrolle. Die Kontrollgesellschaft hat einen Teil dieser Überwachung an den Hund abgegeben, der ungewollt zum Komplizen des Überwachungs-Staates wird.

Erst beim weiteren Betrachten fiel mir die Ähnlichkeit zum Video "Überlebensversuche" auf, in dem Spielzeug-Stehauffiguren sich immer schneller bewegen, bis sie vom Tisch hinunterfallen. Auch bei Untitled, Video, HD, 3.48 min., Loop, 2010/2012 lässt Anna Jermolaewa die Dingwelt sprechen, die Videoprotagonisten sind allerdings Gepäckstücke. Sind die Koffer Metaphern für das Weiterkommen, Auf-der-Strecke-Bleiben, Hinausfallen (aus der Gesellschaft, dem Arbeitsprozess etc.)? Die Tonspur bringt dumpfe verzerrte Geräusche der weitertransportierten Bündel auf dem Fließband und erzeugt ein Gefühl der Beklemmung.

 

Motherhood, Video, 33 sec., Loop, 1999

Leider habe ich zu diesem Video nur Filmstills gefunden, weshalb das Gezeigte für mich nicht eindeutig ist. Auch in den kunsttheoretischen Texten finden sich unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen. Ich habe vor allem diese Quellen verwendet: Dr. Ulrike Ritter: Narrationen gegen die Monumentalisierung des Bildes, Martin Prinzhorn: Der Blick vorbei aufs Ganze, Martin Pesch: Anna Jermolaewa sowie Texte auf Anna Jermolaewas Homepage.

Der Titel "Mutterschaft" lässt Bilder des Umsorgens, des zärtlichen Zuwendens zu den Welpen in uns entstehen, doch die Filmstills zeigen etwas anderes:

 

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999
Anna Jermolaewa, Standbilder aus dem Video "Motherhood", 1999, Quelle mumok

 

Während die Welpen an den Zitzen einer Hündin saugen, gilt die Aufmerksamkeit der Hundemutter einer menschlichen Hand, die sie füttert. Die andere Hand hält den Hund an einer Hautfalte am Nacken fest. Dabei ist unklar, ob sich die Hundemutter von selbst dem Menschen zuwendet oder am Nacken gezogen wird.

Der fütternde und manipulierende Mensch, der an einem Tisch sitzt, bleibt für den Betrachter/die Betrachterin ebenso außerhalb des Bildausschnitts wie die Tischrunde, auf deren Gespräch er sich der konzentriert. Viele Arbeiten Anna Jermolaewas handeln von Manipulation. Die Künstlerin sagt selbst: "Wer oder was manipuliert, bleibt dabei fast immer außerhalb des Bildfeldes. Die Machtmechanismen, die ein Individuum heute beeinflussen oder lenken, werden immer feiner und unsichtbarer".

Alexandra Henning beschreibt das Video als "ein so eindringliches wie idiosynkratisches Beispiel für das Ungleichgewicht von Liebe und Zuneigung, Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Manipulation" (vgl. Anna Jermolaewas Homepage)

Ich möchte mich dem anzuschließen: Wenn man die kleine Szene nicht nur kunsttheoretisch betrachtet, sondern auf die Körpersprache der Hündin achtet, bemerkt man, dass sie die Ohren zurücklegt, also zumindest Unbehagen ausdrückt. Die menschliche Berührung ist ihr unangenehm. Trotzdem nimmt sie das Futter an.

Die Videostills bzw. das Video zeichnen in ihrem unklaren Beziehungsgeflecht der Abhängigkeiten ein deprimierendes, hoffnungsloses Bild, das durch unser unbeteiligtes Betrachten umso dramatischer wird.

Die mit 17 Jahren aus Russland geflohene Anna Jermolaewa (geb.1970 in St.Petersburg) studierte in Wien Kunstgeschichte und anschließend bei Peter Kogler an der Akademie der bildenden Künste. Einem größeren Publikum wurde sie 1999 durch Teilnahme an der Biennale Venedig bekannt.

Homepage von Anna Jermolaewa

 

Fotografie, Video
31. Mai 2016 - 9:24

Das, was den meisten von uns vertraut ist, das Spazierengehen mit unserem Hund, hat die Fotografin Brigitte Bauer zum Ausgangspunkt eines Foto-Projektes gemacht. Anlass dafür war die Einladung zu einer Gruppenausstellung, die die französische Landschaft zum Thema hatte. Brigitte Bauer entschied sich dafür, ihre nächste Umgebung in Arles, die sie täglich mit ihrem Hund abgeht, künstlerisch zu untersuchen. Bald verlagerte sich die Aufmerksamkeit von der Landschaft auf Charo, ihren Hund.

 

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

 

Für das Projekt (Dogwalk 2011-2014) ist die Fotografin immer wieder die gleiche Strecke abgegangen und hat dieselben Motive bei verschiedenen Gelegenheiten fotografiert. Es ging um das Wesen des Gehens mit Hund und um das, was man während des Flanierens sieht.

Für die Spaziergänge hat Brigitte Bauer Gegenden ohne Autoverkehr ausgesucht, sodass sich ihre inzwischen 14-jährige Hündin Charo nicht nur frei, sondern auch sicher bewegen konnte. Die Fotografin ist ihr gefolgt und hat sich ihrem Erkundungsrhythmus angepasst. Hunde erfahren ihre Territorien und Reviere mit allen Sinnen, besonders aber nehmen sie Gerüche auf. Da sich Charo beim leinenlosen Umherstreifen nicht an räumliche, vom Menschen vorgegebe Grenzen hielt, verlagerte sich auch Brigitte Bauers Aufmerksamkeit auf das, was die Hündin interessiert hat und dem sie sonst wenig Beachtung schenkt.

 

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

 

Es entstand eine Serie von über 3000 Fotos mit dem Handy, aus denen Brigitte Bauer für die Ausstellung auswählen konnte. Jedes Foto kann allerdings auch als Einzelbild gezeigt werden.

"Dogwalk" und "Charo's video" sind von 1. bis 23. Oktober 2016 beim Parcours de l'Art, Avignon zu sehen.

 

aus der Serie Dogwalk © Brigitte Bauer

 

Brigitte Bauer wurde mit ihren Fotos vom Montagne Sainte-Victoire (1992-94), dem Berg, den schon Cezanne gemalt hat, bekannt. In den folgenden Jahren hat sie sich immer mehr dem alltäglich Unspektakulären zugewandt. Sie näherte sich der Landschaft in Serien mit Kreisverkehren (Rond-Points) und Parkflächen in Stadtzentren oder in der Peripherie an (Aller aux jardins; La ville et le jardin) und konfrontiert unsere Naturvorstellungen mit den sozioökonomischen Veränderungen der Landschaft. Auf den ersten Blick mögen ihre Fotos dokumentarisch wirken, doch der Bildaufbau ist hinsichtlich Farbkomposition, Lichtgestaltung und räumlicher Anordnung der Figuren klar kalkuliert.

Auf ihre Fotoserie "Dogwalk" bin ich auf Fauna & Flora gestoßen. Dort finden sie auch ein Interview mit der Künstlerin.

Zum Abschluss sehen Sie Charo's Video, nicht mit der Hand-, sondern der Hundekamera (Body Cam) gedreht.

 

 

Brigitte Bauer (*1959 in Deutschland) lebt seit 1987 in Arles/Frankreich.

alle Fotos © Brigitte Bauer

 

Ausstellung, Fotografie, Video
8. Oktober 2015 - 17:30

Das ist Ovidiu Anton! Der in Wien lebende rumänische Künstler (*1982 in Timişoara) setzt sich unter anderem mit den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten Rumäniens auseinander. Fast zwangsläufig kommen da Hunde vor.

 

Ovidiu Anton, Foto: Hanna Noller

 

Erst kürzlich erhielt er für das Projekt "How I miss Bucharest or The Journey of a Dog’s Life" gemeinsam mit Alexandru Bălășescu den Hauptpreis des Ideenwettbewerbs "Create Your Bucharest". Der Wettbewerb suchte nach neuen Impulsen für die rumänische Metropole, die von unterschiedlichen kulturellen, historischen und politischen Einflüssen geprägt ist und die derzeit in einem Prozess des Wandels steht.

Die vor wenigen Tagen im MAK zu Ende gegangenen Ausstellung "Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916-2016" beleuchtete nicht nur das Potenzial der rumänischen Kunstszene, sie zeigte auch die zehn prämierten Beiträge des Wettbewerbs.

Ovidiu Anton und Alexandru Bălășescu erkunden in ihrem geplanten Videoprojekt das heutige Bukarest, indem sie die gegensätzlichen Lebensgeschichten zweier Stadthunde dokumentieren. Die Erzählung entwickelt sich als Auseinandersetzung mit kritischen und traumatischen Erfahrungen wie Mobilität, Exil, Eigentum, Überwachung, Urbanismus und Zugehörigkeit.

 

"Die Geschichte des heutigen Bukarests zu erkunden, indem die gegensätzlichen Leben von zwei Stadthunden nacherzählt werden, ist eine ungewöhnlich eloquente, prägnante und originelle Form der Auseinandersetzung mit kritischen und oft schmerzhaften Themen wie Mobilität, Exil, Eigentum, Überwachung, Urbanismus und Zugehörigkeit. Ein Hund wurde als Streuner in Bukarest geboren und nach Wien adoptiert. Der andere reist mit seinen Wiener Besitzern als Haustier nach Bukarest und landet auf der Straße. Das Schicksal beider Hunde wirkt als Metapher für die Launen und Versprechen des täglichen Lebens in der Stadt." (aus der Jury-Begründung)

 

Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt sich es bei dieser Arbeit um ein Projekt, das noch nicht durchgeführt wurde. Ich hoffe natürlich, dass es dabei bleibt und es nicht wirklich einen Hundehalter gibt, der seinen Hund in Bukarest aussetzt.

Bereits 2008 hat Ovidiu Anton bei dem Videoprojekt "Stray Dogs Love Flags" mit Straßenhunden gearbeitet.

Auf seiner Homepage beschreibt der Künstler die Hintergründe zu seiner Arbeit, ich gebe seine Ausführungen hier kurz wieder:

Seit den 1980er Jahren leben in Bukarest unzählige Straßenhunde. Nicolae Ceausescu ließ damals viele Häuser abreißen, um seine ehrgeizigen Großbauprojekte realisieren zu können. Die ehemaligen BewohnerInnen wurden in Sozialwohnungen umgesiedelt, die zu klein waren, um Hunde zu halten. Weiters wurden von staatlicher Seite hohe Gebühren für die Genehmigung zur Hundehaltung eingehoben, die sich die Bevölkerung nicht leisten konnte, sodass sie die Hunde auf den Straßen zurückließ. In der Folge wurden die Hunderudel immer größer, durch unkontrollierte Vermehrung lebten bald 200 000 Straßenhunde in Bukarest. Die Stadt wurde zum Synonym für diese Streuner.

Am Beginn der 1990er Jahre war die Situation unkontrollierbar geworden. Die Stadtregierung begann die Hunde einzufangen und mit Strychnin zu töten, was zu großen internationalen Protesten führte. Heute ist man dazu übergegangen die Hunde einzufangen und zu kastrieren.

Rumänien ist seit 2004 NATO-Mitglied. Man erwartete sich vom Beitritt einerseits ausländische Investitionen, andererseits einen Schritt von der Diktatur hin zur Demokratie. Im April 2008 fand der 20. NATO-Gipfel in Bukarest statt. Bestimmte Teile der Stadtteile wurden zu Sicherheitszonen erklärt und für die Öffentlichkeit gesperrt. Neben einer sichtbar hohen Polizeipräsenz, gab es im Vorfeld Anstrengungen die Stadt zu säubern. So wurden nicht nur Parks gereinigt und Häuser gestrichen, sondern auch die Straßenhunde eingefangen und an unbekannte Orte gebracht. Es gab keine Demonstrationen, weder gegen die Militarisierung und die kapitalistische Ausbeutung noch gegen Bush oder Putin.

Aber ein paar Hunde "protestierten". Ovidiu Anton gab ein paar Straßenhunden in Bukarest eine gestohlene Nato-Flagge, die er zuvor mit Wurstgeruch präpariert hatte.

 

Stray Dogs Love Flags © Ovidiu Anton

 

 

"For the exhibition project Archive In Residence Vienna-Bucharest during this summit I found a pack of dogs in the city centre that I gave a stolen NATO flag. I prepared it with sausage-flavour beforehand. They immediately smelt and loved that dark blue piece of cloth with its white compass rose. The video shows the alpha-dog taking and ripping the flag infront the other members of the pack. There‘s also a private security guy involved, who is usually there to protect the property. A real deep-political comedy!" (Ovidiu Anton hier)

 

 

Stray Dogs Love Flags © Ovidiu Anton

Stray Dogs Love Flags © Ovidiu Anton

 

Ovidiu Anton verwendet Hunde nicht, um auf die deren Lebensbedingungen aufmerksam zu machen, sie fungieren. vielmehr als Metaphern, die seine Gesellschaftskritik transportieren. Ortsspezifischer Kontext und gesellschaftliche Fragen, die mit diesem Ort in Verbindung stehen, prägen sein Werk (so setzt er sich auch mit der Koexistenz von Mensch und Tier im öffentlichen Raum am Beispiel der Katzen in Istanbul auseinander).

Wie die Situation der Straßenhunde in Rumänen zur Zeit aussieht, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist jedenfalls, dass es sowohl städtische als auch private Tierheime gibt. Meine Hedy ist aus einem privaten Tierheim in Reghin. Eine gute Gelegenheit wieder ein Hedy-Foto in meinen Blog einzubauen. Wie sie sehen, passt es nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. (Hedy ist übrigens das kleine Husky-Mädchen).

 

Tashi und Hedy, Foto: Helmut Singer

 

Projektfotos © Ovidiu Anton

 

Ausstellung, Video
17. März 2014 - 9:50

Ich habe noch nie etwas vergleichbar Wunderbares gesehen, wie dieses Video. Es versammelt 60 Hunde, die in den letzten 5000 Jahren Künstler und Künstlerinnen zu ihren Bildern inspiriert haben.

 

 

Es stammt von Moira McLaughlin, die nicht nur ganz sensible Collagen um ihrem verstorbenen Hund Darby kreiert, sondern seit Jahren den Blog Dog Art Today schreibt, in dem sie sich mit dem Motiv Hund in der Kunst ernsthaft auseinandersetzt. Überflüssig zu sagen, dass Sie Vorbild für meinen Blog ist.

Sie haben nur ganz wenige Hunde erkannt? Mir erging es nicht anders. Für alle, die es genau wissen wollen, hat Moira eine Liste der verwendeten Hunde zusammengestellt, sie finden sie hier. Die Musik, die sich ins Herz schleicht, ist übrigens Parlez-Moi D'Amour vom französischen Musiker Charlélie Couture. Und jetzt viel Freude beim Nochmalschauen! 

 

Video
30. Oktober 2012 - 11:59

Hörner/Antlfinger, Kramfors, Foto © Edith Ruß Haus

 

Eine Kalbskulptur aus Leder ...

 

Hörner/Antlfinger, Kramfors, Foto © Edith Ruß Haus

 

... und oben deren dreidimensionale Schnittmustervorlage. Das Ungewöhnliche daran: Das Leder stammt von einer Couch im Haushalt des Künstlerduos Hörner/Antlfinger. Die Idee dahinter: einen Diebstahl rückgängig machen, die gestohlene Haut zumindest symbolisch einem Tier zurückgeben. Die Installation heißt "Kramfors", nach dem IKEA-Namen der Couch.

Es gibt nicht viele KünstlerInnen, die unser Verhältnis zum Tier thematisieren, dabei den Bereich der Chimären (Mischwesen) oder der Taxidermie (Tierpräperation) verlassen und sich den von uns so genannten Nutztieren zuwenden. Hörner/Antlfinger widmen sich dem Mensch-Tier-Verhältnis im Bereich der Massentierhaltung, in dem das Tier wird nicht mehr als Lebewesen, sondern nur mehr als Lebensmittel betrachtet wird. Als Eigentum/Objekt des Produzenten ist es rechtlos. Das Künstlerpaar wirft die Frage nach den Rechten der "Nutztiere" auf: Unser Verhältnis zu diesen Tieren gehöre zu den wichtigsten Themen und  Fragestellungen des 21. Jahrhunderts, postulieren sie auf der Pressekonferenz zu ihrer Ausstellung "Discrete Farms. Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen" im Oldenburger Edith-Ruß-Haus für Medienkunst.

Das Kölner Duo setzte sich mehrere Monate mit der Tierproduktion in Niedersachsen auseinander, es recherchierte im Internet, führte Gespräche, wollte Mastställe sehen. Doch kein Tierfabrikant ließ das Paar in seinen Betrieb. Die "Bauern" (Antlfinger nennt sie "Stellschrauben im Produktionsprozess") verbergen die Zustände: Discrete Farms demnach, Die Wahrheit der Lebensrealität der Tiere ist den Menschen anscheinend nicht zumutbar.

"Rund 36,5 Millionen Masthühner wurden nach Angaben des Landesbetriebs für Statistik 2010 in Niedersachsen gehalten, 70 Prozent davon in Ställen mit 50 000 Tieren und mehr. Immer weniger Betriebe halten immer mehr Tiere - dieser Trend setzt sich der aktuellen Landwirtschaftszählung (Stand: März 2010) zufolge in Deutschland gerade bei der Haltung von Schweinen und Geflügel zunehmend durch. Bei beidem ist Niedersachsen bundesweit der Spitzenreiter." (Zitat Kreiszeitung)

Mit dem Projekt factory≠farm (2011/12) unternimmt das Künstlerpaar eine politische, ortsbezogene, künstlerische Untersuchung. Dabei stellen sie die gigantischen Massentierhaltungen im Oldenburger Land dem romantisierten Bild des Bauernhofes gegenüber, untersuchen sie das heikle Verhältnis zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren sowie die Medialisierung der Agrarwirtschaft, in der Bauern und Tierhaltung noch immer positiv besetzt sind. Welchen Einfluss haben solche Imaginationen auf die physische, die "reale" Welt?

"Das Bild des Bauernhofs dient heute als Projektion für eine akzeptable Behandlung von Tieren. Diese Projektion überdeckt den aktuellen Kontext der Fleischproduktion, die Fabrik", so das Künstlerpaar. Vorstellungen von "Bauernhöfen" als idyllische Familienbetriebe und würdige Lebensorte von Tieren stehen im Widerspruch zu einer hochautomatisierten Tierindustrie, in der Massenaufzucht in Megaställen und Schlachtung am Fließband den alltäglichen Konsum von Tierprodukten ermöglichen.

In "Bauer Kybers Operations Room" entwerfen die Künstler eine surreale Welt, in der die Vorstellung vom ländlich-idyllischen Bauernhof und die realen »Black-Boxes« Massentierhaltung eine unheilige Verbindung eingehen. Auf drei Bildschirmen in der angedeuteten Bauernstube flimmern winzige Dreiecke, die Hähnchen in einem Stall in realitätsgetreuem Maßstab darstellen. Am Monitor kann der Bauer den Stall komplett überwachen, per Knopfdruck die Temperatur regeln, den Boden reinigen oder die Tiere füttern. Betreten muss er den Betrieb nicht mehr.

 

Hörner/Antlfinger, Foto © dpa

 

Oben sehen sie das Künstlerpaar mit einer Hasenpuppe. In drei Videoarbeiten sprechen zwei handgeschneiderte Hasenpuppen als deren Alter Egos über über alternative Modelle zum Fleischkonsum. Dialog als künstlerische Methode: Gespräche untereinander als künstlerische Form, die dem Publikum präsentiert werden, und Gespräche mit dem Publikum zu unterschiedlichen Projekten, Aktionen und Installationen.

"In Videosequenzen führen die beiden Hasen, flankiert von den Künstlern in militanten Aktivistenoutfits, Gespräche über Haltungsformen, Fleischkonsum und Tierrechte. Gespräche, die wie Bekennerbotschaften daherkommen, aber so normal sind, dass sie auch am Kneipentresen geführt werden könnten. Die beiden Hasen diskutieren über Veganismus oder Missionierungsbemühungen, reden über Agitationsformen und philosophieren darüber, warum es in Frankreich eine Vorschrift gibt, nach der jede Schulmahlzeit Fleisch beinhalten müsse, aber keine, die etwa einen vegetarischen Tag pro Woche festlegt." (Zitat taz)

 

Hörner/Antlfinger, Videostill

Hörner/Antlfinger, Discrete Farms

 

Das gesamte Œuvre von Hörner/Antlfinger baut auf Kommunikation in unterschiedlichen Formaten wie 3-D-Animationen, (virtuellen) Dialogen, Puppenspiel-Adaptionen, Soundskulpturen und Videoarbeiten auf. Ihr Projekt "Discrete Farms" entstand während eines Arbeitsstipendiums, das das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst einmal im Jahr vergibt. Ute Hörner unterrichtet an der Kunsthochschule für Medien Köln. Beide leben mit Tieren und vegan.

Die Ausstellung, die bis zum 25. November zu sehen ist, zeigt nicht nur "Discrete Farms", sondern bietet auch eine Retrospektive auf das politisch-engagierte Werk von Hörner/Antlfinger seit den 1990er Jahren. Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Tierrechtsvorträgen und Kochworkshops (Kochen ohne Knochen) statt.

Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg. Öffnungszeiten: Di–Fr 14.00–18.00 Uhr, Sa+So 11.00–18.00 Uhr, Mo geschlossen

Zum Weiterlesen: Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Homepage von Hörner/Antlfinger, Hochschule für Medien Köln, taz, Wechselausstellung, eigene werte, Kreiszeitung

 

15. Oktober 2012 - 8:08

Auf wartende Hunde - "Waiting Dogs" - bin ich auch schon vor Barbara Wrede gestoßen, bei den niederländischen Fotografen WassinkLundgren, die das Thema allerdings filmisch umsetzten. Die beiden zeigen kleine alltägliche Situationen: Hunde, die vor Geschäften, Supermärkten und Banken warten, bis sie wieder mitgenommen werden.

 

WassinkLundgren, Waiting Dogs, Installation, 2008
WassinkLundgren, Waiting Dogs, Installation, 2008; Foto © National Media Museum / Bradford

WassinkLundgren, Waiting Dogs, Installation, 2008
WassinkLundgren, Waiting Dogs, Installation, 2008; Foto © WassinkLundgren

 

 

WassinkLundgren sind Thijs groot Wassink (*1981) und Ruben Lundgren (*1983). Sie leben, arbeiten und studieren sowohl in London (Wassink) als auch Peking (Lundgren). Ihre Arbeit wird als konzeptionelle Dokumentarfotografie beschrieben (conceptual documentary photography).

 

Installation, Video
2. Oktober 2012 - 8:11

Hugo Fortes, Vigia 1

Hugo Fortes, Vigia 2

Hugo Fortes, Vigia 3

 

Ein Hund kämpft gegen den Schlaf und bemerkt doch alles, was um ihn herum vorgeht. Schließlich schläft er ein und träumt. Das ist der Inhalt eines Videos, das in nur einer Einstellung und in Realzeit aufgenommen wurde. Der Betrachter ist aufgefordert kleinste Veränderungen wahrzunehmen, die im täglichen Leben unbemerkt bleiben.

Das Video "Vigia" stammt vom Brasilianer Hugo Fortes und dem Dackel Brioche. Fortes - er ist bildender Künstler, Kurator, Designer und Professor an der Universität von São Paulo - war von 2004 bis 2006 im Rahmen eines akademischen Austauschprogramms in Berlin. Sein Video gehört zu den wenigen Werken, in dem ein Hund auch als (künstlerisch schaffendes) Subjekt angenommen wird und nicht Objekt der Darstellung bleibt.

Es wurde 2009 bei der Ausstellung "Tier-Perspektiven" im Georg-Kolbe-Museum in Berlin gezeigt. Die Ausstellung beschäftigte sich mit dem Phänomen des tierischen Standpunkts. Die teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen versuchten die Betrachter mit einem spezifischen Tierindividuum und dessen Blick zu konfrontieren.

Jessica Ullrich, eine der Kuratorinnen, äußerte sich in einem Gespräch mit Dorota Lagodzka über "Vigia":

[...] Auch das völlig unspektakuläre Video des brasilianischen Künstler Hugo Fortes, das seinem verstorbenem Dackel Brioche quasi ein Denkmal setzt gefällt mir sehr, weil es die Hündin nicht als Symbol oder Metapher approrieert, sondern die uns verschlossen bleibende, individuelle, animalisch Perspektive fokussiert und damit die Absolutheit des anthropozentrischen Blicks hinterfragt. Im Video sieht man im Grunde über 25 Minuten in einer einzigen Kameraeinstellung nichts anderes als das Gesicht eines gegen den Schlaf kämpfenden Dackels. Durch die Bezeichnung der Arbeit "Hundeperformance von Brioche" wird darüber hinaus die Ko-Autorschaft des Hundes anerkannt.

2011 wurde das Video abermals bei der internationalen Konferenz "Animals and Aesthetics“ an der Universität der Künste Berlin gezeigt.

Ich glaube das Video noch vor ein paar Monaten im Internet gesehen zu haben, jetzt finde ich allerdings nur mehr die drei Standbilder auf Fortes' Homepage. Der Dackel alleine schaut und schläft so allerliebst, dass ich ihn Ihnen nicht vorenthalten will.

Website von Hugo Fortes

 

Video
24. August 2012 - 10:30

Ich habe mich mit der Dogumenta äh Documenta 13 nicht besonders beschäftigt, es vielmehr immer aufgeschoben, ist es doch ein riesieger Brocken sich das aus der Ferne im Feuilleton anzulesen: Hunde und Kunst, Hunde als Kunstrezipienten, als Besucher und so fort... Aber das konnte Wolf Kahlen, der deutsche Pionier der Videokunst, schon 1977 ohne weiteres toppen!

Zuerst stieß ich auf die Beschreibung des Werks, die schon für sich genommen amüsant zu lesen war:

 

(...) Nicht so wie Kahlen's andere Einzelausstellung HUNDE-TERRITORIUM im Jahr 1977 in der Galerie Repassage in Warschau, zu der nur Hunde geladen waren (die acht verschiedene Geruchswahrnehmungen als unsichtbare 'Geruchsskulpturen“ im für den Besucher uneinsichtigen Raum begeisterten) und deren Herrchen in einem Warteraum per Videoüberwachung das Verhalten ihrer 'Kinder' nur auf dem Live-Monitor unter dem Tisch auf den Knieen beobachten konnten: Die Galerie wurde danach geschlossen und der Galerist musste daraufhin das Land, wie er sich schon immer gewünscht hatte, verlassen. Wer mehr wissen will, siehe Katalog: Wolf Kahlen: Foto, Video, Performances, Kunstverein Freiburg/Br., 1978 etc.  (Text von der Mailing-Liste Rohrpost 2001)

 

Dann stieß ich auf die Erwähnung des Werks in Jessica Ullrichs "Die gewalttätige Bildwerdung des Animalischen. Tiere als Medien von Gewalt" in kunsttexte.de von 2004 (S 9f)

 

Wolf Kahlen hingegen schuf 1990 mit "Hunde-Territorium" eine ganze Kunstausstellung für Hunde, die für den menschlichen Besucher ganz und gar sinnlos war. (...) Kahlens nur für Hunde konstituierter Raum hingegen war bis auf eine kleine Öffnung, durch die nur Hunde passten, zur Menschenwelt ganz und gar abgeschlossen. Drinnen waren in Form von Duftmarken "Geruchsskulpturen" installiert. Über eine Kamera konnte der Hundebesitzer zwar beobachten, wie sein Haustier völlig absorbiert von den aufregenden Sinneseindrücken den Raum ablief, blieb aber von dessen innerm Erleben vollkommen ausgeschlossen. So versinnbildlicht diese Arbeit die absolute Trennung der Welt der Menschen und der Tiere.

 

Ullrich gibt als Jahreszahl der Performance 1990 an, anscheinend wurde sie bei der Ausstellung "Animalia - Stellvertreter" im Haus am Waldsee/Berlin erneut aufgeführt.

 

Erst nach langem Suchen habe ich eine Abbildung in Kahlens Werkverzeichnis (Video Tapes 1969-2010) gefunden. Das Werk hat übrigens die Nummer 40: in Kahlens Schreibweise AAvAA # 40 (Alle Arbeiten von Anfang An).

 

 

aus Wolf Kahlen, Videotapes

 

Mir fällt zum Ausstellen von vermeintlicher Leere auch Yves Klein ein, der Im April 1958 in einer Galerie seine Sensibilität ausgestellt hat. Laut Wikipedia kamen damals 3000 Besucher, die in den Ausstellungsräumen seine Sensibilität suchten oder vorfanden. Wahrscheinlich zeigen beide Veranstaltungen die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung auf. Wenn Kahlen wirklich Duftmarken gelegt hat, waren diese Geruchsskulpturen für Hunde durchaus erfahrbar, während die menschlichen Beobachter nur Leere wahrnahmen.

Das Wolf Kahlen Museum - Intermedia Arts Museum, 2005 in Bernau eröffnet, ist dem Lebenswerk des Medienpioniers Wolf Kahlen gewidmet. Dort sind auch Zeichnungen zum "Hunde-Territorium", Warschau 1977, ausgestellt.

2010 fand eine umfassende Retrospektive seines Werks im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe statt.

 

Installation, Performance, Video
3. August 2012 - 10:40

Zu meinen liebsten täglichen Tätigkeiten gehört das Abrufen meiner Feeds. Ganz besonders neugierig bin ich immer auf Moira's Dog Art Today Blogbeiträge. Ihr letztes Posting beschäftigte sich mit Kitsch und wie Kitsch in der Kunst und der Kunst mit Hunden immer ernster genommen und teurer gehandelt wird - ich sage nur Jeff Koons! Sie stellt ein herzerwärmend kitschiges Musikvideo von den wahren Hundefreunden Real Estate: It's real vor. Die beste Gelegenheit also, mich mit einem Musikvideo zu revanchieren, das ich schon länger in petto habe. Der Tipp dazu kam von der Katzen- und Petrafreundin Michaela Reichel.

Ganz wohl ist mir aber nicht dabei, weil ich nicht weiß, wie die Hunde trainiert wurden. Ich hoffe, ohne Stress und mit viel Leckerlis. Im Abspann des Videos wird auf Tierschutz und Tierrettung aufmerksam gemacht, deshalb will ich nur das Beste annehmen.

Hier also: OK Go's White Knuckles

 

 

Im Video kommen viele Kübel vor und immer, wenn ich einen Kübel sehe, muss ich an Erwin Wurms One Minute Sculptures denken. Uff, ich hoffe damit ist der Kunstbezug geschafft.

 

Musik, Video
6. April 2012 - 9:26

Zur Zeit ist in Wien der Film "Shame" des britischen Regisseurs Steve McQueen zu sehen. Nun, er interessiert mich thematisch nicht wirklich (Das Leben eines jungen sexsüchtigen New Yorkers gerät durch den Besuch seiner Schwester durcheinander). Allerdings ist dergleiche Steve McQueen auch für ein paar wunderschöne, poetische Filmaufnahmen von Hunden verantwortlich, die ich Ihnen unten als Filmstills zeige.

 

Zufällig war gestern im TV auf Arte Steve McQueens Film "Hunger" (2008) zu sehen, ein Film über das IRA-Mitglied Bobby Sands, das 1981 während eines Hungerstreiks im Gefängnis starb. Spätestens mit diesem Film wurde Steve McQueen einem breiteren Publikum bekannt. Ursprünglich begann er als bildender Künstler, 1999 erhielt er für seine Fotografien und Installationen den Turner Prize.

2009 vertrat Steve McQueen Großbritannien bei der Biennale in Venedig mit dem Film „Giardini“. Er drehte den melancholischen, winterlichen Film in der städtischen Gartenanlage um die 30 Biennale-Pavillions. Zu einer Zeit in der die Pavillions geschlossen und verwaist und die Wege und Wiesen vermüllt sind. Die Giardini werden in ihrer Alltäglichkeit gezeigt, die aber auch typisch für Venedig ist. Steve McQueen sagte dazu bei der Eröffnung der Biennale: „Turner does not own sunsets, and he doesn't own Venetian sunsets."

 

Steve McQueen, Giardini, 2009

Steve McQueen, Giardini, 2009

 

Die Schönheit des Films liegt in der Vorstellung und Darstellung dessen, dass es eine Wirklichkeit neben der Biennale gibt, in der das eigentliche Leben stattfindet: Der Film handelt von sonst kaum beachteten Dingen: Käfern, Würmern, zwei Männern, die sich in der Nacht treffen, nicht zuletzt von streunenden Windhunden, die wie ein Leitmotiv durch den Film streifen. Hunde und Katzen werden gefüttert und dem Tod entrissen: "They are racing greyhounds that would otherwise be shot but are looked after by a charity", sagte McQueen. „The point is that they ought to be dead – and are thus a kind of ghostly presence“.

 

Steve McQueen, Installation mit Filmstills
Foto Prudence Cuming 
© The British Council
Courtesy Marian Goodman Gallery, New York and Paris; Thomas Dane Gallery, London

 

"Giardini": Ein Film über Beobachten und Hinhören, der in zwei Projektionen nebeneinander gezeigt wurde, die sich visuell und poetisch ergänzten.

 

Mehr von Steve McQueens Arbeit: Thomas Dane Gallery, Marian Goodman Gallery, Biennale-Seite des British Council.

Die Zitate stammen von der Biennale-Berichterstattung des Guardian.

 

Nachdem ich den Blogbeitrag fertig geschrieben hatte, kam ich noch auf die Idee, auf youtube nach dem Fim zu suchen. Naiv wie ich diesbezüglich anscheinend bin, habe ich mir vorgestellt, Steve McQueen sei mit seiner Kamera im Gebüsch auf der Lauer gelegen, um die scheuen Streunerhunde nicht zu verschrecken und habe - einem heimlichen Beobachter gleich - die Aufnahmen gemacht. Auf youtube fand ich dann einen Beitrag, der, obwohl ich nicht Italienisch kann, anscheinend so etwas wie das "Making of" von "Giardini" ist. Die gecasteten Hunde werden mit dem Boot zu den Gärten gebracht, ihre edlen Halsbänder werden abgenommen und die Hundemäntel ausgezogen...

 

 

 

Film, Installation, Video