April 2012

30. April 2012 - 9:03

Mark Jenkins, Asategue, 2005

Mark Jenkins, Asategue, 2005

Mark Jenkins, Baltimore, 2005

Mark Jenkins, Osnabrück, 2008
Mark Jenkins, Sculptures, 2008; Exhibition "fresh air smells funny" at
Kunsthalle Dominkanerkirche Osnabrück vom 25.01. - 30.03.2008,
Foto via Reinkingprojekte © MRpro

 

Mark Jenkins ist einer der bekanntesten Street Art Künstler, die sich mir Skulptur und Installationen sowohl im urbanen Raum als auch in der freien Natur beschäftigen. Oftmals werden durch die vielfältigen Reaktionen der Passanten aus Installationen regelrechte Performances, was auch ganz den Intentionen des Künstlers entspricht. Jenkins findet, dass seine Installationen erst durch die Interaktionen mit Umraum und Menschen vervollständigt werden und dass sie die soziale Struktur von Städten verändern. Auch die von Passanten angeforderten Sicherheitskräfte bezieht er als Akteure in seine Arbeit mit ein.

 

Mark Jenkins, 1970 geboren, lebt und arbeitet in Washington, DC/USA. Er stellt seine Skulpturen aus transparenten Klebebandabdrücken her: Abdrücke seines Körpers (2003), Abdrücke von Kleinkindern beim "Storker-Projekt" (2005), er  kleidet seine Skulpturen ein (ab 2006). Seine  Abdrücke von Hunden sehen sie oben.

Obwohl Jenkins auch schon im musealen Kontext - zum Beispiel in der Wiener Kunsthalle - ausgestellt wurde, ist seine Kunst für die Straße bestimmt.

Im Jänner 2012 erschien seine erste Monografie "The Urban Theater", die seine Bandbreite an oft verstörenden, aber auch humorvollen Installationen zeigt, sowie Fotoarbeiten, die die spontanen Reaktionen des Publikums auf seine Interventionen dokumentieren.

 

Mark Jenkins, The Urban Theater

 

Mehr über Mark Jenkins auf seiner Homepage und beim Gestalten Verlag.

Auf tapesculpture finden Sie eine Anleitung zum Herstellen von Klebebandskulpturen.

 

Buch, Installation, Skulptur, Street Art
27. April 2012 - 7:46

Der 1965 in Frankreich geborene Philippe Pasqua arbeitet an zwei großen Themenbereichen: dem menschlichen Gesicht und der menschlichen Figur. Groß angelegt sind die Themenbereiche nicht zuletzt wegen der Bildformate. Auf den großen Bildgründen werden die Motive formatfüllend inszeniert.

Pasqua malt auch seine Hunde – John und Purdey – und er macht in ihrer Darstellungsweise keinen Unterschied zur menschlichen Nacktheit. Die beiden werden entspannt und friedlich dargestellt. Vertrauensvoll wenden sie dem Betrachter ihre ungeschützten Bäuche zu.

Beiden Hundebildern gemeinsam ist die Wertschätzung und Nähe des Malers zum Tier.

 

Philippe Pasqua, Purdey, 2009
"Purdey" ist 2 x 4 Meter groß!

Philippe Pasqua, Purdey, 2009

Philippe Pasqua, John, 2005

Philippe Pasqua, John, 2005

Philippe Pasquas Atelier

 

Der Blick in Pasquas Atelier sagt wohl mehr über seinen spontanen Arbeitsprozess als jede Beschreibung. Wollen Sie dennoch eine lesen, bietet sich Ulrich Krempels Text "Nahe am Anderen" an.

alle Bilder © Philippe Pasqua

 

Malerei
24. April 2012 - 7:47

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

© Moni Lewandowski

 

Diese wunderbaren Zeichungen und Illustrationen stammen von der erst 24-jährigen amerikanischen Künstlerin Moni Lewandowski. Sie stammt aus Chicago und reiste viel durch die Staaten bevor sie sich in Taos/New Mexiko niederließ.

Sie fertigt ihre detailreichen Arbeiten oft mit einem einfachen Bic-Kugelschreiber an oder sie arbeitet mit Tusche, Wasser- und Acrylfarben.

Obwohl ich aus ihrem vielfältigen Werk nur ein paar exemplarische Hundezeichnungen ausgewählt habe, erkennt man ihre Begeisterung für die 60er und 70er Jahre (Flower Power!) sowie ihre große Naturverbundenheit: Pflanzen und Tiere faszinieren und inspirieren sie gleichermaßen.

Auf Bangstyle können sie ein Interview mit ihr lesen, ihr Blog gibt einen umfassenderen Einblick in ihr Werk.

 

Grafik, Zeichnung
21. April 2012 - 9:19

© Seth Casteel

 

Das ist Seth Casteel, der "Underwater Dog Guy" mit wasserbegeisterten Hunden, die schon gespannt darauf warten, dass er den Ball in die Tiefe wirft. Was dann passiert, und wie aus sanften Schmusehunden "wilde" Tiere werden, sehen sie unten.

 

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

© Seth Casteel

 

Seth Casteel, einer der populärsten Haustierfotografen, trat in den letzten Monaten mit seinen Unterwasserfotografien einen medialen Siegeszug an: Unzählige Male wurde seine Arbeit in Magazinen, TV-Shows und im Internet vorgestellt. So ist es nur folgerichtig, dass die Unterwasserfotos im Oktober 2012 auch als Buch erscheinen.

Aber auch Casteels An-Land-Fotos sind sehenswert! Er fotografiert die Hunde in ihrer gewohnten Umgebung, in Bewegung, beim Spiel und Herumtollen. Die Bilder sollen einen dokumentarischen, spontanen und dynamischen Eindruck vermitteln. Dabei versucht er dem individuellen Hunde-Charakter gerecht zu werden: Glücklich, verspielt, treu, neugierig, friedfertig, leidenschaftlich, optimistisch, temperamentvoll, hysterisch, faul, liebevoll, dankbar, faszinierend...

Ein paar Stunden wöchentlich arbeitet der kalifornische Star-Fotograf ehrenamtlich in einem Tierschutzhaus in L.A. und setzt dort die oft verängstigten, traurigen, aber auch aggressiven Hunde vor der Kamera in Szene. Diese Hollywood-gemäßen Fotos ersetzen die traurigen Fotos, die die Angestelleten nach der Ankunft der Tiere machen. Attraktiv abgelichtet finden diese Fotos dann Eingang in Vermittlungsforen, Zeitungen und Webseiten.

 

© Seth Casteel
Second Chance Photos -
Saving Pets through Photography

Alle Fotos © Seth Casteel

Casteel ist ein Guter! Klicken Sie sich durch seine Tieraufnahmen, auf Little Friends Photo, seinem Blog und auf Second Chance Photos. 

Auf Casteels Unterwasseraufnahmen aufmerksam gemacht hat mich übrigens Johann Nimführ, ein Wiener Maler, der auch Tiere in seinem Repertoire hat. Seine fotorealistisch und in Acryl gemalten Hunde sind ebenfalls einen Blick wert!

 

18. April 2012 - 8:05

Ich blättere manchmal in meinen Kunstbüchern und -katalogen ziellos vor mich hin. So auch ein paar Tage nachdem ich den Beitrag über Albrecht Tübke geschrieben hatte. Im Ausstellungskatalog "Made in Leipzig" stieß ich auf ein Bild Werner Tübkes - Albrecht Tübkes Vater! Und auf diesem "Bildnis des Viehzuchtbrigadiers" von 1962 waren Hunde zu sehen! Bei der Google-Bildersuche fand ich ein weiteres Bild Tübkes mit identischen Hunden: Der Maler begann mich zu interessieren.

Den ÖsterreicherInnen der 60er Jahre und auch danach waren KünstlerInnen der DDR natürlich nicht geläufig. In Wien lebte man sozusagen am Rande der westlichen Welt - 60 km östlich begann der "Eiserne Vorhang". Wenn man schon Interesse am Ostblock entwickelte, dann eher an Ungarn, der damaligen Tschechoslowakei und dem damaligen Yugoslawien. Ich möchte also gar nicht so tun, als hätte ich zu DDR-MalerInnen irgendetwas zu sagen. Allerdings habe ich einen interessanten Text von Gunter Reski über Werner Tübke gefunden - ergänzt durch meinen Katalogtext ergibt es ein erstes Bild.

 

Werner Tübke, Selbstbildnis in Samarkand
Werner Tübke, Selbstbildnis in Samarkand, 1962, Foto © VG Bild-Kunst-Bonn 2009

Werner Tübke, Bildnis des VIehzuchtbrigadiers Bodlenkow (Westkaukasus), 1962
Werner Tübke, Bildnis des Viehzuchtbrigadiers Bodlenkow (Westkaukasus), 1962;
Scan aus Katalog "Made in Leipzig" anlässlich der Ausstellung in der Sammlng Essl 2006

 

Silistisch bedeutsam war 1961/62 Werner Tübkes Reise in die Sowjetunion, nach Westkaukasien. Dort fertigte er 150 sehr detaillierte Zeichnungen und Aquarelle als Vorlagen für seine Malerei an. Diese Studien schienen ihm dazu besser geeignet zu sein als die Fotografie. Das "Selbstbildnis in Samarkand" ist das erste Bild nach seiner Rückkehr. Beim "Bildnis des Viehzüchters" steigert er in der Darstellung noch die Bedeutung des Menschen. Breughelsche Typisierung, altdeutsche Formenstrenge und renaissancistische Gestaltungsprinzipien (Pferd!) kommen zum Tragen: Die Menschendarstellung ist mit einer Landschaftsdarstellung gepaart, die an die Donauschule des 16.Jahrhunderts anknüpft. (vgl. Dietulf Sander, in: Made in Leipzig, Edition Sammlung Essl, S146f). Das für mich Bemerkesnwerte ist die völlige Wiederholung der Hunde! An dieser Wiederholung erkennt man sehr gut, wie er Tübke seine Bilder collageartig zusammensetzt. Nebenbei zitiert er sich sozusagen selbst.

Tübke hat also mannigfaltige Darstellungsweisen vergangener Epochen in seine Bilder eingebracht. Gunter Reski bemerkt in seinem aufschlussreichen Text, dass allen DDR-Staatsmalern ein rückgewandter stilistischer Sonderweg gemein war, um dem Realismusdiktat zu entkommen. Tübke bezeichnet er sogar als ersten postmodernen Maler - natürlich ohne dass dieser das Wort jemals gehört hätte. Und er wundert sich, dass "Tübke mit seinem ausschließlich rückwärtsgewandten Bild- und Stilrepertoire in der DDR immer noch als linientreu und staatsdienlich durchging".

zitiert nach: Gunter Reski "DDR-Postmoderne als Einzelschicksal" in: Texte zur Kunst (20.09.2009) und Dietluf Sander in: "Made in Leipzig", Edition Sammlung Essl,, S 146f,  ISBN 3-902001-29-1

 

Malerei
15. April 2012 - 9:02

Steve John, Within the wind
Foto © Steve John, via Odapark

 

Ganz bezaubernd finde ich das Foto dieser beiden Windhunde, nicht zuletzt durch die wunderbare Farbstimmung, die es vermittelt. Und Farbe ist auch das Thema des britischen Künstlers Steve John. Das Foto ist bis 1. Mai 2012 im Odapark Zentrum für zeitgenössische Kunst Venray (centrum voor hedendaagse kunst) in den Niederlande ausgestellt. "Naturfotografie mit dem Handy" könnte der deutsche Untertitel zur iPhone Art Exhibition "Love the one you´re with" sein. Sie haben richtig gelesen: iPhone Art. In dieser internationalen Ausstellung snd nur Fotos zu sehen, die mit Mobiltelefonen entstanden sind. Die Arbeiten werden als Ausdrucke, aber auch am iPhone und iPad gezeigt. iPhonography nennt Steve John diese Art der Fotografie.

Ausschlaggebend für die intensive Auseinandersetzung mit dem iPhone und seinen Möglichkeiten war eine Armverletzung, die Steve John am Malen in seinem Atelier in Bath hinderte. Er musste Pinsel und Farbe mit dem Finger auf dem Touchscreen tauschen. Inzwischen arbeitet er hauptsächlich mit dem iPhone und nützt dessen Potenzial voll aus. Er fotografiert nicht nur, sondern "malt" auch mit dem iPhone unter Zuhilfenahme unterschiedlichster Apps. Nichts wird am Computer und seiner Software nachbearbeitet! Da das iPhone schon seit 2008 Steve Johns künstlerisches Werkzeug ist, gilt er als ein Pionier der iPhoneography und der iPhone Art.

 

Steve John, Contact
Foto © Steve John, via Escape Into Life

Auf Steve Johns Blog könne Sie ein Videoplayback eines iPhone Paintings sehen und auch Fotos vor und nach der Bearbeitung mit  verschiedenen Apps. Auf seiner Homepage finden Sie auch noch dieses witzige Hundefoto.

Wenn Sie mehr über Steve John und seinen künstlerischen Prozess erfahren wollen, geben ein paar Blogs Auskunft, deren Links Sie auf seiner About-Seite finden.
 

Ausstellung, Fotografie
12. April 2012 - 9:47

Ohne sie gesehen zu haben, möchte ich Ihnen heute zwei große Ausstellungen vorstellen, die das Tier in den Mittelpunkt des Interesses stellen. "Beauté animale" in Paris und "George Stubbs" in München.

Viele bildende Künstler haben der Schönheit der Tiere gehuldigt, darunter Dürer, da Vinci, Rembrandt, Delacroix, Chagall, Warhol. In den Galeries Nationales du Grand Palais in Paris findet eine Ausstellung statt, die die Beziehung zwischen Künstlern und Tieren beleuchtet. Über 130 Werke - Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen - der abendländischen Kunst, von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Illustration werden gezeigt. Das Besondere an den ausgestellten Exponaten ist, dass es sich um autonome Tierdarstellungen handelt, das heißt, die Tiere sind ohne Menschen dargestellt. Diese alleinige Darrstellungswürdigkeit des Tieres, von wissenschaftlichen Tierstudien abgesehen, hat sich erst langsam seit der Renaissance entwickelt.

Mit den Seesreisen im 16. Jahrhundert wurden auch exotische Tiere entdeckt und aus wissenschaftlichem Interesse abgebildet. Verschleppte Tiere wurden gemalt, um das Repräsentationsbedürfnis der reichen Besitzer zu befriedigen. Die genaue Abbildung, das Naturstudium, das noch eine Verbindung von Wissenschaft und Kunst zeigte (anatomische- und Bewegungsstudien), wurde nach und nach durch sich ändernde ethische und ästhetische Kriterien beeinflusst. Wie auch die menschliche Schönheit war die Darstellung der tierischen Schönheit zeit- und milieuabhängig.

Doch der Mensch gab sich mit der vorhandenen Schönheit der Tiere nicht zufrieden. Er züchtete neue Rassen. Die Ausstellung zeigt auch Rassen, die heute unmodern sind. (Wie sehr z.B. die Hunderassen der Mode unterliegen, kann jeder Hundehalter in seinem Umfeld beobachten. Wien ist voll mit Möpsen!). Auch unbeliebte, über jahrhunderte vernachlässigte Tiergattungen finden Eingang in die Ausstellung, z.B. die Spinne, von Louise Bourgeois in Szene gesetzt.

 

Jacopo Bassano, Deux chiens de chasse liés à une souche, 1548-1549
Japoco Bassano: Zwei Jagdhunde, 1548

Jeff Koons, Pudel, 1991
Jeff Koons' Pudel aus Holz von 1991

 

Die Erkenntnis der Leidensfähigkeit der Tiere führte zu sensibleren Darstellungen von Tieren und ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten. Nachdem die Verwandtschaft der Affen mit den Menschen entdeckt war, wurden auch die vormals lächerlichen und abwertenden Affendarstellungen beseelter, beispielsweise die des französischen Bildhauers Francois Pompon.

Ebendieser Pompon bestückt den letzten Raum mit seinem lebensgroßen Eisbären. Wurde das Aussterben der Arten noch vor zwanzig Jahren mit dem Panda beklagt, tritt der Eisbär - mächtiges ohnmächtiges Opfer der menschverursachten Klimaerwärmung - heute an seine Stelle. Wird seine Schönheit bald nur mehr in unserer Erinnerung oder in den Schöpfungen der Künstler existieren  - dies scheint die Inszenierung des letzten Raums zu fragen. Oder noch schlimmer: Liegt seine Zukunft wieder im Tiergefängnis Zoo? Sicher nicht zufällig ist das Werk ausgesucht, das die Bärenplastik begleitet: Gilles Aillauds Eisbär auf der künstlichen Eisscholle des Zoos.

 

Die Eisbären von Francois Pompon und Aillaud im Hintergrund
Die Eisbären von Francois Pompon und Giles Aillaud im Hintergrund, Bild von
lesdiagonalesdutemps

"Beauté animale", 21. März  bis 16. Juli 2012 im Grand Palais, Galeries nationales

 

George Stubbs (1724-1806) "Science into Art – Tiermalerei zwischen Wissenschaft und Kunst" heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 6. Mai 2012 in der Neuen Pinakothek in München zu sehen ist.

George Stubbs, der Meister des Tierbildes in der europäischen Malerei, hat vor allem Pferde und Hunde gemalt. Die Ausstellung vereint mehr als dreißig Gemälde, außerdem Zeichnungen und die seltenen Originalradierungen des Künstlers, Werke, die selbst in Großbritannien kaum jemals öffentlich zu sehen sind. Denn viele Gemälde sind im Privtbesitz, bei den adeligen Erben der ehemaligen Aufraggeber, die ihre wertvollen Rennpferde und Hunde von Stubbs gemalt wissen wollten.

Am Anfang seiner Karriere sezierte und zeichnete Stubbs tote Pferdekörper, veröffentlichte "The Anatomy of the Horse", das einen neuen Standard in der Visualisierung anatomischer Befunde setzte, danach stieg er rasch zum führenden Tiermaler auf. Er schaffte es mit malerischer Perfektion und handwerklicher Meisterschaft nicht nur, die Modelle naturgetreu darzustellen, er fing auch die Persönlichkeit und das Verhalten der Tiere ein.

Stubbs fertigte einige der schönsten und ausdruckstärksten Hundeporträts seiner Zeit an, darunter das von Turk, einem Hund des Duke von Rutland.

 

George Stubbs, Turk, ein Hund des Duke von Rutland, 1778
Turk, ein Hund des Duke von Rutland, 1778

George Stubbs, Die Familien Milbanke und Melbourne, um 1769

George Stubbs, Der Phaeton des Prinzen von Wales mit dem Kutscher Samuel Thomas,

George Stubbs, The Pointer, 1766

George Stubbs, Viscount Gormanston's White Dog, 1781

 

Ein Folder liefert weitere Details zur Ausstellung: George Stubbs (1724-1806) "Science into Art"

George Stubbs (1724-1806) "Science into Art - Tiermalerei zwischen Wissenschaft und Kunst", 26. Jänner bis 6. Mai 2012 in der Neuen Pinakothek

Die Kataloge zu beiden Ausstellngen: Beauté animale, George Stubbs

 

Katalogcover

Katalogcover

 

Ausstellung, Malerei
9. April 2012 - 8:53

Wenn Sie meinen Blog regelmäßig lesen, wird es sicher Einträge geben, die Ihnen besser gefallen als andere. Das geht auch mir so! Obwohl ich mich natürlich um gleichbleibende Qualität bemühe, gelingen manche Posts besser und habe ich zu manchen vorgestellten Werken eine innigere Beziehung als zu anderen. Die Idee meines Blogs ist es ja, hunde- und kunstaffine Inhalte, die ich finde, weiterzugeben. Das müssen nicht zwangsläufig Kunstwerke und KünstlerInnen sein, die mir gefallen.

Da ich auch um Regelmäßigkeit bemüht bin, aber nicht immer gleich viel Zeit für den Blog aufbringen kann, greife ich manchmal zu einem Künstler oder einer Künstlerin, von dem oder der ich annehme, der Beitrag sei schnell verfasst und bedarf nicht besonderer Hingabe. Nachdem ein vermeintlicher Lieblingseintrag - Steve McQueen - so banal endete, wollte ich mich dem quasi offensichtlich Banalen stellen: dem Werk von Robert Bradford. Gleich vorweggenommen: Es erwies sich als vielschichtiger, als gedacht.

 

Der britische Künstler Robert Bradford setzt seit etwa 2004 aus vielen Einzelteilen neue Skulpturen zusammen. Diese Einzelteile sind vor allem ausrangierte Plastikspielzeuge seiner Kinder, aber auch Stofftiere, Bürsten, Wäscheklammern. Er begann mit dem Aufbau kleiner Hunde, dann wurden seine Figuren immer größer, bis hin zu lebensgroßen Soldaten aus "Kriegsspielzeug" (wird das Wort heute noch verwendet?)

 

Bradford wollte aus ungeeignetem Material "Lebewesen" kreieren (Menschen und Tiere) und er brauchte lange, um einerseits ein Verfahren zu entwickeln, das die Einzelteile zusammenhielt und das sie andererseits als neues Ding funktionieren ließ. Nach vielen Experimenten fand er schließlich eine Technik die Plastikspielzeuge anzubohren und mit einem Holzskelett zu verbinden.

 

 

Robert Bradford

Robert Bradford

Robert Bradford

 

Der ausgebildete Filmemacher, der eine Zeitlang auch als Psychotherapeut gearbeitet hatte, hielt die traditionellen Materialien wie Stein und Bronze für nichtssagend und langweilig. Er wollte immer Materialien verwenden, die verformbarer sind (er beschäftigte sich mit Feuerskulpturen - großen Holzskulpturen, die er anzündete) und eine Geschichte erzählen. Bradford findet, dass seine Skulpturen schon alleine dadurch Tiefe und Bedeutung bekommen, dass ihr Ausgangsmaterial Bedeutung für die spielenden Kinder, den besitzenden Menschen hatte. Außerdem bekommt das verwendet Spielzeug ein neues "Leben" geschenkt.

 

 

Robert Bradford

Robert Bradford

Robert Bradford

Robert Bradford

Robert Bradford

 

Das Ausgangsmaterial ist noch in einer anderen Hinsicht bedeutsam für ihn: Er erkennt in den kleinen Plastikfiguren anonyme Skulpturen der Industriedesigner, er stiehlt einerseits deren gestalterischen Leistungen, verleiht ihnen aber auch durch seine Verwendung Anerkennung.

 

Seine Skulpturen repräsentieren auch die Kulturgeschichte des Spielzeugs, das Alter seiner Skulpturen kann man sozusagen anhand der Herstellungsdaten der verendeten Einzelteile bestimmen.

 

 

Robert Bradford

Robert Bradford

Robert Bradford

 

In einem Interview erläutert er auch, wieso er aus den Teilen so häufig Tiere erschafft. Redford habe Interesse an Tieren und fühle sich in sie hinein.

 

Animals do have as much right to live here as we do. When you live deep in the country which I have done, you realise much more that we are just sharing the environment with all sorts of things, many of which are not all that popular with us. There is speciesism like there is racism.

 

Ungeachtet desen, ob das in seinen Werken zum Ausdruck kommt, ist diese Haltung doch bemerkenswert. Nur wenige KünstlerInnen kritisieren den Speziesismus, die Diskreminierung anderer Spezies/der Tiere auf Grund von Überlegenheitsdenken des Menschen.

 

Bradfords Werk wird häufig im Sinne einer Nachhaltigkeit, eines Recyclings und einer Konsumverweigerung betrachtet. Obgleich er sich gegen sinnlose Produktion und Konsumation richtet, sieht er sich selbst nicht als Öko-Krieger.

 

Er stellt seine Skulpturen international aus, seine Werke werden von amerikanischen und britischen SammlerInnen gekauft. Eine einheitliche Einschätzung fehlt dennoch, die Bewertung seines Werks reicht von schön, über merkwürdig und exzentrisch bis hin zu  (künslerischem) Müll.

 

Vielleicht haben Sie Lust das interessante Interview mit Bradford zu lesen. Entscheiden Sie dann selbst, ob er seine Arbeit mit Bedeutung überfrachtet oder ob sie an Vielschichtigkeit gewinnt.

 

alle Bilder © Robert Bradford

 

Skulptur
6. April 2012 - 8:26

Zur Zeit ist in Wien der Film "Shame" des britischen Regisseurs Steve McQueen zu sehen. Nun, er interessiert mich thematisch nicht wirklich (Das Leben eines jungen sexsüchtigen New Yorkers gerät durch den Besuch seiner Schwester durcheinander). Allerdings ist dergleiche Steve McQueen auch für ein paar wunderschöne, poetische Filmaufnahmen von Hunden verantwortlich, die ich Ihnen unten als Filmstills zeige.

 

Zufällig war gestern im TV auf Arte Steve McQueens Film "Hunger" (2008) zu sehen, ein Film über das IRA-Mitglied Bobby Sands, das 1981 während eines Hungerstreiks im Gefängnis starb. Spätestens mit diesem Film wurde Steve McQueen einem breiteren Publikum bekannt. Ursprünglich begann er als bildender Künstler, 1999 erhielt er für seine Fotografien und Installationen den Turner Prize.

2009 vertrat Steve McQueen Großbritannien bei der Biennale in Venedig mit dem Film „Giardini“. Er drehte den melancholischen, winterlichen Film in der städtischen Gartenanlage um die 30 Biennale-Pavillions. Zu einer Zeit in der die Pavillions geschlossen und verwaist und die Wege und Wiesen vermüllt sind. Die Giardini werden in ihrer Alltäglichkeit gezeigt, die aber auch typisch für Venedig ist. Steve McQueen sagte dazu bei der Eröffnung der Biennale: „Turner does not own sunsets, and he doesn't own Venetian sunsets."

 

Steve McQueen, Giardini, 2009

Steve McQueen, Giardini, 2009

 

Die Schönheit des Films liegt in der Vorstellung und Darstellung dessen, dass es eine Wirklichkeit neben der Biennale gibt, in der das eigentliche Leben stattfindet: Der Film handelt von sonst kaum beachteten Dingen: Käfern, Würmern, zwei Männern, die sich in der Nacht treffen, nicht zuletzt von streunenden Windhunden, die wie ein Leitmotiv durch den Film streifen. Hunde und Katzen werden gefüttert und dem Tod entrissen: "They are racing greyhounds that would otherwise be shot but are looked after by a charity", sagte McQueen. „The point is that they ought to be dead – and are thus a kind of ghostly presence“.

 

Steve McQueen, Installation mit Filmstills
Foto Prudence Cuming 
© The British Council
Courtesy Marian Goodman Gallery, New York and Paris; Thomas Dane Gallery, London

 

"Giardini": Ein Film über Beobachten und Hinhören, der in zwei Projektionen nebeneinander gezeigt wurde, die sich visuell und poetisch ergänzten.

 

Mehr von Steve McQueens Arbeit: Thomas Dane Gallery, Marian Goodman Gallery, Biennale-Seite des British Council.

Die Zitate stammen von der Biennale-Berichterstattung des Guardian.

 

Nachdem ich den Blogbeitrag fertig geschrieben hatte, kam ich noch auf die Idee, auf youtube nach dem Fim zu suchen. Naiv wie ich diesbezüglich anscheinend bin, habe ich mir vorgestellt, Steve McQueen sei mit seiner Kamera im Gebüsch auf der Lauer gelegen, um die scheuen Streunerhunde nicht zu verschrecken und habe - einem heimlichen Beobachter gleich - die Aufnahmen gemacht. Auf youtube fand ich dann einen Beitrag, der, obwohl ich nicht Italienisch kann, anscheinend so etwas wie das "Making of" von "Giardini" ist. Die gecasteten Hunde werden mit dem Boot zu den Gärten gebracht, ihre edlen Halsbänder werden abgenommen und die Hundemäntel ausgezogen...

 

 

 

Film, Installation, Video
3. April 2012 - 9:23

Andreas Amrhein, Zorro, 2006

 

Der deutsche Künstler Andreas Amrhein hat sich darauf spezialisiert Porzellanfiguren der Manufakturen Meissen, Nymphenburg, der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin und Hutschenreuther zu malen. Er hat es dabei zu wahrer Meisterschaft gebracht: die Glanzlichter und strahlenden Oberflächen lassen quasi lebensgroße Porzellanhunde vor uns erstehen.

Inzwischen ist er ein Kenner dieser historischen Sammlerobjekte. Natürlich steht in meinem Blog wieder der Hund im Mittelpunkt.

 

Andreas Amrhein, Der Stadtneurotiker, 2006

Andreas Amrhein, The last boy-scout, 2006

 

Amrhein malte die vergrößerten Porzellanhunde zuerst vor monochromen Hintergründen. Später, für die Serie "Rapper`s Delight", kombinierte er die kitschigen, typisch deutschen Figuren mit Rappern und deren Insignien (Goldkette und Limousine). Die Hintergrundmotive entstammen den amerikanischen Vorstädten.

 

Andreas Amrhein, Crown Jewels, 2008

Andreas Amrhein, Jokers, 2008

Andreas Amrhein, Go, 2008

Andreas Amrhein, New Orleans, 2008

Andreas Amrhein, 4th St, 2008

Andreas Amrhein, King, 2008

Andreas Amrhein, Ford, 2008

Andreas Amrhein, Route 36, 2008

 

Ab 2010 setzt er seine perfekt gemalten Hundefiguren vor collageartig flach gemalte Hintergründe, in denen er Ikonen der Comic-Welt mit Zeichnungen verschiedener Gegenstände und sich wiederholenden Dekorelementen kombiniert.

 

Andreas Amrhein, Remix, 2010

Andreas Amrhein, Home, 2010

Andreas Amrhein, Good Friends, 2010

Andreas Amrhein, Wenn der Vater mit dem Sohne, 2005

 

Die beiden Labrador-Kind-Kombinationen oben zeigen, wie Amrhein dasselbe Porzellanobjekt im Abstand von fünf Jahren in unterschiedlichen Gemälden verwendete.

Andreas Amrhein wurde 1963 in Marburg geboren, wuchs in Liberia/Westafrika auf und studierte Bildende Kunst in London, Malmö, Chicago und Berlin. Verschiedene Stipendien führten ihn nach Frankreich, Norwegen und China. Er lebt und arbeitet in Berlin, wo er seit 2006 einen Lehrauftrag an der Akademie für Malerei inne hat.

Zur Zeit sind die Arbeiten von Andreas Amrhein in mehreren Ausstelungen zu sehen:

In Peking bis zum 1. April 2012 in der Alexander Ochs Gallery, Beijing (in Kooperation mit der Deutschen Botschaft in Beijing, China, in Gemünden im Güterschuppen des Alten Bahnhofs bis zum 6. Mai 2012 sowie im Kunstkabinett Regensburg gemeinsam mit Peter Hermann bis zum 9. Juni 2012.

Mehr über den Künstler finden Sie auf Amrheins Homepage, auf der Homepage der Galerie Borchardt und der Homepage der  Alexander Ochs Galleries Berlin/ Beijing.

alle Bilder © Andreas Amrhein
 

Ausstellung, Malerei
2. April 2012 - 13:44

Heute gibt es einen Eintrag in eigener Sache! Ich nehme heuer erstmals am Wiener Atelierrundgang Q202 teil. Neben Ateliers im 2. und 20. Bezirk gibt es auch ein paar "Satelliten" in anderen Bezirken, darunter auch meinen Schauraum im 3. Bezirk. Da ich ganz  abseits der Wanderrouten liege, werden wohl nur wenige Rundgänger zufällig zu mir stoßen.

Deshalb würde es mich umso mehr freuen, wenn der eine oder andere Blogbesucher den Weg zu mir fände. Ich lade Sie alle ganz herzlich ein, mich von 20.-22. April 2012 zu besuchen. Ich habe meinen Schauraum von 14-21 Uhr geöffnet. Es wäre sehr interessant für mich, einige meine Leserinnen und Leser persönlich kennen zu lernen - dann hätte ich in Zukunft beim Schreiben ein paar Gesichter vor mir ...

 

Wanderkarte Atelierrundgang Q202
Ausschnitt aus der Wanderkarte. Mein Schauraum befindet sich beim Punkt 66!

Unten lacht das Q202-Team, in der Mitte sehen Sie einen ganz reizenden Afghanen. Gehalten wird er von Christiane Grüner, deren Hundekunst ich im Blog schon einmal vorgestellt habe.

 

Das Q202 - Team
Das Q202-Team, Foto © kunstfotografin.at

Was ist Q202? Das beantwortet am besten der Pressetext:

Bereits den neunten Frühling in Reihe findet dieses von Hans Heisz und seinem Team initiierte WienKunstWandern oder Radeln statt. Q202 steht dafür, das künstlerische Potenzial Wiens auf sehr persönliche Art erleben zu können, sei es in versteckten Hinterhofateliers, in Künstlerwohnungen, WerkstättenWGs, im Seecontainer oder im Architektur-Kunstwerk selbst.
 
Q202 zeigt hier eine eher ungewöhnliche Bandbreite, stellt weniger das Wer, sondern das Was in den Vordergrund und wurde damit weit über die Grenzen Wiens bekannt. Ziel ist es, Publikum und KünstlerInnen zugleich ein breites Begegnungs- und Vergleichsfeld zu schaffen, wofür KünstlerInnen dieser Kulturinitiative heuer wieder eine außergewöhnliche Mischung aus Events, Performances, Ausstellungen, Video-Installationen, Musik, Literatur und eine Reihe von Kunstaktionen anbieten.

Alle Infos zum Atelierrundgang finden Sie auf der Q202-Homepage, dort gibt es auch die ganze Wanderkarte mit Adressen der Teilnehmenden zum Ausdrucken.

 

Mein Schauraum, Ausstellung