Malerei

25. Oktober 2017 - 8:22

Sicher stimmen Sie mit mir überein, dass wir unten nicht die Darstellung eines Huskys in seinem Habitat vor uns haben, sondern ein Bild des konkreten Hundes "Lushka". In dem Gemälde von Alice Neel aus dem Jahr 1974 ist der Hund eindeutig Gegenstand dessen, was wir unter der Gattung Porträt verstehen. Wie auch in vielen Porträts von Menschen präsentiert die Künstlerin den Hund in einer frontalen Position, den Blick direkt auf den Betrachter, die Betrachterin gerichtet.

 

Alice Neel, Lushka, 1974, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro, London
Alice Neel, Lushka, 1974, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

Die Künstlerin, die sich selbst als "Painter of people" bezeichnet, widmet der Darstellung der Tiere die gleiche Aufmerksamkeit wie der malerischen Beschreibung der Menschen, sie sind ebenso individuell und bedeutsam.

Alice Neel (1900-1984) ist eine der bedeutendsten amerikanischen Porträtistinnen des zwanzigsten Jahrhunderts, ihr Werk wird als intim, unaufgeregt, zwanglos, persönlich und direkt beschrieben. Sie beobachtet nicht nur die Menschen sehr genau, sondern auch die mit ihnen lebenden Tiere. Hunde und Katzen waren ein Teil ihres häuslichen Lebens. Vom Beginn ihrer Karriere in den 1930er Jahren bis zu ihrem Tod 1984 finden sich immer wieder Doppelporträts (Mensch mit Hund oder Katze) oder Einzelporträts von Tieren. Sie erfasst sowohl den menschlichen als auch den tierlichen Charakter und bringt die Einzigartigkeit der Lebewesen anhand ihrer individuell typischen Blicke, Gesten, Haltungen zum Ausdruck. Sie scheint allerdings mehr Katzen gemalt zu haben, ich habe lediglich ein paar Werke mit Hunden gefunden.

 

Alice Neel. Carol with a Dog, 1962, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Mi
Alice Neel. Carol with a Dog, 1962, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

Nur durch eine kleine Geste vermittelt Alice Neel die Bindung zwischen Mensch und Tier: Carol berührt den Hund am Nacken. Ihr blondes Haar, die helle Haut und das hellgrüne Kleid kontrastieren mit dem schwarzen Fell und den tiefroten Augen des Pudels an ihrer Seite.

 

Alice Neel, Richard with Dog, 1954
Alice Neel, Richard with Dog, 1954

 

Richard hat in diesem Doppelporträt den gleichen erstaunt-fragenden Blick wie sein Hund.

"Nadya and the Wolf" hat eine rätselhafte Qualität, beide scheinen Teil einer mehrdeutigen mythologischen oder metaphorischen Szene zu sein. In diesem Frühwerk zeigt sich die Verbindung zum Expressionismus nordischer Prägung.

 

Alice Neel, Nadya and the Wolf, 1931, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria
Alice Neel, Nadya and the Wolf, 1931, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

Alice Neel. King Asleep, 1954, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro, L
Alice Neel. King Asleep, 1954, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

In den Deichtorhallen Hamburg ist nun erstmals in Deutschland ein Überblick über das Schaffen dieser Ausnahmekünstlerin zu sehen, die erst in den 1970er Jahren späte Anerkennung erfuhr. Unbeeinflusst vom abstraktem Expressionismus blieb sie ihrem realistischen Stil treu, der als rückwärtsgewandt kritisiert wurde. Es gelang ihr mit ihrem ausdrucksstarken, einfühlsamen und psychologisch akkuratem Werk zum Wesenskern der Menschen vorzudringen. Ihre kraftvollen Bilder inspirierten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler wie Chuck Close, Marlene Dumas, Alex Katz und Elizabeth Peyton.

Alice Neels Hauptwerk entstand in ihrer New Yorker Nachbarschaft, in Greenwich Village, Spanish Harlem und schließlich an der Upper West Side, wo sie zahlreiche Mitglieder der Kulturszene New Yorks gemalt hatte, unter anderem Andy Warhol, der dieses Bildnis als das beste von ihm je geschaffene bezeichnete. Darüber hinaus porträtierte sie Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder zufällige Bekanntschaften. Neels Aufmerksamkeit galt aber gleichermaßen den Unterprivilegierten, den Armen und Diskriminierten. Sie führte ein äußerst bewegtes Leben als alleinerziehende Mutter und Mitglied der New Yorker Künstlerszene; sie engagierte sich Zeit ihres Lebens politisch, sympathisierte mit dem Kommunismus und wurde zum Symbol der Frauenrechtsbewegung.

 

Quellen: Homepage der Künstlerin, Wikipedia, Deichtorhallen Hamburg, Victoria Miro Gallery

 

Ausstellung, Malerei, Zeichnung
12. Oktober 2017 - 8:17

Der Kopf des Mopses scheint aus dem Skizzenbuch herauszukommen, der kleine Hund auf der Unterlage zu liegen. Die Zeichnungen sind derart realistisch, dass ich am liebsten hingreifen will, um mich zu vergewissern, dass der Schein trügt. Diese Diskrepanz zwischen der zweidimensionalen Zeichnung und der dreidimensionalen Wirkung ist es auch, die den Betrachter und die Betrachterin fröhlich stimmt und schmunzeln lässt.

 

Drawing of Elsje! © Nicolas V. Sanchez

My big boy © Nicolas V. Sanchez

 

Chichi © Nicolas V. Sanchez

 

Nur mit ein paar Kugelschreibern zeichnet der in New York ansässige Künstler Nicolas V. Sanchez diese meisterhaften Porträts in seine kleinformatigen Skizzenbücher. Mit seiner präzisen und gekonnten Anwendung von Höhungen und Schattierungen erzeugt er einen nuancenreichen plastischen Eindruck. Dabei baut er die Form durch mehrere Schichten Kreuzschraffur auf. Da er kaum mit Bleistift vorzeichnet, muss er diszipliniert und fehlerlos arbeiten: Sein Werkzeug erlaubt keine Korrekturen.

Nicolas V. Sanchez hat mit diesen kleinen themenorientierten Büchern in Internet-Blogs eine große Bekanntheit erlangt. Aber er kann noch viel mehr! Er arbeitet in verschiedenen Medien und unterschiedlichen Größen. Auf seiner Homepage finden sich Beispiele seiner Auftragsarbeiten: (Hunde-) Porträts mit Kugelschreiber, aber auch Kohlezeichnungen und naturalistische sowie abstrahierende Ölgemälde.

 

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

 

In einem Interview spricht der Künstler über die Bedeutung der Materialien für seine Arbeit und wie verschiedene Themen und Ideen unterschiedliche Herangehensweisen erfordern, um zum wirkungsvollsten künstlerischen Ergebnis zu kommen.

Sanchez ist in Michigan aufgewachsen und hat sowohl dort als auch in New York studiert. Seine Arbeiten geben noch einen Einblick in diese bäuerliche Welt und ländliche Kultur mit ihren Kühen, Ziegen und - seinem Lieblingsmotiv – Schafen. Eine ganz kleine Auswahl dieser sensiblen Tierporträts möchte ich Ihnen keinesfalls vorenthalten!

 

Bridgman goat, colored ballpoint pen, 3.5 x 5.5 in, 2013 © Nicolas V. Sanchez

El Ojo, oil on panel, 6 x 6 in, 2014 © Nicolas V. Sanchez

Petro, oil on canvas, 24x30in, 2017 © Nicolas V. Sanchez

oil on panel, 6x6in, 2016 © Nicolas V. Sanchez

Summer rotation, oil on canvas, 24x30in, 2017 © Nicolas V. Sanchez

Bound, oil on board, 18 x 18 in, 2012 © Nicolas V. Sanchez

Backwoods flock 3, oil on canvas, 24x30in, 2017

 

Nicolas V Sanchez lebt und arbeitet in New York.

Weitere Arbeiten auf der Facebook- und Instagram-Seite des Künstlers

alle Bilder © Nicolas V. Sanchez

Auch dieser Blogbeitrag geht auf eine Anregung von Andrea Antoni zurück, vielen Dank dafür!

 

4. Oktober 2017 - 7:59

Hunde mit violettem Teppich, 2017 © Verena Crow

 

Gibt es ein Bild einer Hündin, das Mutterglück besser ausdrücken kann als dieses? Noch ein bisschen unsicher, aber ganz entspannt blickt die Hundemutter in Erwartung dessen, was noch auf sie zukommen wird. Nur nicht bewegen, damit das Kleine, das sich in den Raum zwischen Kopf und Vorderbeinen schmiegt und gleichzeitig abstemmt, nicht aufwacht!

Wie gut passt auch der komplementärfarbene, fröhliche Teppich dazu, der die stille Heiterkeit und Freude in seinem Muster aufnimmt.

Ein kleines Dilemma tut sich im unteren Bild auf: Der aufmerksame und besorgte Blick richtet sich auf den nur wenig entfernt liegenden Welpen, während die Mutter in der selbstgewählten Ruhe und schutzgewährenden Regungslosigkeit verharrt.

 

Hunde auf blauem Hintergrund, 2017 © Verena Crow

Hundefamilie violett, 2017 © Verena Crow

Welpen mit rotem Teppich, 2017 © Verena Crow

Hunde-Siesta, 2017© Verena Crow

3 Welpen, 2017 © Verena Crow

4 Welpen barock, 2017 © Verena Crow

4 Welpen auf Gelb, 2017 © Verena Crow

Hündin mit Welpen, 2017 © Verena Crow

Hunde zinkoxyd, 2017 © Verena Crow

 

Der Künstlerin gelingt es, für ganz basale Empfindungen wie Fürsorge, Zuneigung und Zufriedenheit erfrischend unkomplizierte Kompositionen zu finden. Die Unbefangenheit und Arglosigkeit der Welpen findet in der einfachen, fast naiv anmutenden Formensprache eine Entsprechung. Inhalt und Form stehen wunderbar im Einklang miteinander.

Verena Crow hat am Salzburger Mozarteum und an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. Sie lebt und arbeitet in Klosterneuburg.

Vom 20. bis 22. Oktober 2017 nimmt Verena Crow an der Gemeinschaftsausstellung "sagt in süssen schmertzen..." teil, die am Freitag, dem 20. Oktober um 19.30 Uhr mit einem Konzert im Kulturhaus Alter Pfarrhof, Kirchplatz 2, in St.Andrä-Wördern/Niederösterreich eröffnet wird.

alle Bilder © Verena Crow

 

Ausstellung, Malerei
27. September 2017 - 7:56

Wenn ich irgendwo ein Bild mit Hund einer mir unbekannten Künstlerin entdecke, suche ich zuallererst deren Homepage auf und klicke mich für einen ersten Eindruck durch die Bilder. Tauchen vielleicht öfter Hunde auf?

Was ich auf Slava Seidels Homepage entdeckt habe, waren großformatige Malereien, mit Sepiatusche angefertigt. Hasen überwogen, die paar Hunde sehen sie unten:

 

o.T., 2010 © Slava Seidel

 

Auf fast allen Bildern war ein architektonischer Raum oder eine Bühnenkulisse zu sehen.

Nicht nur die Technik - Sepiatusche spaltet sich in verschiedene Farbtöne - evoziert Altes, Vergangenes, Im-Übergang-Befindliches, Zerfallenes, auch die Gebäude und kunsthistorischen Zitate scheinen aus dem Barock, Rokoko und der Romantik zu stammen. (Lesen Sie in den Texten von Claudia Olbrych und Florian Koch Genaueres über den technischen Herstellungsprozess dieser Tuschebilder).

 

o.T., 2010 © Slava Seidel

o.T., 2012 © Slava Seidel

ancora qui, 2013 © Slava Seidel

Gute Stube, 2013 © Slava Seidel

 

Besonders ihre frühen auf der Homepage gezeigten Arbeiten von 2011 wirken auf mich wie Illustrationen kryptischer oder dystopischer Kurzgeschichten, wie Phantasiearchitektur - unverwurzelt am konkreten Ort.

 

The Game, 2013 © Slava Seidel

Derealisation, 2013 © Slava Seidel

RaumFlucht, 2014 © Slava Seidel

 

Slava Seidels Kunst ist energievoll, das Malen geschieht aus einem Impetus heraus, aus einer ausladenden Geste, die kein Vorzeichnen und keine Vorsicht kennt. In einem Kurzporträt auf der Homepage der Galerie Heitsch spricht sie über ihren Schaffensprozess.

Wieso dieses Drauflosmalen, das Zupapierbringen der surrealen Kompositionen so oft gelingt, liegt einerseits an ihrer Vorstellungskraft, andererseits an der Könnerschaft und Präzision, mit der die Künstlerin Perspektiven einsetzt, aufbricht und verzerrt. Der sichere Umgang mit historischer Architektur sowie unterschiedlichsten Blickwinkeln geht noch auf ihre Ausbildung zur Innenarchitektin in der Ukraine zurück. Ebenso erkennbar ist ihre frühere Arbeit als Bühnenbildnerin.

 

Hasenjagd, 2014 © Slava Seidel

Auftritt, 2014 © Slava Seidel

Dog Recognize Himself in a Mirror, 2015 © Slava Seidel

Behind the scenes, 2015 © Slava Seidel

Exit - Entrance, 2015 © Slava Seidel

 

Slava Seidel (* 1974 in Krivoj Rog/Ukraine) studierte Innenarchitektur in Sankt Petersburg und arbeitete kurze Zeit als Bühnenbildnerin, bevor sie im Jahr 2000 nach Deutschland kam und von 2002-2008 an der Städelschule in Frankfurt/Main studierte.

alle Bilder © Slava Seidel

 

Malerei, Zeichnung
13. Juni 2017 - 18:45

Peter Saul, Rich Dog, 1963
Peter Saul, Rich Dog, 1963, Hall Collection © Peter Saul, Courtesy Hall Art Foundation,
Foto: Jeffrey Nintzel

 

In seiner ganz eigenen Bildsprache hat der US-amerikanische Maler Peter Saul ab den späten 1950er-Jahren ein äußerst eigenwilliges Œuvre entwickelt, ein Crossover aus Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, San Francisco Funk und Cartoon Culture, in dem er politische und soziale Themen anspricht.

Nie wirklich zu einer Gruppe oder Bewegung gehörend, malt er seit mehr als 50 Jahren gegen wechselnde künstlerische Moden an. Dabei verletzt er ganz bewusst den guten Geschmack und das lange bevor "Bad Painting" ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde.

Der 1934 in San Francisco geborene Künstler vereint in seiner Malerei nicht nur gegensätzliche Stilrichtungen wie Pop Art und Abstrakten Expressionismus, er fügt seinen Bildern auch das Erzählen von Geschichten als neues, eigenes Moment hinzu.

Mit der Pop Art gemeinsam hat Peter Saul das Interesse am Banalen, an der Konsumgesellschaft und der Produktwerbung. Anders als die bekannten Vertreter der Pop Art zeigt er allerdings keine cleane Ästhetik, sondern eine übertrieben schrille oder schmuddelige, um die Schattenseiten des Massenkonsums und des American Dream zu zeigen. Sein komplexer und unübersichtlicher Bildaufbau, die dynamischen, ja barocken Kompositionen rücken ihn die Nähe der Abstrakten Expressionisten.

In der Mitte der 1960er-Jahre beginnt Peter Saul seine Kunst vermehrt mit politischen Botschaften zu verknüpfen. Neben Themen wie dem Vietnamkrieg, Polizeigewalt und der sexuellen Ausbeutung der Frau verhandelt Saul in seinen Bildern auch Rassenkonflikte und die gesellschaftliche Spaltung durch Armut und Reichtum. Er sieht seine Bilder jedoch nicht als Protest oder politische Agitation - "I’m just using what the culture gives me" -, sondern er bedient sich lediglich an den aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen und Geschehnissen. Politik ist für ihn nur ein weiteres Thema wie Landschaft, Abstraktion oder irgendetwas anderes.

 

Peter Saul, Superman and Superdog in Jail, 1963
Peter Saul, Superman and Superdog in Jail, 1963, Öl auf Leinwand, 190,5 x 160 cm,
Collection of KAWS © Peter Saul, Foto: Farzad Owrang

 

Helden seiner malerischen Erzählungen sind oft Figuren aus Comicstrips, wie etwa Mickey Mouse, Donald Duck oder Superman, die jeder kennt und mit denen er ernste politische Inhalte verbindet. Saul zerstört das Image Supermans als sauberem Supermann, setzt ihn mit Banalitäten ins Bild und konzentriert sich auf seine dunklen Momente der Niederlage. Bei "Superman and Superdog in Jail" (1963) sitzt der Held mit zerrissenem Kostüm im Gefängnis, unter ihm eine Toilettenschüssel, aus der Superdog genüsslich sabbert.

Wie technisch präzise, witzig und grell, aber auch böse und unergründbar Peter Sauls Kunst ist, erkennt man auch an den Bildern mit Hunden, die ich für den Blog mit Hilfe der google-Suche gefunden habe.

 

Peter Saul, Dog, 1964
Peter Saul, Dog, 1964, Foto von hier

Peter Saul, Manz Best Friend, 2009
Peter Saul, Manz Best Friend, 2009, Foto von David Nolan Gallery

Peter Saul, Dog on Cross, 1985
Peter Saul, Dog on Cross, 1985, Foto von David Nolan Gallery

Peter Saul, Rembrandt Dog, 1988
Peter Saul, Rembrandt Dog, 1988, Foto von George Adams Gallery

Peter Saul, Vincent Van Dawgh, 1988
Peter Saul, Vincent Van Dawgh, 1988, Foto von George Adams Gallery

Peter Saul, Dog in Electric Chair, 1986
Peter Saul, Dog in Electric Chair, 1986, Foto von George Adams Gallery

 

Erstmals in Europa präsentiert nun die Schirn Kunsthalle Frankfurt einen umfassenden Überblick über das bislang wenig beachtete Werk von Peter Saul, der mit seiner Arbeit und seiner Lehrtätigkeit auch viele nachfolgende Künstler beeinflusst hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. September 2017 zu sehen.

Quelle: Schirn Kunsthalle Frankfurt, David Nolan Gallery, George Adams Gallery

 

Ausstellung, Malerei
16. Mai 2017 - 21:55

Noch bis zum 11. Juni 2017 ist die Sammlung Klewan - Porträt(s) der Moderne in der Orangerie des Unteren Belvederes zu sehen. Die Sammlung umfasst bedeutende Werke der internationalen klassischen Moderne bis hin zu zentralen Positionen der Nachkriegskunst. Helmut Klewan, Kunstkenner und Galerist, pflegte Kontakt zu bedeutenden österreichischen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Arnulf Rainer, Friedensreich Hundertwasser und Maria Lassnig.

Eine der ausgestellten Künstlerinnen ist Regina Götz (*1966 in Bludenz/Österreich), die von 1986 bis 1994 bei Maria Lassnig an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien studierte.

Wie Maria Lassnig thematisiert auch Regina Götz Körperwahrnehmung und -empfindung. Das Selbstporträt zieht sich als roter Faden durch das schmale Werk. Auf mehreren Bildern befinden sich Tiere, trotzdem sind die Gemälde nicht idyllisch: Schmerz und Krankheit sind in ihnen präsent. Bei genauerem Betrachten der Selbstbildnisse erkennt man den Filter im Halsbereich, den die Künstlerin nach einer Kehlkopfoperation trägt.

 

Regina Götz, o.T., 2006 und 2008 © Belvedere Wien

 

Die Gemälde lassen eine Vielzahl von Assoziationen zu. Menschliche und tierische Körper werden vermessen. Der Trend zur Optimierung des Körpers hin zur Perfektion steht im Gegensatz zu seiner realen Verwundung und Fragilität. Die Tiere fungieren dabei auch als Vermittler, die es dem Betrachter/der Betrachterin erleichtern sollen, ins Bild einzusteigen, sich auf das Bild einzulassen.

Humor und Witz ist beim unteren Gemälde zu erahnen. Die Künstlerin stellt sich als nackte "Salome" mit dem Haupt von Wolfgang Zinggl, dem Kultursprecher der Grünen, dar. Dieser "Johannes" schaut ganz ungläubig, als scheint er sich zu fragen, wie es so weit kommen konnte. Auch der Dalmatiner blickt ganz fassungslos auf das Tablett.

 

Regina Götz, o.T. © Regina Götz

 

Nur alle zwei Jahre stellt die Vorarlbergerin, die in Wien lebt, ein Bild fertig. Besondere Aufmerksamkeit beim langwierigen Entstehungsprozess widmet sie den Augen. ihr Ziel ist es, dass das Bild quasi zurückschaut. Wie schön für uns, dass auf einigen Bildern ein Dalmatiner mit dabei ist!

Quelle: Die Presse, Wiener Zeitung, Belvedere

 

Ausstellung, Malerei
10. Mai 2017 - 14:40

Sicher kennen Sie Virginia Woolf! Aber haben Sie auch schon von Vanessa Bell gehört? Sie war die ältere Schwester der Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Als Malerin des Post-Impressionismus wurde sie in ihrer pastosen, kraftvollen Malerei vor allem von Matisse inspiriert. Neben der Malerei beschäftigte sie sich mit Illustration, Innenarchitektur und Design.

 

Vanessa Bell, Leonard Woolf's Dog Sally

 

Vanessa Bell (1879-1961) studierte an der Royal Academy School und stellte ab 1912 zuerst in London, dann auch international in Paris, Zürich und Venedig aus. Nach dem Tod der Eltern lebte sie mit ihren Geschwistern im Londoner Stadtteil Bloomsbury, wo regelmäßige Treffen mit anderen Künstlern und Intellektuellen zur Bildung der Bloomsbury Group führten. Später übersiedelten sie ins Landhaus nach Charleston/Sussex.

Im Jahr 1907 heiratete sie  Clive Bell, später zog mit dem homosexuellen Maler Duncan Grant und seinem damaligen Freund David Garnett zusammen, blieb ihrem Ehemann dennoch stets freundschaftlich verbunden. Ihre progressive Einstellung gegenüber freier Liebe und ihre allgemeine Weltoffenheit machten sie zur "bodenständigen, domestizierten Göttin" der queeren Szene von Bloomsbury. (dazu Artikel in Broadly)

 

Vanessa Bell, Leonard Woolf's Dog Sally

 

In England gilt Vanessa Bell als strahlende, unkonventionelle Figur, um die sich ein exzentrischer Freundeskreis drehte. Obwohl sie eine zentrale Figur und Muse der Bloomsbury-Gruppe war, blieb sie lange im Schatten ihrer berühmteren Schwester und wurde vor allem wegen ihres abwechslungsreichen Liebeslebens rezipiert. Erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod wird sie ausschließlich als Künstlerin betrachtet und ihr Werk in einer Einzelausstellung in der Londoner Dulwich Picture Gallery präsentiert. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Juni 2017 zu sehen.

 

Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC I

 

Eingang in den Blog findet Vanessa Bell, weil sie auch Sally, den Hund ihres Schwagers Leonard Sidney Woolf malte. Wie gut ihr das gelungen ist, sehen Sie im Vergleich mit dem unteren Foto.

 

Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC I
Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC Images

 

Quellen: Frauenbiographieforschung, Broadly, Dulwich Picture Gallery, Die Zeit

Bilder via pinterest

 

Ausstellung, Malerei
25. April 2017 - 9:55

Snowscape with dog, 2004 © Siert Dallinga

 

Ein alter Computer, eine Bananenschachtel, Kind und Hund im Schnee: Mir hat dieses Bild von Siert Dallinga, das ich zufällig im Internet gefunden habe, so gut gefallen, dass ich es Ihnen zeigen wollte. Spüren Sie auch die eisige Kälte, die es verströmt und wollen Sie nicht auch durch das dichte Fell des Hundes streichen?

"Not yet" heißt es lapidar auf der Homepage des Künstlers unter dem Menüpunkt "About". Mir ist es leider nicht gelungen, an anderer Stelle Informationen über den Künstler zu finden, außer dass er aus den Niederlanden stammt und 1954 geboren ist.

Lediglich die Bildersuche brachte noch weitere Bilder mit Hund zum Vorschein, auch diese durchaus sehenswert!

 

Mud, 2006 © Siert Dallinga

Dog, 1990 © Siert Dallinga

Politieman op duin met hond, 1990 © Siert Dallinga

 

alle Bilder © Siert Dallinga

Malerei
15. April 2017 - 7:40

o.T.© Joseba Eskubi

 

Der baskische Künstler Joseba Eskubi lässt in seinen kleinformatigen Bildern aus dicken, gestisch angelegten Farbmassen Figuren/Körper/Objekte entstehen. In seinen so genannten "Collagen" stecken unter diesen Lawinen von Farbmassen Fotografien -  unter anderem von Hunden.

Meist teilt ein Horizont die zwei Farben des gleichmäßig angelegten Hintergrundes. Erschafft Eskubi damit in unserer Vorstellung das "Draußen" von abstrakt anmutenden Landschaften, in denen Körper und Knäuel, wie vom Himmel gefallen, herumliegen? Oder malt er ein "Drinnen", eine Art Bühnenraum, in dem Figuren wie Silhouetten vor dem Hintergrund aufragen?

Seine gemalten "Objekte" - es sind zumeist organische, weiche, amorphe Formen in Zersetzung oder Bewegung, rätselhaft, mystisch, unruhig - sind in unterschiedlichen Ausprägungen zwischen Figuration und Abstraktion angesiedelt. Dabei versucht der Künstler jedem Bild eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Charakter wie bei einem Porträt einer bisher unbekannten Sache zu verleihen.

 

o.T.© Joseba Eskubi

 

Anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Artdocks in Bremen weist Uwe Goldenstein auf die Präsenz dieser Kreaturen/Körper hin: Diese fragilen, scheinbar nur durch die Farbschlieren zusammengehaltenen und in einem morphologischen aber gleichzeitig unbestimmten Sinn sehr lebendig erscheinenden Körper verweilen ganz selbstverständlich im Raum.

Ich habe nur drei Beispiele ausgewählt, die aber stellvertretend für eine Vielzahl ähnlicher Werke stehen, die zwar Assoziationen von Verhüllungen, Verschleimungen und Eingewobensein auslösen, sich aber dennoch einer konkreten Interpretation widersetzen.

Besonders im unteren Bild sehe ich ein Wesen, das noch eingesponnen, eingewickelt ist, das sich erst entpuppen muss - im biologischen und übertragenem Sinn. Im Grunde ist es nur ein Farbhaufen, der so viel Verletzlichkeit und Zartheit ausstrahlt, dass er bei mir Mitgefühl auslöst. Expression und Sensibilität sind bei Eskubi kein Gegensatz. Seine gestische und ungestüme Malerei findet ihre wesentlichen Züge im Unbewussten und Instinkt. (vgl. dazu dieses Interview mit Joseba Eskubi)

Wichtig ist dem Künstler das Hervorheben der materiellen Substanz der Bilder. Eskubi geht es auch um die Malerei an sich, um das quasi nicht abbildende Erschaffen aus Farbe und expressivem Gestus.

 

o.T.© Joseba Eskubi

 

Einen Teil seiner Arbeit machen kleine Intervention in Kunstkatalogen (vor allem spanischer Barockmaler) oder auf Fotos aus: Er verformt, verzerrt, ja vergräbt das Originalbild unter einem Netzwerk neuer Bedeutungen; er übermalt und manipuliert die Figuren, um sie teilweise zu abstrahieren. Diese Arbeiten bezeichnet Eusebi als "Collagen", die Schere wird durch den Pinsel selbst ersetzt.

Nachfolgend sehen Sie Eskubis Übermalungen von Hunden: Manchmal bleibt nach Eskubis Abstrahierungsprozess nur sehr wenig vom Ausgangsmaterial übrig, weshalb es für mich gar nicht einfach war, die Beispiele mit Hundemotiv herauszufinden.

 

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

o.T.© Joseba Eskubi

 

Joseba Eskubi (*1967 in Bilbao/Spanien) stellt international aus und unterrichtet in Bilbao an der Kunstakademie.

Veronika Olma hat mich auf diesen zeitgenössischen spanischen Künstler aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür! Schauen Sie sich auf alle Fälle weitere Arbeiten auf Eskubis Homepage an. Ich bin mir noch immer unschlüssig darüber, ob er ein figurativer oder abstrakter Maler ist, wobei es mir natürlich nicht um die "Schublade" geht, sondern darum, wie es die Beurteilung und Betrachtung seiner Arbeit verändert. Spannend allemal!

alle Bilder © Joseba Eskubi

 

27. März 2017 - 22:10

© David Eustace

 

Die kleinen Gemälde von David Eustace sind so britisch und liebenswert, dass ich mich fast nicht entscheiden konnte, welche ich Ihnen zeigen will. Im Anschluss meine "kleine" Auswahl. Sie können selbst bei der Google-Bildersuche noch viele andere entdecken!

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Eustace behandelt - ganz monothematisch - ein einziges Sujet: die Freundschaft des Mannes zu seinem Hund. Doch diesem Motiv ringt er mannigfache Facetten ab. Männer mit Hut, Hunde mit Hut, beide mit Papierhüten, vielleicht ihrem Grad der Beschwipstheit entsprechend. Denn Alkohol ist in diesen englischen Pub-Szenen natürlich in Form von vollen und leeren Pints mit im Spiel. Die vorgestellten Protagonisten schauen mit rosigen und vom Bier geröteten Gesichtern aus der Wäsche - sprich aus ihren Anzügen oder Karopollundern, manche wärmt leger ein Ringelschal.

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Wir lernen Hunde verschiedenster Rassen und Mischungen kennen, manche laborieren wie ihre Herrchen an kleinen Verletzungen. Es wird gekuschelt und geschmust, was das Zeug hält. Nur eines fehlt gänzlich: das Weibliche! Ich habe kein einziges Bild einer Frau mit Hund gefunden - diese Geschichte muss erst noch erzählt werden!

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Die kleinen Gemälde ähneln einander in ihren Versatzstücken - neben Mann und Hund ein runder Tisch, eine angeschnittene Uhr und die Horizontale eines Wandpaneel - und ergeben doch immer wieder neue heiter-melancholische Variationen.

Einen angedeuteten Kubismus, die Perspektiven von Cézannes Stilleben, sogar Chagall finde ich in seinen Werken, subtil zitiert und um Humor ergänzt.

 

© David Eustace

 

David Eustace (*1950 in Birmingham) ist nicht nur Maler, sondern auch Musiker in Blues- und Jazz-Formationen.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Andrea Antoni bedanken, die mich nicht nur auf das Werk dieses Briten aufmerksam gemacht hat, sondern die damit den Blog sozusagen wieder ins Rollen brachte, nachdem ich in einer "Schreibblockade" gefangen war, die mich hinderte begonnene Beiträge abzuschließen und mich neuen zuzuwenden. Vielleicht hören Sie in Zukunft also wieder mehr von mir!

alle Bilder © David Eustace

 

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