Malerei

29. Januar 2018 - 12:30

Das Werk des venezianischen Künstlers Marzio Tamer brauche keinen schriftlichen Kommentar oder intellektuelle Interpretation, es sei Schönheit und Können im reinen Zustand. Sinngemäß habe ich das über diesen zeitgenössischen, figurativen Maler gelesen. Das hat sicher seine Berechtigung.

Trotzdem möchte ich Sie auf einen Text aufmerksam machen, der den scheinbar aus der Gegenwart gefallenen italienischen Künstler und sein Werk in unglaublich pointierter und sensibler Weise porträtiert – auf einen Text, der sowohl dem Künstler als auch den dargestellten Tieren gerecht.

Diese Betrachtung hat mich überhaupt erst auf Marzio Tamer aufmerksam gemacht. Dank an Michael Pilz für seinen Beitrag "Ist das noch Ökokitsch oder schon Biorealismus" in der "Welt".

 

Marzio Tamer, Wolf 2008

 

Marzio Tamer hat eine führende Rolle in der zeitgenössischen, italienischen figurativen Malerei inne, obwohl ihn eine intellektuelle Autonomie gegenüber zeitgeistigen Moden auszeichnet. Seine Tiere, Pflanzen, Landschaften, Jahreszeiteneinblicke, Stillleben - in Aquarell, Eitempera und Öl gemalt - vermitteln einen fotorealistischen Eindruck. Detailversessen und mit naturalistischer Genauigkeit malt er Lichtreflexionen und Oberflächenbeschaffenheiten.

Seine technische Könnerschaft und Präzision erzeugt allerdings nicht Kälte oder Sterilität, sondern machen seine Werke im Gegenteil tief emotional und poetisch, Poesie und Virtuosität durchdringen einander. Er zeigt uns die Schönheit und strukturelle Perfektion der Tiere als Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses der Evolution, Anpassung und Transformation.

Die tiefe Sensibilität, der Respekt für die lebende Welt, seine Betrachtung der Tiere als Subjekte machen ihn einzigartig und modern. Es gelingt ihm nicht nur eine innere Verbindung mit dem abgebildeten Tier herzustellen und eine authentische und natürliche Einsicht zu gewinnen, sondern auch uns an dieser Erkenntnis teilhaben, uns die Tiefe seines Blicks erfassen zu lassen.

 

Marzio Tamer, Wolf 2015

 

Tamer setzt seine Tiere meist in einen leeren Hintergrund. Er nennt sie "suspended backgrounds". Der Hintergrund wird sozusagen von der Verpflichtung enthoben, zusätzlich Bedeutung zu generieren. Trotz der Leere, in der sich seine Motive befinden und der Undefiniertheit von Raum und Zeit, vermittelt er ein einzigartiges Gefühl von Atmosphäre.

Als poetisch, einzigartig, beispiellos, intelligent und sensibel, romantisch und bleischwer wird diese Atmosphäre, sein bildnerisches Universum beschrieben. Bewegend ist es allemal, mich lässt seine Schönheit fassungslos zurück.

 

Marzio Tamer, Wolf 2012

Marzio Tamer, Wolf

Marzio Tamer, Schlafender Wolf, 2008

 

Marzio Tamer (*1964 in Schio/I) studiert, lebt und arbeitet in Mailand. Bald lässt er die Acrylmalerei beiseite, um mit Eitempera zu experimentieren. Diese alte Technik verlangsamt den Herstellungsprozess (Tamer stellt "in einer Meditation am Morgen" die Farben selbst her), entschleunigt, setzt Zeit zum Nachdenken frei und eine tiefe Kenntnis des Mediums voraus. Diese Kenntnis stammt aus Tamers Auseinandersetzung mit den alten Techniken des Benvenuto-Cellini-Handbuchs.

Unten sehen Sie die Wölfe im Zusammenhang mit Plakaten zu seiner letzten Ausstellung im Mailänder Naturhistorischen Museum, eine Ausstellungsansicht, um einen Eindruck von den Bildformaten zu gewinnen, ein Porträt des Künstlers sowie zwei Zeichnungen.

 

Ausstellungsplakat Marzio Tamer

Ausstellungsplakat Marzio Tamer

Ausstellungsplakat Marzio Tamer

Ausstellungsansicht Marzio Tamer

Mazio Tamer, Foto: Berengo Gardin, 2009

Marzio Tamer, Wolf

Marzio Tamer, Wolf

 

Die Wölfe bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Werk. Besonders auf dem Hompage Salomon Fine Art Gallery können Sie einen ersten Überblick über sein Schaffen erhalten. Außerdem liefert die Google-Bildersuche eine Fülle von Ergebnissen, die helfen, seinem Werk nachzuspüren.

Bild- und Textquellen: Michael Pilz in der "Welt", Salamon Fine Art, Trentino Cultura, Hunting Magazine, YouTube, Jonathan Cooper

 

Malerei
15. Januar 2018 - 16:30

Wahrlich passend zum Thema des Blogs - Hund und Kunst - und als schönen Einstieg ins Blogjahr 2018 habe ich dieses wunderbare Bild "Topdogs" entdeckt, das die deutsche Künstlerin Stefanie Gerhardt gemalt hat. Auf ihrer Homepage können Sie zusätzlich Detailansichten dieser Rassen- und Ideenfülle sehen.

 

Topdogs 2013, Öl auf Holz, 148 x 138 cm © Stefanie Gerhardt

 

Wie bei einem Wimmelbilderbuch gibt es hier immer wieder Neues zu entdecken. Es "wimmelt" nur so von Hunden im Faschingskostüm, in Abend- und Brautkleidung, mit Clownnase, Plüschelchgeweih, mit Verband oder Lockenwicklern. Dicht gedrängt blicken manche Hunde fast verzweifelt aus ihren bizarren Ausstaffierungen. Wenn Sie meinen Blog schon länger lesen, wissen Sie vielleicht, wie sehr ich alberne, also entwürdigende Verkleidungen bei Hunden ablehne, an dieser gemalten Variante kann ich mich aber kaum satt sehen!

 

Topdog no.6, 2013, 3-teilig, Öl auf Holz © Stefanie Gerhardt

 

Stefanie Gerhardt arbeitet mit den Medien Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Film. Sie erforscht mit ihren Werken den Raum und was sich in ihm abspielt, den Raum, in dem Werden und Vergehen spürbar werden. Das Vergehen und Auflösen kommt auch bei diesen Bildern zum Ausdruck:

 

aus dem Katalog anlässlich derr Ausstellung Foire © Stefanie Gerhardt
aus dem Katalog anlässlich derr Ausstellung Foire © Stefanie Gerhardt
Bilder von hier:

 

Sie sind aus dem Katalog "Räume des Verschwindens", der anlässlich ihrer Ausstellung "Foire" im Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe entstand. Sie können ihn auch online durchblättern.

Stefanie Gerhardt (*1974 in Freiburg/D) schloss 2008 ihr Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschülerin bei Prof. Leni Hoffmann ab. Sie lebt und arbeitet in Freiburg.

alle Bilder © Stefanie Gerhardt

 

Buch, Malerei
22. November 2017 - 11:55

Windhund Willa © Wilma Wau

 

Die Berliner Künstlerin Wilma Wau malt sehr kleinformatige Hundeporträts in Acryl und Aquarell. Dabei setzt sie die Tiere meist frontal ins Bild. Der Hintergrund bleibt hell und wenig kontrastreich, wodurch sich die Köpfe nur subtil davon abheben und eine elegante und edle Note erhalten - manchmal im Gegensatz zum Gesichtsausdruck.

Frau Wau übertreibt die charakteristischen Rassemerkmale ein bisschen, wodurch die Hunde zusätzlich an Liebenswürdigkeit gewinnen. Schaut der Labrador nicht wie ein Schaf aus, der Spitz wie ein Fuchs? Erkennt Wilma Wau das "wahre" Wesen der Hunde auf treffliche Art und Weise?

 

Labrador Leoni © Wilma Wau

Jack Russel Rocco © Wilma Wau

Spitz Mischling Perry © Wilma Wau

Pitbull Paula © Wilma Wau

 

Die Fellstruktur wird vorzüglich herausgearbeitet, ein sehr plastischer Eindruck entsteht, sodass manche Hunde fast wie kleine Filzskulpturen aussehen.

 

Friedrich © Wilma Wau

Gabriel © Wilma Wau

Border Collie Mr. Bean © Wilma Wau

Bulldogge Beatrix © Wilma Wau

© Wilma Wau

 

Ungeachtet dessen, ob die Hunde wirklich so heißen, wie die Bildtitel vorgeben, sind die Namen genial erfunden (Podenco Poldi!) Und erst der Schäferhund George - ein Brite?

 

Podenco Poldi © Wilma Wau

Kunigunde © Wilma Wau

Schäferhund George © Wilma Wau

 

Besonders bei den Aquarellen merkt man, dass ihre Hunde gleichzeitig Fabelgestalten sind, die wie verschwommen und verhuscht kurz aus ihrer Märchen-Parallelwelt hervorblitzen. Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl nicht mit einem Hund, sondern einem tiefgründigen, alles verstehenden Märchenwesen zusammenzuleben!

 

© Wilma Wau

© Wilma Wau

© Wilma Wau

 

Noch weitere Porträts finden Sie auf der etsy-Seite der Künstlerin.

Ich danke Christiane Grüner, die mich auf Wilma Wau aufmerksam gemacht hat.

Alle Bilder: © Wilma Wau

 

LeserInnen empfehlen, Malerei
25. Oktober 2017 - 8:22

Sicher stimmen Sie mit mir überein, dass wir unten nicht die Darstellung eines Huskys in seinem Habitat vor uns haben, sondern ein Bild des konkreten Hundes "Lushka". In dem Gemälde von Alice Neel aus dem Jahr 1974 ist der Hund eindeutig Gegenstand dessen, was wir unter der Gattung Porträt verstehen. Wie auch in vielen Porträts von Menschen präsentiert die Künstlerin den Hund in einer frontalen Position, den Blick direkt auf den Betrachter, die Betrachterin gerichtet.

 

Alice Neel, Lushka, 1974, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro, London
Alice Neel, Lushka, 1974, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

Die Künstlerin, die sich selbst als "Painter of people" bezeichnet, widmet der Darstellung der Tiere die gleiche Aufmerksamkeit wie der malerischen Beschreibung der Menschen, sie sind ebenso individuell und bedeutsam.

Alice Neel (1900-1984) ist eine der bedeutendsten amerikanischen Porträtistinnen des zwanzigsten Jahrhunderts, ihr Werk wird als intim, unaufgeregt, zwanglos, persönlich und direkt beschrieben. Sie beobachtet nicht nur die Menschen sehr genau, sondern auch die mit ihnen lebenden Tiere. Hunde und Katzen waren ein Teil ihres häuslichen Lebens. Vom Beginn ihrer Karriere in den 1930er Jahren bis zu ihrem Tod 1984 finden sich immer wieder Doppelporträts (Mensch mit Hund oder Katze) oder Einzelporträts von Tieren. Sie erfasst sowohl den menschlichen als auch den tierlichen Charakter und bringt die Einzigartigkeit der Lebewesen anhand ihrer individuell typischen Blicke, Gesten, Haltungen zum Ausdruck. Sie scheint allerdings mehr Katzen gemalt zu haben, ich habe lediglich ein paar Werke mit Hunden gefunden.

 

Alice Neel. Carol with a Dog, 1962, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Mi
Alice Neel. Carol with a Dog, 1962, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

Nur durch eine kleine Geste vermittelt Alice Neel die Bindung zwischen Mensch und Tier: Carol berührt den Hund am Nacken. Ihr blondes Haar, die helle Haut und das hellgrüne Kleid kontrastieren mit dem schwarzen Fell und den tiefroten Augen des Pudels an ihrer Seite.

 

Alice Neel, Richard with Dog, 1954
Alice Neel, Richard with Dog, 1954

 

Richard hat in diesem Doppelporträt den gleichen erstaunt-fragenden Blick wie sein Hund.

"Nadya and the Wolf" hat eine rätselhafte Qualität, beide scheinen Teil einer mehrdeutigen mythologischen oder metaphorischen Szene zu sein. In diesem Frühwerk zeigt sich die Verbindung zum Expressionismus nordischer Prägung.

 

Alice Neel, Nadya and the Wolf, 1931, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria
Alice Neel, Nadya and the Wolf, 1931, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

Alice Neel. King Asleep, 1954, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro, L
Alice Neel. King Asleep, 1954, Courtesy the Artist’s Estate and Victoria Miro,
London © The Estate of Alice Neel

 

In den Deichtorhallen Hamburg ist nun erstmals in Deutschland ein Überblick über das Schaffen dieser Ausnahmekünstlerin zu sehen, die erst in den 1970er Jahren späte Anerkennung erfuhr. Unbeeinflusst vom abstraktem Expressionismus blieb sie ihrem realistischen Stil treu, der als rückwärtsgewandt kritisiert wurde. Es gelang ihr mit ihrem ausdrucksstarken, einfühlsamen und psychologisch akkuratem Werk zum Wesenskern der Menschen vorzudringen. Ihre kraftvollen Bilder inspirierten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler wie Chuck Close, Marlene Dumas, Alex Katz und Elizabeth Peyton.

Alice Neels Hauptwerk entstand in ihrer New Yorker Nachbarschaft, in Greenwich Village, Spanish Harlem und schließlich an der Upper West Side, wo sie zahlreiche Mitglieder der Kulturszene New Yorks gemalt hatte, unter anderem Andy Warhol, der dieses Bildnis als das beste von ihm je geschaffene bezeichnete. Darüber hinaus porträtierte sie Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder zufällige Bekanntschaften. Neels Aufmerksamkeit galt aber gleichermaßen den Unterprivilegierten, den Armen und Diskriminierten. Sie führte ein äußerst bewegtes Leben als alleinerziehende Mutter und Mitglied der New Yorker Künstlerszene; sie engagierte sich Zeit ihres Lebens politisch, sympathisierte mit dem Kommunismus und wurde zum Symbol der Frauenrechtsbewegung.

 

Quellen: Homepage der Künstlerin, Wikipedia, Deichtorhallen Hamburg, Victoria Miro Gallery

 

Ausstellung, Malerei, Zeichnung
12. Oktober 2017 - 8:17

Der Kopf des Mopses scheint aus dem Skizzenbuch herauszukommen, der kleine Hund auf der Unterlage zu liegen. Die Zeichnungen sind derart realistisch, dass ich am liebsten hingreifen will, um mich zu vergewissern, dass der Schein trügt. Diese Diskrepanz zwischen der zweidimensionalen Zeichnung und der dreidimensionalen Wirkung ist es auch, die den Betrachter und die Betrachterin fröhlich stimmt und schmunzeln lässt.

 

Drawing of Elsje! © Nicolas V. Sanchez

My big boy © Nicolas V. Sanchez

 

Chichi © Nicolas V. Sanchez

 

Nur mit ein paar Kugelschreibern zeichnet der in New York ansässige Künstler Nicolas V. Sanchez diese meisterhaften Porträts in seine kleinformatigen Skizzenbücher. Mit seiner präzisen und gekonnten Anwendung von Höhungen und Schattierungen erzeugt er einen nuancenreichen plastischen Eindruck. Dabei baut er die Form durch mehrere Schichten Kreuzschraffur auf. Da er kaum mit Bleistift vorzeichnet, muss er diszipliniert und fehlerlos arbeiten: Sein Werkzeug erlaubt keine Korrekturen.

Nicolas V. Sanchez hat mit diesen kleinen themenorientierten Büchern in Internet-Blogs eine große Bekanntheit erlangt. Aber er kann noch viel mehr! Er arbeitet in verschiedenen Medien und unterschiedlichen Größen. Auf seiner Homepage finden sich Beispiele seiner Auftragsarbeiten: (Hunde-) Porträts mit Kugelschreiber, aber auch Kohlezeichnungen und naturalistische sowie abstrahierende Ölgemälde.

 

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

colored ballpoint pen © Nicolas V. Sanchez

 

In einem Interview spricht der Künstler über die Bedeutung der Materialien für seine Arbeit und wie verschiedene Themen und Ideen unterschiedliche Herangehensweisen erfordern, um zum wirkungsvollsten künstlerischen Ergebnis zu kommen.

Sanchez ist in Michigan aufgewachsen und hat sowohl dort als auch in New York studiert. Seine Arbeiten geben noch einen Einblick in diese bäuerliche Welt und ländliche Kultur mit ihren Kühen, Ziegen und - seinem Lieblingsmotiv – Schafen. Eine ganz kleine Auswahl dieser sensiblen Tierporträts möchte ich Ihnen keinesfalls vorenthalten!

 

Bridgman goat, colored ballpoint pen, 3.5 x 5.5 in, 2013 © Nicolas V. Sanchez

El Ojo, oil on panel, 6 x 6 in, 2014 © Nicolas V. Sanchez

Petro, oil on canvas, 24x30in, 2017 © Nicolas V. Sanchez

oil on panel, 6x6in, 2016 © Nicolas V. Sanchez

Summer rotation, oil on canvas, 24x30in, 2017 © Nicolas V. Sanchez

Bound, oil on board, 18 x 18 in, 2012 © Nicolas V. Sanchez

Backwoods flock 3, oil on canvas, 24x30in, 2017

 

Nicolas V Sanchez lebt und arbeitet in New York.

Weitere Arbeiten auf der Facebook- und Instagram-Seite des Künstlers

alle Bilder © Nicolas V. Sanchez

Auch dieser Blogbeitrag geht auf eine Anregung von Andrea Antoni zurück, vielen Dank dafür!

 

4. Oktober 2017 - 7:59

Hunde mit violettem Teppich, 2017 © Verena Crow

 

Gibt es ein Bild einer Hündin, das Mutterglück besser ausdrücken kann als dieses? Noch ein bisschen unsicher, aber ganz entspannt blickt die Hundemutter in Erwartung dessen, was noch auf sie zukommen wird. Nur nicht bewegen, damit das Kleine, das sich in den Raum zwischen Kopf und Vorderbeinen schmiegt und gleichzeitig abstemmt, nicht aufwacht!

Wie gut passt auch der komplementärfarbene, fröhliche Teppich dazu, der die stille Heiterkeit und Freude in seinem Muster aufnimmt.

Ein kleines Dilemma tut sich im unteren Bild auf: Der aufmerksame und besorgte Blick richtet sich auf den nur wenig entfernt liegenden Welpen, während die Mutter in der selbstgewählten Ruhe und schutzgewährenden Regungslosigkeit verharrt.

 

Hunde auf blauem Hintergrund, 2017 © Verena Crow

Hundefamilie violett, 2017 © Verena Crow

Welpen mit rotem Teppich, 2017 © Verena Crow

Hunde-Siesta, 2017© Verena Crow

3 Welpen, 2017 © Verena Crow

4 Welpen barock, 2017 © Verena Crow

4 Welpen auf Gelb, 2017 © Verena Crow

Hündin mit Welpen, 2017 © Verena Crow

Hunde zinkoxyd, 2017 © Verena Crow

 

Der Künstlerin gelingt es, für ganz basale Empfindungen wie Fürsorge, Zuneigung und Zufriedenheit erfrischend unkomplizierte Kompositionen zu finden. Die Unbefangenheit und Arglosigkeit der Welpen findet in der einfachen, fast naiv anmutenden Formensprache eine Entsprechung. Inhalt und Form stehen wunderbar im Einklang miteinander.

Verena Crow hat am Salzburger Mozarteum und an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. Sie lebt und arbeitet in Klosterneuburg.

Vom 20. bis 22. Oktober 2017 nimmt Verena Crow an der Gemeinschaftsausstellung "sagt in süssen schmertzen..." teil, die am Freitag, dem 20. Oktober um 19.30 Uhr mit einem Konzert im Kulturhaus Alter Pfarrhof, Kirchplatz 2, in St.Andrä-Wördern/Niederösterreich eröffnet wird.

alle Bilder © Verena Crow

 

Ausstellung, Malerei
27. September 2017 - 7:56

Wenn ich irgendwo ein Bild mit Hund einer mir unbekannten Künstlerin entdecke, suche ich zuallererst deren Homepage auf und klicke mich für einen ersten Eindruck durch die Bilder. Tauchen vielleicht öfter Hunde auf?

Was ich auf Slava Seidels Homepage entdeckt habe, waren großformatige Malereien, mit Sepiatusche angefertigt. Hasen überwogen, die paar Hunde sehen sie unten:

 

o.T., 2010 © Slava Seidel

 

Auf fast allen Bildern war ein architektonischer Raum oder eine Bühnenkulisse zu sehen.

Nicht nur die Technik - Sepiatusche spaltet sich in verschiedene Farbtöne - evoziert Altes, Vergangenes, Im-Übergang-Befindliches, Zerfallenes, auch die Gebäude und kunsthistorischen Zitate scheinen aus dem Barock, Rokoko und der Romantik zu stammen. (Lesen Sie in den Texten von Claudia Olbrych und Florian Koch Genaueres über den technischen Herstellungsprozess dieser Tuschebilder).

 

o.T., 2010 © Slava Seidel

o.T., 2012 © Slava Seidel

ancora qui, 2013 © Slava Seidel

Gute Stube, 2013 © Slava Seidel

 

Besonders ihre frühen auf der Homepage gezeigten Arbeiten von 2011 wirken auf mich wie Illustrationen kryptischer oder dystopischer Kurzgeschichten, wie Phantasiearchitektur - unverwurzelt am konkreten Ort.

 

The Game, 2013 © Slava Seidel

Derealisation, 2013 © Slava Seidel

RaumFlucht, 2014 © Slava Seidel

 

Slava Seidels Kunst ist energievoll, das Malen geschieht aus einem Impetus heraus, aus einer ausladenden Geste, die kein Vorzeichnen und keine Vorsicht kennt. In einem Kurzporträt auf der Homepage der Galerie Heitsch spricht sie über ihren Schaffensprozess.

Wieso dieses Drauflosmalen, das Zupapierbringen der surrealen Kompositionen so oft gelingt, liegt einerseits an ihrer Vorstellungskraft, andererseits an der Könnerschaft und Präzision, mit der die Künstlerin Perspektiven einsetzt, aufbricht und verzerrt. Der sichere Umgang mit historischer Architektur sowie unterschiedlichsten Blickwinkeln geht noch auf ihre Ausbildung zur Innenarchitektin in der Ukraine zurück. Ebenso erkennbar ist ihre frühere Arbeit als Bühnenbildnerin.

 

Hasenjagd, 2014 © Slava Seidel

Auftritt, 2014 © Slava Seidel

Dog Recognize Himself in a Mirror, 2015 © Slava Seidel

Behind the scenes, 2015 © Slava Seidel

Exit - Entrance, 2015 © Slava Seidel

 

Slava Seidel (* 1974 in Krivoj Rog/Ukraine) studierte Innenarchitektur in Sankt Petersburg und arbeitete kurze Zeit als Bühnenbildnerin, bevor sie im Jahr 2000 nach Deutschland kam und von 2002-2008 an der Städelschule in Frankfurt/Main studierte.

alle Bilder © Slava Seidel

 

Malerei, Zeichnung
13. Juni 2017 - 18:45

Peter Saul, Rich Dog, 1963
Peter Saul, Rich Dog, 1963, Hall Collection © Peter Saul, Courtesy Hall Art Foundation,
Foto: Jeffrey Nintzel

 

In seiner ganz eigenen Bildsprache hat der US-amerikanische Maler Peter Saul ab den späten 1950er-Jahren ein äußerst eigenwilliges Œuvre entwickelt, ein Crossover aus Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, San Francisco Funk und Cartoon Culture, in dem er politische und soziale Themen anspricht.

Nie wirklich zu einer Gruppe oder Bewegung gehörend, malt er seit mehr als 50 Jahren gegen wechselnde künstlerische Moden an. Dabei verletzt er ganz bewusst den guten Geschmack und das lange bevor "Bad Painting" ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde.

Der 1934 in San Francisco geborene Künstler vereint in seiner Malerei nicht nur gegensätzliche Stilrichtungen wie Pop Art und Abstrakten Expressionismus, er fügt seinen Bildern auch das Erzählen von Geschichten als neues, eigenes Moment hinzu.

Mit der Pop Art gemeinsam hat Peter Saul das Interesse am Banalen, an der Konsumgesellschaft und der Produktwerbung. Anders als die bekannten Vertreter der Pop Art zeigt er allerdings keine cleane Ästhetik, sondern eine übertrieben schrille oder schmuddelige, um die Schattenseiten des Massenkonsums und des American Dream zu zeigen. Sein komplexer und unübersichtlicher Bildaufbau, die dynamischen, ja barocken Kompositionen rücken ihn die Nähe der Abstrakten Expressionisten.

In der Mitte der 1960er-Jahre beginnt Peter Saul seine Kunst vermehrt mit politischen Botschaften zu verknüpfen. Neben Themen wie dem Vietnamkrieg, Polizeigewalt und der sexuellen Ausbeutung der Frau verhandelt Saul in seinen Bildern auch Rassenkonflikte und die gesellschaftliche Spaltung durch Armut und Reichtum. Er sieht seine Bilder jedoch nicht als Protest oder politische Agitation - "I’m just using what the culture gives me" -, sondern er bedient sich lediglich an den aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen und Geschehnissen. Politik ist für ihn nur ein weiteres Thema wie Landschaft, Abstraktion oder irgendetwas anderes.

 

Peter Saul, Superman and Superdog in Jail, 1963
Peter Saul, Superman and Superdog in Jail, 1963, Öl auf Leinwand, 190,5 x 160 cm,
Collection of KAWS © Peter Saul, Foto: Farzad Owrang

 

Helden seiner malerischen Erzählungen sind oft Figuren aus Comicstrips, wie etwa Mickey Mouse, Donald Duck oder Superman, die jeder kennt und mit denen er ernste politische Inhalte verbindet. Saul zerstört das Image Supermans als sauberem Supermann, setzt ihn mit Banalitäten ins Bild und konzentriert sich auf seine dunklen Momente der Niederlage. Bei "Superman and Superdog in Jail" (1963) sitzt der Held mit zerrissenem Kostüm im Gefängnis, unter ihm eine Toilettenschüssel, aus der Superdog genüsslich sabbert.

Wie technisch präzise, witzig und grell, aber auch böse und unergründbar Peter Sauls Kunst ist, erkennt man auch an den Bildern mit Hunden, die ich für den Blog mit Hilfe der google-Suche gefunden habe.

 

Peter Saul, Dog, 1964
Peter Saul, Dog, 1964, Foto von hier

Peter Saul, Manz Best Friend, 2009
Peter Saul, Manz Best Friend, 2009, Foto von David Nolan Gallery

Peter Saul, Dog on Cross, 1985
Peter Saul, Dog on Cross, 1985, Foto von David Nolan Gallery

Peter Saul, Rembrandt Dog, 1988
Peter Saul, Rembrandt Dog, 1988, Foto von George Adams Gallery

Peter Saul, Vincent Van Dawgh, 1988
Peter Saul, Vincent Van Dawgh, 1988, Foto von George Adams Gallery

Peter Saul, Dog in Electric Chair, 1986
Peter Saul, Dog in Electric Chair, 1986, Foto von George Adams Gallery

 

Erstmals in Europa präsentiert nun die Schirn Kunsthalle Frankfurt einen umfassenden Überblick über das bislang wenig beachtete Werk von Peter Saul, der mit seiner Arbeit und seiner Lehrtätigkeit auch viele nachfolgende Künstler beeinflusst hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. September 2017 zu sehen.

Quelle: Schirn Kunsthalle Frankfurt, David Nolan Gallery, George Adams Gallery

 

Ausstellung, Malerei
16. Mai 2017 - 21:55

Noch bis zum 11. Juni 2017 ist die Sammlung Klewan - Porträt(s) der Moderne in der Orangerie des Unteren Belvederes zu sehen. Die Sammlung umfasst bedeutende Werke der internationalen klassischen Moderne bis hin zu zentralen Positionen der Nachkriegskunst. Helmut Klewan, Kunstkenner und Galerist, pflegte Kontakt zu bedeutenden österreichischen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Arnulf Rainer, Friedensreich Hundertwasser und Maria Lassnig.

Eine der ausgestellten Künstlerinnen ist Regina Götz (*1966 in Bludenz/Österreich), die von 1986 bis 1994 bei Maria Lassnig an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien studierte.

Wie Maria Lassnig thematisiert auch Regina Götz Körperwahrnehmung und -empfindung. Das Selbstporträt zieht sich als roter Faden durch das schmale Werk. Auf mehreren Bildern befinden sich Tiere, trotzdem sind die Gemälde nicht idyllisch: Schmerz und Krankheit sind in ihnen präsent. Bei genauerem Betrachten der Selbstbildnisse erkennt man den Filter im Halsbereich, den die Künstlerin nach einer Kehlkopfoperation trägt.

 

Regina Götz, o.T., 2006 und 2008 © Belvedere Wien

 

Die Gemälde lassen eine Vielzahl von Assoziationen zu. Menschliche und tierische Körper werden vermessen. Der Trend zur Optimierung des Körpers hin zur Perfektion steht im Gegensatz zu seiner realen Verwundung und Fragilität. Die Tiere fungieren dabei auch als Vermittler, die es dem Betrachter/der Betrachterin erleichtern sollen, ins Bild einzusteigen, sich auf das Bild einzulassen.

Humor und Witz ist beim unteren Gemälde zu erahnen. Die Künstlerin stellt sich als nackte "Salome" mit dem Haupt von Wolfgang Zinggl, dem Kultursprecher der Grünen, dar. Dieser "Johannes" schaut ganz ungläubig, als scheint er sich zu fragen, wie es so weit kommen konnte. Auch der Dalmatiner blickt ganz fassungslos auf das Tablett.

 

Regina Götz, o.T. © Regina Götz

 

Nur alle zwei Jahre stellt die Vorarlbergerin, die in Wien lebt, ein Bild fertig. Besondere Aufmerksamkeit beim langwierigen Entstehungsprozess widmet sie den Augen. ihr Ziel ist es, dass das Bild quasi zurückschaut. Wie schön für uns, dass auf einigen Bildern ein Dalmatiner mit dabei ist!

Quelle: Die Presse, Wiener Zeitung, Belvedere

 

Ausstellung, Malerei
10. Mai 2017 - 14:40

Sicher kennen Sie Virginia Woolf! Aber haben Sie auch schon von Vanessa Bell gehört? Sie war die ältere Schwester der Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Als Malerin des Post-Impressionismus wurde sie in ihrer pastosen, kraftvollen Malerei vor allem von Matisse inspiriert. Neben der Malerei beschäftigte sie sich mit Illustration, Innenarchitektur und Design.

 

Vanessa Bell, Leonard Woolf's Dog Sally

 

Vanessa Bell (1879-1961) studierte an der Royal Academy School und stellte ab 1912 zuerst in London, dann auch international in Paris, Zürich und Venedig aus. Nach dem Tod der Eltern lebte sie mit ihren Geschwistern im Londoner Stadtteil Bloomsbury, wo regelmäßige Treffen mit anderen Künstlern und Intellektuellen zur Bildung der Bloomsbury Group führten. Später übersiedelten sie ins Landhaus nach Charleston/Sussex.

Im Jahr 1907 heiratete sie  Clive Bell, später zog mit dem homosexuellen Maler Duncan Grant und seinem damaligen Freund David Garnett zusammen, blieb ihrem Ehemann dennoch stets freundschaftlich verbunden. Ihre progressive Einstellung gegenüber freier Liebe und ihre allgemeine Weltoffenheit machten sie zur "bodenständigen, domestizierten Göttin" der queeren Szene von Bloomsbury. (dazu Artikel in Broadly)

 

Vanessa Bell, Leonard Woolf's Dog Sally

 

In England gilt Vanessa Bell als strahlende, unkonventionelle Figur, um die sich ein exzentrischer Freundeskreis drehte. Obwohl sie eine zentrale Figur und Muse der Bloomsbury-Gruppe war, blieb sie lange im Schatten ihrer berühmteren Schwester und wurde vor allem wegen ihres abwechslungsreichen Liebeslebens rezipiert. Erst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod wird sie ausschließlich als Künstlerin betrachtet und ihr Werk in einer Einzelausstellung in der Londoner Dulwich Picture Gallery präsentiert. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Juni 2017 zu sehen.

 

Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC I

 

Eingang in den Blog findet Vanessa Bell, weil sie auch Sally, den Hund ihres Schwagers Leonard Sidney Woolf malte. Wie gut ihr das gelungen ist, sehen Sie im Vergleich mit dem unteren Foto.

 

Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC I
Leonard und Virginia Woolf, Foto von Gisele Freund © Estate Gisele Freund/IMEC Images

 

Quellen: Frauenbiographieforschung, Broadly, Dulwich Picture Gallery, Die Zeit

Bilder via pinterest

 

Ausstellung, Malerei