Usborne, Martin

9. Mai 2015 - 9:15

© Martin Usborne

Der Blick in eine Hundeseele - ein Foto voller Zärtlichkeit.

 

Wenn Sie zu den langjährigen LeserInnen meines Blogs gehören, können Sie sich vielleicht noch an Martin Usbornes Foto-Serie "Mute - The Silence of Dogs in Cars" erinnern, über die ich am 1. September 2011 geschrieben habe. Es war einer der ersten Beiträge überhaupt, die ich veröffentlicht hatte. Nicht zuletzt deshalb ist mir Martin Usbornes Arbeit, die ich mit großem Interesse verfolge, ans Herz gewachsen. Er gehört zu den Guten! Zu jenen, die ihre Kunst in den Dienst der Tiere stellen.

Jetzt freue mich ganz besonders, Ihnen sein neues Projekt vorstellen zu dürfen - ein Fotobuch, das auf das Leben und Sterben der spanischen Windhunde hinweist: Where hunting dogs rest. Dieses Buch stellt Porträts von geretteten Hunden neben Aufnahmen der Landschaften, wo die weniger glücklichen unter ihnen den Tod finden: in Schluchten und Flüssen, auf Landstraßen und dem freien Feld.

Sie können durch Unterstützung seines Projekts auf Kickstarter dazu beitragen, das Leid dieser Hunde bekannt zu machen und zu mindern. Mit seinem Fotobuch, in dem er die Schönheit und Würde dieser Tiere zeigt, möchte Martin Usborne diesen Hunden eine Stimme geben.

 

© Martin Usborne

© Martin Usborne

 

Jeden Winter werden in Spanien mindestens 30 000 Windhunde, die zur Hasenhetzjagd verwendet wurden, ausgesetzt oder auf barbarische Weise getötet, weil sie zu langsam oder zu alt sind. Vielen Besitzern ist es schlicht zu teuer, sie bis zur nächsten Saison zu behalten. Weltweit, aber auch in Spanien, ist deren qualvolles Dasein viel zu wenig bekannt oder es wird ignoriert.

Vor einigen Jahrhunderten waren diese wunderbaren Hunde die Gefährten der Könige und des Adels. Das Töten dieser Hunde war ein Verbrechen und wurde schwer bestraft. Heute werden der große Galgo und der kleinere Podenco zur Jagd auf Kleinwild eingesetzt. Nach der Saison werden die Hunde - nun selbst Opfer einer verkommenen Jagdtradition - mit Steinen um den Hals in Brunnen und Flüsse geworfen oder an Bäumen aufgehängt - eine besonders sadistische Form des Tötens, die Osborne hier beschreibt. Manche werden verletzt oder halb verhungert in Rettungsstationen aufgenommen und warten dort auf ein neues Zuhause.

 

© Martin Usborne

 

Es ist schwer zu sagen, wie viele Hunde unter diesen Zuständen leiden, da die Jagd in abgelegenen Gebieten stattfindet. Schätzungen sprechen von bis zu 200 000 Hunden jährlich. Das Tierheim 112 Carlota Galgos, in dem Martin Usborne fotografierte, und das nur ein kleines Gebiet abdeckt, bekommt täglich bis zu 90 Hunden.

 

White Galga © Martin Usborne

 

Martin Usborne, der auf seinen Reisen auch nach Spanien kam, reagiert auf diesen unerträglichen Zustand mit einem Fotobuch: Fotografieren ist das, wie er sagt, was er am besten kann. Das Buch selbst erzählt von der Schönheit und Eleganz der Tiere. Usborne stellt die Brutalität und das Leid nicht direkt dar, trotzdem ist es in den Hunden präsent. Sie sind nervös, schwach, scheu. Martin Usbornes Bilder nehmen die Tonalität und Stimmung von Gemälden Velázquez’ auf, geschaffen zu einer Zeit, als diese Hunde noch mit großem Respekt behandelt wurden.

   The work of this book is inspired by Velazquez. He painted at a time when these dogs were still revered and was born in an area where the dogs still hunt. His use of dramatic lighting and earthy colours provided a constant reference point and a reminder of these dogs' noble past. I hope that this images show something of the classical beauty and heritage of these dogs whilst not ignoring the ugliness of their modern situation.

 

© Martin Usborne

The smaller Podenco © Martin Usborne

 

Die Fotos wurden in Andalusien und Extremadura aufgenommen, wo die Hetzjagd üblich ist. Unerwünschte Hunde werden ausgesetzt, verbrannt, in den Flüssen ertränkt.

 

© Martin Usborne

© Martin Usborne

© Martin Usborne

 

Ein Teil des Bucherlöses kommt Tierheimen zugute. Neben dieser ganz konkreten Hilfe will Martin Usborne vor allem das internationale Bewusstsein erhöhen, um diese grausame Jagdtradition einzudämmen.

Auf seinem Blog "A year to help" beschreibt Martin Usborne seinen Versuch, in einem Jahr so viele Tiere zu retten wie möglich. Viele Tage beschäftigen sich mit "The rise and (almost) fall of the galgo"

Hier nochmals der Link zu Kickstarter, wo auch ein Video zum Projekt zu sehen ist.

Wenn Sie einen Galgo oder Podenco adoptieren wollen, können Sie sich an diese Rettungsstationen wenden: 112 Carlota Galgos und Fundatcion Benjamin Mehnert.

alle Fotos © Martin Usborne

 

16. Juli 2013 - 8:50

Manche Blogbeiträge gelingen besser als andere, manche mag ich auch nach langer Zeit noch sehr gerne. So ein Beitrag ist der über Martin Usbornes "The Silence of Dogs in Cars". Er gehörte am Beginn des Blogs zu meinen ersten "Entdeckungen". Kürzlich hat mir eine Leserin, S. aus Bremen (ich glaube sie hat etwas mit Eichkätzchen zu tun), vorgeschlagen, seine Serie "Nice to Meet You" zu zeigen. Nun, das tue ich gerne.

 

Nice to meet you - You look great © Martin Usborne

Nice to meet you - I agree © Martin Usborne

Nice to meet you - I also work at the bank © Martin Usborne

Nice to meet you - It's OK © Martin Usborne

Nice to meet you - Well done © Martin Usborne

Nice to meet you - I'm fine © Martin Usborne

Nice to meet you - Nice to meet you © Martin Usborne

Nice to meet you - I love you © Martin Usborne

Nice to meet you - It was a long time ago © Martin Usborne

 

In dieser Serie hat Martin Usborne jeden Hund durch ein besonderes Material verborgen fotografiert: eine nasse Glasscheibe, Rauch, ein Tuch, getrocknete Blumen. Er hat Hunde gewählt, die vernachlässigt oder aggressiv sind. Ergänzt hat er die Hundefotos um Phrasen, die das verbergen. Obwohl Hunde zu den Lebewesen gehören, die auch ohne Worte ihre Befindlichkeiten kommunizieren können, verstehen viele Menschen deren Äußerungen nicht oder machen sich nicht die Mühe sie zu verstehen. Auch davon handeln seine Fotos: von der Sprachlosigkeit der Tiere, von ihren verborgenen Schmerzen und stillen Bedürfnissen, die für viele Menschen nicht offensichtlich sind.

Mir gefällt die Serie "The Silence of Dogs in Cars" besonders gut, weil die Abgeschiedenheit und Verlassenheit der Hunde durch ihr Weggesperrtsein im Auto mit seinen geschlossenen Fensterscheiben durch die Fotografien kongruent zum Ausdruck gebracht wird. "Nice to Meet You" hat für mich allerdings eine formale Künstlichkeit, die den Blick verstellt - nicht nur auf die Hunde, sondern auch auf die Aussage. Dazu kommt, dass in vielen Blogs nur die Fotografien, ohne ergänzenden Text präsentiert werden, was das Erkennen des dahinterliegenden Konzepts erschwert. Doch dafür kann Martin Usborne natürlich nichts.

 

In einem Interview auf Four & Sons beschreibt Usborne das Verhältnis des Menschen zum Tier als eine der größten Tragödien unserer Zeit, weil wir sie dominieren, kontrollieren, missbrauchen:

 

Our relationship is amazingly screwed up, and it’s one of the greatest tragedies of our time. The way we dominate, control, silence and abuse animals is utterly horrendous. It’s why I’m spending a year to help animals—a sort of apology for all the years of inaction on my half towards helping other creatures.

Als "failed animal lover" hat Usborne ein Projekt begonnen, das über das bloße Fotografieren hinausgeht. A Year to Help: Ein Jahr lang will er so viele Tiere retten wie möglich: Haustiere, "Nutztiere", Fische, Vögel. Auf seinem Blog finden Sie auch sein Manifest. Unter Punkt 6 schreibt er: Ich muss aufhören Schinken zu essen. Das klingt im ersten Moment witzig, zeigt aber den Widerspruch auf, mit dem viele Tierfreunde und Tierschützer leben. In seinen Worten:

I’m a failed animal lover. Oh, I love animals so much! But I also love to eat them! Hang on…something don’t add up. I thought I had better straighten out my soul. No point just taking pictures; better try to do something positive. I have no idea if I have really helped but I feel myself sliding uncontrollably towards veganism, which is a fairly scary prospect for my fridge.

Ich wüsche ihm und den Tieren von ganzem Herzen viel Erfolg bei seinem Projekt und seinem Weg zum Veganismus.

 

LeserInnen empfehlen, Fotografie
1. September 2011 - 17:41

Neben farbenprächtigen Fotos von Antigua, asiatischen Kindern und einem ausgestopften Fuchs fotografiert der Londoner Fotograf Martin Usborne immer wieder Hunde.

 

2010 entstand die Fotoserie Life as a dog in the recession, die im Apri 2011 als Buch erschien. Usborns Zwergschnauzer Moose, der einen eigenen Blog betreibt, schrieb den Text dazu.

 

Berührend und ergreifend ist seine Serie Mute: the silence of dogs in cars, in der Usborne - vor allem in der Nacht - wartende, zurück gelassene Hunde in Autos zeigt. Ausgangspunkt war die Erinnerung an eine kindliche Erfahrung: Er war im Auto allein gelassen worden und wusste nicht, ob und wann jemand zurück käme und vergleicht sie mit der Situation der Hunde. Kein Hund weiß, ob sein menschlicher Partner in 10 oder 30 Minuten oder nie mehr zurückkommen wird. Im doppelten Sinne scheint die Einsamkeit und Isolation, die aus den Gesichtern spricht zeitlos. Zwei Scheiben, die Autoscheibe und die Linse des Fotoapparats - stehen zwischen dem Fotografen umd dem Tier: Es ist gefangen und stumm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zukünftige Projekte beschäftigen sich mit geretteten Hunden in Tierheimen und Nahaufnahmen von Hunden hinter dekorierten Glasscheiben.

Alle Fotos © Martin Usborne

 

 

Buch, Fotografie