Skulptur

31. Oktober 2022 - 18:10

"I try to stage silence", sagt der belgische Künstler Hans Op de Beeck, er versuche in seiner Kunst die Stille zu inszenieren, deshalb stellen seine lebensgroßen Skulpturen meist Momente der Ruhe oder einfache, ruhige, alltägliche Handlungen dar, die von der Beschaulichkeit des Vergehens der Zeit erzählen. (vgl. monopol)

So auch der "Sleeping Dog" (Polyester, Beschichtung) von 2019. Vielleicht ist er ein junger molliger Labrador, kaum dem Welpenalter entwachsen, der seinen weichen Bauch gegen den Boden drückt, während er schläft.

 

Dog, Sculpture, 2019 © Hans Op de Beeck

 

Sein seidiges Haar ist akribisch dargestellt, die Augen sind fest geschlossen. Vor allem der graue Farbton, der dem farblosen Fußboden des Ausstellungsraums ähnelt, erzeugt eine ruhige Atmosphäre, als wäre die Zeit zu einem Moment angehalten. Oder wird die Zeit zur Ewigkeit ausgedehnt, wird die lange Pause, die der Hund einlegt, niemals enden.

Hans Op de Beeck lockt uns in seine melancholische Bildwelten zwischen Traum und Wirklichkeit. Er schafft räumliche Bildsituationen der Stille, Abgeschiedenheit und Zeitlosigkeit.

 

Dog, Sculpture, 2019 © Hans Op de Beeck

 

Wie alle Installationen und Skulpturen Op de Beecks ist auch "The Boatman" (2020) in Grau gefasst. Er zeigt uns eine lebensgroße Skulptur eines Mannes in einem kleinen Ruderboot, der das Boot scheinbar von einem Ufer wegschiebt. Neben seinem Hund und einem Huhn erkennen wir einen Rucksack, Kanister, persönliche Gegenstände und Waren in Körben, die er zum Verkauf oder Tausch anbieten kann. Ist das Huhn Gefährte wie der Hund oder zum Tausch bestimmt?

Woher kommt der Einzelgänger, wohin fährt er? Ist es eine Reise, um der Vergangenheit zu entkommen und eine andere Zukunft anzusteuern? Ist er heimatlos und ein ständig Reisender, ziellos Herumfahrender?

 

The Boatman, Sculpture, 2020 © Hans Op de Beeck

 

Op de Beeck ist bekannt für seine großformatigen Rauminstallationen und hyperrealistischen, spektakulären Skulpturen, die einen Moment einfrieren. Die Frauen, Männer, Kinder und Hunde, die in seinem Atelier Modell stehen, posieren für fiktive Figuren, für eine künstliche Welt, in der unsere komplexe Welt reflektiert wird und Fragen von Existenz und Sterblichkeit, Zeit und Zeitlosigkeit verhandelt werden.

 

Im Allgemeinen versuche ich, eine künstliche Welt zu evozieren, eine verdichtete Version der Realität, die von uns als Menschen spricht und unser Leben, unsere Beziehungen zu anderen, unsere Umwelt und unsere Sterblichkeit oft unbeholfen in Szene setzt. (zit.n. artbooms, übersetzt mit deepL)

 

The Boatman, Sculpture, 2020 © Hans Op de Beeck

The Boatman, Sculpture, 2020 © Hans Op de Beeck

The Boatman, Sculpture, 2020 © Hans Op de Beeck

The Boatman, Sculpture, 2020 © Hans Op de Beeck

 

Sein fast monochromes Werk wird ergänzt durch Gemälde, Animationen, Texte, Zeichnungen, Fotografien, Videos, Opern und Theater, wobei er sich auf vielfältige Weise zwischen verschiedenen Medien bewegt.

Hans Op de Beeck (*1969 in Turnhout/Belgien), lebt und arbeitet in Brüssel. Er ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Regisseur, Komponist, Choreograf, Kurator, Bühnenbildner. Seine Werke werden weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

alle Bilder © Hans Op de Beeck

 

Installation, Skulptur
4. Oktober 2022 - 9:57

Presence of Animals, 2011 © Veikko Hirvimäki

 

"Presence of animals is important because they do not convert anything into money"

 

Als ich nach dem finnischen Künstler Veikko Hirvimäki gegoogelt habe, fand sich an erster Stelle ein Wikipedia-Eintrag zu einem anscheinend namensgleichen Künstler, der 1941 geboren war. Sein Vater war also auch schon Künstler, war mein erster Gedanke. Erst nach weiteren Recherchen merkte ich, dass es sich um "meinen" Veikko Hirvimäki handelt. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass diese formal (nicht inhaltlich) witzigen, heiteren Arbeiten von einem alten Mann stammen.

 

Veikko Hirvimäki vor seinem Werk Demonstration von 2016, Foto Angel Gil
Veikko Hirvimäki vor "Demonstration" von 2016, Foto: Angel Gil

 

Veikko Hirvimäki hat vor Jahrzehnten als Maler begonnen, wobei er in unterschiedlichen Stilrichtungen arbeitete. Er wandte sich dann der abstrakten Bronze- und Steinskulptur zu und arbeitete in den 1980er Jahren vor allem für den öffentlichen Raum in Helsinki. Erst mit der Jahrtausendwende begann er mit seinen ausdrucksstarken und liebenswerten Holzskulpturen, die ich Ihnen hier zeige.

Trotz ihres ernsten Themas strahlen seine Tierskulpturen Individualität, Wärme und skurrilen Humor aus. Er porträtiert Tiere, oft mit anthropomorphen Eigenschaften ausgestattet, als ob sie eine stumme Kritik an der menschlichen Dummheit und Hybris üben würden.

Folgende Überlegung des Künstlers geht der tierischen Werkgruppe voraus:

 

Since decades I woke up wondering if art for art was enough for me. I came to the conclusion that it should include an underneath message. A message which refers to the roots of man, to the time where he had no weapons to disrupt the state of nature.

When men went painting on the walls of caves, it was a ritual for asking and thanking nature. Here are our roots. Man became a dictator on our planet, starting to rule everything with artificial intelligence based on profit and destroying the equilibrium of nature for our consumers fever, our wellbeing and our comfort.

Animals in my work are messengers. They are at once demonstrators and revolutionaries who react against the destruction of NATURE.

This is why I call this ensemble Demonstration of Nature. (hier)

Seit Jahrzehnten frage ich mich, ob Kunst um der Kunst willen für mich genug ist. Ich kam zu dem Schluss, dass sie eine Botschaft enthalten sollte. Eine Botschaft, die sich auf die Wurzeln des Menschen bezieht, auf die Zeit, als er noch keine Waffen hatte, um den Zustand der Natur zu stören.

Als die Menschen an die Wände der Höhlen malten, war das ein Ritual, um die Natur zu bitten und ihr zu danken. Hier sind unsere Wurzeln. Der Mensch wurde zum Diktator auf unserem Planeten und begann, alles mit künstlicher Intelligenz zu regieren, basierend auf Profit und der Zerstörung des Gleichgewichts der Natur für unser Konsumfieber, unser Wohlbefinden und unseren Komfort.

Tiere sind in meiner Arbeit Boten. Sie sind gleichzeitig Demonstranten und Revolutionäre, die sich gegen die Zerstörung der NATUR wehren.

Deshalb nenne ich dieses Ensemble Demonstration der Natur. (übersetzt mit DeepL)

 

We need to talk, Detail, 2018 © Veikko Hirvimäki
We need to talk, 2018, Teil eines Triptychon

 

Hirvimäki wendet sich also dem Thema Natur und Tier zu und stellt seine Tierskulpturen zu Triptychen, aber auch zu rudelartigen Installationen zusammen. Wölfe, Füchse, Elche, Vögel und Reptilien erinnern uns an die Verwundbarkeit der Natur und daran, dass der Mensch ehemals Teil der ihn umgebenden Natur war, mit den Jahreszeiten und Tieren koexistierte.

Wenn seine Tiere jetzt "demonstrieren", dann deshalb, weil ihr Lebensraum in Gefahr ist. "We need to talk", fordert uns der Wolf auf, während er den menschlichen Galerieraum durchbricht. Er symbolisiert nicht die mehr die Wildnis, sondern deren Gefährdung; erhebt seine Stimme, um eine gemeinsame Lösung zu finden und uns zum Handeln aufzurufen.

Die Skulpturen, die direkt an den Wänden angebracht sind, erinnern nur im ersten Moment an Jagdtrophäen, denn Hirvimäki stellt die Tiere ganz lebendig und spürbar präsent dar.
 

 

Demonstration, 2020 © Veikko Hirvimäki

 

Hirvimäkis Kunst drückt eine große Sorge über die Umweltkrise und die Zukunft unseres Planeten aus: Der Titel der Skulptur unten "On Thin Ice" kann als Verweis auf die riskante Lage der Menschheit und der Tierwelt interpretiert werden, die beide buchstäblich auf immer dünnerem Eis laufen.

 

On Thin Ice, 2017 © Veikko Hirvimäki

 

Seine Skulpturen erscheinen grob und unfertig, ihre Form folgt so weit wie möglich der Form des Holzes. Mit einer kleinen Axt bearbeitet, bleiben Äste, Unebenheiten und knorrige Strukturen sichtbar, ihre raue unbehandelte Oberfläche wird mit einer lebendigen Farbschicht überzogen. Das Holz erwacht in der Skulptur zu neuem Leben.

 

Smell of man I, 2015 © Veikko Hirvimäki

 

Schamanismus und Mythologie inspirieren seine Skulpturen. Auf den ersten Blick erinnern Hirvimäkis Werke an die finnisch-ugrische Volkstradition, doch scheint er in seinen Arbeiten Fragmente verschiedener Kulturen und Zeitabschnitte zu Bildern universeller Natur zu verbinden. Seine Werke sind erdig, mystisch und primitiv und vermitteln das Interesse des Künstlers an der Natur, ihrer Bedeutung und ihrer Erhaltung.

 

Man and wolf, 2021 © Veikko Hirvimäki

 

Die bizarren Kreaturen führen ein Eigenleben, zeigen und behaupten sich an ungewohnten Plätzen; ragen aus der Wand, recken sich auf dem Boden oder zeigen sich in bunter Verkleidung.

 

 

Grass snake nightmare, 2017 © Veikko Hirvimäki

Howling I, 2013 © Veikko Hirvimäki

Flight, 2011 © Veikko Hirvimäki

 

"Images of memory" nennt der Künstler seine Installationen, die er aus mehreren Einzelstücken an Wände drapiert und die seine Erinnerungen verkörpern.

"Song" besteht aus 24 Einzelobjekten bzw. Erinnerungsstücken: verkohlten Werkzeugteilen, einem Spielzeugauto sowie Utensilien, die nicht auf direkte Nutzanwendung abzuzielen scheinen. Er ergänzt diese Gegenstände mit Tieren, die sich auf der Wand winden oder sich einen Weg aus der Wand bahnen.

Urtümliches Material und zeitgenössische Form der Installation treffen hier aufeinander, Wie traditionelle Vanitas-Stillleben verkörpern die Erinnerungsbilder die Vergänglichkeit allen Seins und aller Materie.  (vgl. Dr. Sonja Lechner)

 

Song, 2011 © Veikko Hirvimäki

 

Um einen Eindruck von der Größe seiner Arbeiten zu bekommen, zeige ich Ihnen eine Ansicht der Ausstellung "Veikko's Wild Friends" in München, 2021.

 

Veikko Hirvimäki in der Galerie Stefan Vogdt, 2021

 

Veikko Hirvimäki (*1941 in Petäjävesi/Finnland) stellt europaweit aus. Seine Arbeiten sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen Finnlands vertreten. Hirvimäki lebt in Ballaigues, Schweiz, und verbringt die Sommermonate in seinem Atelier in der Nähe seines Elternhauses in Petäjävesi.

 

Quellen: Galerie Forsblom, Galerie Stefan Vogdt, Auszug aus der Rede der Kunsthistorikerin Dr. Sonja Lechner

 

Installation, Skulptur
5. September 2022 - 9:15

Der kleine Hund gehört bald mir!

 

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

 

Er ist ein Unikat aus einer Serie von Miniaturen, die die finnische Künstlerin Maisa Majakka für die Galerie Snow in Berlin angefertigt hat. So winzig sind die Hunde, und trotzdem spürt man den gestalterischen Aufwand, die zahlreichen Glasuren und Brennvorgänge an jedem der kleinen Hundekörper (Maisa Majakka hat auch Katzen und Luchse in ihrem Repertoire).

 

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

Miniature Sculpture -  Snow Edition II © Maisa Majakka

 

Stiller Glanz (schon wieder) kennzeichnet die leisen sensiblen Miniaturen. Sorgfalt, Präzision, ernsthafte jahrelange Auseinandersetzung mit ihrem geliebten Material sind jedem kleinen Tier eigen. Subtile Farbgebung - schauen Sie wie zart das Auge "meines" Hundes verläuft, sein goldenes Ohr - und Anleihe an einzelnen Rassen lassen ein ganzes, wunderbar lebendiges Hundeuniversum entstehen.

Die Einzelstücke werden modelliert, gebrannt und von Hand bemalt. Welch ein Unterschied zu keramischer Massenware!

 

Miniature Sculpture - Snow Edition 1 © Maisa Majakka

Miniature Sculpture - Snow Edition 1 © Maisa Majakka

 

Ein kleines Tier kann in einem Blumentopf, in einem Puppenhaus oder auf der Fensterbank leben. Es kann das Zimmer von einem Regal aus beobachten, als Maskottchen auf dem Schreibtisch dienen oder sich in eine Sammlung von Dekorationsartikeln einfügen. Ein kleines Tier ist am schönsten, wenn es von einem anderen kleinen Tier begleitet wird, schlägt die Künstlerin hier vor. (übersetzt mit DeepL)

 

Das gefällt mir, die kleinen Objekte wertzuschätzen und sie liebevoll im Zuhause zu verorten - ganz ohne Animalismus.

Vom 2. bis zum 29. September 2022 präsentiert nun die Galerie Snow mit "After party" die erste Einzelausstellung der finnischen Keramikerin in Deutschland. Sie ist bekannt für ihre ausdrucksstarken figurativen Steingutskulpturen, die von persönlichen Erfahrungen inspiriert sind. Ihre Geschichten werden in Form von Skulpturen, Wandfliesen und Installationen erzählt.

 

Doggy, 2021 © Maisa Majakka

Doggy, Detail, 2021 © Maisa Majakka

Doggy, Detail, 2021 © Maisa Majakka

 

Maisa Majakka stellt also kleine Keramikfiguren von Menschen in verschiedenen alltäglichen Situationen her. Dabei verhandelt sie die Themen Menschsein, Identität, Verbindung und Nähe, Verlust und Liebe. In letzter Zeit hat sie sich insbesondere mit Freundschaften und den Erfahrungen des Müßiggangs im Leben junger Erwachsener beschäftigt.

Ihre Keramikskulpturen beruhen auf Erlebnissen, auf Dingen, die sie gesehen und getan hat, auf menschlichen Begegnungen. Aber auch in ihren Träumen, Tagebüchern und Fotografien sucht sie das Atmosphärische für neue Arbeiten.

Die Werke frieren einen Lebensmoment ein, in den jeder so viel oder so wenig hineinlesen kann, wie er will, ja sie laden förmlich dazu ein, auch unsere Erinnerungen zu wecken, eine Geschichte um sie herum zu konstruieren, in der man vielleicht sogar etwas aus dem eigenen Leben und seinen Träumen wiedererkennt.

 

Juggle, 2021 © Maisa Majakka

Juggle, 2021 © Maisa Majakka

Juggle, 2021 © Maisa Majakka

You Don't Always Have to be a Good Dog, 2021 © Maisa Majakka

You Don't Always Have to be a Good Dog, Detail, 2021 © Maisa Majakka

 

Die Vorliebe der Künstlerin für das keramische Medium entspringt ihrem Respekt für dessen altehrwürdige Traditionen sowie ihrer Liebe zu dessen Unmittelbarkeit, Formbarkeit und großer ästhetischer Bandbreite.

Schon als Kind hat es sie gereizt, Tiere im Ofen aus Polymermasse herzustellen. Aufgrund einer Krankheit nahm sie als Jugendliche an einem Rehabilitationsprogramm teil, wo sie mit Ton arbeiten und erste Grundlagen erlernen konnte. Während ihrer anschließenden Kunstschulzeit hat sie mit Bronze, Beton, Gips, Holz-und Steinbearbeitung sowie 3D-Drucken experimentiert, ist aber immer wieder zur Keramik zurückgekehrt. Danach studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste, die Beschäftigung mit Keramik wurde zum Lebensinhalt. Endlich konnte sie so viele Keramikarbeiten machen, wie sie wollte.

 

Big Dog, 2019 © Maisa Majakka

 

In mehreren Interviews spürt man ihre Leidenschaft, wenn sie über das Material und ihren Arbeitsprozess spricht: Keramik sei das perfekte Material, da es langlebig und praktisch unveränderlich ist.

 

Das Beste an der Keramik ist jedoch ihre Formbarkeit: die Verarbeitbarkeit des Tons und die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der Oberflächengestaltung. Der Ton beugt sich meinem Ausdruck mit einer Bereitschaft und Einfachheit, die meiner Hand absolut treu ist. Es erfordert keine Kraft, nur Geduld und Verständnis für die Materie. Lehm kann jede Form annehmen, in jeder Größe. (zit.n. Emma)

 

Dog Moon Rising, 2021 © Maisa Majakka

 

Maisa Majakka variiert die Oberflächenstrukturen und plant verschiedene Kombinationen: etwas Glänzendes, etwas Mattes, die natürliche Farbe des Tons, verschiedene Schlieren, Gold. Sie arbeitet meistens mit bloßen Händen, aber auch mit Messern und Nägeln, wenn sie in die Oberfläche kratzt. Das mehrmalige Brennen der glasierten dünnwandigen Skulpturen folgt zwar chemischen Gesetzen, birgt aber auch eine Chance auf positive und negative Überraschungen. Deshalb besteht für die Künstlerin die einzige Schwierigkeit darin, die ständige Spannung zu ertragen, wie etwas aus dem Ofen kommt.

 

A Sign, 2018 © Maisa Majakka

 

Maisa Majakka (*1989) hat ihren Master of Fine Arts an der Akademie der Bildenden Künste gemacht und lebt mit ihrer vierköpfigen Familie und dem rumänischen Hund Manta in Käpylä, Helsinki.

Quellen: Museum Emma, Marcy, Galerie Snow

alle Bilder © Maisa Majakka

 

Ausstellung, Skulptur
13. Juni 2022 - 10:38

o.T. © Willy Verginer

 

Der italienische Bildhauer Willy Verginer schafft hyperrealistische Holzskulpturen, die durch die Kombination seiner Frauen-, Männer- und Kinderfiguren mit "unpassenden" Tieren und Gegenständen oft surreal anmuten.

Er schnitzt seine Skulpturen mit größtmöglicher Präzision und Detailgenauigkeit aus einem einzigen Lindenstamm. Die Kenntnisse zur Holzbearbeitung eignete er sich bereits als Jugendlicher durch das Erlernen lokaler Handwerkstraditionen an, seine Ambitionen gingen jedoch bald über das Kunsthandwerkliche hinaus, wurden umfassender und universeller.

Seit 2008 trägt er großflächig Acrylfarbe auf seine Skulpturen auf, um eine Veränderung der Wahrnehmung auszulösen. Die Farbe erscheint wie beiläufig und willkürlich aufgetragen und hat keinen logischen oder konventionellen Bezug zum skulpturalen Volumen der Figuren. Die in kühnen Bahnen aufgetragene Farbe erzeugt starke Kontraste und verstärkt die surreale Wirkung der Skulpturen.

In vielen Arbeiten setzt er sich mit ökologischen und umweltpolitischen Fragen auseinander, thematisiert er die Beziehungen zwischen Menschen und fragiler Natur. Beispiele sehen sie unten als Cover dreier Kataloge.

 

Buchcover Willy Verginer - Rayuela

Buchcover Willy Verginer

Buchcover Willy Verginer - After Industry

 

Willy Verginer (*1957 in Brixen/Italien) besuchte das Kunstinstitut von St. Ulrich, wo er Malerei studierte. Nach seinem Abschluss arbeitete er in verschiedenen Holzbildhauerwerkstätten in Gröden. Ab 2005 zeigt er figurative Skulpturen, die eine originelle plastische Sprache entwickeln, kombiniert mit einer Acrylfarbe mit künstlichen Farbnuancen. 2011 vertritt er Trentino-Südtirol bei der 54. Biennale in Venedig. Einen genauen Überblick über seinen künstlerischen Werdegang und seine Ausstellungstätigkeit finden Sie auf Willy Verginers Homepage. Willy Verginer lebt und arbeitet in St. Ulrich im Grödnertal.

 

alle Bilder © Willy Verginer

 

Skulptur
7. März 2022 - 10:58

Das ist Luca! Die Hündin der Künstlerin Kirstin Kolb 2010.

 

Luca, Zeichnung, 2010 © Kirstin Kolb

Luca, Zeichnung, 2010 © Kirstin Kolb

Luca, Zeichnung, 2010 © Kirstin Kolb

 

In jenem Jahr entscheidet sich Kirstin Kolb ihre Arbeit als Apothekerin aufzugeben und nur mehr künstlerisch tätig zu sein. Sie fertigt auch einen Aluminimguss von Luca an.

 

Luca, Detail, Aluminium, 2010 © Kirstin Kolb Luca, Aluminium, 2010 © Kirstin Kolb

Luca, Aluminium, 2010 © Kirstin Kolb Luca, Aluminium, 2010 © Kirstin Kolb

 

2015 folgt ein Bronzeguss einer Hundegruppe.

 

Hundegruppe, Bronze, 2015 © Kirstin Kolb

 

2016 und 2017 entstehen Gipsskulpturen von Tiergruppen mit Hund, Eule, Krähe, Fasan u.a.

Neben den Hunden, die ich Ihnen zeige, findet Kirstin Kolb ihre Motive meist in der heimischen und exotischen Tierwelt, aber auch der Mensch ist ein Thema. Die Anatomie wird akribisch studiert. Deshalb bestechen ihre in Bronze oder Aluminium gegossenen lebensgroßen Skulpturen durch ihren Realismus - die Künstlerin arbeitet nur gegenständlich - und erfreuen durch ihre Schönheit und Ästhetik.

Während Luca schwebend und zwischen Entspannen und Strecken, jedenfalls in vollkommenem Wohlbehagen und mit einem Lächeln dargestellt ist - in Wirklichkeit wird sie sich wohl gewälzt haben - ertragen die Gipshunde im doppelten Wortsinn ihre Bestimmung: der eine aufjaulend, der andere sie annehmend.

 

o T., Gips, 2016 © Kirstin Kolb

o T., Gips, 2017 © Kirstin Kolb

o T., Gips, 2017 © Kirstin Kolb

 

Neben der Bildhauerei prägen Malereien und Zeichnungen in und auf alten Büchern Kirstin Kolbs Werk. Dabei weiß sie nie, wie die Buntstifte, Acrylfarben und Tusche auf den Buchumschlägen, Buchrücken und Vorsatzpapieren aussehen werden, wie die Textilien und Papiere mit ihren Alters- und Gebrauchsspuren auf die neuen Farbmittel reagieren. Die Ästhetik und formalen Kriterien der antiquarischen Bücher hinsichtlich Farbigkeit, Ornamentik und Typographie werden von Kirstin Kolb ebenso in die neue Komposition miteinbezogen, wie die Buchtitel, die durch die Malerei konterkariert oder ergänzt werden.

In vielen Werken geht sie der Frage nach, wie viel Menschliches im Tier bzw. wie viel Tierisches im Menschen steckt.

 

Münchnerinnen, Zeichnung auf Büchern, 2021 © Kirstin Kolb
Münchnerinnen, Zeichnung auf Büchern, 2021

 

Werden oben die biertrinkenden Münchner von den Hunde-Münchnerinnen ergänzt?

 

Figaros Hochzeit, Zeichnung auf Büchern, 2019 © Kirstin Kolb
Figaros Hochzeit, Zeichnung auf Büchern, 2019

 

Shakespeare, Zeichnung auf Büchern, 2018 © Kirstin Kolb
Shakespeare, Zeichnung auf Büchern, 2018
 

Eine Fuchsjagdszene, die sich über 18 Bände Shakespeare erstreckt?

 

Windhund, Zeichnung auf Büchern, 2018 © Kirstin Kolb
Windhund, Zeichnung auf Büchern, 2018

 

Dürer, Zeichnung auf Büchern, 2019 © Kirstin Kolb
Dürer, Zeichnung auf Büchern, 2019

 

Das Werk heißt Dürer und das Buch Cultur der Renaissance: Spielt die Künstlerin mit dem Cyborg auf den Erfindungsreichtum der Renaissance und auf die Schöpfungskraft des humanistischen Künstlers an? Oder bezieht sich der Begriff Renaissance auf die Gegenwart? Ist der Cyberdog die moderne Wiedergeburt des Hundes als Roboter, der den vierbeinigen Freund und Partner als Therapie- und Pflegeroboter ersetzen will?

 

Daneben lieben, Zeichnung auf Büchern, 2020 © Kirstin Kolb
Daneben lieben, Zeichnung auf Büchern, 2020

 

Daneben lieben wird durch eine Mesalliance, eine unglückliche Verbindung von Partnern, die nicht zueinander passen oder zu passen scheinen, dargestellt. Der Wolf hat das Schaf sicher zum Fressen gern.

 

o.T., Zeichnung auf Büchern, 2020 © Kirstin Kolb
o.T., Zeichnung auf Büchern, 2020

 

Bismarck, Acrylfarbe, Tusche und Buntstifte auf Bucheinband, 2019 © Kirstin Kolb
Bismarck, Acrylfarbe, Tusche und Buntstifte auf Bucheinband, 2019
 

Militaer, Acrylfarbe, Tusche und Buntstifte auf Bucheinband, 2020 © Kirstin Kolb
Militaer, Acrylfarbe, Tusche und Buntstifte auf Bucheinband, 2020 © Kirstin Kolb

 

Statt Orden und Epauletten tragen die Hunde Chanel, Versace, Armani als Halsketten und Halsbänder. Sie scheinen die tierische Entsprechung zum Offizier von Eduard Thöny sein, einem Ulanen, der bis zum Ersten Weltkrieg an Wehrkraft eingebüßt hat und hoffnungslos unterlegen ist.

Seine durch die Rangabzeichen grotesk überhöhte Erscheinung und sein einfältig-verständnisloser Blick werden durch die glotzenden Rassehunde mit ihren Markenaccessoires zusätzlich unterstrichen. Ob der Träger in eine strenge militärische oder Hierarchie der Labels und Logos eingegliedert ist, ist ziemlich einerlei: Das Individuum verschwindet hinter seinen Rang- und Markenzeichen.

Kristin Kolb (*1962 in Braunschweig/D) studierte Pharmazie und arbeitete von der Approbation 1989 bis 2010 in Braunschweig und Berlin als Apothekerin. Seit frühester Kindheit galt ihr Interesse der Kunst, die immer mehr Raum einnahm, bis sie schließlich 2011 zur ausschließlichen Tätigkeit wurde. Mittlerweile lebt und arbeitet sie als freischaffende autodidaktische Künstlerin mit den Schwerpunkten Malerei und Zeichnung sowie Bildhauerei in Berlin.

 

Quelle: Homepage der Künstlerin, Kunkel Fine Art

alle Bilder © Kirstin Kolb
 

Malerei, Skulptur, Zeichnung
17. Januar 2022 - 10:07

Car wash animals © Ricardo Passaporte

 

Das Werk des portugiesischen Künstlers Ricardo Passaporte wird mit der Pop Art in Verbindung gebracht. In Hinblick auf die Wahl seiner Themen ist diese Einschätzung richtig. Wie Andy Warhol, für den Motive wie Kühe, Dollarnoten, Prominente, Suppendosen etc. bei der Darstellung gleichwertig waren, verwendet auch Passaporte Motive der Werbung und Alltagsästhetik sowie Logos und Tiere in seinen Malereien und Installationen.

Oben sehen Sie ein gespraytes Bild, das in seiner letzten Ausstellung "Car Wash Animals" zu sehen war, bei der er verschiedene Tiere zeigte (Hunde, Papageien, Tiger). Als Vorlage wählte er Bilder aus, die er im Internet, in den Printmedien, in der Werbung und in Geschäften und Vitrinen gefunden hatte; ebenso eignete er sich Details von Straßenansichten auf Google Maps an.

Passaporte arbeitete zunächst als Graffiti-Künstler und wurde durch seine vom Discounter Lidl inspirierte Serie von Gemälden bekannt. (Beispiele zeige ich ganz unten). Er schuf auch Skulpturen und Installationen, die sich mit der Ästhetik und Allgegenwärtigkeit von Unternehmensmarken beschäftigten, von Footlocker über Tesco bis hin zur Westminster Kennel Club Dog Show.

Womit wir auf den Hund gekommen wären. Besser gesagt, auf die "Best In Show"!

Die Besten jeder Rasse bei der letzten Westminster Kennel Club Dog Show zeigte Passaporte 2021 in der Galerie Steve Turner in Los Angeles.

 

Babar, 2020 © Ricardo Passaporte

 

Während die gesprühten Porträts von Rumor, Flynn, King, Babar, Miss P und CJ einen einheitlichen blauen Hintergrund haben, ist jeder Hund eine spezifische, identifizierbare Rasse, eine "Marke", die um Popularität, "Likes" und Marktanteile kämpft. Den Hunden fehlen jedoch die üblichen "niedlichen" Eigenschaften, die mit Rassen und Hundeporträts assoziiert werden. Stattdessen hat Passaporte das Klischee durch eine neutrale Qualität ersetzt, die sowohl den Hund als auch den Betrachter von den erdrückenden Auswirkungen von Marketing, Werbung und Konsumismus befreit. (vgl. Steve Turner, übersetzt mit DeepL)

CJ, 2016 © Ricardo Passaporte

Flynn, 2018 © Ricardo Passaporte

King, 2019 © Ricardo Passaporte

Miss P, 2015 © Ricardo Passaporte

 

Rumor, 2017 © Ricardo Passaporte

 

Passaportes Arbeit hat nicht nur mit der Pop Art und deren Warenästhetik zu tun, sondern - durch die häufige Wahl von Sprühfarben - auch mit der Ästhetik der Graffiti-Künstler. Allerdings betont er, dass es einen Unterschied zwischen der künstlerischen Praxis für Galerien und seinen Graffitis gebe und dass seine Kunst keine Weiterentwicklung oder gar "Verbesserung" seiner Praxis als Graffiti-Künstler sei.

Er sprayt die Farbe aus einer gewissen Entfernung auf, was seinen Arbeiten weiches Aussehen und Unschärfe verleiht. Außerdem führt der Abstand zur Leinwand zu einer Unkontrollierbarkeit im Entstehungsprozess, woraus sich unbeabsichtigte Fehler ergeben: Der Raum für Zufall und Überraschung öffnet sich.

 

Best In Show. Installation view, Steve Turner, 2021

Best In Show. Installation view, Steve Turner, 2021

 

Mit der Tiermalerei begonnen hat Passaporte bereits 2020. Auf Mallorca fand seine Ausstellung mit dem wunderbaren Titel "If dogs don’t go to heaven, I want to go where they go", statt.

 

Untitled, 2020 © Ricardo Passaporte

Untitled, 2020 © Ricardo Passaporte

Super cute dog, 2020 © Ricardo Passaporte

6 50 pm, 2020 © Ricardo Passaporte

Good dog, 2020 © Ricardo Passaporte

Two baby poodles, 2020 © Ricardo Passaporte

 

Wie man unschwer an all seinen Arbeiten erkennen kann, ist für Ricardo nicht Brillanz, sondern unbeholfene Darstellung, das weitgehende Fehlen eines "guten" Geschmacks oder der akademischen Gebote von Perspektive und Komposition wesentlich. Er will bei der Kunstproduktion vielmehr Emotionen auf unmittelbare und reine Weise ausdrücken. Deshalb ist er auch von Dingen fasziniert, die auf unprätentiöse Weise entstanden sind wie naive Graffitis oder Kinderzeichnungen. Sein Ziel ist es, vollkommen frei zu malen/sprayen und dem Ergebnis unbekümmert gegenüberzustehen.

Er verwendet verschiedene Medien und Techniken, um zu seinen "naiven" Ergebnissen zu kommen. Seine künstlerische Sprache und Ästhetik sind die Folge eines sehr persönlichen und intimen Prozesses. Seine scheinbare Lockerheit ist darauf zurückzuführen, dass er sich zur Spontaneität zwingt und Raum für Fehler zulässt.

Group of dogs, 2020 © Ricardo Passaporte

Group of dogs, 2020 © Ricardo Passaporte

Poodle with blue background, 2019 © Ricardo Passaporte

Poodle with red background, 2020 © Ricardo Passaporte

 

Mit den Arbeiten zu Lidl wurde Ricardo Passaporte 2016 bekannt. Er setzte sich intensiv mit der Geschichte des Pop auseinander und unterstrich die sich entwickelnde Beziehung zwischen Kunst und Kommerz. Indem er sich diese Logos aneignete, sie abstrahierte und zu seiner persönlichen Sprache machte, unterbrach Passaporte die Beziehung zwischen Marke und Verbraucher.

 

Ausstellungsansicht Galeria Alegria, 2016
Ausstellungsansicht Galeria Alegria, 2016

Ausstellungsansicht Galeria Alegria, 2016

Ausstellungsansicht Ruttkowski;68, 2018
Ausstellungsansicht Ruttkowski;68, 2018

Ausstellungsansicht Ruttkowski;68, 2018

 

Ricardo Passaporte (*1987 in Lissabon/Portugal) lebt und arbeitet in Lissabon.

 

Installation, Malerei, Skulptur
21. Dezember 2021 - 9:53

Die finnische Künstlerin Liisa Hietanen fertigt in der Serie "Villagers" seit 2012 Doppelgänger der Bewohner und Bewohnerinnen ihrer Heimatgemeinde Hämeenkyrö an. Sie strickt, häkelt und stickt, bis bei ihren Skulpturen aus Garn größtmögliche Ähnlichkeit erzielt ist - von der Nachbildung der Kleidung bis hin zu den tierischen Begleitern.

Die Auswahl ihrer Modelle erfolgt intuitiv. Die Person kann jemand sein, den sie in der Bibliothek oder in der Umkleidekabine des Fitnessstudios trifft oder jemand, der mit seinem Hund spazieren geht. Wichtig ist ihr das Darstellen ihr unbekannter Einwohner in Alltagssituationen.

Das Kennenlernen der Modelle und das Arbeiten in der Gemeinde ist neben dem künstlerischen Aspekt ein Hauptanliegen von Liisa. Gegenstand der Arbeiten ist die Begegnung und das langsame Kennenlernen eines Gegenübers. Die Arbeit in einer Gemeinschaft ist ein wesentlicher Teil von Hietanens Arbeit.

 

Raija, 2018 © Liisa Hietanen, Foto Marjaana Malkamäki

 

Was ist unter der Wollhaut, was verbirgt sich im Inneren des Strickwerks? Über ihre Arbeitsweise habe ich nichts Genaues herausgefunden, nur soviel: Die Figuren werden aus weichen Materialien wie Schaumstoff und Watte über einer Armierung geformt.

Zuerst fotografiert sie ihr Modell aus allen Blickwinkeln, Skizzen sind nicht nötig. Sie schweißt ein einfaches Gerüst und verwendet bei Bedarf Beton als Gewicht, damit die Figuren von allein stehen. Danach formt sie die Gestalt aus Schaumstoff und näht Stoff auf diese Füllung. Darauf werden die gestrickten und gehäkelten Teile genäht. Sie können sich sicher vorstellen, dass dies ein langwieriger Prozess ist.

Im Durchschnitt braucht sie drei Monate für eine Dorfbewohner-Skulptur, wenn zusätzliche Teile wie ein Hund dazukommen, dauert es noch länger.

Dieses langsame Entstehen der Skulptur geht parallel mit dem Kennenlernen des modellgebenden Menschen. Während des Prozesses trifft sie ihre Modelle mehrmals persönlich, da es ihr wichtig ist, die Menschen zu sehen, um sie zu modellieren, und nicht nur ihre fotografischen Vorlagen zur Verfügung zu haben.

Die zeitintensive handwerkliche Technik wirkt der gegenwärtigen Schnelllebigkeit entgegen. Auch das Einfühlen in ihr Gegenüber ist für die Textilkünstlerin ein relevanter Wert und steht im Gegensatz zu den schnellen seichten Begegnungen in den sozialen Medien.

 

Liisa Hietanen bei der Arbeit
Foto von hier

 

Jedes fertige Werk wird an einem öffentlichen Ort aufgestellt, der nahe am Alltagsleben der Einwohner ist. Das kann eine Bibliothek, ein Blumenladen oder ein Restaurant sein. Manche Strickskulpturen reisen sogar zu Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Liisa möchte, dass ihre Arbeit sowohl für sie selbst als auch für die im Dorf lebenden Menschen eine Bedeutung hat.

 

Modell und Skulptur
Foto von sewandsouk

 

Liisa Hietanen (*1981 in Lohja/ Finnland) schloss 2007 ihren Bachelor of Design an der Lahti University of Applied Sciences und 2012 ihren Bachelor of Fine Arts an der Tampere University of Applied Sciences ab. 2009 begann sie mit Garn zu arbeiten, 2011 hatte sie ihre erste Einzelausstellung. Ihre Arbeiten wurden für eine Vielzahl von Gruppenausstellungen in finnischen Galerien und Museen ausgewählt und sind Bestandteil mehrerer öffentlicher Sammlungen. Sie lebt und arbeitet in Hämeenkyrö, Finnland.

Homepage der Künstlerin

 

Skulptur
6. Dezember 2021 - 11:48

Linda Brant untersucht in ihrer künstlerischen Arbeit (Fotografie, Skulptur, Kunst im öffentlichen Raum und interaktive Projekte) die Art und Weise wie Menschen nichtmenschliche Tiere nach ihrem Tod ehren oder nicht ehren. Während Haustiere häufig betrauert werden, sterben "Nutziere", Wildtiere und Labortiere praktisch unbemerkt und unbetrauert. Was macht eine Tierart der Trauer würdig, eine andere unwürdig? Welche Auswirkungen haben unsere Werte und Urteile über nichtmenschliche Tiere auf die Menschheit?

In ihrem Pet Cemetery Project dokumentiert Linda Brant Grabsteine auf Haustierfriedhöfen in ländlichen und vorstädtischen Gebieten Floridas und kombiniert sie mit Bildern ausgebeuteter Tiere. Die Bildpaare weisen auf Ungereimtheiten und Widersprüche in unseren Beziehungen zu unterschiedlichen Tieren hin.

 

Gracie © Linda Brant

 

Die Künstlerin kombiniert ein Foto des Grabes von Gracie mit einem Bild von zwei Gorillas im Zoo von San Diego; die Mutter untersucht ein i-Pad, das in das Gehege gefallen ist.

 

Pepper © Linda Brant

 

Sie kombiniert das Foto des Grabes von Pepper mit einem Bild eines Zirkuselefanten, der auf einem Ball balanciert.

 

 

Mourned and Unmourned, ein interaktives Kunstprojekt, fand am 25. April 2015 in Orlando/Florida statt. Einmal im Jahr kommt die Gemeinde von Orlando zusammen, um ihrer verstorbenen Hunde zu gedenken. Dabei werden Papierlaternen mit Fotos, Zeichnungen und Botschaften verziert und in der Abenddämmerung auf den See gesetzt. Linda Brants Projekt fand im Rahmen dieser Veranstaltung statt. Sie recycelte die Papierlaternen von früheren Gedenkfeiern und schuf 68 Collagen, die die betrauerten Hunde und ihre fortdauernde Präsenz in unserem Leben darstellen. Doch was ist mit den nicht betrauerten und unbekannten Hunden?  2014 wurden 1583 Hunde von den Orange County Animal Services eingeschläfert.  Die Öffentlichkeit war eingeladen, der Künstlerin beim Aufhängen von 1583 Hundemarken zu helfen, die jeweils mit dem Wort Unknown beschriftet waren. Die Marken für die namenlosen Hunde hingen über den Collagen für die betrauerten Hunde: An alle wurde gedacht.

Auch wenn es nichts mit Hunden zu tun hat, möchte ich ein weiteres Projekt von Linda Brant vorstellen: Auf dem Hartsdale Pet Cemetery in New York hat die Künstlerin eine besondere Gedenkstätte für Nutztiere errichtet. Das Projekt To Animals We Do Not Mourn begann 2015, als Brant das erste von zwei Kreativitätsstipendien der Culture and Animals Foundation erhielt, deren Aufgabe es ist, Künstler und Stipendiaten dabei zu unterstützen, unser Verständnis und unser Engagement für Tiere zu fördern.

Das Mahnmal ist den Tieren gewidmet, die wir normalerweise nicht betrauern, den namenlosen Rindern, Hühnern, Truthähnen, Schweinen und Schafen. Es ist sowohl ein Mahnmal, ein Kunstwerk als auch ein eindringliches Statement für die Notwendigkeit einer größeren Achtsamkeit beim Umgang mit diesen Individuen.

Das Denkmal besteht aus einer sanft geschwungenen, aufrechten Granittafel mit einem gegossenen Rinderschädel in der Mitte.

 

Frontalansicht des Mahnmals © Linda Brant

 

Ein von Hand facettierter Quarzkristall ist an der Stelle platziert, wo das Bolzenschussgerät beim Töten zwischen die Augen geschossen wird. Der Kristall fungiert als Symbol und verwandelt den Ort des Schmerzes in einen Aufruf zum Mitgefühl.

 

Detailansicht des Mahnmals © Linda Brant

 

Das Denkmal wurde am 26. Oktober 2018 auf dem Hartsdale Pet Cemetery aufgestellt. Am 18. Mai 2019 enthüllen Mia MacDonald (Culture and Animals Foundation), Linda Brant und Ed Martin (Haertsdale Pet Cemetary) das Mahnmal. Es befindet sich in der Mitte des Friedhofs in der Nähe des War Dog Memorials, das 1923 aufgestellt wurde. Der 1896 gegründete Haustierfriedhof Hartsdale ist als "The Peaceable Kingdom" bekannt, weil dort alle Tierarten willkommen sind. Er ist der älteste bekannte Haustierfriedhof in den Vereinigten Staaten und steht auf der Liste des National Register of Historic Places.

 

Enthüllung des Mahnmals

Detailansicht des Mahnmals © Linda Brant

 

Jeder Besucher, der die Botschaft des Mahnmals unterstützt, kann einen Stein an seinem Sockel hinterlassen. Die Steine werden gesammelt und bilden die Grundlage für ein neues Mahnmal für die Unbetrauerten. 

Linda Brant lebt und arbeitet als bildende Künstlerin und klinische Psychologin in Orlando/Florida/USA. Sie unterhält eine Privatpraxis und lehrt am Ringling College of Art and Design und an der Saybrook University.

 

12. November 2021 - 12:20

Die letzten Monate standen ganz im Zeichen der Vor- und Nachbereitung meiner Hochzeit, da ich nach achtzehn Jahren (un)wilder Ehe meinen Lebenspartner geheiratet habe. Nach mehrmonatiger Pause nehme ich nun die Arbeit an meinem Blog wieder auf.

 

Das frisch getraute Ehepaar, Foto: freynoi

Hedy, Foto: freynoi

 

Ich versuche diesem privaten Ereignis auch Hund-und-Kunst-Aspekte abzuringen:

 

Die Hochzeitstorte, Foto: freynoi

 

Sind die Huskys auf der Torte nicht absolut gelungen? Wahres Zuckerkunsthandwerk!

 

Petra und Marion, Foto: freynoi

 

Hier sehen Sie Marion Löcker vom Tierrechtsverein Robin Hood, wie ich ihr gerade eine Hundekeramik überreiche. Christiane Grüner hat die Hundehütte mit ruhendem Husky darauf gestaltet. Sie kann wie eine Dose mit Deckel geöffnet werden, darin befand sich ein Geldgeschenk für Marions Grönlandhundeprojekt.

 

Das Geschenk, Foto: freynoi

Eine Hundekeramik (Detail), Foto: freynoi

 

Im großen Packerl unter dem Tisch befindet sich ein Bild, darüber im nächsten Blogbeitrag mehr!

 

Noch verpackt, Foto: freynoi

 

alle Fotos © freynoi

 

Sonstiges, Skulptur
8. März 2021 - 10:53

Schon vor Jahren ist mir Bärbel Rothhaar mit ihren Bienenprojekten im Internet begegnet. Da diese nicht zu meinem Blogthema passten, blieb es bei der Speicherung eines Links. Manchmal stöbere ich in meiner viele Jahre alten Linksammlung und spüre einzelnen KünstlerInnen nach. Und siehe da: Bei Bärbel Rothhaar habe ich Patti gefunden!

 

Patti, 2015 © Bärbel Rothhaar

 

Das Bild ist aus vordergründig disparaten Elementen zusammengesetzt: formlosen wässrigen Flächen und lasierenden Flächen, die Schatten bilden; konzentrischen Linien, die auf eine Wasserlacke hindeuten; dem Hund und den Pflanzen. Die Wörter, es handelt sich um botanische Begriffe, verweisen auf das Dargestellte: Google erklärt es näher. Eustoma grandiflorum ist der großblütige Prärieenzian, früher als Lisianthus bekannt. Stamina (Mz.), die Staubblätter, sind die Pollen erzeugenden Organe bei zwittrigen oder rein männlichen Blüten der Bedecktsamer. Das Stigma (die Narbe) dient der Aufnahme des männlichen Pollen. Der Stylus (der Griffel) in einer Blüte ist der Teil eines Fruchtblatts oder Stempels, der die Narbe trägt.

Die gelbgrünen Formen sind die Pollen, hoch ästhetische Gebilde, die seit der Erfindung des Mikroskops nicht nur WissenschaftlerInnen, sondern auch KünstlerInnen immer wieder faszinieren.

Patti, ein Whippet, kratzt mit der Pfote im Wasser. Malerischer Zufall und wissenschaftliche Genauigkeit ergänzen einander in dieser auf Braun- und Grüntöne beschränkten Arbeit. Auch wenn ein Teil des Bildrätsels gelöst ist, bleibt die Kombination der Teile in dieser Malerei doch geheimnisvoll und unergründlich.

Bärbel Rothhaar arbeitet oft in Serien, wobei ihre Themen (Natur, Naturwissenschaften und Ökologie) bei unterschiedlichsten Kunstprojekten vorkommen und Querverbindungen mit anderen Werken, wie Skulpturen oder Performances, eingehen.

So bildeten Aspekte von Symbiosen zwischen Lebewesen 2015 den Ausgangspunkt eines Kunstprojekts im Botanischen Museum in Berlin. Auch hier richtete sich der Blick der Künstlerin auf die Pollen der Pflanzen - auf Ihre Rolle in der Symbiose zwischen Pflanzen- und Tierwelt und natürlich auf die enorm wichtige Rolle der Bienen bei der Bestäubung.

 

Patti, 2020 © Bärbel Rothhaar

 

In einem perspektivisch uneindeutigen Raum sitzt Patti auf einem nach vorne geneigten roten Hocker, von dem sie eigentlich herunterrutschen müsste. Den oberen Bildraum nimmt eine Art Brücke ein. Die Verbindung von Innen und Außen bleibt unklar. Auch hier wirkt die Zusammenfügung von Gegensätzen - ornamentalen und informellen Bildteilen - charmant und anziehend.

Unten ein kleines Bild (30 x 40 cm) eines Kojoten, der in einer flachen Kuhle liegt: Drückt er schlafend die bunten Blumen zusammen oder wurde er, der Verstorbene, mit Blumen bekränzt? Ich tendiere zu Letzterem. Vielleicht wurde er von einem Auto angefahren und blieb leblos am Straßenrand liegen. Und die Künstlerin hat ihn malerisch zur Ruhe gebettet.

 

Kojote, 2020 © Bärbel Rothhaar

 

Inzwischen kenne ich die Erzählung hinter "Kojote, 2020". Er lebte in der kalifornischen Mojave-Wüste und war einer der zahlreichen Kojoten in dieser Gegend: Ein räudiges, krankes Tier, das von Nathini, der Tochter der Künstlerin, versorgt wurde. Sie gab ihm gelegentlich Wasser und Futter, das mit Medikamenten gegen Räude gemischt war.

 

An einem Ostersonntag ging das Leben des Kojoten aber dann doch zu Ende und er hat sich dafür die Terrasse ihres Hauses ausgesucht, um dort in der Nacht zu sterben. Das Foto mit den Wüstenblumen ist bei der Kojoten-Beerdigung entstanden und es hat mich so sehr berührt, dass ich es malen wollte. (Bärbel Rothhaar)

 

Beides, sowohl das Bild als auch die Geschichte, berührt auch mich. Ein Kojote, der so großes Vertrauen zu einem Menschen hat, dass er dessen Terrasse als Rückzugsort zum Sterben wählt. Eine Frau, die nicht gleichgültig gegen das Leid eines Tieres ist, ihm im Leben hilft und auch nach dessen Tod seine Würde achtet, indem sie ihn mit Zuneigung zu Grabe trägt. Und eine Künstlerin, die die Erinnerung an "Kojote" festhält.

Hunde kommen auch in Bärbel Rothhaars Arbeiten auf Papier vor, in Mischtechnik oder mit Tusche.

 

Quiet Hour, 2020 © Bärbel Rothhaar

Hund, 2018 © Bärbel Rothhaar

 

Weniger emotional herausfordernd ist eine Serie von Aquarellen auf A4-Papier, die ab Sommer 2020 enstand und Mensch-Tier-Metamorphosen zum Inhalt hat, darunter vier mit Hunden. Der Mensch ist schon so lange mit dem Hund verbunden, dass die beiden Spezies eine große Nähe und gegenseitiges Verstehen entwickelt haben. Ja es kommt sogar zu physiognomisch frappierenden Ähnlichkeiten. Das bringt die Künstlerin mit viel Humor und genauer Beobachtung z.B. bei "Dog Lady" oder "Bulldog Man" zum Ausdruck. Hätte Letzterer andere Ohren, würde ich meinen Onkel erkennen!

 

Bulldog Man, 2020 © Bärbel Rothhaar

Dog Dancer, 2020 © Bärbel Rothhaar

Dog Lady, 2020 © Bärbel Rothhaar

Hundemetamorphose, 2020 © Bärbel Rothhaar

 

 

Bärbel Rothhaar widmet sich in ihrer Arbeit als bildende Künstlerin experimentellen Kunstformen, wie beispielsweise prozesshaften Arbeiten im Bereich Kunst und Natur, u.a. Kunstprojekten mit Bienenvölkern. Sie zeichnet (analog und digital), malt und beschäftigt sich mit Enkaustik, der Malerei mit erhitztem, pigmentiertem Wachs.

In den Jahren der Auseinandersetzung mit Bienen spielten für Bärbel Rothhaar viele Faktoren und Ereignisse eine Rolle, die den künstlerischen Prozess motiviert und in Gang gehalten haben:

Zuerst beschäftigte sie sich mit der überaus vielfältigen Bienensymbolik in allen Kulturen. Ab 1999 begann sie mit lebenden Bienenvölkern zu experimentieren. Sie setzte unterschiedliche Objekte - Zeichnungen, Knochen, Metallobjekte - in die Bienenkästen ein und ließ sie von den Bienen verändern und überbauen. Es ging bei dieser "Wildwuchs" genannten Kooperation um den Dialog ihrer eigenen künstlerischen Intention mit natürlichen Prozessen, die nicht immer kontrollierbar waren.

Einige Methoden ihrer Arbeit näherten sich fast der naturwissenschaftlichen Forschung an, ohne das Gleiche zu sein. Dazu gehören Fragestellungen als Motivation und Ausgangspunkt der Arbeit, Interesse am Prozessualen, aber auch Versuchsreihen und Selbstversuche. In "Sleeping in a Beehive" lebte die Künstlerin einige Wochen mit einem Bienenvolk in ihrer Wohnung.

Näheres über Bärbel Rothhaars Bienenprojekte können Sie auf ihrem Blog oder auf ihrer Homepage nachlesen.

Bärbel Rothhaar (*1957 in Rockenhausen/D) hat Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin studiert und anschließend am Whitney Museum Independent Study Program in New York teilgenommen. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. von der Studienstiftung des Deutschen Volkes, dem DAAD, der Karl-Hofer-Gesellschaft Berlin sowie dem Hanse-Wissenschaftskolleg. Seit 1980 stellt sie im In- und Ausland aus und führt Projekte durch.

 

alle Bilder © Bärbel Rothhaar

 

Malerei, Skulptur, Zeichnung