1. Oktober 2013 - 13:45

Am 16. Juli 2013 starb der kanadische Künstler Alex Colville im Alter von 92 Jahren. Leider war über den Tod dieses großen kanadischen Realisten in der deutschsprachigen Presse nichts zu lesen, ich weiß nur aus Moira's Blog Dog Art Today davon.

Ich möchte Ihnen eine Auswahl seiner Gemälde mit Hund zeigen, nicht nur weil Hunde Thema des Blogs sind, sondern weil Colville ihnen einen beachtlichen Teil seines Werks widmete. In einem Drittel seines Werks kommen Tiere, besonders Haustiere wie Pferde, Hunde und Katzen vor, es zeichnet sich durch eine große Zuneigung zu Tieren aus: Alex Colville beschreibt seine Beziehung zu Tieren als stärker als zum Menschen.

Colville schuf Bilder, die zeitlos wirken; er war gegenüber den Trends und Moden in der zeitgenössischen Malerei zurückhaltend. Seine Bilder wirken ruhig und statisch - und sie erzählen Geschichten. Der hohe Grad an technischer Könnerschaft steht nur scheinbar im Gegensatz zur vorgeblichen Alltäglichkeit und Belanglosigkeit seiner Bildthemen: (seine) Familie mit Tieren, Paardarstellungen, Landschaften, das Meer. Die Bilder wirken oft düster und bedrohlich, erzählen sie doch auch von Einsamkeit, Isolation und Entfremdung, die hinter der realistischen Oberfläche lauert.

Nur oberflächlich sieht es so aus, als bilde er die Wirklichkeit unmittelbar ab. Seine Bilder sind vielmehr Reflexionen über eine Welt, die er als verstörend und gefährlich empfand:

     I see life as inherently dangerous. I have an essentially dark view of the world and human affairs .. Anxiety is the normality of our age. (zit. n. National Gallery of Canada)

Vielleicht spricht diese latente Angst und das Unbehagen auch aus seinem berühmten Bild "Child and Dog" von 1952 - der große dunkle Hund steht dem Kind gegenüber. Durch den engen kompositorischen Raum und die Positionierung des Betrachters auf dem niedrigen Blickwinkel eines Kindes dominiert der mächtige Hund, wirkt die Begegnung unheimlich. In Wirklichkeit war die Beziehung der beiden eine ganz friedvolle. Das Kind ist Colvilles Tochter Ann, die keinerlei Angst vor dem Hund hatte.

 

 

Alex Colville, Child and Dog, 1952

 

 

Nach dem Tod des großen Hundes - einer schreckliche Erfahrung für Alex Colville - kam der so genannte Walker Hound zu den Colvilles, in "Hound in Field" von 1958 verewigt. Das Bild sieht wie ein fotorealistisches Werk aus, und wüsste ich es nicht besser, würde ich es für eine Collage halten. Der Hund scheint über der Landschaft zu schweben, seine Vorderpfote scheint den Boden nicht zu berühren. Ist es übertrieben auch hier Unbehagen zu empfinden, zu ahnen, dass die Landschaft nicht idyllisch ist, dass die Ruhe trügt? (Zu beiden Bildern gibt es übrigens Kurzfilme mit Transkription, in denen Colville über deren Entstehungsgeschichte spricht.) Der reale Ausgangspunkt beider Bilder ist die Liebe zu den Dargestellten, das "Unbehagen" ist bloße Folge der Komposition.

 

 

Alex Colville, Hound in Field, 1958

Alex Colville, Milk Truck, 1958

Alex Colville, Dog with Bone, 1961

Alex Colville, Woman and Terrier, 1963

Alex Colville, Running Dog, 1968

Alex Colville, River Spree, 1971

Alex Colville, Dog and Priest, 1978

Alex Colville, Le chien d'or, 1987

Alex Colville, Stove, 1988

Alex Colville, On a River, 1996

Alex Colville, Living Room, 2000

Alex Colville, Waterville, 2003

Alex Colville, Dog and Bridge

Alex Colville, My Father With Hiis Dog

 

 

 

Colvilles Bildaufbau war präzise durchdacht. Er fertigte für jedes Bild eine Fülle von Studien an, plante die perfekte Komposition. Erst dann malte er Schicht für Schicht in einem monatelangen Prozess. Auf diese Weise entstanden jährlich nur drei bis vier Bilder. An der unteren Zeichnung erkennt man gut: Colville bildet die Wirklichkeit nicht naturalistisch ab, sondern er analysiert sie.

 

 

Alex Colville, Dog and Groom, 1991

Alex Colville, Dog and Groom, 1991
Dog and Groom von bluntbythesun

 

Colville wurde 1920 in Toronto geboren und übersiedelte noch als Kind nach Nova Scotia an die kanadische Ostküste. Er schloss 1942 sein Kunststudium an der Mount Allison University in Sackville ab. Als Teilnehmer am Canadian War Art Program dokumentierte er von 1944 bis zum Ende des 2.Weltkriegs die Einsätze der Alliierten in Europa. Nach Amerika zurückgekehrt unterrichtet er zunächst einige Jahre Kunst und Kunstgeschichte, bevor er sich ganz seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit zuwandte.

Colville hat weltweit ausgestellt und war kanadischer Vertreter der Biennale 1966. Sein Werk ist unter anderem in der National Gallery of Canada in Ottawa, im Museum of Modern Art in New York und im Centre Pompidou in Paris zu sehen.

Mehr Informationen zu Alex Colville auf der Homepage des Colville House, auf der Homepage der National Gallery of Canada und auf der offiziellen Alex-Colville-Homepage. Von diesen Seiten stammen auch die (meisten) Abbildungen.

alle Bilder © Alex Colville

 

Malerei

Kommentare

Stunning. Poignant. Sweet.

Stunning. Poignant. Sweet. Soulful. Profound. Just like a long life lived devoted to dogs and art. Thanks for sharing these masterpieces.

Wonderful that you have

Wonderful that you have grouped these paintings by Colville. I was doing some research on how he seemed to capture that direct truthfulness that dogs seem to be able to live by - he did it the rest of his art as well - his paintings seem surreal and magical, and yet they are grounded in the directness of everyday domestic images quite often. His images always stay with me, and almost resonate. There is an honesty and a real longing within his images. It colours his work (I remember, it is one of the few German words I know - "sensucht", I learned it from Rammstein's 1997 album of same name). Colville's dogs are part of what makes his art so intense and powerful. There is a purity and precision to his work, that maybe comes from his early days as a war-artist, and seeing death up close and real. The direct realism of his images tell us that everything matters, like a Zen master pushing his student to live in the "right-now", and really see and feel what is true. Like the dog does. The dog knows this, probably Colville knew it too. Colville's iconic dogs pull us into the frame, as does his precision realism, and both ask us to know and feel that life is terribly short, and reflect on the value of the immediate. Thanx for noticing what Colville was able to do.

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