20. Juli 2014 - 9:11

Bis heute zählt Rembrandt Bugatti (1884–1916), der Bruder des legendären Automobilkonstrukteurs Ettore Bugatti, zu den künstlerisch eigenständigsten Bildhauern des frühen 20. Jahrhunderts. Er schuf in seinem kurzen Leben ein über 300 Werke umfassendes Gesamtwerk, das in seiner Intensität und Formenvielfalt einzigartig ist. Dabei war er ein scharfsinniger Beobachter und hielt in seinen meisterlichen Plastiken den Eindruck echten Lebens fest.

Schon als Jugendlicher hatte Rembrandt Bugatti zu seinem lebenslangen Thema gefunden: dem Tier. Hatte er zunächst noch vor allem Kühe modelliert, so fand er später in den Zoologischen Gärten von Paris und Antwerpen exotischere Modelle: Tiere wie Ameisenbären, Tapire und Marabus, Yaks, Sekretärvögel und Känguruhs werden bei Bugatti zum ersten Mal in der europäischen Kunstgeschichte überhaupt zum Gegenstand der Bildhauerei. Nach einer Phase intensiver Beobachtung modellierte er fast alle Skulpturen direkt vor dem Tier selbst.

 

Rembrandt Bugatti mit Modell im Zoo Antwerpen Foto: Rembrandt Bugatti Conservato
Rembrandt Bugatti mit Modell im Zoo Antwerpen
Foto: Rembrandt Bugatti Conservato

Rembrandt Bugatti Laufender Panther (Panthère marchant), um 1904 Bronze 21 x 53
Rembrandt Bugatti, Laufender Panther (Panthère marchant), um 1904,
Bronze 21 x 53 x 12 cm, Privatsammlung, Foto: Peter John Gates

 

Bugatti, der vorzügliche Verbindungen zum Zoo in Antwerpen hatte, durfte sich auch Tiere ausleihen, die so lange bei ihm wohnten, bis er die Tiere aus Plastilin nachgebildet hatte, dann kamen die Plastilinmodelle in die Gießerei. Sowohl in Paris als auch in Antwerpen hatte er auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Zutritt zu den Gehegen. Er beobachtete die Tiere oft wochenlang, bevor er sie modellierte. Im Oktober 1914 besetzen die Deutschen Antwerpen, der Zoo wurde geschlossen und zum belgisch-französischen Lazarett umfunktioniert. Viele seiner geliebten Tiere - es mangelte an Betreuung und Futter - wurden getötet. Bugatti meldete sich beim belgischen Roten Kreuz und wurde direkt mit den Grausamkeiten des Ersten Weltkriegs konfrontiert. Selbst krank, verfiel er in Depression, reiste 1915 nach Paris und nahm sich 31-jährig am 8. Jänner 1916 das Leben.

Doch nicht nur den Zootieren galt sein Interesse. Auch seinen eigenen Dackel namens "Wurst" verewigte er in Bronze.
 

Rembrandt Bugatti Dackel, „mein Hund Wurst“ (Basset, „mon chien Wurst“), um 1905
Rembrandt Bugatti: Dackel, "mein Hund Wurst" (Basset, "mon chien Wurst"),
um 1905, Bronze 26 x 53 x 17 cm, Privatsammlung, Foto: Ken Adlard

Rembrandt Bugatti Ausstellungsansicht Alte Nationalgalerie Foto: David von Becke
Rembrandt Bugatti: Ausstellungsansicht Alte Nationalgalerie, Foto: David von Becker

 

In der Alten Nationalgalerie in Berlin findet noch bis zum 27. Juli 2014 die erste große museale Einzelausstellung Rembrandt Bugattis mit über 80 Plastiken statt.

Quellen: Homepage Alte Nationalgalerie und Pressemappe sowie Weltkunst 84/2014,/Sonderveröffentlichung des ZEIT Kunstverlags

 

Ausstellung, Skulptur

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