Installation

4. September 2011 - 9:02

Der 1971 in Herne geborene und in Hamburg lebende Künstler Thomas Brinkmann hat in den letzten Jahren ein vielfältiges Werk aus Fotografie, Skulptur, Objektkunst, Videoperformance und Installationen geschaffen, das die Möglichkeiten des Absurden auslotet.

 

Thorsten Brinkmann - Vasall van Bröckl, 2011
Thorsten Brinkmann, Vasall van Bröckl, 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

 

Aus ersammelten Alltagsobjekten, die er auf Schrottplätzen, im Sperrmüll und auf Flohmärkten findet, komponiert er seine Skulpturen und Rauminstallationen, wobei er die gefundenen Gegenstände von ihrer ursprünglichen Funktion losgelöst verwendet: So etwa in seiner Serie "Portraits of a Serialsammler", wo er hinter seinen Gegenständen und vor dem ebenfalls aus Fundstücken inszenierten Hintergrund vollkommen verschwindet. Brinkmann fotografiert auf diese Weise Selbstbildnisse, ohne Gesicht zu zeigen, die Fundstücke sind ihm wichtiger. Für sie findet er den Begriff "Ausdrucksprothese". Er möchte mit seinem Werk irrtierende Leerstellen schaffen, die der Betrachter mit eigener Kreativität neu füllen könne. Wo das Porträt kein Gesicht und der Gegenstand, der es bedeckt, keine Funktion mehr hat, beginne beim Besucher das Um- und Neudeuten. (vgl. dazu Artikel in Zeit-online)

 

Thorsten Brinkmann - Donna Delle, 2011
Thorsten Brinkmann: Donna Delle, 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
 

In der Rauminstallation "Ernie & Se King", sie war im Ausstellungsraum der Griffelkunst in Hamburg zu sehen, zeigt er erstmals auch Tierporträts, für die sein Hund Ernie Modell stand.

 

Thorsten Brinkmann - Ernie der III, 2011
Thorsten Brinkmann: Ernie der III, 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
 

Folgend zwei Bilder von den Aufbauarbeiten der Rauminstallation:

 

Ernie

Ernie beim Aufbau

 

Auch unten inszeniert Brinkmann seinen Hund für seine Fotografien.

 

Thorsten Brinkmann - Ern del Bär, 2011
Thorsten Brinkmann: Ern del Bär, 2011 / © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Thorsten Brinkmann - Der klassische Fourleg, 2011
Thorsten Brinkmann: Der klassische Fourleg, 2011  © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
 

Für die Rauminstallation "Hundesalon" hat er auch eine kleine Skulptur gebastelt, eine Hundeschwanzwedelmaschine, von einem alten Scheibenwischermotor angetrieben.

 

Hundesalon Kunsthalle Hamburg, 2011
Hundesalon, Kunsthaus Hamburg, 2011 | © Thorsten Brinkmann VG Bild-Kunst,
Bonn 2011 / Foto- Hayo Heye
 

Ab September 2011 startet die Kunsthalle zu Kiel eine Reihe von Künstlerinterventionen in der jährlich wechselnden Sammlungspräsentation. Den Anfang macht Brinkmann, dessen Werke unter dem Titel "Extradosis" zu sehen sind.

 

3. September 2011 - 11:18

Bis zum 11. September 2011 ist im Oberhessischen Museum und im Botanischen Garten in Gießen noch die Ausstellung "Cave Canem - Hüte dich vor dem Hund" des spanischen Malers Ricardo Mojardin zu sehen.

Mojardin malt Hunde aus historischen Gemälden nach. Sie sind in den historischen Bildern oft nur Accessoires der eigentlich Porträtierten, er jedoch macht sie zum einzigen Bildinhalt seiner Werke. Der weggelassene Inhalt ist nur mehr als beschreibender Text vorhanden, der den Hintergrund der Arbeiten bildet. Durch die isolierte Darstellung der Hunde, erkennt man noch besser, wie sehr Hunde über Mimik, Blickrichtung etc. mit den (nun weggelassenen Menschen) kommunizieren. Mojardin sieht sich auch nicht als Tiermaler, sondern als einer, der die Beziehung des Menschen zum Tier und deren gemeinsame Beeinflussung thematisiert.

 

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Gaugin

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Murillo

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Stubbs

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Velázquez

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Gainsborough

 

Für die Ausstellung in Gießen hat Mojardin speziell Gemälde aus dem Museum als Ausgangspunkt für seine Arbeit genommen. Zwei Beispiele sehen sie hier:

 

Carl Engel von der Rabenau - Kinderbild

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Carl Engel von Rabenau

Hermann Angermeyer - Vornehme Leut

Ricardo Mojardin - Cave Canem nach Hermann Angermeyer

 

Ergänzt wird die Ausstellung durch Silhouetten dieser Hunde aus schwarzem Samt auf weißen Banderolen, die die Bäume im Botanischen Garden und um das Oberhessische Museum umschlingen. Auch den Hunden wird so ein Rundgang durch die Malereigeschichte gewährt.

Es ist auf alle Fälle erfreulich, dass Mojardin die Hunde auch als Subjekte begreift, die sein Konzept, das Aufzeigen der Analogie zwischen einem Weltaneignen durch Lesen und Riechen, erst vervollständigen, wenngleich ich die formale Lösung der Präsentation auf den weißen Banderolen nicht wirklich überzeugend finde.

 

Banderolen im botanischen Garten

schwarzer Samthund auf Banderole

 

Die Bilder stammen von der Homepage des Künstlers, von der Homepage der Stadt Gießen sowie aus der Giessener-Allgemeine

 

Ausstellung, Installation, Malerei