21. Februar 2020 - 13:50

Hier sehen Sie Blossfeldts Hund.

 

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Doch wer war Blossfeldt? Laut Wikipedia war Karl Blossfeldt (1865-1932) ein deutscher Fotograf, der besonders durch streng-formale Pflanzenfotografien bekannt wurde. Er gilt fotokünstlerisch als Vertreter der Neuen Sachlichkeit.

Er sah seine Fotografien aber nicht als eigenständige künstlerische Leistung an, sondern als Vorlage und Unterrichtsmaterial für den Zeichenunterricht.

 

Karl Blossfeldt, Acanthus mollis, 1928

Karl Blossfeldt, Cucurbita, 1928

 

Die österreichische Illustratorin und Künstlerin Alice Wellinger verwendet seine Fotografien als Impuls für ihr Bild "Blossfeldt's Dog".

 

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Es  zeigt einen kubistisch zerlegten Hintergrund, aus dem Pflanzen im Stil von Karl Blossfeldt wachsen. Im Hintergrund strahlt die Morgenröte. Der Windhund verharrt verzweifelt in dieser zur Monumentalität aufgeblasenen und psychedelisch anmutenden Pflanzenwelt. Die Natur kommt hier sehr unnatürlich, fremd und verunsichernd daher. Schauen Sie nur das Auge des Hundes an! "Wo bin ich nur hineingeraten?", scheint er zu denken. Gut gewählt ist die sensible Rasse des Windhunds; kaum vorzustellen, dass sich ein Bernhardiner von dieser wundersamen Umgebung irritieren ließe.

Karl Blossfeldt wollte mit seinen "Pflanzenurkunden", wie er im Vorwort zu seinem Buch "Wundergarten der Natur" schreibt, dazu beitragen, die Verbindung mit der Natur wiederherzustellen. Diese Absicht konterkariert Alice Wellinger. Mir gefällt dieses Bild ganz besonders, weil es nur durch die Vergrößerung der Pflanzen und durch deren überbordende Ornamentik eine wunderbar bizarre und surreale Komponente bekommt.

Auf ihrer Instagram-Seite finden sich unzählige Arbeiten, wobei sie ihre kommerziellen Illustrationen nicht von ihren persönlichen Projekten trennt. Es finden sich viele verfremdete Gesichter, Körper, Körperteile, Pflanzen, Anklänge an Magritte, Kahlo, Rousseau, literarische und künstlerische Querverweise. Die narrativen, figurativen Arbeiten sind hintersinnig, ironisch, surreal, nüchtern oder poetisch und lassen breiten Raum für Assoziation und Interpretation.

Inspiriert wird die Künstlerin vom Alltag, von Kindheitserinnerungen, vergangenen Erfahrungen und Albträumen. Sie ist eine genaue Beobachterin von menschlichem und tierischem Verhalten, von Gefühlen und emotionalen Kämpfen, die sie in kleine Geschichten verpackt. Sie mag es, wenn die Leute etwas zum Nachdenken haben.

Alice Wellinger (*1962 in Lustenau/Österreich) war lange als Grafikdesignerin für Werbeagenturen tätig, bevor sie begann Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Heute arbeitet sie vor allem als freie Illustratorin für den Editorial-Bereich von Magazinen und an freien künstlerischen Projekten in unterschiedlichen Techniken (vor allem Acryl, aber auch Collagen und Buntstift auf schwarzem Tonpapier). Alice Wellingers Arbeiten wurden mehrfach international ausgezeichnet, ausgestellt und in Annuals publiziert.

Die Fotos von Karl Blossfeldt stammen von commons.wikimedia

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Fotografie, Grafik, Malerei
15. Februar 2020 - 15:06

Wie ein tollpatschiger Welpe mit noch überdimensionierten Beinen und Pfoten schaut mich der orange-rosa-beigefarbene Hund fragend und ein bisschen traurig an.

 

aus der Serie Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Doch je länger ich in das Gesicht mit den ausdrucksstarken Augen sehe, desto zweifelnder und verzweifelter wird sein wässriger Blick.

Der Hund unten sieht aus als käme er gerade ins Bild, den Betrachter bemerkend und anblickend, noch bevor sein durchscheinender Körper ganz getrocknet ist.

 

aus der Serie Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Beide Bilder - ohne nennenswerte Vorzeichnung spontan und verfließend ausgeführt - stammen von der kanadischen Künstlerin Megan Rooney. Immer wiederkehrend ist das Motiv des menschlichen und tierischen Kopfes und Körpers, in den alle individuellen Erfahrungen unwiderruflich eingeschrieben sind.

Erzeugen die vorherrschende Palette von blassen, warmen Farbtönen sowie die schwebenden Motive eine spielerische Leichtigkeit (vgl. Felix Kucher) oder überwiegt das Gefühl der Verletzlichkeit und Versehrtheit der Körper dieser eigentümlichen menschlichen und tierischen Individuen? (vgl. Presseinfo Ausstellung Düsseldorf)

 

Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Auch ihre großformatigen Wandmalereien sind durch eine schnelle rhythmische Herangehensweise gekennzeichnet. Dabei verfolgt die Künstlerin oft keinen genauen Plan, sondern geht ohne Vorzeichnung oder Modell vor, beim Malrozess das volle Risiko eingehend. Megan Rooney sagt selbst, dass der Akt der Malerei etwas sei, das Energie freisetzt und es ein Glück sei, malen zu können.

Die aufstrebende Künstlerin arbeitet medienübergreifend mit Malerei, Installation, Performance, Tanz und Sprache. In ihrer künstlerischen Praxis bewältigt sie die gesamte Bandbreite von kleinformatiger intimer figurativer Malerei bis hin zu monumentaler abstrakter Malerei. Sie geht meist auf den zu gestaltenden Ausstellungsort ein und verknüpft die einzelnen Malereien und Objekte zu raumgreifenden Gesamtinszenierungen.

Zurzeit werden mehrere Porträts im Kunsthaus Kollitsch (Klagenfurt/A) sowie großformatige ungegenständliche Arbeiten im Ausstellungsraum Salts (Birsfelden/CH) gezeigt, im Juli 2020 wird eine Einzelpräsentationen im Salzburger Kunstverein (A) zu sehen sein, für die Megan Rooney als Artist-in-Residence den Großen Saal sowie die Ringgalerie gestaltet.

Megan Rooney (*1985, Kapstadt/Südafrika) hat an der University of Toronto und am Goldsmith College in London studiert. Sie lebt und arbeitet seit über zehn Jahren in London.

alle Bilder © Megan Rooney

 

Ausstellung, Installation, Malerei
6. Februar 2020 - 11:13

Neben David Titlow möchte ich Ihnen noch einen Taylor Wessing Photographic Portrait - Preisgewinner vorstellen, der meine Aufmerksamkeit erregt hat, und zwar Pat Martin, den Gewinner von 2019. Zwei Porträts seiner Serie "Goldie (Mother)" - Gail and Beaux sowie Mom (our last one) - wurden ausgezeichnet.

Als ich dieses Foto nur ganz kurz betrachtet habe, nur so lange, um die Entscheidung zu treffen, dass es etwas für den Blog wäre, lag seine Spannung im Kontrast zwischen der schwergewichtigen Frau und dem winzigen Hund. Wahrscheinlich sehe nicht nur ich mich in unserer medial aufgeladenen und reizüberfluteten Zeit permanent mit Fernsehserien wie "The Biggest Loser" oder "No Body is perfect" konfrontiert, in denen dicke Menschen unterschwellig vorgeführt werden. In einem Sekundenbruchteil wollte ich die Frau beim Thema Übergewicht einordnen und als undisziplinierte Angehörige einer bildungsfernen und ökonomisch schwachen Schicht abwerten.

Doch es gelang mir nicht. Wieso verweigern sich diese zwei prämierten Fotografien der despektierlichen Betrachtung und voyeuristischen Aneignung? Wieso erstarb mein Schmunzeln sofort?

Und wieso berührt mich dieses Bild?

 

Pat Martin, Gail and Beaux, 2018 © Pat Martin

 

Beide Porträts zeigen die Mutter des Fotografen. In einem Porträt blickt sie streng und hart in die Kamera und umfasst einen kleinen Chihuahua, dessen Gesicht sich auch auf ihrem T-Shirt befindet. Das andere zeigt sie in Nahaufnahme, wobei ihr Kopf fast das Format ausfüllt und ihr gefärbtes rotbraunes Haar ihre schweren Gesichtszüge einrahmt. Die gesprenkelte Haut gleicht einer Landschaft gelebter Erfahrung, ihr abgewandter Blick ist nachdenklich und verschlossen. Es trägt den Titel Mom (our last one) und wurde nur zwei Monate vor ihrem Tod aufgenommen.

 

rechts - Pat Martin, Mom (our last one), 2018 © Pat Martin
links: Gail and Beaux, rechts: Mom (our last one),
beide aus der Serie Goldie (Mother), 2018

 

Schonungslos ehrlich stellt Pat Martin seine Mutter dar. Eine tiefe leise Traurigkeit, aber auch Leere zeigt sich in ihrem Gesicht (und straft das lustige T-Shirt Lügen). Gails Blick macht ihre Unempfänglichkeit gegenüber unserer Meinung deutlich, er verhindert, dass wir lachen oder uns überlegen fühlen.

Pat Martin (*1992/Los Angeles, USA) hat von 2015 bis 2018 hunderte Porträts seiner Mutter Gail aufgenommen und zwar in deren relativ ruhigen Lebenszeit, nachdem sie ihre Drogensucht überwunden, aber schon mit schweren Atembeschwerden zu kämpfen hatte.

Dem Sohn wurde der sich abzeichnende unwiederbringliche Verlust der Mutter bewusst und er begann mit Porträts, in denen er ihr nicht nur formal, sondern auch emotional immer näher kam. Er betrachtete sie, um etwas über ihr, aber auch sein bewegtes Leben zu erfahren. Sie zu fotografieren wurde für ihn zu einer Art in einen Spiegel zu schauen und unbekannte Spuren zu finden. Doch auch unter seinem tiefen - liebevollen - sezierenden Blick blieb sie seltsam schwer fassbar.

Neben dem fotografischen Eindringen und Einfühlen in ihr Selbst, war die Arbeit an der Serie gleichzeitig eine Möglichkeit ein leeres Familienalbum zu füllen. Pat Martin hatte nur wenige Fotos von sich: seine Geburt, die ersten Geburtstage. Es gab kein Bild seiner Mutter, kein fotografisches Dokument ihrer Existenz. Sie zu fotografieren, kam einem Sammeln von Erinnerungen gleich.

In einem langen Interview, das Pat Martin mit Sean O´Hagan führte, erfährt man die Familiengeschichte, die hinter der Goldie (Mother)-Serie steht. Er lässt uns an seinem Schicksal teilnehmen, das eng mit der Geschichte seiner Mutter verknüpft ist. Ich fasse seine Ausführungen ganz kurz zusammen. Sie helfen vielleicht zu verstehen, wieso sich der Fotograf so exzessiv am Motiv seiner Mutter abarbeiten musste:

Der Vater verließ die Familie als Pat Martin drei Jahre alt war (hier enden auch die fotografischen Erinnerungen). Seine Mutter war süchtig und psychisch krank, unterlag Stimmungsschwankungen, war oft fort (auf Drogenentzug). Das einzig Beständige für den Sohn war die immer wiederkehrende Abwesenheit seiner Mutter, aber auch die nachlässige Betreuung durch deren wechselnde Freunde und sein Gefühl des Unbehagens in deren Gegenwart, das ihn in seiner frühen Kindheit mit einem Gefühl der Angst und des Verlassenseins leben ließ. Später wurde die Mutter auch zu einem funktionierenden Elternteil, der mit Pat die Erfahrungen einer ökonomisch schwachen Existenz teilte. Nach einer Delogierung wurde er von der Familie seines besten Freundes aufgenommen. Er erinnert sich daran als eine Zeit des Glücks und der Stabilität.

Erst als Pat Martin erfuhr, dass seine Mutter an einer bipolaren Erkrankung litt und selbst Missbrauchsopfer ihres Vaters war, verringerte sich seine Wut auf sie. Das Fotografieren wurde zum therapeutischen Akt, zur Möglichkeit seine komplexe und widersprüchliche Beziehung zu ihr durchzuarbeiten. Das Gefühl der Kälte sollte durch warme Erinnerungen ersetzt werden.

Doch können Fotos die Geschichte umschreiben? Pat Martin sagt selbst:

 

"That stuff – my mother’s sadness, her addiction –

it is so much a part of me still." (zit. n. The Guardian)

 

Ich selbst finde es erschütternd und traurig zu sehen, wie groß seine Anstrengungen sind, doch noch so etwas wie schöne Erinnerungen zu erzeugen. Und wie schwierig es für ihn ist, endgültig anzuerkennen, dass die Kindheit freudlos und unsicher war und er vielleicht doch nicht die Mutterliebe erfahren hat, derer er wert gewesen wäre.

 

Pat Martin vor seinen prämierten Fotos, Foto Jorge Herrera

 

Ich bin mir darüber im Klaren, dass dieser Blogbeitrag das Thema Hund weitestgehend verlässt. Als ich das Foto von Gail und Beaux zum ersten Mal sah, wusste ich allerdings noch nicht, wohin mich die Auseinandersetzung mit ihm führen würde. Seine Geschichte hat mich bewegt, vielleicht konnten Sie ihr auch etwas abgewinnen.

Das Wichtigste kommt aber zum Schluss: Letztendlich habe ich doch noch einen Artikel gefunden, in dem über das weitere Schicksal des kleinen Hundes Beaux berichtet wird. Er lebt nun mit Pat Martin.

 

"He's a four-year-old chihuahua, and is now my little pup." (zit.n. Insider)

 

Bilder von Gail und Beaux © Pat Martin

 

Fotografie
30. Januar 2020 - 16:43

David Titlow, Konrad Lars Hastings Titlow, 2014 © David Titlow

 

Auf den ersten Blick sehe ich drei Erwachsene auf einem Sofa sitzen, einen Säugling und einen Hund. Einer hält den Hund, sodass ihn das Kleinkind, das wiederum von einer jungen Frau gehalten wird, begrüßen kann. Das Kind berührt die Schnauze des Hundes mit seiner kleinen Hand. Der Bub, dessen Kopf vom Licht beleuchtet wird, sieht den Hund offen, freudig und interessiert an, zeigt einen Moment reiner Unschuld und strahlenden Staunens. Auch das Gesicht des jungen Mannes, der das Kind hält, ist beleuchtet. Die gesamte Szene wird von den Erwachsenen, die das Kind umgeben, mit bedächtigen Blicken beobachtet.

Die Farbstimmung wird durch sanfte dunkle Grau- und Grüntöne bestimmt. Gesichter, Sofa und die romantisch gemusterte Tapete sind in leichtem Grau-Rosa gehalten. Sogar die Getränkedosen passen sich der dunkelgrünen Tonalität an. Alles scheint wohl durchkomponiert zu sein (die Armhaltungen des Kindes und des jungen Mannes, die einander spiegeln; die Vorderbeine des Hundes, die parallel zum Unterarm des Kindes sind usw.)

Auf den zweiten Blick erkenne ich die Ähnlichkeit zu einem barocken Gemälde, wie es zum Beispiel von Bartolomé Esteban Murillo gemalt sein könnte. Erinnert das Gesicht des jungen Mannes rechts nicht an eine pausbäckige Knabendarstellung des spanischen Malers, lässt uns die ganze Szene nicht an Murillos Darstellung der Hirten denken, die Jesus ein Geschenk bringen? Sicher eröffnen sich noch andere Szenen der heiligen drei Könige und des Jesuskindes, wenn man nur länger in der Kunstgeschichte unter den "Alten Meistern" sucht.

Verkleinert man den Bildausschnitt zur Szene der Berührung landet man sogar bei Michelangelos "Erschaffung Adams", paraphrasiert zu God created Dog.

Natürlich haben wir keinen alten Meister vor uns, sondern einen zeitgenössischen Meister der Fotografie, den britischen Künstler David Titlow. Die Fotografie zeigt seinen kleinen Sohn, betitelt: Konrad Lars Hastings Titlow.

Obwohl ich so viel in Beleuchtung, Komposition, inhaltliche Zitierung hineininterpretiert habe, ist das Foto ist gänzlich uninszeniert. Titlow erweist sich hier nach eigenen Angaben als Meister des Schnappschusses.

Das Foto zeigt den Morgen nach einer Mittsommerparty in Rataryd in Schweden, an dem es zu einer zufälligen Begegnung zwischen einem Baby und einem Hund kommt.

 

“Everyone was a bit hazy from the previous day’s excess. My girlfriend passed our son to the subdued revellers on the sofa – the composition and back light was so perfect I had to capture the moment.” (zit. n. National Portrait Gallery)

 

Das Foto fängt also einen spontan aufgenommen Moment ein, in dem Komposition, Licht und Schatten zufällig eine wundersam schöne und stimmige Szene hervorbringen - nicht zuletzt durch die Präsenz und das Charisma des kleinen Porträtierten, der das Bild aus der Masse der Kinderporträts (mit Hund) hervortreten lässt.

David Titlow arbeitet in London als Porträt-, Werbe- und Modefotograf für zahlreiche Magazine, darunter Esquire, The Times, The Telegraph, Vice, Vanity Fair und Rolling Stone. Ursprünglich verfolgte er eine musikalische Karriere, wechselte aber in den frühen neunziger Jahren zur Fotografie. 2014 hat er für das oben vorgestellte Foto den Taylor Wessing Photographic Portrait Prize gewonnen.

Der jährlich vergebene Preis gilt als einer der renommiertesten europäischen Preise für Porträtfotografie, obwohl ich bei meinen Recherchen auch auf kritische Stimmen gestoßen bin, die das Klischeehafte der prämierten Fotografien bemängeln. Auf Titlows Werk trifft das zweifellos nicht zu!

 

Foto © David Titlow

Fotografie
20. Januar 2020 - 20:37

Eine Ausstellung, die genau zum Thema meines Blogs passt, findet zur Zeit im Bayerischen Nationalmuseum statt: "Treue Freunde - Hunde und Menschen".

Leider habe ich sie (noch) nicht gesehen, allerdings schon einen begeisterten Bericht meiner Freundin Mignon Dobler erhalten (ich habe ihre Hunde Polly und Lise gemalt). Ich muss leider mit Presseberichten und -fotos das Auslangen finden. Auf die Ausstellung aufmerksam gemacht hat mich übrigens Susanne Boecker, die immer wieder an mich denkt, wenn es Hund-und-Kunst-Relevantes gibt!

Mehr als 200 Werke der bildenden Kunst und Alltagskultur werden in zwölf Kapiteln präsentiert und spüren den vielfältigen Aspekten der Hund-Mensch-Beziehung nach. Die Darstellung dieser Beziehung spannt sich von der Antike (ägyptischen Hunde-Mumie) bis zum zeitgenössischen Hunderoboter, von der Kunst zur Kulturgeschichte, von adeligen Hundehalterinnen (Queen) bis zu Adeligen des Humors (Loriot).

In einzelnen Abschnitten werden unter anderem Partnerschaft, Statussymbole, Helfer, Hundeliebe, Hundekult, Trendsetter, Spielereien und Bösartigkeiten thematisiert. Im Kapitel Hundefreundschaft geht es um Prominente mit Hund und nicht - wie von mir fälschlicherweise vermutet - um Hunde und ihre (Hunde)Freunde und Freundinnen.

Der Anlass für die Ausstellung (als ob es eines Anlasses bedürfte!) ist übrigens die vor 100 Jahren erfolgte Erstveröffentlichung von Thomas Manns "Herr und Hund", einem Porträt seines Hühnerhund-Mischlings Bauschan.

Ein paar Exponate:

 

Richard Dodd Widdasnach dem Original von Alfred Dedreux, Armer Hund und reicher
Richard Dodd Widdas nach dem Original von Alfred Dedreux, Armer Hund und reicher Hund,
Kingston upon Hull, um 1850/60 © Städtisches Museum Überlingen

Johann Georg Waxschlunger (?), Dogge mit Welpe, München, Anfang 18. Jh. © Baye
Johann Georg Waxschlunger (?), Dogge mit Welpe, München, Anfang 18. Jh.
© Bayerisches Nationalmuseum

Hans Schöpfer der Ältere, Gabriel Ridler, München, 1532 © Bayerisches Nationalmu
Hans Schöpfer der Ältere, Gabriel Ridler, München, 1532
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto Bastian Krack

Hofnarr der Familie Fugger-Nordendorf mit zwei Hunden, Süddeutschland, 1. Hälfte
Hofnarr der Familie Fugger-Nordendorf mit zwei Hunden, Süddeutschland, 1. Hälfte 17. Jh
© Privatbesitz, Süddeutschland

Lieblingshund König Ludwig I., München, um 1850 © Bayerisches Nationalmuseum, Fo
Lieblingshund König Ludwig I., München, um 1850
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto Bastian Krack

Nadin Rüfenacht, Nature Morte, Burgdorf/Schweiz, 2005 © Sammlung Würth, Foto Phi
Nadin Rüfenacht, Nature Morte, Burgdorf/Schweiz, 2005
© Sammlung Würth, Foto Philipp Schönborn, München

Ferdinand von Keller, Selene, Karlsruhe, 1886 © Kunkel Fine Art, München
Ferdinand von Keller, Selene, Karlsruhe, 1886 © Kunkel Fine Art, München

Thomas Theodor Heine, Siegfried, Dießen am Ammersee, 1921 © Print & Coffee
Thomas Theodor Heine, Siegfried, Dießen am Ammersee, 1921 © Print & Coffee

Ferdinand Georg Waldmüller, Waldmüllers Sohn Ferdinand mit Hund, Wien, 1836 © Ba
Ferdinand Georg Waldmüller, Waldmüllers Sohn Ferdinand mit Hund, Wien, 1836
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen

 

Heute habe ich endlich meinen Katalog zur Ausstellung (Deutscher Kunstverlag, 320 Seiten, 262 Abb., ISBN: 978-3422981089) bekommen, einen umfangreichen Wegweiser durch die Vielfalt der Mensch-Hund-Beziehung zum Staunen und Schmökern. Sicher kein Ersatz für einen Ausstellungsbesuch, aber trotzdem mehr als ein Trostpflaster!

Hedy hat schon entschieden, wer zuerst reinschauen darf!

 

Hedy nimmt sich den Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Hedy schmökert im Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Hedy schmökert im Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Zu viel Text, Hedy fallen die Augen zu! © Petra Hartl

 

Die Sonderausstellung "Treue Freunde - Hunde und Menschen" ist im Bayerischen Nationalmuseum noch bis zum bis 19. April 2020 zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr sowie Donnerstag bis 20 Uhr.

 

15. November 2019 - 13:52

Was macht ein Niederländer in Köln? Er schaut sich die Rembrandt-Ausstellung "Inside Rembrandt" im Wallraf-Richartz-Museum an und findet noch Zeit, mir ein Foto von Fritz von Uhdes "Familienkonzert" aus der permanenten Sammlung des Museums zu schicken. Vielen Dank an Rodney van den Beemd dafür!

Ich möchte Rodneys Anregung gerne mit Ihnen teilen, kommt doch in Fritz von Uhdes Gemälde ein Hund vor, der einem Familienkonzert lauscht. Stand bei meinem Post "Und noch eine Hundeschnauze schiebt sich ins Bild!" der Geruchssinn des Hundes im Vordergrund, geht es diesmal um seinen Gehörsinn.

Fritz von Uhdes frühes dunkeltoniges Salongemälde "Familienkonzert" von 1881 lehnt sich motivisch an die Malerei eines Frans Hals an. Uhde studierte die alten Meister in der Münchner Pinakothek, dabei entwickelte er eine besondere Vorliebe für die Niederländer unter deren Einfluss seine ersten Bilder wie z.B. das "Familienkonzert" oder "Die gelehrten Hunde" entstanden.

 

Fritz von Uhde, Familienkonzert, 1881 © Wallraf Richartz Museum

 

Der Künstler malt eine Familie in der holländischen Tracht des 17. Jahrhunderts, die sich um einen Tisch zum Hauskonzert eingefunden hat. Die Musikanten befinden sich im Hintergrund, während der Vordergrund von einem Raben und einem umgefallenen Krug eingenommen wird. Der Rabe symbolisiert Unglück, der umgestoßene Krug steht für den unmoralischen Lebenswandel. Die Szene zerfällt kompositorisch in mehrere Kleingruppen, die keineswegs andächtig lauschen.

 

Fritz von Uhde, Familienkonzert, Detail, 1881 © Wallraf Richartz Museum

 

Der Hund hat die Ohren zurückgelegt - ein Zeichen dafür, dass ihm etwas unangenehm ist - und starrt präsent aus dem Bild heraus. Ihm scheint das Gehörte zu missfallen. Von Uhde stellt diese anekdotische Szene realistisch, vielleicht sogar augenzwinkernd ironisch dar, ganz im Gegensatz zur idealisierten Salonmalerei seiner Zeitgenossen.

Hier noch das oben erwähnte Frühwerk "Die gelehrten Hunde":

 

Fritz von Uhde, Die gelehrten Hunde, 1880

 

Fritz von Uhde, er gehörte 1892 zu den Mitbegründern der Münchner Secession, hat sehr viele Hunde gemalt. Immer wieder taucht in den Gemälden sein Hund "Kitsch" auf, der den impressionistischen Garten belebt. Ein paar Beispiele sehen Sie unten:

 

Fritz von Uhde, Der Hund Kitsch © Lindenau-Museum Altenburg

Fritz von Uhde, Kitsch, der Hund des Künstlers, 1900

Fritz von Uhde, In der Herbstsonne, 1908 @ Sammlung Neue Pinakothek

Fritz von Uhde, Drei Mädchen im Garten, 1907 © von der Heydt Museum

Fritz von Uhde, Am Gartenzaun, 1900

 

Fritz von Uhde (1848-1911) zählt in Deutschland zu den großen Meistern des Realismus und des Impressionismus. Er war mit Max Liebermann befreundet, der ihm die Freilichtmalerei näherbrachte. Neben Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gilt Uhde - als Maler des Lichts - als bedeutendster Vertreter des deutschen Impressionismus.

 

LeserInnen empfehlen, Malerei
9. November 2019 - 11:53

Heute schauen wir uns gemeinsam die Bilder von Nettle Grellier an!

 

© Nettle Grellier

 

In ihren früheren Arbeiten - Stillleben im Übergang zu Interieurs - versammelt Nettle Grellier Menschen und Hunde oft um den Küchentisch oder auf dem Sofa, um deren Beziehung zueinander zu erforschen.

Sie widmet aber nicht nur den Lebewesen viel Aufmerksamkeit, auch die Gegenstände wirken fast beseelt. Die Künstlerin, die vom Stillleben kommt - sie malte Früchte, Gemüse, Küchenutensilien - zeigt uns Dinge, die ihr am Herzen liegen, Keramiken, die Freunde angefertigt haben und Bücher, die ihr wichtig sind. Sie kommen als Referenz ins Bild.

Ergänzt werden Mensch, Tier und Requisiten durch ein Sammelsurium an Texturen und Stoffmustern, gemeinsam dargeboten in verzerrter, aufgeklappter Perspektive und expressiver Farbigkeit. Trotz der Buntheit entstehen verträumte Bilder, die kleine Geschichten vom Zuhause erzählen.

 

© Nettle Grellier

© Nettle Grellier

One about how it won't stop doing that kind of snow that doesn't even settle © N

 

Zwei Menschen und zwei Hunde ins Bild gedrängt; barfüßige Körper füllen die Leinwand aus; ein Gewirr an Armen und Beinen bringt Unruhe in die untere Bildhälfte, während die obere Hälfte durch die Ruhe der berührenden und beschützenden Hände bestimmt ist.

In diesem für Nettle Grellier ganz typischen Bild, wird deutlich, worum es ihr geht: Sie möchte uns Menschen (und Hunde) zeigen, die sich in der Nähe des anderen wohl- und auch sicherfühlen: Freundschaften sollen in einer komplexen, reizüberfluteten, individualisierten Welt ein Gefühl der Sicherheit und Gemeinschaft geben, uns gegen die Turbulenzen in einer zerrütteten Welt wappnen.

Und sie möchte auch, dass wir Betrachter das aus ihren Bildern mitnehmen und in unserem Leben umsetzen. Ihre Bilder sind Handlungsanweisungen, die uns zu Freundlichkeit, Gemeinschaftssinn und gegenseitiger Unterstützung ermutigen sollen.

 

You and you and you and me © Nettle Grellier

Daybed © Nettle Grellier

 

Jedes ihrer Gemälde wird von einem universellen Gefühl bestimmt. Sie beginnt einen Körper in das Skizzenbuch zu zeichnen und dann einen anderen mit ihm zu verbinden, dann weiter zu überarbeiten und Körper hinzuzufügen, bis sie mit der Komposition zufrieden ist.

Bei den Ölbildern beschränkt sie sich entweder auf eine Palette, die sich überwiegend aus fleischigem Pink, Rottönen und erdigem Braun und Grün zusammensetzt. Oder sie wählt eine begrenzte Farbpalette, die den Gefühlen zwischen den Figuren entspricht.

 

Whittling Will could not sit still he whittled and whittled at table © Nettle Gr

The closer you get, 2019 © Nettle Grellier

 

Ein Kreis an Berührungen! Die Menschen berühren sowohl einander als auch die Hunde. Jeder darf da sein und hat Platz, das Miteinanderleben ist entspannt und unangestrengt. Die zarten Gemälde von Nettle Grellier zeigen, wie alle den Raum gleichberechtigt einnehmen können.

 

Give bees a chance, 2019 © Nettle Grellier

Where we went to dance © Nettle Grellier

Drawing © Nettle Grellier

Yeah alright © Nettle Grellier

To do to do © Nettle Grellier

© Nettle Grellier

© Nettle Grellier

Ow, fuck off I love you (an ode to Frida) © Nettle Grellier

 

Nette Grellier erzählt in ihren Bildern Geschichten von Nähe und Intimität und sie erzählt Geschichten vom Zuhause, das immer dort ist, wo uns andere schützend und gütig umgeben.

 

Loves Asleep in Llanrhystud © Nettle Grellier

Drawing © Nettle Grellier

 

Hello and Goodbye!

 

A Picture of Frieda's bedtime routine which involves a lot of wriggling © Nettle

 

Nettle Grellier (*Stroud/ Gloucestershire/GB) - sie kommt aus einer künstlerischen Familie - hat an der Universität Brighton Malerei studiert. 2015 ist sie mit ihrem Freund George Lloyd-Jones in einem umgebauten Lastwagen nach Europa gereist und hat sich auf einem alten Bauernhof in Spanien niedergelassen. 2017 kehrten die beiden mit ihrem geretteten Hund Patata nach England zurück. Hier kam auch die Hündin Frida zur Familie.

 

Quellen: It's Nice That, Young Space, Irina & Silviu

alle Bilder © Nettle Grellier

Malerei, Zeichnung
4. November 2019 - 10:22

Als begleitende Veranstaltung zur Biennale zeigt die Fondazione Querini Stampalia die erste große Jörg-Immendorff-Ausstellung in Italien: Ichich, Ichihr, Ichwir / We All Have to Die.

Dabei handelt es sich nicht um eine Retrospektive, sondern um eine Präsentation seines Spätwerks, in dem er sich mit der Rolle des Künstlers in Gesellschaft und Geschichte auseinandersetzt.

Ab 1998 - Immendorf erfährt von seiner ALS-Erkrankung - ist sein Werk weniger erzählend oder politisch motiviert. Er nimmt vielmehr vermehrt Anleihen bei der Renaissance. Dahinter steht einerseits ein ganz grundlegendes Interesse an der Kunstgeschichte, das ihn seine gesamte Schaffensphase hindurch begleitete. Er musste aber auch eine Methode finden, die es ihm ermöglichte, seine Arbeit trotz seiner sich verschlimmernden Nervenkrankheit, die ihn immer mehr bewegungsunfähig machte, fortzuführen.

Immendorff konzipiert nun die Bilder: Er malt quasi mit dem Kopf und nicht mehr mit den Händen; beschreibt seinen Assistenten, wie die Werke auszusehen haben. Diese müssen die Anweisungen dann ausführen. Hierfür eignet sich logischerweise ein Zurückgreifen auf das bereits bestehende Repertoire der Kunstgeschichte.

 

Jörg Immendorff, Malsand, 2006, Foto Petra Hartl

Jörg Immendorff, Malsand, 2006, Detail, Foto Petra Hartl

Jörg Immendorff, Malsand, 2006, Detail, Foto Petra Hartl

 

Vor monochrome Hintergründe setzt Immendorff geheimnisvolle Figuren, die zu einer eigenen Ikonographie führen. Auch bei "Malsand" sind die sitzende und dahinter stehende Figur vor einem monochrom schwarzen Hintergrund und einer schwarzen felsigen Landschaft zu sehen.

Der Hund erinnert mich ein bisschen an den Windhund von Dürer, der auch in Dürers "Der heilige Eustachius" vorkommt, vielleicht ist "Malsand" von ihm inspiriert.

 

Albrecht Dürer,  A greyhound, um 1500, Royal Collection Trust
Albrecht Dürer,  A greyhound, um 1500, Royal Collection Trust

 

Albrecht Dürer,  Der heilige Eustachius, ca. 1501, Staedel Museum
Albrecht Dürer,  Der heilige Eustachius, ca. 1501, Staedel Museum

 

Jörg Immendorff (1945-2007) war einer der wichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Seine Arbeiten werden seit Mitte der 1960er Jahre international ausgestellt. Er nahm 1972 und 1982 an der Documenta teil, 1976 an der Biennale Venedig. Er lebte und arbeitete in Düsseldorf und Hamburg.

Die Immendorff-Ausstellung in der Fondazione Querini Stampalia ist noch bis zum 24. November 2019 zu sehen.

 

Ausstellung, Malerei
28. Oktober 2019 - 10:25

Valentin de Boulogne, Fröhliche Gesellschaft mit Wahrsagerin (die fünf Sinne), 1

 

Wieso schiebt sich in diesem großen Bild, das Valentin de Boulogne kurz vor seinem Tod fertiggestellt hat, eine Hundeschnauze ins Bild? Und wieso hängt es in der Caravaggio & Bernini-Ausstellung im KHM?

Die zweite Frage ist leicht beantwortet: Valentin de Boulogne zählt zu den Nachfolgern Caravaggios, die sein Themenrepertoire weiterentwickelt und sein Werk zum Ausgangspunkt für eigene Schöpfungen verwendet haben. Schon Caravaggio hat sich mehrmals mit dem Thema der Wahrsagerin, die einem Soldaten die Hand liest, beschäftigt.

 

Valentin de Boulogne, Fröhliche Gesellschaft mit Wahrsagerin (die fünf Sinne)

 

Valentin de Boulogne verwendet die für ihn typischen Personen aus dem Wahrsager-, Wachstuben- und Musikantenmilieu, ganz dem Wunsch des Auftraggebers entsprechend, der dieses Figurenrepertoire im Gemälde verwirklicht sehen wollte. Es wird musiziert, zwei Männer sind in eine Rauferei verwickelt, ein Mädchen versucht eine Geldbörse zu stehlen und eine Wahrsagerin liest einem jungen Mann aus der Hand. Allen Protagonisten gemeinsam ist, dass sie an die Wahrnehmung des Betrachters appellieren. Das Gemälde "Fröhliche Gesellschaft mit Wahrsagerin" trägt auch den Titel "Die fünf Sinne", da es auch als Allegorie auf die Sinne verstanden wird.

An Sinnesmodalitäten sind vertreten: der Tastsinn in der Handleseszene, der Gehörsinn durch die Musikanten, der Geschmackssinn durch das Weintrinken und der Sehsinn durch die intensiven Blicke einerseits und den blinden Musiker am Rand. Und hier kommt auch wieder der Hund ins Geschehen. Als Darstellung des Geruchssinns bringt sich der Hundekopf ins Spiel.

Valentin de Boulogne verbindet eine Allegorie der Sinne mit den verschiedenen aus dem eigenen Oeuvre bekannten Figuren und Szenen zu einer Meditation über das Leben. Wunderbar, dass auch ein Hund daran teilnimmt.

Quellen: Booklet zur Caravaggio & Bernini-Ausstellung im KHM, Liechtenstein. The Princely Collections

 

Ausstellung, Malerei
23. Oktober 2019 - 9:10

Pierre Bonnard, Der Kaffee, 1915, Le Cafe © Tate

 

Das Kunstforum Wien zeigt Pierre Bonnard (1867–1947) in der Ausstellung "Farbe der Erinnerung". Schon im Titel stecken zwei wesentliche Merkmale von Bonnards Malerei: Er malt aus der Erinnerung und sein Thema ist die Farbe, dargebracht vor allem an den Motiven Figur, Interieur und ihn umgebende Landschaft.

Keine Wirklichkeit, kein Motiv soll den Post-Impressionisten von der Farbe ablenken, die er sowohl minimalistisch dünn als auch pastos aufträgt. Immer wieder malt er seine Freundin und spätere Ehefrau in wiederkehrenden Ansichten ihres Zuhauses. Dabei schafft er Durchsichten von innen nach außen (Fenster- und Türdurchblicke), malt Spiegel, die den Blick in den Raum erweitern und ungewöhnlich komplexe sowie angeschnittene Kompositionen, die schon den kommenden Jugendstil andeuten.

Immer wieder verschwimmen Motive im farbenfrohen Punkt- und Liniengewirr. Auch so mancher Hund ist erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen.

Obwohl Bonnard viele Hunde gemalt hat, habe ich nur diese drei in der Ausstellung entdeckt:

 

Pierre Bonnard, Der Kaffee, 1915, Detail, Foto Petra Hartl

Pierre Bonnard, Esszimmer, Vernon, um 1925, Detail, Foto Petra Hartl

 

Im "Esszimmer, Vernon" sehen wir einen Innenraum, der durch eine Tür zum Garten geöffnet ist. Die Szene spielt sich im für Bonnards Malerei so charakteristischen Bereich zwischen innen und außen ab. Alles scheint zu flimmern, hinter der geöffneten Gartentür erkennen wir ein verschwommenes Gesicht - vielleicht Bonnard selbst - der die Szene beobachtet. Die Kinder richten ihren Blick auf eine dunkle Stelle neben dem Esstisch. Erst auf den zweiten und dritten Blick erkennen wir eine Hundeschnauze.

 

Pierre Bonnard, Esszimmer, Vernon, um 1925

Pierre Bonnard, Esszimmer, Vernon, um 1925, Detail, Foto Petra Hartl

Pierre Bonnard, Esszimmer, Vernon, um 1925, Detail, Foto Petra Hartl

 

Auch im "Haus unter Bäumen" finden wir einen kleinen Hund, der seine Besitzerin beim Spaziergang begleitet.

 

Pierre Bonnard, Haus unter Bäumen, 1918, Foto Petra Hartl

Pierre Bonnard, Haus unter Bäumen, 1918, Detail, Foto Petra Hartl

Pierre Bonnard, Haus unter Bäumen, 1918, Detail, Foto Petra Hartl

 

Die Retrospektive im Kunstforum Wien entstand in Kooperation mit der Tate, London und der Ny Carlsberg Glyptothek, Kopenhagen. Unterstützt durch den Bonnard Exhibition Supporters Circle und Tate Members. Sie konzentriert sich auf Bonnards reifes Werk, das nach seinem ersten Besuch an der Côte d’Azur 1909 und der tiefgreifenden Erfahrung des Mittelmeerlichts einsetzt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Jänner 2012 zu sehen.
 

Ausstellung, Malerei