25. Juli 2015 - 18:40

Ich bin ein Wintermensch! Schnee ziehe ich der gegenwärtigen Hitze auf alle Fälle vor. Deshalb musste ich jetzt einfach einen winterlichen Beitrag schreiben, bevor mich und Hedy die hohen Temperaturen vollends lähmen und in Bewegungslosigkeit einfrieren (!) lassen. Wenn Ihnen die Hitze auch zusetzt, freuen Sie sich vielleicht über diesen kühlen Beitrag ganz besonders.

Die Fotoserie "Tiksi" ist nach der sibirischen Heimatstadt der Fotografin Evgenia Arbugaeva benannt. Sie liegt an der russischen Nordpolarmeerküste. Schnee, gefrorene Tundra, Polarnacht und magisches Polarlicht prägen diese einsame Gegend.

Nach fast 20 Jahren kehrt Evgenia Arbugaeva nach Tiksi zurück, um die Kindheitserinnerungen an der Realität zu überprüfen (War das Licht wirklich so mystisch, die Weite so unendlich?). Sie will  Motive suchen, die den Bildern der Erinnerung entsprechen.

 

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

 

Sie lernt das Mädchen Tanya kennen, die zur Protagonistin auf ihren Fotos wird und mit der sie eine surreale Geschichte inszeniert, ein sibirisches Märchen in Bildern erzählt. Durch Tanyas  neugierige, scheue, ehrfürchtige Kinderaugen kann die Künstlerin die Gegenwart betrachten und mit ihren Erinnerungen verbinden. Fotos in einer traumhaft verspielten Stimmung entstehen.

 

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

 

Was wir auf den ersten Blick sehen, sind Bilder voller Romantik, Melancholie, poetisch und nostalgisch. Die Aufnahmen sind farbenprächtig, hell und leuchtend. Sie sind aber auch dokumentarisch und zeigen eine fast aufgegebene Stadt. Die verblassenden Farben der Häuser und Gegenstände, deren Patina, all das, was auf uns einen ästhetischen Reiz ausübt, ist die Manifestation eines wirtschaftlichen Verfalls.

Während seiner florierenden Zeit hatte Tiksi 12000 Einwohner, die am Hafen, in Forschungs- und meteorologischen Stationen oder Militärstützpunkten arbeiteten. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 verschwand die staatliche Infrastruktur. Tiksis Wirtschaft brach zusammen, die Stadt war dem Untergang geweiht. Mehr als die Hälfte der Menschen wanderten ab, auch Evgenia Arbugaevas Eltern zogen mit der Achtjährigen nach Yakutsk.

Als sie 2010 erstmals mach Tiksi zurückkam, war sie schockiert und traurig darüber, wie heruntergekommen und vernachlässigt ihre Heimatstadt war. Gebäude und Schiffe waren verrostet und lagen wie unheimliche Monumente einer großen vergangenen Zeit da. 2012 wurde der Flughafen geschlossen. Heute kommt Versorgung mit dem Hubschrauber.

 

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

aus der Serie Tiksi © Evgenia Arbugaeva

 

Vielleicht sehen andere Kälte, Einsamkeit, Mangel, täglichen Kampf und Verwahrlosung in den Bildern, ich sehe endlose Weiten, Unendlichkeit, höre eine eindringliche Stille.

Evgenia Arbugaeva beschreibt sich als Mensch des Nordens, der ohne die Ruhe und Ehrlichkeit der Arktis nicht leben kann, der sich in der Tundra zuhause fühlt. Im Winter gehen dort Schnee und Himmel horizontlos ineinander über, erzeugen ein Gefühl der Schwere- und Zeitlosigkeit. Auch in ihren anderen Langzeitprojekten fängt sie Menschen und Landschaften der Arktis und Tundra, die Beziehung von Mensch und Natur ein (Meteorologen in "Weather man“, , Mammutjäger in "Mammoth hunters“).

Evgenia Arbugaeva (*1985 in Tiksi) hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, ihre Arbeit wird international ausgestellt und erscheint in Magazinen wie The New Yorker, Le Monde und National Geographic.

alle Fotos © Evgenia Arbugaeva

 

Fotografie
22. Juli 2015 - 20:30

Vor ein paar Tagen habe ich mir zwei Fotografie-Ausstellungen in Wien angesehen. Die beiden Fotografen hatten nicht nur auf den ersten Blick nichts gemeinsam (außer dem Umstand, dass ich deren Werk am selben Tag kennengelernt habe), sie könnten vielmehr nicht gegensätzlicher sein.

Der eine, Joel Meyerowitz, nimmt für sich in Anspruch, die Farbe in die künstlerische Fotografie eingeführt zu haben und sich nicht für grafische Kompositionen, sondern für die umfassendste Beschreibung der Realität ("description") zu interessieren.

Dem anderen, Mario Giacomelli, er fotografierte nur schwarz-weiß, ging es gerade um formale Aspekte, um grafische Strukturen. Ich würde noch einschränkender sagen, es ging ihm um die Steigerung, ja Übersteigerung des Schwarz-Weiß-Kontrastes und um die Linie. Er war aber auch hauptberuflich Schriftsetzer!

Erfreulicherweise fanden sich bei beiden Fotografen auch Hunde als Motiv - wenn auch wahrlich nicht werkprägend -, sodass ich sie hier doch mit gutem Gewissen vorstellen kann.

 

New York City, 1965 © Joel Meyerowitz
New York City, 1965 © Joel Meyerowitz

 

Joel Meyerowitz wird zur Zeit mit einer Retrospektive im Kunst Haus Wien gewürdigt. Der inzwischen 77-jährige Fotograf und Dokumentarfilmer wurde in New York geboren und studierte Malerei (bei Ad Reinhardt) und Kunstgeschichte. Nach einer Begegnung mit Robert Frank wandte er sich der Fotografie zu. Er schrieb als Mitbegründer der Street Photography Fotografiegeschichte und etablierte in den 1960/70er Jahren die Farbfotografie (New Color Photography) als künstlerisches Medium. Er hat zahlreiche internationale Preise erhalten, 16 Bücher veröffentlicht und wurde bisher weltweit über 350-mal ausgestellt.

Die Retrospektive bildet einen Querschnitt durch sein Werk von den 1960er Jahren bis heute. Wir sehen seine Entwicklung von der Schwarzweiß-Fotografie zur damals als Fotografie für Hochzeiten verpönten und nur im privaten Umfeld oder in der Werbung verwendeten "unseriösen" Farbfotografie; seinen Wandel vom dynamischen Jäger als Street Photographer zum beobachtenden Inszenierer von Fundstücken, die er im Studio zu Stillleben arrangiert und fotografiert. Und wir sehen sein Experimentieren mit unterschiedlichen Formaten, Filmen und Kameras.

Als Street Photographer in New York und während seiner Europareise finden sich noch Aufnahmen mit Hund, ist er doch ständiger Begleiter des Menschen. Mit zunehmender thematischer Spezialisierung auf Architektur, Landschaft, Porträt und Stillleben (Cape Light, Red Heads, Ground Zero, Legancy - The parks of New York City, Still lifes) verschwinden sie jedoch aus seinem Œuvre.

 

New York City, 1963 © Joel Meyerowitz, Courtesy Howard Greenberg Gallery
New York City, 1963 © Joel Meyerowitz, Courtesy Howard Greenberg Gallery
 

Über diese Fotografie sagt Joel Meyerowitz selbst, dass er sich sehr dafür interessierte, wie Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, zusammengewürfelt wurden. Er fotografierte die Menschen und deren spannende Beziehung zueinander oft während der zahlreichen Paraden, die in den 1960er Jahren stattfanden. Durch das Fotografieren stellte er sie in einen Rahmen, wodurch sie einen neuen Kontext erhielten. Der lachende Mann mit Hund steht einfach herum, der Betrachter weiß nicht, dass er einer Parade zusieht. Der andere respektvolle Mann hält seinen Hut vor die Brust, weil gerade die amerikanische Flagge vorbeigetragen wird, auch das weiß der Betrachter nicht. Ohne Kontext entsteht also ein surrealer, absurder Inhalt.

Mir gefällt das untere Bild viel besser: Als HundeliebhaberInnen identifizieren wir sofort das relevante Bildgeschehen. Der Dackelblick folgt dem Chihuahua, während die Kaffeehaus-Besucher den Dackel ansehen.

 

Paris, France, 1967
Paris, France, 1967 © Joel Meyerowitz.
Ich habe dieses Foto in der Ausstellung abgeknipst.

 

In "War protest" zeigt sich, wie Joel Meyerowitz sagt, die Eigenart des aufgesteckten Blitzlichtes den Schwerpunkt der Fotografie zu verändern. Die Demonstration gegen den Vietnamkrieg verschwindet, aber die Emotionen scheinen in der Angst und Angriffslust der Hunde verkörpert zu werden. Wenn Sie genau schauen, bemerken Sie, dass der Schäferhund den Husky gerade in die Pfote beißt.

 

Hedy mit Ausstellungskatalog, aufgeschlagen bei War protest, New York City, 1968
Hedy mit Ausstellungskatalog, aufgeschlagen bei War protest, New York City, 1968
 

Die Fotografie unten ist am Bodensee während der ersten Europareise von Joel Meyerowitz entstanden, der Hund steht im Hintergrund.

 

Bodensee, 1967 © Joel Meyerowitz
Bodensee, 1967 © Joel Meyerowitz

 

Für die Serie "From a moving car“ von 1966/67 fotografierte er in Europa aus dem fahrenden Auto. Über 2000 Aufnahmen entstanden, wobei 40 für seine erste Einzelausstellung im Museum of Modern Art verwendet wurden. Ein besonderes Highlight der Ausstellung im Kunst Haus Wien ist die Präsentation der 40 original vintage prints aus der MoMA-Schau von 1968.

 

Paris, Port de Cignancourt, 1966
Paris, Port de Cignancourt, 1966 © Joel Meyerowitz.
Ich habe dieses Foto in der Ausstellung abgeknipst.

 

Bei der Führung durch die Ausstellung am 16.7. 2015 äußerte sich Joel Meyerowitz zur Serie "From a moving car“:

 

I was in my Volvo car, the whole time and I photographed out of the window as I was driving the car … it was for me a conceptual work. I treated the car as if it was the camera and the window was the lens and I was inside the camera, driving the camera. …. I wanted to make photographs of things that I only had the barest recognition … I did not care about the perfect framing ...

 

Auch wenn für Joel Meyerowitz der "richtige" Bildausschnitt bei der Aufnahme kein Kriterium war, so sicherlich bei der Auswahl der Fotografien für die Ausstellung im MoMA. Das Foto mit dem weißen Hund ist einfach perfekt!

Bitte entschuldigen Sie, dass ich teilweise auf das Abknipsen der Arbeiten zurückgreifen musste, aber ich wollte Ihnen die wenigen Beispiele, die zu unserem gemeinsamen Nischen-interesse "Hund und Kunst" passen, nicht vorenthalten.

Die Ausstellung im Kunst Haus Wien (in Kooperation mit dem NRW-Forum Düsseldorf) ist noch bis zum 1. November 2015 zu sehen.

Quelle: Pressematerial und Katalog zur Ausstellung (Ralph Goertz (Hg.): Joel Meyerowitz Retrospective, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2014)

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
15. Juli 2015 - 11:50

Alles beginnt mit einer Erinnerung, mit einer persönlichen Erinnerung.

 

Man and dog © Hajime Kimura

 

Das sagt der japanische Fotograf Hajime Kimura über seine Arbeit. In der Serie "Man and dog" ist es die Erinnerung an seinen verstorbenen Vater.

Nach dessen Tod geht der Fotograf mit Kuno, dem Hund des Vaters, spazieren. Er trifft Menschen, die seinen Vater gekannt haben, unterhält sich mit ihnen und lernt über diese Gespräche eine unbekannte Seite seines Vaters kennen.

 

Man and dog © Hajime Kimura

Man and dog © Hajime Kimura

Man and dog © Hajime Kimura

Man and dog © Hajime Kimura

Man and dog © Hajime Kimura

Man and dog © Hajime Kimura

 

Hajime Kimura fotografiert ausschließlich schwarz-weiß, wobei sich seine Aufnahmen durch hohe Kontraste und außergewöhnliche Bildausschnitte auszeichnen. Erinnerung, Neugier und Intimität mit dem Thema bestimmen Kimuras Aufnahmen weit mehr als das Verfolgen eines konkreten Konzeptes oder das Erzählen einer Geschichte.

Ich möchte Ihnen noch "Tracks", eine weitere, sehr bewegende Serie Kimuras vorstellen. In ihr zeigt er das Leben japanischer Rennpferde von der Geburt zum Tod und auf unsere Teller.

 

Tracks © Hajime Kimura

Tracks © Hajime Kimura

 

Da in Japan auch Pferde gegessen werden, hat er in einem Schlachthaus in Hokkaido fotografiert, wobei es nicht einfach war, eines zu finden, das ihm die Einwilligung dazu gab. In Hokkaido, einer Insel im Norden Japans, werden 95 % der Rennpferde geboren und aufgezogen. Alle, die nicht renntauglich sind, werden für die menschliche Ernährung geschlachtet oder zu Hunde- und Katzenfutter verarbeitet.

Auch diese Serie begann mit einer sehr persönliche Erinnerung. Kimura hatte als 21jähriger in einem Restaurant - ohne es vorher zu wissen - Pferdefleisch gegessen und versuchte diese Erfahrung mit der Erinnerung an Pferderennen, die er als Jugendlicher gesehen hatte, in Einklang zu bringen. Da ihm das nicht gelang, machte er sich mit der Kamera auf den Weg, um zu verstehen …

 

Tracks © Hajime Kimura

Tracks © Hajime Kimura

 

Die Aufnahmen sind formal und inhaltlich überwältigend, sie sind schön und machen emotional betroffen, und sie werden seiner Absicht mehr als gerecht: Bewusstsein und Sensibilisierung für das Leben und Sterben dieser Pferde zu erreichen.

Hajime Kimura (*1982) wuchs in Chiba, in der Nähe von Tokio, auf, studierte Architektur und Anthropologie. 2006 begann er auf ausgedehnten Reisen durch Japan und Asien zu fotografieren. Bis heute gewinnt er zahlreiche Preise und wird weltweit ausgestellt, darüber hinaus arbeitet er für Magazine wie TIME, The New York Times, Le Monde magazine, Newsweek, The Boston globe und Esquire.

Auf Hajime Kimuras Homepage können Sie sowohl die vollständigen Fotoserien sehen als auch Einblick in seine weitere Arbeit gewinnen. Ein ausführliches Interview zu seinem fotografischen Werk findet sich auf Photobook Melbourne.

alle Fotos © Hajime Kimura

 

Fotografie
18. Juni 2015 - 21:10

Ich möchte meinen vorletzten Blogbeitrag über Matt Brown, der Kettenhunde in den Appalachen fotografierte, zum Anlass nehmen, um Sie auf das Schicksal von Kettenhunden aufmerksam zu machen, die nur sehr selten in den Fokus unseres Interesses treten. Gleichzeitig will ich Ihnen das Projekt "Gefrorene Herzen - Grönlands traurige Schlittenhunde" des Tierschutzvereins "Robin Hood" vorstellen, das versucht, diesen vergessenen Hunden zu helfen.

Obwohl die Fotos in diesem Beitrag nicht primär unter künstlerischen Gesichtspunkten erstellt wurden, sondern der Dokumentation dienen, brauchen sie einen Vergleich mit Aufnahmen professioneller FotografInnen nicht zu scheuen. Marion Löcker (die Vereinsgründerin) ist als Tierrechtlerin auch eine tolle Fotografin. Aus jedem einzelnen Foto sprechen zudem Liebe und Respekt.

Mein Text folgt sinngemäß und sehr gekürzt ihren Projektbeschreibungen auf der Homepage von "Robin Hood".

 

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

 

Grönland wird mit Eis, Schnee, mit endlosen Weiten und unberührter Natur in Verbindung gebracht - und natürlich mit Schlittenhunden. Mensch und Tier versuchen gemeinsam den Kampf gegen die Kälte zu gewinnen. Soweit die noch weit verbreitete romantische Vorstellung.

Die Realität sieht anders aus: Etwa 21000 Schlittenhunde, die so genannten Grönlandhunde, vegetieren unter unfassbaren Bedingungen vor sich hin. Sie verbringen ihr kurzes Leben in Ketten, werden kaum mit dem Lebensnotwendigsten versorgt, Wasser und Futter sind selten, menschliche Zuwendung gibt es überhaupt nicht. Viele verdursten an der Kette, Welpen sterben auf felsigem Boden. Die Schlittenhunde Grönlands leiden und sterben unbemerkt.

2007 ist Marion Löcker erstmals nach Grönland gereist, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Was sie gesehen hat, war deprimierend in seinen Ausmaßen: eine schreckliche, unbeschreibliche Verwahrlosung tausender Hunde. Wieder in Österreich, hat sie ein Hilfsprojekt ausgearbeitet, das Mensch und Tier helfen sollte. Den Hunden durch den Bau von kleinen Tierheimen für ausgerissene, alte oder kranke Schlittenhunde, den jungen Inuit durch die Möglichkeit eine Ausbildung als Tierpfleger zu erhalten oder durch den Bau von Hundehütten der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Außerdem sollte eine große Aufklärungskampagne an Grönlands Schulen erfolgen.

Die Inuit kämpfen mit vielfältigen sozialen Problemen: Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Alkoholismus, Kindesmissbrauch, einer hohen Selbstmordrate. Unter diesen Umständen wird den Tieren keine Aufmerksamkeit zuteil, Tierschutz existiert nicht. Die jungen Menschen fühlen sich aufgerieben zwischen einer sterbenden Tradition und einer Welt, die sie aus Internet und Medien kennen.

 

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

 

Viele Hunde bekommen nur unregelmäßig Wasser und Futter. Sie sind den Wetterwidrigkeiten schutzlos ausgesetzt. Ketten und Seile verwickeln sich, sodass Hundemütter nicht zu den Welpen kommen, die fiebernd in einer Erdhöhle vor sich hin jammern. 

 

Mama mit Kindern, Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Kein Wasser, Tassilaq, Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Er sieht sehr schlecht aus, Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion L

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

 

Bis heute fährt Marion Löcker jedes Jahr nach Grönland um zu helfen, schreibt sie an Gott und die Welt, um auf die Schlittenhunde aufmerksam zu machen. Es erschienen Berichte in verschiedenen Medien, doch eine Änderung in Grönland bei den HundehalterInnen oder Behörden hatte dies nicht zur Folge. Erst 2012 kam der Durchbruch, als sie einen für Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit zuständigen Beamten in Grönland kennen lernte, der sich für ihr Anliegen interessierte. Das Hüttenbauprogramm begann! Eine Wasserleitung zum großen Hundeplatz wird noch heuer gebaut.

 

Tassilaq, Ostgrönland, Foto: Marion Löcker

 

Ein weiterer Erfolg für die Hunde: Es werden gepolsterte Brustgeschirre hergestellt, die nach und nach die blutig scheuernden Seile ersetzen sollen.

 

Gepolsterte Brustgeschirre statt blutig scheuernder Seile werden hergestellt, Fo

 

Seit über 23 Jahren arbeitet Marion im Tierschutz, 2010 hat sie den Verein "Robin Hood“ gegründet, der vor allem osteuropäische Tierheime betreut und Kastrationsprojekte durchführt. Ich kenne sie seit 15 Jahren persönlich, durch sie bin ich auch zu meiner rumänischen Huskyhündin Hedy gekommen.

Hunderte Fotos auf Grönland entstanden, eines bewegender, erschütternder als das andere, manche aber auch Hoffnung machend. Zu sehen in vielen Alben auf der Facebook-Seite von "Robin Hood" (z.B. Gefrorene Herzen, Grönlands Schlittenhunde bekommen kaum Wasser, Schlittenhunde in Grönland). Auf der Homepage von "Robin Hood" können sie die Geschichte von Marions Einsatz für die Grönlandhunde nachlesen, auf Ihrem Blog erzählt sie, wie wichtig es ist, nie aufzugeben.

Ich kann nur "Danke“ sagen dafür, dass es Menschen wie Marion gibt. Menschen, die nicht locker lassen, die auf Tierleid mit Energie und Handeln reagieren und nicht in Trauer oder Gefühlen der Ohnmacht erstarren.

Und hier ist sie, Marion Löcker, die ihr Herz an die Grönlandhunde verloren hat.

 

Marion hat ihr Herz an sie verloren, Tassilaq und Kummiut in Ostgrönland

 

Wenn auch Sie den Grönlandhunden helfen wollen, können Sie das bei "4000 Bausteine für Grönland“ ganz konkret tun. Mit Ihrer Unterstützung erhalten die Hunde weitere Hütten, werden regelmäßig mit Wasser und Futter versorgt und medizinisch betreut; neue Ortschaften können in das Projekt einbezogen und der Schutz der Hunde sowohl flächenmäßig als auch qualitativ ausgedehnt werden.

 

12. Juni 2015 - 16:45

Was glauben Sie, wie groß dieses Hundeporträt ist?

 

o.T., 1997 © Miguel Branco

 

Als ich die Arbeiten von Miguel Branco entdeckt habe, war ich überrascht davon, wie klein sie sind. Manche sind nicht einmal 10 cm hoch, die meisten kleiner als eine Postkarte!

 

o.T., 1998 © Miguel Branco

o.T., 1997 © Miguel Branco

o.T., 1997 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

o.T., 1997 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

 

In den letzten 20 Jahren hat sich Miguel Branco vor allem mit der Malerei beschäftigt und in zweiter Linie mit der Skulptur. Für beide Werkgruppen ist der Maßstab bedeutend: Seine Werke sind sehr klein. Er verweigert sich damit der epischen und rhetorischen Größe der traditionellen Historienmalerei zugunsten einer vermehrten Hinwendung zum Raum und zur Oberfläche. Das kleine Format zwingt uns allerdings genau hinzusehen.

 

o.T., 1990 © Miguel Branco

o.T., 1995 © Miguel Branco

o.T., 1995 © Miguel Branco

o.T., 1998 © Miguel Branco

 

Nichts wird durch überproportionale Größe mit Bedeutung aufgeladen: Einfachheit, Humor und Abwesenheit von Feierlichkeit stehen im Vordergrund. Die Hunde sind ohne eindeutige Erzählung präsent, ihr häufig frontaler Blick ist beunruhigend. Auch wenn die Bilder nichts Konkretes erzählen, sind sie seltsam rätselhaft, geheimnisvoll und ungreifbar, bilden sie ein stilles, subtiles Universum.

 

o.T., 2002 © Miguel Branco

 

Beide - Malerei und Skulptur - sind von der Kunstgeschichte inspiriert, sowohl in ihrer Technik als auch in der Wahl der Themen: Porträtmalerei, Tierdarstellungen ( z.B. nach David Teniers d. J.oder George Stubbs) und Stillleben.

 

Untitled (After George Stubbs), 2010 © Miguel Branco

Untitled (Terra), 2014 © Miguel Branco

o.T. (After Giacometti), 2005 © Miguel Branco

o.T. (After George Stubbs), 2007 © Miguel Branco

o.T. (Brown Dog), 2005 © Miguel Branco

 

Miguel Branco (*1963 in Castelo Branco/ Portugal) lebt und arbeitet in Lissabon.

In Innsbruck sind nun erstmals in Österreich Arbeiten von Miguel Branco ausgestellt, und zwar im Zusammenhang mit der im Schloss Ambras stattfindenden Ausstellung "Echt tierisch! Die Menagerie des Fürsten“.

Zu sehen sind 100 Werke (außergewöhnliche Tierstudien und -porträts unter anderem von Albrecht Dürer, Giambologna, Georg Hoefnagel, Roelant Savery und Paolo Veronese) aus den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums sowie nationale und internationale Leihgaben. Ergänzt wird die Ausstellung durch meisterliche Tierpräparate.

Die begleitende Ausstellung  "The Silence of Animals“ schlägt eine Brücke in die Gegenwart: Miguel Branco setzt sich mit den Kunstkammern der Renaissance auseinander und interpretiert die Tiermalerei aus dem 16. Jahrhundert auf faszinierende Art neu.

Informationen zur Ausstellung, die vom 18. Juni 2015 bis zum 4. Oktober 2015 im Schloss Ambras Innsbruck zu sehen ist, finden sie hier.

Miguel Branco hat eine sehr umfassende Homepage, auf der Sie einen Einblick in sein künstlerisches Universum seit 1987 gewinnen können. Ich konnte im Internet nur wenig über den Künstler auf Englisch herausfinden, meine Hauptquelle war die Homepage der Galerie Jaeger Bucher.

alle Bilder © Miguel Branco

 

Ausstellung, Malerei, Skulptur, Zeichnung
5. Juni 2015 - 18:00

Erst auf den zweiten Blick erkennt man den scheuen Hund mit der weißen Schnauze neben seiner Hütte liegen.

 

Jupiter, NC. 2009 © Matt Brown

Bumpus Cove, TN. 2007 © Matt Brown

 

Die Serie "Dogwater Blues" des amerikanischen Fotografen Matt Brown habe ich erstmals auf der Website Oitzarisme – Romanian online magazine on photography gesehen. Für mich naheliegend, dass die Fotografien in Rumänien entstanden sind. Sozusagen in mein Weltbild oder zu den Vorurteilen passend: Kettenhunde in Osteuropa. Erst beim genaueren Hinsehen und Nachlesen wurde mir klar, dass die Aufnahmen aus den Appalachen stammen. Hunde an der Kette zu halten ist eben eine weltweite Tierquälerei und überall in ländlichen Gebieten zu finden und mir auch aus Urlauben in Spanien (Mallorca, Kanarische Inseln) leidvoll bekannt.

 

Erwin, TN. 2007 © Matt Brown

Jonesborough, TN. 2007 © Matt Brown

Barnard, TN. 2008 © Matt Brown

Mountain City, TN. 2010 © Matt Brown

Rutherfordton, NC. 2010 © Matt Brown

Greeneville, TN. 2007 © Matt Brown

 

Matt Brown, er stammt aus Tennessee, zeigt uns seinen Blick auf das Leben der Menschen in den Appalachen, indem er deren Hunde zeigt. Er fotografiert auch die Hundehütten: marode, klapprige, aus Sperrholz und Blech zusammengeschusterte Behausungen.

Immer wieder fühlt er sich zu den Hunden mit ihren offenen und ehrlichen Blicke hingezogen. Von Müll und Verfall umgeben erkennt er in ihren direkten Blicken und in ihrem Geheul ein Gefühl der Verzweiflung und Traurigkeit. Trotzdem war es nicht seine primäre Absicht den Hunden durch diese Fotoserie eine Stimme geben, sondern über sie auf deren menschliche Halter schließen. Für ihn geben die Hunde mehr Aufschluss über die Menschen, als es jedes persönliche Porträt könnte. In diesem Sinne wurde "Dogwater Blues" ein Projekt darüber, wie der Mensch diejenigen behandelt, die er "liebt".

 

Clyde, NC. 2012 © Matt Brown

Asheville, NC. 2010 © Matt Brown

Alexander, NC. 2011 © Matt Brown

Barnardsville, NC. 2011 © Matt Brown

Bumpus Cove, TN. 2007 © Matt Brown

o.T. © Matt Brown

 

Die Fotografien stimmen mich sehr traurig: das angekettete Leben der Hunde, das vielleicht nicht in Lieblosigkeit begründet ist, sondern in einem Mangel an Verständnis für seinen Gefährten. Ich unterstelle, dass die meisten Menschen wirklich glauben ihre Tiere gut zu behandeln - Hundenamen sind auf die Hütten gemalt, Blumen bekränzen ein Grab -, doch wie traurig ist es, sie anzuketten und sie nicht ins Haus zu lassen. Ist es in der Angst begründet, dass sie weglaufen und nicht wiederkommen, wenn sie sich frei bewegen können? Müssen sie Hab und Gut bewachen, ihre HalterInnen beschützen?

Matt Brown lebt als Fotograf und Filmemacher in Ashvile/North Carolina. Er hat einen BA aus Englischer Literatur und Fotografie der East Tennessee State University.

alle Fotos aus der Serie "Dogwater Blues" © Matt Brown

 

Fotografie
24. Mai 2015 - 9:30

Kaum von meinem Kurzurlaub in Berlin zurückgekommen, erreicht mich die Ankündigung einer Ausstellung, die es wert wäre, schon wieder hinzufahren. Im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin findet die Sommerausstellung "Wir kommen auf den Hund!" statt. Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit diese Präsentation zu sehen.

 

Federico Zuccari, Studienblatt mit einem spanischen Windspiel, um 1564-65
Federico Zuccari: Studienblatt mit einem spanischen Windspiel, um 1564-65.
© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Foto: Volker-H. Schneider

Max Thedy, Weiblicher Akt mit Hund, um 1880/1900
Max Thedy: Weiblicher Akt mit Hund, um 1880/1900. © Staatliche Museen zu Berlin,
Kupferstichkabinett / Foto: Jörg P. Anders

Félix Vallotton, Le Coup de Vent (Der Windstoß), 1894
Félix Vallotton: Le Coup de Vent (Der Windstoß), 1894. © Staatliche Museen zu Berlin,
Kupferstichkabinett / Foto: Jörg P. Anders

Max Liebermann, Im Kahn, 1917
Max Liebermann: Im Kahn, 1917. © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett /
Foto: Volker-H. Schneider

Pablo Picasso, Le Chien (Der Hund), 1936
Pablo Picasso: Le Chien (Der Hund), 1936. Staatliche Museen zu Berlin,
Kupferstichkabinett. © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2015 /
Foto: Volker-H. Schneider

Dieter Roth, Selbstbild, als Hundehauf in Stuttgart am 27.10.73, 1973
Dieter Roth: Selbstbild, als Hundehauf in Stuttgart am 27.10.73, 1973.
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett. © Dieter Roth Estate,
Courtesy Hauser & Wirth/ Foto: Volker-H. Schneider

 

Die Ausstellung zeigt in sechs Kapiteln eine große Bandbreite an Themen, die Kunst und Hund verbinden. Die Werke zeigen, wie er als Wach-, Hüte-, Jagd- und Begleithund dient und in der Großstadt Straßen und Plätze belebt. Fellstruktur, Anatomie und Bewegung von Hunden wird in Zeichnungen, Druckgraphiken, Ölskizzen und Aquarellen eindrucksvoll vermittelt. Zu sehen sind Werke u. a. von Agostino Carracci, Albrecht DüŸrer, Rembrandt und Goya bis hin zu Adolph Menzel, Otto Dix, Pablo Picasso und Dieter Roth.

„Wir kommen auf den Hund! Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett“ ist vom 26. Juni 2015 bis zum 20. September 2015 zu sehen. Im Juni 2015 erscheint im Imhof Verlag eine Publikation mit 50 Abbildungen und Texten in deutsch und englisch.

 

Ausstellung, Grafik, Zeichnung
20. Mai 2015 - 17:25

Tobias Emskötter schuf dieses kleine Gemälde, das seit ein paar Tagen meine Wohnung ziert. Wie eine kleine Hundeikone strahlt der Terrier aus dem ockergoldenen Hintergrund. Und wie bei den alten Holländern entwickelt sich der kleine Terrier plastisch aus dem vormals dunklen Grund; der lebhafte, tiefe Blick - hier ist ein Könner am Werk.

 

Terrier 1 © Tobias Emskötter, Foto: Petra Hartl

 

Neben Getier (Streuner und Hunde als Auftragsarbeiten, Tiere des Hagenbecker Zoos) malt der Künstler auch Landschaften und Allerlei. Für seine modernen Seestücke - Containerschiffe fahren durchs Bild - findet Herr Emskötter Inspiration am Elbstrand. Während der letzten Fußballweltmeisterschaft hat er Spieler verewigt, was ihm einen Beitrag im Fernsehen einbrachte.

 

Terrier 3 © Tobias Emskötter

morgens © Tobias Emskötter

abends © Tobias Emskötter

Chihuahua lachend © Tobias Emskötter

Hund mit Herz 2 © Tobias Emskötter

Hund erledigt © Tobias Emskötter

Corgi 3 © Tobias Emskötter

Greyhound © Tobias Emskötter

Streuner © Tobias Emskötter

Hyäne 2 © Tobias Emskötter

 

Einen Eindruck vom norddeutschen Humor geben die Einschlaf-Hilfen: kleine Gemälde von Schafen, die gemeinsam mit je einer Phiole mit Baldrian und Hopfen im Graukarton geliefert werden. Das wäre doch wohl einmal ein originelles Geschenk für Schlechtschläfer!

 

Muster Einschlafhilfen © Tobias Emskötter

 

Viel weiß ich nicht über den Künstler, nur das, was er auf seiner Homepage preisgibt: geboren in Berlin, lebt in Hamburg, malt Bilder, zeichnet und arbeitet für Zeitschriften, Zeitungen, Verlage, einen Zirkus, Jugendprojekte und allerlei mehr.

Ganz bemerkenswert ist übrigens Tobias Emskötters Preisgestaltung. Jeder soll sich ein Original leisten können. Die kleinen Bilder beginnen schon bei 90 Euro.

alle Bilder © Tobias Emskötter
 

Malerei
13. Mai 2015 - 9:25

Bull Terrier, 2013 © Hannah Parr

 

Mir gefällt einfach alles an den Bildern von Hannah (Parr). Obwohl - oder vielleicht auch weil - die Hunde nicht naturalistisch gemalt sind, blicken sie uns quicklebendig und vital entgegen. Was mir an ihren Bildern aber sofort aufgefallen ist, sind die Hintergründe, in die sie ihre Hunde (und andere Tiere) setzt: Sie sind entweder mit schwungvollen expressiven Pinselstrichen großzügig angelegt oder als originelle, humorvolle Interieurs angedeutet.

 

Desolate Esstisch, 2014 © Hannah Parr

 

HANNAH malt auf Holz, dessen Maserung auch die fertigen Bilder in unterschiedlichem Ausmaß bestimmt. Sie mag gefundenes Holz, den Prozess des Findens, das Ausnützen seiner Form, Farbe und Fundstelle als Inspirationsquelle. Mit breiten Strichen bringt sie die Farbschichten auf, schmirgelt sie dann wieder stellenweise ab, um die Maserung des Holzstücks hervorzubringen und ihm etwas von seiner Originalität, seiner Geschichte wiederzugeben.

 

© Hannah Parr

 

Nicht nur die Behandlung des Holzes, auch das Auftragen der Farbe reflektiert ihre Freude am Entstehungsprozess. In jedem Pinselstrich, in jeder markanten Kombination von Farbe und Bewegung, ist eine leidenschaftliche Energie zu spüren. HANNAH malt gerne figurativ  und genießt die Herausforderung, das Fell durch den Aufbau bunter Schichten in mutigen Pinselstrichen zu bewältigen. Nie wird sie müde die großartigen Hundepersönlichkeiten zu beobachten.

 

Tico, 2011 © Hannah Parr

© Hannah Parr

 

Luna, 2010 © Hannah Parr

 

Zum Abschluss noch eine ihrer Illustrationen:

 

I could not travel both, 2013 © Hannah Parr

 

1984 im britischen Bournemouth geboren, lebt Hannah heute in Berlin. Ihren Abschluss am Central Saint Martins College of Art and Design machte sie 2006 in Graphic Design.

 

alle Bilder © Hannah Parr

 

Malerei, Zeichnung
9. Mai 2015 - 9:15

© Martin Usborne

Der Blick in eine Hundeseele - ein Foto voller Zärtlichkeit.

 

Wenn Sie zu den langjährigen LeserInnen meines Blogs gehören, können Sie sich vielleicht noch an Martin Usbornes Foto-Serie "Mute - The Silence of Dogs in Cars" erinnern, über die ich am 1. September 2011 geschrieben habe. Es war einer der ersten Beiträge überhaupt, die ich veröffentlicht hatte. Nicht zuletzt deshalb ist mir Martin Usbornes Arbeit, die ich mit großem Interesse verfolge, ans Herz gewachsen. Er gehört zu den Guten! Zu jenen, die ihre Kunst in den Dienst der Tiere stellen.

Jetzt freue mich ganz besonders, Ihnen sein neues Projekt vorstellen zu dürfen - ein Fotobuch, das auf das Leben und Sterben der spanischen Windhunde hinweist: Where hunting dogs rest. Dieses Buch stellt Porträts von geretteten Hunden neben Aufnahmen der Landschaften, wo die weniger glücklichen unter ihnen den Tod finden: in Schluchten und Flüssen, auf Landstraßen und dem freien Feld.

Sie können durch Unterstützung seines Projekts auf Kickstarter dazu beitragen, das Leid dieser Hunde bekannt zu machen und zu mindern. Mit seinem Fotobuch, in dem er die Schönheit und Würde dieser Tiere zeigt, möchte Martin Usborne diesen Hunden eine Stimme geben.

 

© Martin Usborne

© Martin Usborne

 

Jeden Winter werden in Spanien mindestens 30 000 Windhunde, die zur Hasenhetzjagd verwendet wurden, ausgesetzt oder auf barbarische Weise getötet, weil sie zu langsam oder zu alt sind. Vielen Besitzern ist es schlicht zu teuer, sie bis zur nächsten Saison zu behalten. Weltweit, aber auch in Spanien, ist deren qualvolles Dasein viel zu wenig bekannt oder es wird ignoriert.

Vor einigen Jahrhunderten waren diese wunderbaren Hunde die Gefährten der Könige und des Adels. Das Töten dieser Hunde war ein Verbrechen und wurde schwer bestraft. Heute werden der große Galgo und der kleinere Podenco zur Jagd auf Kleinwild eingesetzt. Nach der Saison werden die Hunde - nun selbst Opfer einer verkommenen Jagdtradition - mit Steinen um den Hals in Brunnen und Flüsse geworfen oder an Bäumen aufgehängt - eine besonders sadistische Form des Tötens, die Osborne hier beschreibt. Manche werden verletzt oder halb verhungert in Rettungsstationen aufgenommen und warten dort auf ein neues Zuhause.

 

© Martin Usborne

 

Es ist schwer zu sagen, wie viele Hunde unter diesen Zuständen leiden, da die Jagd in abgelegenen Gebieten stattfindet. Schätzungen sprechen von bis zu 200 000 Hunden jährlich. Das Tierheim 112 Carlota Galgos, in dem Martin Usborne fotografierte, und das nur ein kleines Gebiet abdeckt, bekommt täglich bis zu 90 Hunden.

 

White Galga © Martin Usborne

 

Martin Usborne, der auf seinen Reisen auch nach Spanien kam, reagiert auf diesen unerträglichen Zustand mit einem Fotobuch: Fotografieren ist das, wie er sagt, was er am besten kann. Das Buch selbst erzählt von der Schönheit und Eleganz der Tiere. Usborne stellt die Brutalität und das Leid nicht direkt dar, trotzdem ist es in den Hunden präsent. Sie sind nervös, schwach, scheu. Martin Usbornes Bilder nehmen die Tonalität und Stimmung von Gemälden Velázquez’ auf, geschaffen zu einer Zeit, als diese Hunde noch mit großem Respekt behandelt wurden.

   The work of this book is inspired by Velazquez. He painted at a time when these dogs were still revered and was born in an area where the dogs still hunt. His use of dramatic lighting and earthy colours provided a constant reference point and a reminder of these dogs' noble past. I hope that this images show something of the classical beauty and heritage of these dogs whilst not ignoring the ugliness of their modern situation.

 

© Martin Usborne

The smaller Podenco © Martin Usborne

 

Die Fotos wurden in Andalusien und Extremadura aufgenommen, wo die Hetzjagd üblich ist. Unerwünschte Hunde werden ausgesetzt, verbrannt, in den Flüssen ertränkt.

 

© Martin Usborne

© Martin Usborne

© Martin Usborne

 

Ein Teil des Bucherlöses kommt Tierheimen zugute. Neben dieser ganz konkreten Hilfe will Martin Usborne vor allem das internationale Bewusstsein erhöhen, um diese grausame Jagdtradition einzudämmen.

Auf seinem Blog "A year to help" beschreibt Martin Usborne seinen Versuch, in einem Jahr so viele Tiere zu retten wie möglich. Viele Tage beschäftigen sich mit "The rise and (almost) fall of the galgo"

Hier nochmals der Link zu Kickstarter, wo auch ein Video zum Projekt zu sehen ist.

Wenn Sie einen Galgo oder Podenco adoptieren wollen, können Sie sich an diese Rettungsstationen wenden: 112 Carlota Galgos und Fundatcion Benjamin Mehnert.

alle Fotos © Martin Usborne