6. Juli 2020 - 12:02

Karl Weschke, Feeding Dog, 1976-77 © The Estate of Karl Weschke

 

Ein Hund steht hinter einem Stück Fleisch, als würde er es bewachen. Es ist Dankoff, der Borsoi des Künstlers Karl Weschke, der in den 1960er und 1970er Jahren eine Reihe von Gemälden mit Pferden oder Hunden malte. Der Künstler selbst hat das Bild als "ein Hund in einer bestimmten Landschaft unter bestimmten Umständen" ('a dog in a particular landscape in a given circumstance' ) beschrieben. Der Hund hat eine symbolische Rolle für ihn übernommen und starke Erinnerungen an bestimmte Ereignisse in seiner Kindheit hervorgerufen. Er symbolisiert einen Kampf ums Überleben, wobei die karge Landschaft ein Gefühl der Abwehr und Isolation verstärkt.

Dankoff steht auf der Klippe beim Haus des Künstlers in Cape Cornwall, einem Ort, der in Weschkes Werk immer wieder auftaucht, z.B.in Feeding Dog von 1976-77.

 

Karl Weschke, Portrait of a Dog, 1975-78 © © The Estate of Karl Weschke 
 

1960 zog der gebürtige Deutsche, der nach der Kriegsgefangenschaft in Großbritannien blieb, in dieses kleine abgelegene Haus. Die umgebende Landschaft war rau und abweisend, öde Moore auf der einen Seite und die Weite des Atlantiks auf der anderen. Der Blick aus seinem Atelier schweifte über den trostlosen Landstrich mit seinen Farnkraut- oder Ginsterkulturen und über den Atlantik. Weschke liebte und respektierte das Meer, sowohl als Taucher als auch als Künstler, und malte es in vielen Stimmungen.

Hier fand Weschke die Nähe zur Natur, die seine Arbeit zweifellos beeinflusst hat. Die selbst auferlegte Isolation von Cape Cornwall hat auch Weschkes Selbstidentifikation als künstlerischen Außenseiter und als Exilanten verstärkt.

Auch oben wird Dankoff gänzlich ohne Sentimentalität gemalt, die Darstellung des Borsoi ist das Ergebnis von Weschkes genauer Beobachtung des Hundes.

Weschkes Landschaften sind trostlose, elementare Orte: bedrohlich oder Angst einflößend, Lebewesen erscheinen marginalisiert und isoliert. Die einsame Präsenz von Figur, Tier oder Baum ist das wiederkehrende Motiv in seinem Werk und suggeriert eine Affinität zum Existenzialismus. Seine Landschaften, das Alltägliche und Mythische artikulieren große einfache Wahrheiten. Individuelles Erleben übersetzt er in Bilder von universeller Bedeutung.

 

Karl Weschke, Dog Dankoff, 1969 © Jonathan Clark & Co
 

Für einen Großteil seines Lebens dominieren Erdfarben seine Malereien, erst seine Reisen nach Ägypten in den 1990er Jahren befreiten Weschkes Sinn für Farbe. Auch Dankoff fügt sich farblich in die hügelige Umgebung ein, die ihn fast zu erdrücken scheint. Der schlanke Borsoi ist monumental, voluminös und mit expressiven Pinselstrichen gemalt.

Karl Weschke (*1925 in Taubenpreskeln/D, gest. 2005 in Cornwall/GB) hat ein bewegendes und bemerkenswertes Leben geführt.

Er wächst in zerrütteten Familienverhältnissen auf, lebt als Straßenkind, wird in die Hitlerjugend aufgenommen und tritt in die Luftwaffe ein. 1945-48 verbringt er in britischer Kriegsgefangenschaft. Er beginnt zu malen und Skulpturen herzustellen. 1949 war er ein Semester lang Kunststudent in St. Martin und beschloss dann, seinen eigenen autodidaktischen Weg zu gehen. Danach lebt er kurz in Spanien und Schweden, bevor er sich 1955 in der Grafschaft Cornwall niederlässt, zuerst in Zennor, ab 1960 in Cape Cornwall. Ab 1958 stellt er in Einzel- und Gruppenausstellungen aus. 1998 erscheint die erste Monographie über sein Werk. Ein Jahr vor seinem Tod findet in seiner Wahlheimat in der Tate St. Ives eine Retrospektive statt und eine breitere Öffentlichkeit wird auf sein Werk aufmerksam. In Deutschland ist er bis heute kaum bekannt.

 

Karl Weschke, Woman and Dog, 1971 ©  © Belgrave St Ives

Karl Weschke, Portrait of Dog Dankoff, c 1975 © Jonathan Clark & Co

 

Im Anschluss noch Links zu ausführlichen und lesenswerten Beschreibungen von Weschkes Leben und Werk:

Independent, The Telegraph, Ben Tufnell, Der Spiegel, johnathan clark fine art

 

Malerei, Zeichnung
25. Juni 2020 - 16:59

Im letzten Blogbeitrag hat Gigi Mills als eine wesentliche Inspirationsquelle Milton Avery genannt. Doch wer war Milton Avery? Vielleicht konnten Sie auch nichts mit diesem Namen anfangen, deswegen reiche ich eine ganz kurze Beschreibung seines umfangreichen Werks - natürlich anhand seiner wenigen Hundebilder - nach.

Der amerikanische Maler Milton Clarke Avery (1885-1965) war ein Virtuose in der malerischen Verwendung der Farbe, er konzentrierte sich auf die Beziehung zwischen den Farben, die ihm wichtiger war als Tiefenwirkung. Darin und in der Betonung der Flächigkeit stimmt sein Frühwerk mit den Expressionisten und den Fauves überein. Aufgrund seiner farbenfroher Landschaftsbilder wird Avery auch gerne als amerikanischer Matisse bezeichnet.

 

Milton Avery, Seated Woman With Dog, 1936

Milton Avery, Three Figures and a Dog

 

Sein reifer Stil ab den 1930er Jahren wird von Klarheit, Einfachheit und Sparsamkeit bestimmt, die Bilder sind aus einigen wenigen flächigen Bereichen in subtiler Farbigkeit komponiert. Obwohl sein Werk eindeutig gegenständlich ist - er braucht ein minimales Element der Darstellung - ist Averys Werk ist bahnbrechend für die amerikanische abstrakte Malerei. Oben und unten sehen Sie das gleiche Sujet - drei Menschen mit einem Hund - gleichzeitig sehen Sie, wie er dieses ohnehin schon sehr reduzierte Motiv weiter abstrahiert hat.

 

Milton Avery, Three Figures and a Dog, 1943

 

Avery war ein großer Künstler der kleinen Themen und Motive: Sein Wohnzimmer, der Central Park, Strände und Berge, seine Frau Sally, seine Tochter March, seine Freunde und natürlich Hunde. Seine Welt war häuslich und rural, frei von Stadt, Technologie, Arbeit und Tod. Sie war undramatisch, poetisch, idyllisch, von Harmonie und leiser Emotion durchzogen.

Unten treffen wir den kleinen Hund der ersten Bilder wieder, vielleicht liegt er sogar auf demselben grünen Sofa.

 

Milton Avery, The Green Settee, 1943

Milton Avery, Girl and Dog, 1942-43 © Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smi

Malerei
22. Juni 2020 - 15:30

Yellow Hat, Dog, Mule and Clown © Gigi Mills

 

Mensch und Pferd lassen den Kopf hängen, auch der Hund mit seinem kecken Hütchen kann die Melancholie der Szene nicht mildern.

Von jedem unnötigen Ballast und Detail befreit und auf das absolut Wesentliche reduziert, stehen Mensch und Tier mit all ihrer Anmut oder Unbeholfenheit dem Betrachter gegenüber und konfrontieren ihn mit einer existenziellen Einsamkeit. Gigi Mills Arbeiten spiegeln eine emotionale Komplexität wider und bestechen gleichzeitig durch ihre außerordentlicher Schönheit.

 

Walking to the Sea © Gigi Mills

Bird Dog and Fisching Pole © Gigi Mills

Calling The Hounds/ Red Sweater © Gigi Mills

Following the Wind © Gigi Mills

 

Auf den ersten Blick wirken ihre Arbeiten durch die großen, zumeist in gedämpften Farben gehaltenen Flächen ohne Tiefenwirkung. Die Landschaften sind oft nur durch einen Horizont bestimmt. Die Innenansichten werden durch ein karges Raumgerüst bestimmt, sie erinnern an Bühnenbilder oder perspektivlose imaginäre Räume, in denen die Interieurs auffallend zur Schau gestellt werden und die Figuren - wie Silhouetten - anonym bleiben.

Gigi Mills wuchs in einer Zirkusfamilie auf und studierte als Erwachsene Theater und Tanz. Erst später kam sie als Autodidaktin zur bildenden Kunst. Sie ist von Malern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, zum Beispiel Matisse, beeinflusst und zitiert Milton Avery als eine wichtige Inspirationsquelle.

 

Still Life with Blue Avocado © Gigi Mills

Studio Dog with Girl and Chair © Gigi Mills

The Cook and The Bird Dog © Gigi Mills

The Music Room with Studio Chair and Terrier © Gigi Mills

Girl at the Piano © Gigi Mills

The Designer's Dog © Gigi Mills

 

Sie perfektioniert die Reduktion der Formen auf eine vereinfachte Eleganz, auf ihre Essenz. Der flüchtige Moment des Alltäglichen, Gewöhnlichen, hier das Wäscheaufhängen in Begleitung des Hundes, wird aus der schnelllebigen Existenz herausgelöst und festgehalten, er wird sowohl intensiv persönlich als auch zeitlos.

 

Laundry With a Long-Legged Dog © Gigi Mills

Green Sea and Girl © Gigi Mills

Walking the Track/ The Barn Dog © Gigi Mills

 

Manchmal kratzt Gigi Mills an der Oberfläche der Ölfarbe, um ein wenig von der Geschichte eines Werkes zu enthüllen. Gut zu sehen beim Halsband und den Zitzen des Hundes.

 

Walking the Track/ The Barn Dog (Detail) © Gigi Mills

The Dog who wore a Bell © Gigi Mills

Brown Feild © Gigi Mills

 

Gigi Mills (*Ohio/USA) lebt in Santa Fe/New Mexico/USA und wird von den Galerien GF Contemporary and Gallery Orange vertreten.

 

alle Bilder © Gigi Mills

Malerei
12. Juni 2020 - 10:40

© Lola Dupre

 

Zehn Augen und zehn Ohren, die wie ein Kamm abstehen und aus dem "Hund" sowohl etwas Surreales als auch Prähistorisches machen! Lange Nasen, verdreifachte Vorder- und Hinterbeine, in Dreiecke eingeschriebene Körper: In ihren von der Ästhetik der Collagekunst des Dadaismus und Surrealismus beeinflussten Collagen erweitert Lola Dupre die konventionelle Sichtweise auf Mensch, Tier und Architektur, streckt und verbiegt sie fast alles, was ihr unterkommt. Hier im Blog stelle ich nur ihre traumhaften, eleganten, humorvollen und grotesken Hundeverzerrungen vor.

Wenn es schön ist, jemandem in die Augen zu sehen, ist es dann nicht noch viel schöner ihm in fünf Augenpaare zu sehen? Steckt nicht auch Schönheit im Außergewöhnlichen oder Exzentrischen? Lola Dupres Arbeiten stellen etablierte Normen und Schönheitsideale infrage und spielen mit Anziehung und Abstoßung. Sie will Reaktionen provozieren, egal ab Amüsement oder Schrecken, und einen Dialog anstoßen.

Hier sehen Sie, wie "Ben" erschaffen wurde: mit Hilfe von Papier, Schere und Klebstoff.

 

© Lola Dupre

 

Obwohl das Werk auf den ersten Blick digital manipuliert zu sein scheint, ist Dupres Ausschneiden und Einfügen analog, setzt sie Tausende von Papierschnipseln zusammen, um neuen Wesen Leben einzuhauchen, um aus etwas Vertrautem etwas Subversives zu machen.

Lola Dupre verwendet bis zu 20 Drucke desselben Bildes als Ausgangsmaterial, zerschneidet und klebt die unzähligen Papierschnipsel neu zusammen, wobei sie Gliedmaßen vervielfacht oder Torsi und Gesichter zu unnatürlichen Proportionen verlängert. Ihre Methode ist die der Wiederholung, Überlagerung, Verdoppelung und Vervielfachung.

Manchmal hat die Künstlerin eine genaue Vorstellung davon, wie die Collage aussehen soll, dann verfolgt sie akribisch ihren Plan; manchmal spielt sie mit den Ausschnitten herum und lässt die Arbeit sich quasi selbst aufbauen. Bis zu zwei Monate Arbeitszeit nehmen ihre aufwändigsten Collagen in Anspruch.

 

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

 

Neue dreieckige Konturen und Formen ersetzen die übliche Darstellung des Körpers und unterlaufen auf eine humorvolle Art und Weise unsere traditionelle Wahrnehmung.
 

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

 

Sie bricht auch eine Lanze für das Individuelle, Fehlerhafte, Schrullige. Acht Beine mögen ungewöhnlich sein, aber haben wir nicht alle Macken und körperliche Unzulänglichkeiten?

 

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

© Lola Dupre

 

alle Bilder © Lola Dupre

 

Collage
21. Februar 2020 - 13:50

Hier sehen Sie Blossfeldts Hund.

 

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Doch wer war Blossfeldt? Laut Wikipedia war Karl Blossfeldt (1865-1932) ein deutscher Fotograf, der besonders durch streng-formale Pflanzenfotografien bekannt wurde. Er gilt fotokünstlerisch als Vertreter der Neuen Sachlichkeit.

Er sah seine Fotografien aber nicht als eigenständige künstlerische Leistung an, sondern als Vorlage und Unterrichtsmaterial für den Zeichenunterricht.

 

Karl Blossfeldt, Acanthus mollis, 1928

Karl Blossfeldt, Cucurbita, 1928

 

Die österreichische Illustratorin und Künstlerin Alice Wellinger verwendet seine Fotografien als Impuls für ihr Bild "Blossfeldt's Dog".

 

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Es  zeigt einen kubistisch zerlegten Hintergrund, aus dem Pflanzen im Stil von Karl Blossfeldt wachsen. Im Hintergrund strahlt die Morgenröte. Der Windhund verharrt verzweifelt in dieser zur Monumentalität aufgeblasenen und psychedelisch anmutenden Pflanzenwelt. Die Natur kommt hier sehr unnatürlich, fremd und verunsichernd daher. Schauen Sie nur das Auge des Hundes an! "Wo bin ich nur hineingeraten?", scheint er zu denken. Gut gewählt ist die sensible Rasse des Windhunds; kaum vorzustellen, dass sich ein Bernhardiner von dieser wundersamen Umgebung irritieren ließe.

Karl Blossfeldt wollte mit seinen "Pflanzenurkunden", wie er im Vorwort zu seinem Buch "Wundergarten der Natur" schreibt, dazu beitragen, die Verbindung mit der Natur wiederherzustellen. Diese Absicht konterkariert Alice Wellinger. Mir gefällt dieses Bild ganz besonders, weil es nur durch die Vergrößerung der Pflanzen und durch deren überbordende Ornamentik eine wunderbar bizarre und surreale Komponente bekommt.

Auf ihrer Instagram-Seite finden sich unzählige Arbeiten, wobei sie ihre kommerziellen Illustrationen nicht von ihren persönlichen Projekten trennt. Es finden sich viele verfremdete Gesichter, Körper, Körperteile, Pflanzen, Anklänge an Magritte, Kahlo, Rousseau, literarische und künstlerische Querverweise. Die narrativen, figurativen Arbeiten sind hintersinnig, ironisch, surreal, nüchtern oder poetisch und lassen breiten Raum für Assoziation und Interpretation.

Inspiriert wird die Künstlerin vom Alltag, von Kindheitserinnerungen, vergangenen Erfahrungen und Albträumen. Sie ist eine genaue Beobachterin von menschlichem und tierischem Verhalten, von Gefühlen und emotionalen Kämpfen, die sie in kleine Geschichten verpackt. Sie mag es, wenn die Leute etwas zum Nachdenken haben.

Alice Wellinger (*1962 in Lustenau/Österreich) war lange als Grafikdesignerin für Werbeagenturen tätig, bevor sie begann Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Heute arbeitet sie vor allem als freie Illustratorin für den Editorial-Bereich von Magazinen und an freien künstlerischen Projekten in unterschiedlichen Techniken (vor allem Acryl, aber auch Collagen und Buntstift auf schwarzem Tonpapier). Alice Wellingers Arbeiten wurden mehrfach international ausgezeichnet, ausgestellt und in Annuals publiziert.

Die Fotos von Karl Blossfeldt stammen von commons.wikimedia

Blossfeldt's Dog © Alice Wellinger

 

Fotografie, Grafik, Malerei
15. Februar 2020 - 15:06

Wie ein tollpatschiger Welpe mit noch überdimensionierten Beinen und Pfoten schaut mich der orange-rosa-beigefarbene Hund fragend und ein bisschen traurig an.

 

aus der Serie Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Doch je länger ich in das Gesicht mit den ausdrucksstarken Augen sehe, desto zweifelnder und verzweifelter wird sein wässriger Blick.

Der Hund unten sieht aus als käme er gerade ins Bild, den Betrachter bemerkend und anblickend, noch bevor sein durchscheinender Körper ganz getrocknet ist.

 

aus der Serie Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Beide Bilder - ohne nennenswerte Vorzeichnung spontan und verfließend ausgeführt - stammen von der kanadischen Künstlerin Megan Rooney. Immer wiederkehrend ist das Motiv des menschlichen und tierischen Kopfes und Körpers, in den alle individuellen Erfahrungen unwiderruflich eingeschrieben sind.

Erzeugen die vorherrschende Palette von blassen, warmen Farbtönen sowie die schwebenden Motive eine spielerische Leichtigkeit (vgl. Felix Kucher) oder überwiegt das Gefühl der Verletzlichkeit und Versehrtheit der Körper dieser eigentümlichen menschlichen und tierischen Individuen? (vgl. Presseinfo Ausstellung Düsseldorf)

 

Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

Old Baggy Root, 2018/19 © Megan Rooney

 

Auch ihre großformatigen Wandmalereien sind durch eine schnelle rhythmische Herangehensweise gekennzeichnet. Dabei verfolgt die Künstlerin oft keinen genauen Plan, sondern geht ohne Vorzeichnung oder Modell vor, beim Malrozess das volle Risiko eingehend. Megan Rooney sagt selbst, dass der Akt der Malerei etwas sei, das Energie freisetzt und es ein Glück sei, malen zu können.

Die aufstrebende Künstlerin arbeitet medienübergreifend mit Malerei, Installation, Performance, Tanz und Sprache. In ihrer künstlerischen Praxis bewältigt sie die gesamte Bandbreite von kleinformatiger intimer figurativer Malerei bis hin zu monumentaler abstrakter Malerei. Sie geht meist auf den zu gestaltenden Ausstellungsort ein und verknüpft die einzelnen Malereien und Objekte zu raumgreifenden Gesamtinszenierungen.

Zurzeit werden mehrere Porträts im Kunsthaus Kollitsch (Klagenfurt/A) sowie großformatige ungegenständliche Arbeiten im Ausstellungsraum Salts (Birsfelden/CH) gezeigt, im Juli 2020 wird eine Einzelpräsentationen im Salzburger Kunstverein (A) zu sehen sein, für die Megan Rooney als Artist-in-Residence den Großen Saal sowie die Ringgalerie gestaltet.

Megan Rooney (*1985, Kapstadt/Südafrika) hat an der University of Toronto und am Goldsmith College in London studiert. Sie lebt und arbeitet seit über zehn Jahren in London.

alle Bilder © Megan Rooney

 

Ausstellung, Installation, Malerei
6. Februar 2020 - 11:13

Neben David Titlow möchte ich Ihnen noch einen Taylor Wessing Photographic Portrait - Preisgewinner vorstellen, der meine Aufmerksamkeit erregt hat, und zwar Pat Martin, den Gewinner von 2019. Zwei Porträts seiner Serie "Goldie (Mother)" - Gail and Beaux sowie Mom (our last one) - wurden ausgezeichnet.

Als ich dieses Foto nur ganz kurz betrachtet habe, nur so lange, um die Entscheidung zu treffen, dass es etwas für den Blog wäre, lag seine Spannung im Kontrast zwischen der schwergewichtigen Frau und dem winzigen Hund. Wahrscheinlich sehe nicht nur ich mich in unserer medial aufgeladenen und reizüberfluteten Zeit permanent mit Fernsehserien wie "The Biggest Loser" oder "No Body is perfect" konfrontiert, in denen dicke Menschen unterschwellig vorgeführt werden. In einem Sekundenbruchteil wollte ich die Frau beim Thema Übergewicht einordnen und als undisziplinierte Angehörige einer bildungsfernen und ökonomisch schwachen Schicht abwerten.

Doch es gelang mir nicht. Wieso verweigern sich diese zwei prämierten Fotografien der despektierlichen Betrachtung und voyeuristischen Aneignung? Wieso erstarb mein Schmunzeln sofort?

Und wieso berührt mich dieses Bild?

 

Pat Martin, Gail and Beaux, 2018 © Pat Martin

 

Beide Porträts zeigen die Mutter des Fotografen. In einem Porträt blickt sie streng und hart in die Kamera und umfasst einen kleinen Chihuahua, dessen Gesicht sich auch auf ihrem T-Shirt befindet. Das andere zeigt sie in Nahaufnahme, wobei ihr Kopf fast das Format ausfüllt und ihr gefärbtes rotbraunes Haar ihre schweren Gesichtszüge einrahmt. Die gesprenkelte Haut gleicht einer Landschaft gelebter Erfahrung, ihr abgewandter Blick ist nachdenklich und verschlossen. Es trägt den Titel Mom (our last one) und wurde nur zwei Monate vor ihrem Tod aufgenommen.

 

rechts - Pat Martin, Mom (our last one), 2018 © Pat Martin
links: Gail and Beaux, rechts: Mom (our last one),
beide aus der Serie Goldie (Mother), 2018

 

Schonungslos ehrlich stellt Pat Martin seine Mutter dar. Eine tiefe leise Traurigkeit, aber auch Leere zeigt sich in ihrem Gesicht (und straft das lustige T-Shirt Lügen). Gails Blick macht ihre Unempfänglichkeit gegenüber unserer Meinung deutlich, er verhindert, dass wir lachen oder uns überlegen fühlen.

Pat Martin (*1992/Los Angeles, USA) hat von 2015 bis 2018 hunderte Porträts seiner Mutter Gail aufgenommen und zwar in deren relativ ruhigen Lebenszeit, nachdem sie ihre Drogensucht überwunden, aber schon mit schweren Atembeschwerden zu kämpfen hatte.

Dem Sohn wurde der sich abzeichnende unwiederbringliche Verlust der Mutter bewusst und er begann mit Porträts, in denen er ihr nicht nur formal, sondern auch emotional immer näher kam. Er betrachtete sie, um etwas über ihr, aber auch sein bewegtes Leben zu erfahren. Sie zu fotografieren wurde für ihn zu einer Art in einen Spiegel zu schauen und unbekannte Spuren zu finden. Doch auch unter seinem tiefen - liebevollen - sezierenden Blick blieb sie seltsam schwer fassbar.

Neben dem fotografischen Eindringen und Einfühlen in ihr Selbst, war die Arbeit an der Serie gleichzeitig eine Möglichkeit ein leeres Familienalbum zu füllen. Pat Martin hatte nur wenige Fotos von sich: seine Geburt, die ersten Geburtstage. Es gab kein Bild seiner Mutter, kein fotografisches Dokument ihrer Existenz. Sie zu fotografieren, kam einem Sammeln von Erinnerungen gleich.

In einem langen Interview, das Pat Martin mit Sean O´Hagan führte, erfährt man die Familiengeschichte, die hinter der Goldie (Mother)-Serie steht. Er lässt uns an seinem Schicksal teilnehmen, das eng mit der Geschichte seiner Mutter verknüpft ist. Ich fasse seine Ausführungen ganz kurz zusammen. Sie helfen vielleicht zu verstehen, wieso sich der Fotograf so exzessiv am Motiv seiner Mutter abarbeiten musste:

Der Vater verließ die Familie als Pat Martin drei Jahre alt war (hier enden auch die fotografischen Erinnerungen). Seine Mutter war süchtig und psychisch krank, unterlag Stimmungsschwankungen, war oft fort (auf Drogenentzug). Das einzig Beständige für den Sohn war die immer wiederkehrende Abwesenheit seiner Mutter, aber auch die nachlässige Betreuung durch deren wechselnde Freunde und sein Gefühl des Unbehagens in deren Gegenwart, das ihn in seiner frühen Kindheit mit einem Gefühl der Angst und des Verlassenseins leben ließ. Später wurde die Mutter auch zu einem funktionierenden Elternteil, der mit Pat die Erfahrungen einer ökonomisch schwachen Existenz teilte. Nach einer Delogierung wurde er von der Familie seines besten Freundes aufgenommen. Er erinnert sich daran als eine Zeit des Glücks und der Stabilität.

Erst als Pat Martin erfuhr, dass seine Mutter an einer bipolaren Erkrankung litt und selbst Missbrauchsopfer ihres Vaters war, verringerte sich seine Wut auf sie. Das Fotografieren wurde zum therapeutischen Akt, zur Möglichkeit seine komplexe und widersprüchliche Beziehung zu ihr durchzuarbeiten. Das Gefühl der Kälte sollte durch warme Erinnerungen ersetzt werden.

Doch können Fotos die Geschichte umschreiben? Pat Martin sagt selbst:

 

"That stuff – my mother’s sadness, her addiction –

it is so much a part of me still." (zit. n. The Guardian)

 

Ich selbst finde es erschütternd und traurig zu sehen, wie groß seine Anstrengungen sind, doch noch so etwas wie schöne Erinnerungen zu erzeugen. Und wie schwierig es für ihn ist, endgültig anzuerkennen, dass die Kindheit freudlos und unsicher war und er vielleicht doch nicht die Mutterliebe erfahren hat, derer er wert gewesen wäre.

 

Pat Martin vor seinen prämierten Fotos, Foto Jorge Herrera

 

Ich bin mir darüber im Klaren, dass dieser Blogbeitrag das Thema Hund weitestgehend verlässt. Als ich das Foto von Gail und Beaux zum ersten Mal sah, wusste ich allerdings noch nicht, wohin mich die Auseinandersetzung mit ihm führen würde. Seine Geschichte hat mich bewegt, vielleicht konnten Sie ihr auch etwas abgewinnen.

Das Wichtigste kommt aber zum Schluss: Letztendlich habe ich doch noch einen Artikel gefunden, in dem über das weitere Schicksal des kleinen Hundes Beaux berichtet wird. Er lebt nun mit Pat Martin.

 

"He's a four-year-old chihuahua, and is now my little pup." (zit.n. Insider)

 

Bilder von Gail und Beaux © Pat Martin

 

Fotografie
30. Januar 2020 - 16:43

David Titlow, Konrad Lars Hastings Titlow, 2014 © David Titlow

 

Auf den ersten Blick sehe ich drei Erwachsene auf einem Sofa sitzen, einen Säugling und einen Hund. Einer hält den Hund, sodass ihn das Kleinkind, das wiederum von einer jungen Frau gehalten wird, begrüßen kann. Das Kind berührt die Schnauze des Hundes mit seiner kleinen Hand. Der Bub, dessen Kopf vom Licht beleuchtet wird, sieht den Hund offen, freudig und interessiert an, zeigt einen Moment reiner Unschuld und strahlenden Staunens. Auch das Gesicht des jungen Mannes, der das Kind hält, ist beleuchtet. Die gesamte Szene wird von den Erwachsenen, die das Kind umgeben, mit bedächtigen Blicken beobachtet.

Die Farbstimmung wird durch sanfte dunkle Grau- und Grüntöne bestimmt. Gesichter, Sofa und die romantisch gemusterte Tapete sind in leichtem Grau-Rosa gehalten. Sogar die Getränkedosen passen sich der dunkelgrünen Tonalität an. Alles scheint wohl durchkomponiert zu sein (die Armhaltungen des Kindes und des jungen Mannes, die einander spiegeln; die Vorderbeine des Hundes, die parallel zum Unterarm des Kindes sind usw.)

Auf den zweiten Blick erkenne ich die Ähnlichkeit zu einem barocken Gemälde, wie es zum Beispiel von Bartolomé Esteban Murillo gemalt sein könnte. Erinnert das Gesicht des jungen Mannes rechts nicht an eine pausbäckige Knabendarstellung des spanischen Malers, lässt uns die ganze Szene nicht an Murillos Darstellung der Hirten denken, die Jesus ein Geschenk bringen? Sicher eröffnen sich noch andere Szenen der heiligen drei Könige und des Jesuskindes, wenn man nur länger in der Kunstgeschichte unter den "Alten Meistern" sucht.

Verkleinert man den Bildausschnitt zur Szene der Berührung landet man sogar bei Michelangelos "Erschaffung Adams", paraphrasiert zu God created Dog.

Natürlich haben wir keinen alten Meister vor uns, sondern einen zeitgenössischen Meister der Fotografie, den britischen Künstler David Titlow. Die Fotografie zeigt seinen kleinen Sohn, betitelt: Konrad Lars Hastings Titlow.

Obwohl ich so viel in Beleuchtung, Komposition, inhaltliche Zitierung hineininterpretiert habe, ist das Foto ist gänzlich uninszeniert. Titlow erweist sich hier nach eigenen Angaben als Meister des Schnappschusses.

Das Foto zeigt den Morgen nach einer Mittsommerparty in Rataryd in Schweden, an dem es zu einer zufälligen Begegnung zwischen einem Baby und einem Hund kommt.

 

“Everyone was a bit hazy from the previous day’s excess. My girlfriend passed our son to the subdued revellers on the sofa – the composition and back light was so perfect I had to capture the moment.” (zit. n. National Portrait Gallery)

 

Das Foto fängt also einen spontan aufgenommen Moment ein, in dem Komposition, Licht und Schatten zufällig eine wundersam schöne und stimmige Szene hervorbringen - nicht zuletzt durch die Präsenz und das Charisma des kleinen Porträtierten, der das Bild aus der Masse der Kinderporträts (mit Hund) hervortreten lässt.

David Titlow arbeitet in London als Porträt-, Werbe- und Modefotograf für zahlreiche Magazine, darunter Esquire, The Times, The Telegraph, Vice, Vanity Fair und Rolling Stone. Ursprünglich verfolgte er eine musikalische Karriere, wechselte aber in den frühen neunziger Jahren zur Fotografie. 2014 hat er für das oben vorgestellte Foto den Taylor Wessing Photographic Portrait Prize gewonnen.

Der jährlich vergebene Preis gilt als einer der renommiertesten europäischen Preise für Porträtfotografie, obwohl ich bei meinen Recherchen auch auf kritische Stimmen gestoßen bin, die das Klischeehafte der prämierten Fotografien bemängeln. Auf Titlows Werk trifft das zweifellos nicht zu!

 

Foto © David Titlow

Fotografie
20. Januar 2020 - 20:37

Eine Ausstellung, die genau zum Thema meines Blogs passt, findet zur Zeit im Bayerischen Nationalmuseum statt: "Treue Freunde - Hunde und Menschen".

Leider habe ich sie (noch) nicht gesehen, allerdings schon einen begeisterten Bericht meiner Freundin Mignon Dobler erhalten (ich habe ihre Hunde Polly und Lise gemalt). Ich muss leider mit Presseberichten und -fotos das Auslangen finden. Auf die Ausstellung aufmerksam gemacht hat mich übrigens Susanne Boecker, die immer wieder an mich denkt, wenn es Hund-und-Kunst-Relevantes gibt!

Mehr als 200 Werke der bildenden Kunst und Alltagskultur werden in zwölf Kapiteln präsentiert und spüren den vielfältigen Aspekten der Hund-Mensch-Beziehung nach. Die Darstellung dieser Beziehung spannt sich von der Antike (ägyptischen Hunde-Mumie) bis zum zeitgenössischen Hunderoboter, von der Kunst zur Kulturgeschichte, von adeligen Hundehalterinnen (Queen) bis zu Adeligen des Humors (Loriot).

In einzelnen Abschnitten werden unter anderem Partnerschaft, Statussymbole, Helfer, Hundeliebe, Hundekult, Trendsetter, Spielereien und Bösartigkeiten thematisiert. Im Kapitel Hundefreundschaft geht es um Prominente mit Hund und nicht - wie von mir fälschlicherweise vermutet - um Hunde und ihre (Hunde)Freunde und Freundinnen.

Der Anlass für die Ausstellung (als ob es eines Anlasses bedürfte!) ist übrigens die vor 100 Jahren erfolgte Erstveröffentlichung von Thomas Manns "Herr und Hund", einem Porträt seines Hühnerhund-Mischlings Bauschan.

Ein paar Exponate:

 

Richard Dodd Widdasnach dem Original von Alfred Dedreux, Armer Hund und reicher
Richard Dodd Widdas nach dem Original von Alfred Dedreux, Armer Hund und reicher Hund,
Kingston upon Hull, um 1850/60 © Städtisches Museum Überlingen

Johann Georg Waxschlunger (?), Dogge mit Welpe, München, Anfang 18. Jh. © Baye
Johann Georg Waxschlunger (?), Dogge mit Welpe, München, Anfang 18. Jh.
© Bayerisches Nationalmuseum

Hans Schöpfer der Ältere, Gabriel Ridler, München, 1532 © Bayerisches Nationalmu
Hans Schöpfer der Ältere, Gabriel Ridler, München, 1532
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto Bastian Krack

Hofnarr der Familie Fugger-Nordendorf mit zwei Hunden, Süddeutschland, 1. Hälfte
Hofnarr der Familie Fugger-Nordendorf mit zwei Hunden, Süddeutschland, 1. Hälfte 17. Jh
© Privatbesitz, Süddeutschland

Lieblingshund König Ludwig I., München, um 1850 © Bayerisches Nationalmuseum, Fo
Lieblingshund König Ludwig I., München, um 1850
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto Bastian Krack

Nadin Rüfenacht, Nature Morte, Burgdorf/Schweiz, 2005 © Sammlung Würth, Foto Phi
Nadin Rüfenacht, Nature Morte, Burgdorf/Schweiz, 2005
© Sammlung Würth, Foto Philipp Schönborn, München

Ferdinand von Keller, Selene, Karlsruhe, 1886 © Kunkel Fine Art, München
Ferdinand von Keller, Selene, Karlsruhe, 1886 © Kunkel Fine Art, München

Thomas Theodor Heine, Siegfried, Dießen am Ammersee, 1921 © Print & Coffee
Thomas Theodor Heine, Siegfried, Dießen am Ammersee, 1921 © Print & Coffee

Ferdinand Georg Waldmüller, Waldmüllers Sohn Ferdinand mit Hund, Wien, 1836 © Ba
Ferdinand Georg Waldmüller, Waldmüllers Sohn Ferdinand mit Hund, Wien, 1836
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen

 

Heute habe ich endlich meinen Katalog zur Ausstellung (Deutscher Kunstverlag, 320 Seiten, 262 Abb., ISBN: 978-3422981089) bekommen, einen umfangreichen Wegweiser durch die Vielfalt der Mensch-Hund-Beziehung zum Staunen und Schmökern. Sicher kein Ersatz für einen Ausstellungsbesuch, aber trotzdem mehr als ein Trostpflaster!

Hedy hat schon entschieden, wer zuerst reinschauen darf!

 

Hedy nimmt sich den Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Hedy schmökert im Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Hedy schmökert im Ausstellungskatalog © Petra Hartl

Zu viel Text, Hedy fallen die Augen zu! © Petra Hartl

 

Die Sonderausstellung "Treue Freunde - Hunde und Menschen" ist im Bayerischen Nationalmuseum noch bis zum bis 19. April 2020 zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr sowie Donnerstag bis 20 Uhr.

 

15. November 2019 - 13:52

Was macht ein Niederländer in Köln? Er schaut sich die Rembrandt-Ausstellung "Inside Rembrandt" im Wallraf-Richartz-Museum an und findet noch Zeit, mir ein Foto von Fritz von Uhdes "Familienkonzert" aus der permanenten Sammlung des Museums zu schicken. Vielen Dank an Rodney van den Beemd dafür!

Ich möchte Rodneys Anregung gerne mit Ihnen teilen, kommt doch in Fritz von Uhdes Gemälde ein Hund vor, der einem Familienkonzert lauscht. Stand bei meinem Post "Und noch eine Hundeschnauze schiebt sich ins Bild!" der Geruchssinn des Hundes im Vordergrund, geht es diesmal um seinen Gehörsinn.

Fritz von Uhdes frühes dunkeltoniges Salongemälde "Familienkonzert" von 1881 lehnt sich motivisch an die Malerei eines Frans Hals an. Uhde studierte die alten Meister in der Münchner Pinakothek, dabei entwickelte er eine besondere Vorliebe für die Niederländer unter deren Einfluss seine ersten Bilder wie z.B. das "Familienkonzert" oder "Die gelehrten Hunde" entstanden.

 

Fritz von Uhde, Familienkonzert, 1881 © Wallraf Richartz Museum

 

Der Künstler malt eine Familie in der holländischen Tracht des 17. Jahrhunderts, die sich um einen Tisch zum Hauskonzert eingefunden hat. Die Musikanten befinden sich im Hintergrund, während der Vordergrund von einem Raben und einem umgefallenen Krug eingenommen wird. Der Rabe symbolisiert Unglück, der umgestoßene Krug steht für den unmoralischen Lebenswandel. Die Szene zerfällt kompositorisch in mehrere Kleingruppen, die keineswegs andächtig lauschen.

 

Fritz von Uhde, Familienkonzert, Detail, 1881 © Wallraf Richartz Museum

 

Der Hund hat die Ohren zurückgelegt - ein Zeichen dafür, dass ihm etwas unangenehm ist - und starrt präsent aus dem Bild heraus. Ihm scheint das Gehörte zu missfallen. Von Uhde stellt diese anekdotische Szene realistisch, vielleicht sogar augenzwinkernd ironisch dar, ganz im Gegensatz zur idealisierten Salonmalerei seiner Zeitgenossen.

Hier noch das oben erwähnte Frühwerk "Die gelehrten Hunde":

 

Fritz von Uhde, Die gelehrten Hunde, 1880

 

Fritz von Uhde, er gehörte 1892 zu den Mitbegründern der Münchner Secession, hat sehr viele Hunde gemalt. Immer wieder taucht in den Gemälden sein Hund "Kitsch" auf, der den impressionistischen Garten belebt. Ein paar Beispiele sehen Sie unten:

 

Fritz von Uhde, Der Hund Kitsch © Lindenau-Museum Altenburg

Fritz von Uhde, Kitsch, der Hund des Künstlers, 1900

Fritz von Uhde, In der Herbstsonne, 1908 @ Sammlung Neue Pinakothek

Fritz von Uhde, Drei Mädchen im Garten, 1907 © von der Heydt Museum

Fritz von Uhde, Am Gartenzaun, 1900

 

Fritz von Uhde (1848-1911) zählt in Deutschland zu den großen Meistern des Realismus und des Impressionismus. Er war mit Max Liebermann befreundet, der ihm die Freilichtmalerei näherbrachte. Neben Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gilt Uhde - als Maler des Lichts - als bedeutendster Vertreter des deutschen Impressionismus.

 

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