21. Januar 2015 - 11:34

Dieses wunderbare Porträt der kleinen "Folette" können schnell entschlossene WienerInnen oder Wien-BesucherInnen noch bis zum 25. Jänner 2015 im Kunstforum betrachten. Noch drei weitere Hundedarstellungen habe ich in der Ausstellung  "Henri Toulouse-Lautrec - Der Weg in die Moderne" entdeckt, die die erste umfassende Retrospektive zum Werk von Toulouse-Lautrec in Österreich anlässlich seines 150. Geburtstags ist.

 

Henri Toulouse-Lautrec, Folette, 1890, Philadelphia Museum of Art, Bequest of Li
Henri Toulouse-Lautrec, Folette, 1890, Philadelphia Museum of Art,
Bequest of Lisa Norris Elkins, 1950

Henri Toulouse-Lautrec, Reiter im Trab mit kleinem Hund, 1879, Musée Toulouse-La
Henri Toulouse-Lautrec, Reiter im Trab mit kleinem Hund, 1879,
Musée Toulouse-Lautrec, Albi

Henri Toulouse-Lautrec, Pferdewagen, angespannt mit einem Cab, 1900, Musée Toulo
Henri Toulouse-Lautrec, Pferdewagen, angespannt mit einem Cab, 1900,
Musée Toulouse-Lautrec, Albi

Henri Toulouse-Lautrec, Im Zirkus: Clown Footit - Dresseur, 1899, Statens Museum
Henri Toulouse-Lautrec, Im Zirkus: Clown Footit - Dresseur, 1899,
Statens Museum for Kunst, Kopenhagen

 

Mit fast vierzig Zirkus-Zeichnungen hat sich Toulouse-Lautrec übrigens aus der Nervenheilanstalt frei-gezeichnet. In ihrer Präzision, Altmeisterlichkeit und ungewöhlicher Perspektive lieferten diese Arbeiten den Beweis, dass er nicht geisteskrank war.

 

Ausstellung, Grafik, Malerei, Zeichnung
12. Januar 2015 - 14:50

Bis zum 18. Jänner 2015 zeigt das Wien Museum die Ausstellung "Wien im Ersten Weltkrieg - Stadtalltag in Fotografie und Grafik". Es werden die Auswirkungen eines Krieges, der weit vom Stadtgebiet entfernt stattfand, auf die Wiener Bevölkerung gezeigt, Flüchtlinge prägten den Alltag, Versorgungsengpässe und Hunger waren an der Tagesordnung. Kriegspropaganda und Realität klafften immer weiter auseinander.

Viele Frauen engagierten sich bei patriotischen Aktionen wie Wohltätigkeitsinitiativen, Spendenaufrufen, Sammeltätigkeiten. Die Postkarte und das Ausstellungsplakat zeigen eine Sammelaktion für das Rote Kreuz, ein Riesenschnauzer trägt die Spendenbox. Eine vergleichsweise harmlose Arbeit für einen Hund im Krieg.

 

Rote Kreuz Woche, Postkartenverlag
"Rote Kreuz Woche" vom 31. April – 6. Mai 1916, Postkartenverlag "Bediene Dich selbst",
© Wien Museum

Ausstellungsplakat © Wien Museum

 

Was Tiere im Ersten Weltkrieg zu erleiden hatten, hat Rainer Pöppinghege in seiner Kulturgeschichte "Tiere im Ersten Weltkrieg" erforscht. 

Da die Motorisierung 1914 noch lange nicht etabliert war, war die Nutzung von Tieren in allen Lebensbereichen völlig üblich. Als Reit- Last und Zugtiere waren Millionen Tiere während des Ersten Weltkriegs für die Fortbewegung von Menschen und Material unverzichtbar.

Auch Hunde sind in großer Zahl an der Front. Wegen des steigenden Bedarfs werden sie vielfach von Privatpersonen rekrutiert. In England wählen Tierschutzvereine taugliche Tiere aus. Sehr gute Augen, Ohren und eine hervorragende Witterung sind ebenso wie Gehorsam und Robustheit Grundvoraussetzungen für den Kriegsdienst. In "Kriegshundekursen" werden die Tiere zudem für ihren Einsatz ausgebildet. "Einige Wochen wurden darauf verwendet, die Hunde fit und schusssicher zu machen", erklärt der Kriegshistoriker Rainer Pöppinghege.

Deutschland verfügte - wie Großbritannien - über ein organisatorisch vorbildliches Militärhundewesen: Hunde für den Kontrollgang wurden darauf getestet, ob sie "schussfest" wären; d.h. ob es die Hunde schafften, auch bei lautem Gewehr- oder Artilleriebeschuss ihren Aufgaben nachzukommen.

Hunde warnten vor Giftgasangriffen - sie trugen auch Gasmasken -, Meldehunde legten kilometerlange gefährliche Wege zwischen den Gräben zurück, Hunde zogen kleine Karren und verlegten mit auf dem Rücken festgeschnallten Kabeltrommeln Feldtelefonleitungen. Sanitätshunde trugen Erste-Hilfe-Material und schlugen an, wenn sie einen Verwundeten fanden - für viele verletzte Soldaten waren die Vierbeiner Lebensretter. Auch bei der Bergung von Toten unterstützten Hunde die Soldaten und waren dabei selbst Todesgefahr ausgesetzt. Für die Hunde wurden eigene Lazarette eingerichtet.

Das Pferd war allerdings das zentrale Tier im Ersten Weltkrieg. Beim deutschen Feldheer standen zwischen 1914 und 1918 an die eineinhalb Millionen Pferde im Einsatz; betrug der deutsche Pferdebestand vor dem Krieg 4,7 Millionen Tiere, waren es nach dem Krieg nur noch 3,3 Millionen. Aus dem Krieg kehrte eine halbe Million britischer Pferde nicht mehr heim, die französischen Verluste betrugen eine Million. Insgesamt fielen acht Millionen Pferde dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.

Während des Ersten Weltkrieges entstand in Deutschland auch eine radikale linke Tierschutzbewegung. Diskutiert wurde dort der Gnadenschuss für verwundete Pferde am Schlachtfeld - und noch grundsätzlicher, ob es einen Zusammenhang von Fleischkonsum im Alltag und der Bereitschaft zu militärischer Konfliktlösung gebe.

Tiere für menschlichen Belange wie Kriege auszunutzen und zu töten ist ethisch nicht vertretbar, die Schlussfolgerung die der Historiker Rainer Pöppinghege aus seinen Forschungen zieht, geht allerdings über die Kriegszeiten hinaus:

   Doch sollten wir nicht vorschnell urteilen über frühere Epochen oder ruchlose Militärs: Der zivile Alltag für viele Tiere ist in Zeiten der Massentierhaltung ungleich grauenvoller, quälerischer und todbringend.

 

Cover Tiere im Ersten Weltkrieg

 

Rainer Pöppinghege, Tiere im Ersten Weltkrieg, Eine Kulturgeschichte, 144 Seiten, Rotbuch Verlag, Berlin, ISBN 9783867892001

Quellen: Buchbesprechung auf oe1: Tiere im Ersten Weltkrieg, Süddeutsche Zeitung: Wie Front-Hund Stubby zum Helden wurde

 

Ich danke Erwin Lengauer, der mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat.

 

4. Dezember 2014 - 12:45

Coyote & Leonardo's Anatomy © Rick Bartow

Coyote & Leonardo's Anatomy © Rick Bartow

Coyote & Leonardo's Anatomy © Rick Bartow

Coyote & Leonardo's Anatomy © Rick Bartow

 

Diese ganz sensiblen, feinen, aber auch sehr präzisen "Anatomie"-Zeichnungen eines Kojoten waren die ersten Arbeiten von Rick Barton, auf die ich zufällig im Internet gestoßen bin. Wie erstaunt war ich, als ich sein malerisches Werk entdeckte: expressiv und gestisch.

Der Künstler, Rick Bartow (*1946 in Newport/Oregon/USA), ist ein Nachfahre der amerikanischen Ureinwohner und gehört dem Stamm der Wiyot an. Er arbeitet in unterschiedlichsten Techniken wie Skulptur, Druckgrafik, Keramik, Malerei und Zeichnung (vor allem Pastell, Graphit und Acryl).

Bartows Arbeit ist von vielfältigen kulturellen Traditionen und ästhetischen Einflüssen geprägt: er verwendet die Symbolik der amerikanischen Ureinwohner, verarbeitet archetypische und persönliche Mythen, andererseits nennt er auch europäische, expressiv arbeitende KünstlerInnen des 20. Jahrhunderts als Vorbilder.

Inhaltlich dominiert die Tierdarstellung, oft in Form von Mensch-Tier-Hybriden. Ich zeige Ihnen eine Auswahl seiner Kojoten- und Hundebildnisse der letzten Jahre.

 

FB Dog 1, 2012 © Rick Bartow

FB Dog 1, 2012 © Rick Bartow

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Ghost Dog, 2012 © Rick Bartow

Wet Dog, 2013 © Rick Bartow

Dog Running, 2012 © Rick Bartow

Relationship © Rick Bartow

© Rick Bartow

Coyote © Rick Bartow

Coyote Magic, 2012 © Rick Bartow

 

Seine künstlerische Arbeit ist für den Vietnamveteranen, der alkohol- und drogenabhängig war, auch Therapie und tägliche Danksagung. Er beginnt beim Zeichnen und Malen intuitiv, nutzt Linie und Form unbewusst, bevor er sich der künstlerischen Lösung seiner Problemstellung zuwendet.

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Einen umfassenden Blick auf sein Werk bieten die Homepages der Galerien Froelick und Stonington.

alle Bilder © Rick Bartow

 

Malerei, Zeichnung
18. November 2014 - 9:36

Lucian's Dog, 2008 © Nina Mambourg

 

Nicht nur wenn Sie meinen Blog aufmerksam lesen, wird Ihnen der weiße Hund gleich bekannt vorgekommen sein. Gibt doch die Schweizer Künstlerin Nina Mambourg den entscheidenden Hinweis im Bildtitel: "Lucian's Dog". Sie zitiert Lucian Freuds Bullterrier aus "Girl With A White Dog" von 1951/52.

Nina Mambourg setzt sich intensiv mit der Kunstgeschichte auseinander, Gemälde von Velazquez bis Ingres sind Inspirationsquellen. Am auffälligsten sind ihre Gemeinsamkeiten mit den KünstlerInnen der Neuen Sachlichkeit. Manche ihrer Frauengestalten könnten Schwestern der Figuren von Christian Schaad, Otto Dix oder Tamara von Lempicka sein.

Die Schweizer Künstlerin malt ausschließlich Frauen. Betrachtet man ihr Werk der letzten zehn Jahre auf ihrer Homepage folgt man einer Entwicklung von Porträts konkreter Menschen mit vergleichsweise natürlicher Gesichtsfarbe hin zu Ganzkörperdarstellungen von Frauen, die keine reale Entsprechung mehr haben. Ihre Körper sind weiß geschminkt, die Gesichter gleichen, in Umkehr des weiblichen Ideals, theatralischen, tragischen Masken.

Mambourg arbeitet bei ihren Gemälden mit unterschiedlicher Vorlagen (Modezeitschriften, Werbungen,..), die sie zuerst auf dem Computrer quasi collagiert, bevor sie die so entstandenen Kompositionen auf die Leinwand überträgt. Die Frauen erstarren in inszenierten Posen, haben - ähnlich wie ihre Vorlagen - Modellcharakter.

 

Auf der Jagd, 2011 © Nina Mambourg

 

Die Frauen haben nur wenige Accessoires (oft aus dem Zirkus- und Artistenmilieu), in ein paar Gemälden werden sie allerdings von Hunden begleitet. "Auf der Jagd" sehen wir auch keine Jägerin, sondern eher eine Artistin. Rittlings sitzt sie auf dem Pferd, das wie ein Lippizaner (oder ein Pferd von Uccello) springt.

 

Frau mit Wasserglas und Hunden, 2011 © Nina Mambourg

 

Bei "Frau mit Wasserglas und Hunden" von 2011 lechzen die Hunde nach Wasser oder nach Aufmerksamkeit. Nur die Tiere bringen Bewegung in die klare Komposition, die von einer Horizontale und der Vertikale der Rückenlehne des Sessels bestimmt ist. Häufig  dominiert ein Komplementärkontrast die Farbgebung.

Ganz starr sitzt die junge Frau im unteren Gemälde auf ihrem unbequemen Stuhl. Hat sie Angst "Schlafende Hunde" zu wecken?

 

Schlafende Hunde, 2011 © Nina Mambourg

 

Nina Mambourg (geb. 1970 in Luzern/Schweiz) studierte Grafik und Bildende Kunst. Sie lebt und arbeitet in Zürich.

Christiane Grüner hat mich auf diese Künstlerin aufmerksam gemacht. Vielen Dank!

alle Bilder © Nina Mambourg

 

LeserInnen empfehlen, Malerei
12. November 2014 - 13:00

Diego Velázquez, Infant Felipe Prospero, Detail © Wien, Kunsthistorisches Museum

 

Dieser Winzling ist zur Zeit im Kunsthistorischen Museum Wien in der Ausstellung "Velázquez" zu sehen. Das Zustandekommen einer Präsentation hervorragender Gemälde von Diego Velázquez (1599-1660) im KHM wird nahezu als kuratorisches Wunder beschrieben. Neben herausragenden Porträts, die im Besitz des Museums sind, stellten bedeutende Museen und private Sammlungen Meisterwerke zur Verfügung, sodass insgesamt 46 Werke des Hofmalers zu sehen sind.

Ein kleines Wunder ist es auch, dass ich zwischen den Besuchermassen und den Infantinnenbildern, den kleinen Hund ausmachen konnte, der Felipe Prospero begleitet.

 

Diego Velázquez, Infant Felipe Prospero, 1659, Öl auf Leinwand, 128 x 99 cm © Wi

 

Das Gemälde von 1659 zeigt den Sohn von Anna von Österreich und Philipp IV. Er war der lang ersehnte, aber kränkliche Kronprinz und wird mit Amuletten und Glücksbringern behängt dargestellt.

 

Diego Velázquez, Infant Felipe Prospero, Detail © Wien, Kunsthistorisches Museum

 

Auf dem kostbaren Kinderstuhl ruht - den Kopf auf der Armlehne - ein kleiner Hund. Der spanische Maler und Kunsttheoretiker Antonio Palomino berichtet in seinen biografischen Schriften, dass Velázquez hier eine Hündin malte, die er sehr liebte. Er wollte sie ähnlicher malen, als sie selbst es war. Velázquez schenkte uns also nicht nur ein entzückendes Hundebildnis, er reflektierte an diesem Tier gleichzeitig das Verhältnis von Abbild und Realität.

Die Ausstellung "Velázquez" ist im Kunsthistorischen Museum Wien noch bis 15.Februar 2015 zu sehen.

Bildquelle: Diego Velázquez, Infant Felipe Prospero, 1659, Öl auf Leinwand, 128 x 99 cm © Wien, Kunsthistorisches Museum

 

Ausstellung, Malerei
7. November 2014 - 9:23

Girl With A Dog, 2006 © Lusia Popenko

 

Als ich das Bild "Girl With A Dog" zufällig im Internet fand, konnte ich sein Entstehungsjahr 2006 kaum glauben. Hätte ich das Gemälde doch in die ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts eingeordnet.

Die russische Künstlerin Lusia Popenka nimmt alte private Fotografien als Vorlage für ihre Bilder. Ihr künstlerischer Ansatz besteht darin, durch das Übertragen der Fotos in das Medium der Malerei, das private Foto in ein öffentliches Bild zu transferieren. Ihr Thema ist also die Diskrepanz zwischen der Intimität der Fotografie und dessen Abbild in der Malerei.

 

Dear Friend, 2002 © Lusia Popenko

Lady In A Black Coat, 2007 © Lusia Popenko

Before The Hunt, 2008 © Lusia Popenko

 

Nicht alle Bilder gehen auf reale Menschen in bestimmten Lebenssituationen zurück, da sie auch auf Figuren aus Filmen, also Schauspielerinnen, zurückgreift. Sie zitiert diese Filme in postmoderner Weise, verschmilzt Film und Malerei und wird somit zur Regisseurin mit dem Pinsel in der Hand.

Auf ihrer Homepage finden sich lange theoretische Überlegungen zu ihren Bildern, fast so als müsste sie ihre Art der Malerei rechtfertigen. Auch ohne Theorie überzeugen ihre klaren, ruhigen Kompositionen, transportieren die Figuren die Erinnerung an vergangene Zeiten.

Lusia Popenko (geboren in Volgograd) lebt und arbeitet in Moskau. Ihre Arbeiten sind in Einzel- und Gruppenausstellungen sowohl in Russland als auch international zu sehen.

alle Bilder © Lusia Popenko

 

Malerei
4. November 2014 - 21:40

Das ist Morzi. Mit diesem Bild hat ihn das Tierasyl in Lucenec auf seiner Homepage vorgestellt. Ihn wollte ich zu mir holen.

 

Morzi wollte ich aus Lucenec holen

 

Und so habe ich Morzi bekommen, nachdem er etwa ein Jahr in einem slowakischen Auffanglager war: ohne Betreuung oder ärztliche Versorgung, von anderen Hunden gemobbt, verwahrlost und gestresst. Die dunklen Stellen auf seinem Körper sind nicht Schmutz, sondern fehlendes Fell und Verletzungen. Wie sah wohl seine Seele aus? Ich habe ihn fast nicht erkannt.

 

Vor der Heimfahrt, Foto: Petra Hartl

 

Ungewiss schaut er in die Zukunft. Er weiß nicht, wohin ihn die Autofahrt bringen und was ihn erwarten wird.

 

Roccos Reise beginnt, Foto: Petra Hartl

 

Das erste Mal ein eigenes Bett, ein kleiner Klopfbalkon! Die Augen wochenlang kaum geöffnet. Er will nichts mehr sehen, das Leben war bisher ein nicht enden wollender Albtraum für ihn. Mein Freund nennt ihn Rocco. Sein neues Leben soll auch mit einem neuen Namen beginnen.

 

Auf dem Klopfbalkon, Foto: Petra Hartl

 

Dieses Bild ist verschwommen, aber es zeigt Rocco so, wie er durch die Welt geht: furchtsam, unsicher und scheu.

 

Armer Rocco! Foto: Petra Hartl

 

Viele Tierarzbesuche und Operationen stehen an. Wie konnte es anders sein, er wurde von einem Schäferhund gebissen. Wir konnten ihn nicht beschützen. Überall frei laufende Hunde, denen wir nicht ausweichen konnten. Armer Rocco!

 

Roccos erstes eigenes Bett, Foto: Petra Hartl

Nach einer Operation, Foto: Petra Hartl

 

Sein Äußeres verändert sich bald, das Fell wächst nach, er nimmt an Gewicht zu. Viel länger dauert es, bis sein Lebenswille zurückkehrt und er Vertrauen zu uns fasst.

 

Erholung im Grünen, Foto: Petra Hartl

 

In vielen Trainings- und Therapiestunden lernt er ein bisschen Gelassenheit: Nicht jeder andere Hund ist sein Feind. Nach einem Jahr - wir haben inzwischen mit Rocco die Höhen und Tiefen von Tellington Touch, Schamanismus, Tierkommunikation, Alternativ- und Schulmedizin durchgemacht - lässt auch seine Körperspannung etwas nach. Außerhalb der geschützten Wohnung, des gewaltfreien Übungsplatzes und der abgelegenen Urlaubsalmhütte wird er allerdings nie Entspannung finden.

 

Kitzeln und Lachen, Foto: Petra Hartl

 

Das Leben mit ihm ist aufregend und anstrengend. Auch wir kommen nie zur Ruhe. Für diesen Blogbeitrag habe ich hunderte Fotos von Rocco durchgesehen. Nirgends strahle ich so sehr, steht mir das Glück mehr ins Gesicht geschrieben, als wenn es Rocco gut geht und er Anzeichen von Lebensfreude zeigt.

 

Rocco bringt mich zum Strahlen, Foto: Andreas Leibetseder

 

Rocco war nur viereinhalb Jahre bei uns. Wahrscheinlich war er älter als angenommen, als wir ihn aufgenommen hatten. Nach vielen kleinen Gehirnschlägen, die einen zittrigen und fast blinden Bären aus ihm machten, starb er am 3. November 2012. Niemand hat mich jemals mehr berührt als Rocco, kein Leben hat mich mehr bewegt als seines, kein Tod mehr als seiner.

 

Mein Rocco-Bär! Foto: Petra Hartl

 

Ach, wäre er doch in einem Hundehimmel! Hätte er doch - schmerzfrei, an Körper und Seele genesen, irgendwo Frieden gefunden.

Hoffentlich hat er unsere Liebe gespürt!

 

Rocco
23. Oktober 2014 - 12:45

Das sind Winnifred und Kennedy ...

 

Winnifred und Kennedy © Kelly Puissegur

 

und das sind sie ebenfalls, ...

 

© Kelly Puissegur

 

künstlerisch in Szene gesetzt von ihr: Kate Puissegur AKA Retro Whale.

 

Kelly bei der Arbeit © Kelly Puissegur

 

Beim Blick ins Atelier sieht man sofort, worum es ihr geht: Bilder mit ornamentaler und verspielter Qualität herzustellen, um uns heiter zu stimmen und zum Lachen zu bringen. Und es gelingt ihr mithilfe der schrulligen Figuren anscheinend mühelos. Nicht nur ihre beiden Hunde finden sich auf ihren farbenprächtigen Arbeiten wieder, auch andere Tiere oder maskierte Menschen bevölkern ihr zeichnerisches Universum.

 

Marriage © Kelly Puissegur

Sweet © Kelly Puissegur

A Little Dancing Before We Head Home © Kelly Puissegur

Scram © Kelly Puissegur

Dear Harvey © Kelly Puissegur

Nice to Meet You © Kelly Puissegur

Nice Hair © Kelly Puissegur

Pug Love © Kelly Puissegur

 

Die US-amerikanische Illustratorin lebt mit Sohn, Ehemann und zwei Hunden in LA, lässt sich von Musik, Filmen, Kuriositäten, den Menschen und Tieren in ihrer Umgebung, von Arbeiten ihrer  KünstlerkollegInnen, nicht zuletzt von Winnifred und Kennedy zu ihren Zeichnungen und Malereien inspirieren.

Natürlich besitzt Kelly Puissegur ein oder mehrere Skizzenbücher, in denen sie Ideen festhält, doch die meisten Illustrationen entstehen planlos und intuitiv; sie zeichnet und malt, ohne das Ergebnis vor Augen zu haben, ohne zu wissen, wohin der schöpferische Prozess sie führen wird - mit Tusche, Acryl- und Ölfarben auf handgeschöpftes Papier oder auf strukturierte gemaserte quadratische Holzplatten. Auch alte Skate- oder Surfboards werden zum Bildträger. Manchmal scannt sie ihre Zeichnungen ein, um sie später am Computer farbig zu bearbeiten.

Sie können mehr von Kellys Arbeit auf ihrer Website Retro Whale sehen, Drucke in ihrem Etsy-Shop, Originale bei Saatchi Online kaufen.

alle Arbeiten © Kelly Puissegur

 

Grafik, Malerei
20. Oktober 2014 - 11:05

Dan Witz (*1957 in Chicago/USA) war mir bisher nur als Maler von so genannten Mosh Pits bekannt, beispielsweise des Diptychons "Dogs Fighting" von 2002. Inzwischen habe ich ihn auch als Street-Art-Künstler kennen gelernt, Grund genug, ihn nun vorzustellen. Seine Zusammenarbeit mit PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) sehen sie weiter unten. Bei diesen Arbeiten wird auch deutlich, dass Dan Witz' Malweise nicht nur fotorealistisch, sondern viel mehr augentäuschend ist.

 

Dogs Fighting, Diptychon, 2002, oil and mixed media on canvas © Dan Witz

Dogs Fighting, 2002 © Dan Witz

Dogs Fighting, 2002 © Dan Witz

Running Dogs © Dan Witz

 

Wie viele Künstler interessiert sich auch Dan Witz dafür, was die Gesellschaft verbirgt, wovor sie die Augen verschließt, z.B. dafür, was hinter den verschlossenen Türen der Tierfabriken vor sich geht. Mit dem Beginn der Gesetze gegen Enthüller von Missständen in den USA (anti-whistleblower ag-gag laws) stieg auch Witz' Interesse an der Massentierhaltung und der Ausbeutung der Umwelt. Klimawandel, Abholzung, Artensterben, Wasserverschwendung, Luftverschmuzung, Sterben der Ozeane – all das steht in direktem Zusammenhang mit Fleisch-, Milch- und Eiproduktion.

Als ihn die Tierrechtsorganisation PETA zur Mitarbeit an dem Projekt "Empty the Cages" einlud, sagte er sofort zu. Als Street-Art-Künstler hat er die Möglichkeit die Verbrechen an Tieren durch Interventionen im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, die Aufmerksamkeit auf deren Lebensbedingungen zu lenken und einen Dialog über die Frage, wie wir mit Tieren umgehen, zu provozieren.

 

Dan Witz, Empty the Cages 1, Foto: PETA

Dan Witz, Empty the Cages 2, Foto: PETA

Dan Witz, Empty the Cages 3, Foto: PETA

Dan Witz, Empty the Cages 6, Foto: PETA

Dan Witz, Empty the Cages 4, Foto: PETA

Dan Witz, Empty the Cages 5, Foto: PETA

 

Dan Witz malt Hühnerkrallen und Schweineköpfe hinter Gittern, Fenstern und Lüftungsöffnungen und bringt die Trompe-l’œil-Malereien auf Gebäuden an, um auf subtile, aber wirkungsvolle Weise auf die Lebensrealität der "Nutztiere" aufmerksam zu machen. Er erinnert uns an die Millionen Tiere, die tagtäglich für unsere Ernährung in Tierfabriken und Schlachthöfen leiden und sterben. Das "Empty the Cages"-Projekt holt die Tiere nicht nur aus dem Verborgenen, es zeigt auch, dass es in unserer Macht steht, ihr Leid zu beenden, indem wir auf Fleisch verzichten.

Dreißig Arbeiten sind über London verteilt, durch QR-Codes begleitet, die mehr Informationen zum Thema bringen. (Um die Informationen aus einem QR-Code zu lesen, benötigt man lediglich ein Smartphone oder Tablet mit integrierter Kamera sowie eine QR-Code App.)

Dan Witz begann bereits in den späten 70er Jahren Kolibris auf Wände in Manhattan zu malen, Jahre bevor der Begriff "Street Art" überhaupt geprägt wurde und lange bevor Künstler wie Banksy berühmt wurden. Parallel zur Street Art arbeitet er für Galerien und stellt weltweit aus, unter anderem im Museum of Modern Art in New York und im Indianapolis Museum of Art.

Auf der Seite der Johnathan LeVine Gallery gibt es übrigens ein Video, in dem man Dan Witz' Arbeitsweise ungefähr nachvollziehen kann. Auf seiner Homepage gibt es zahlreiche Links zu Interviews und Presse-Berichten. Ich empfehle Ihnen exemplarisch einen neueren, sehr informativen Artikel  auf societé perrier.

Mosh-Pits-Bilder © Dan Witz, Empty the Cages - Fotos © PETA

 

9. Oktober 2014 - 17:00

Als ich kürzlich die Sammlung Titze im Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen sah, fiel mir ein gewaltiges Gemälde auf: gewaltig nicht nur in den Ausmaßen (200 x 340 cm), gewaltig auch hinsichtlich des Eindrucks, den es auf mich machte. Es handelte sich um Adrian Ghenies "The Flight Into Egypt". Ghenies Namen hatte ich schon gehört und im tief im Hinterkopf wusste ich, ich hatte den Künstler auch schon in Zusammenhang mit dem Motiv Hund gespeichert.

 

Adrian Ghenie, The Flight Into Egypt I, 2008

Adrian Ghenie, The Flight Into Egypt, 2008

 

Ghenie beschäftigt sich mit gesellschaftlicher und politischer Macht und deren Missbrauch, mit Ausbeutung, Unterdrückung, erzwungenem Exil und Migration. Besonderes Augenmerk legt er auf totalitäre Regime, wie es auch das Rumänien seiner Kindheit – er ist 1977 geboren - unter Ceausescu war.

Als Geschichtenerzähler schickt er den Betrachter auf eine Zeitreise, ermöglicht ihm einen Blick auf seine Interpretation der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sein besonderes Interesse gilt der Kluft zwischen großer "objektiver" Geschichte und subjektiver Erinnerung, der Widersprüchlichkeit der Aufzeichnung und Erfahrung von Geschichte.

In seinen eigenwilligen, komplexen Kompositionen wechselt er zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Als Ausgangspunkt dienen ihm historische Fotos, Propagandapostkarten der NS-Zeit, Fotos aus dem Internet, Standbilder aus Filmen, alte Möbelkataloge etc. Die Anleihen aus der Kunst- und Filmgeschichte verbindet er mit persönlichen Erinnerungen, die er teilweise auch zu Collagen oder dreidimensionalen Modellen verarbeitet.

Auch Ghenies Technik ist außergewöhnlich: Er bringt mehrere Lagen Farbe auf und kratzt sie anschließend teilweise mit der Stahlspachtel wieder ab, wodurch einmalige Strukturen mit hohem taktilem und materiellem Reiz entstehen. Die Bilder scheinen bereits eine Patina zu besitzen. In seinen düsteren Szenarien beschränkte Ghenie seine Farbpalette zunächst auf Schwarz und Grau sowie dunkles Rot, erst in jüngerer Zeit hellt er sie zunehmend auf.

Durch die unscharfe Gestaltung historischer Figuren entstehen Porträts, die in ihrer Wirkung verfremdet, mysteriös und verstörend sind. Auch wenn sie nur vage ausgeführt sind, sind die Schreckensgestalten des 20. Jahrhunderts unschwer zu erkennen.

 

Adrian Ghenie, The Nightmare, 2007

 

In "The Nightmare" und "The Devil" erkennen wir, obwohl fast als Rückenfigur dargestellt, Adolf Hitler. Sein Bild ist Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Blickt er auf Eva Braun? Befinden sich beide in der Wolfsschanze? Der müde und verschlafen dreinblickende Wolf deutet darauf hin.

 

Adrian Ghenie, The Devil 2, 2010

Adrian Ghenie, The Devil 3, 2010

 

"The Dada Room" ist ein Modell der Ersten Internationale Dada-Messe, die 1920 in Berlin stattfand. Ein deutscher Schäferhund ist als Gemälde präsent. In "Dada Is Dead" verwendet Ghenie ein Foto dieser Dada-Ausstellung als Grundlage sowohl für eine Collage als auch für ein Gemälde.

 

Adrian Ghenie, The Dada Room, 2010, mixed media

Adrian Ghenie, Dada Is Dead, Study, 2009

Adrian Ghenie, Dada Is Dead, 2009

 

Fast als kometenhaft ist Adrian Ghenies Aufstieg in der internationalen Kunstwelt zu bezeichnen. Nachdem er 2001 sein Studium abschloss, wurde sein Werk bereits ab 2006 in Einzelausstellungen in der Schweiz, den USA, Deutschland, Belgien und Großbritannien gezeigt. 2009 erschien eine Monographie im Hatje Cantz Verlag (vergriffen), 2014 ein Bildband mit neueren Werken von 2009-2013. Auf der Verlagsseite finden Sie auch ein sehr informatives Künstlerporträt von Stefanie Gommel.

 

Adrian Ghenie, The Blue Rain, 2009

Adrian Ghenie
Foto von hier

Adrian Ghenie, Foto: Tim van Laere Gallery
Adrian Ghenie, Foto: Tim van Laere Gallery

 

Wenn Sie sich mehr für diesen außergewöhnlichen Künstler interessieren, empfehehle ich exemplarisch die Seiten der Galerie Tim van Laere (viel Bildmaterial) sowie der Galerie Nolan Judin (umfassende Information zum Werk).

alle Bilder © Adrian Ghenie

 

Grafik, Installation, Malerei