25. September 2016 - 12:10

Der Entscheidungsprozess für ein Foto von Chica fiel ihrem Herrschen nicht leicht. Lange wurde hin und her überlegt. Letztendlich fiel die Wahl auf ein Foto, auf dem Chicas Blick ganz verschmitzt ist.

 

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica (Detail), 2016 © Petra Hartl

Chica, 2016 © Petra Hartl

 

Das Bild ist ein Geschenk an das Hunde-Frauchen. Kaum aus meinem Schauraum abgeholt, wurde es auch schon übergeben. Ich hoffe, alle haben lange Freude daran!

Bild © Petra Hartl

 

Meine Arbeit
20. September 2016 - 17:15

Ich gestehe: Ich empfinde etwas für Stofftiere. Unmöglich eines wegzuwerfen. Wenn ich an die wenigen Stofftiere ("Spielzeug" ist ein unpassendes Wort) meiner Kindheit denke, sind sie von Eltern oder Großeltern weggegeben worden, die deren Bedeutung nicht erkannt haben, niemals von mir. Sie haben getröstet und wurden beschützt. Noch heute bewahre ich die Stofftiere meiner verstorbenen Hunde!

 

Dog portrait © Peter Jones

 

Sie können sich sicher vorstellen, wie begeistert ich war, als ich Peter Jones Werk für mich entdeckte. Der Engländer ist von alten Stofftieren fasziniert. Er ersteigert sie auf ebay und fertigt kleinformatige Ölgemälde von ihnen an. Vor allem Affen, aber auch Hunde und Lämmer haben es ihm angetan.

 

Pug © Peter Jones

Terrier © Peter Jones

Winter dog © Peter Jones

The red dog © Peter Jones

Poodle © Peter Jones

 

Haben Sie gerade Porträts oder Stillleben betrachtet? Für mich ist die Frage einfach zu beantworten: Ich sehe Porträts von Stofftieren, die eine unbekannte Vergangenheit haben und eine Geschichte erzählen. Sie sind abgenutzt, schäbig, fallen fast auseinander, sie sind "in Würde" und mit Patina gealtert. Wurden sie vernachlässigt, sind sie verwahrlost oder - buchstäblich wie ein Kuscheltier - von all der Zuneigung abgegriffen?

Jones sagt selbst, dass sich während des Malvorgangs die Objekte auf der Leinwand von toten Gegenständen – nature morte - zu Porträts verwandeln. Scheinbar beseelte Stofftiere mit individuellen Charakteren entstehen.

Der Künstler interessiert sich allerdings weniger für die Vorgeschichte der Porträtierten als vielmehr für die ihnen innewohnende Symbolik.

 

Mir ist natürlich die unterschwellige Symbolik dieser Bilder bewusst, ihre mögliche Metaphorik bis hin zum Memento mori. Obwohl ich meine Gemälde normalerweise als Porträts bezeichne, scheinen sie oft der Stilllebentradition näher zu sein.  (Peter Jones)
 

Bei der Darstellung der Stoff-Affen reizt ihn die Verwandtschaft zum Menschen, er sieht in ihnen quasi eine primitive, vorzivilisatorische oder barbarische Variante des Menschen.

 

Ollie © Peter Jones

 

Die Hunde und Lämmer - sie sind oft in imaginierten Landschaften platziert - stehen traditionellerweise für Treue und Unschuld. Sie können als Alter Ego der Affen gesehen werden.

 

Lamb © Peter Jones

Dog © Peter Jones

 

Peter Jones ersteigert Affen-Stofftiere aus unterschiedlichem Materialien und Herkunftsländern, mit unterschiedlichem Erhaltungszustand und "Charakter". Am Anfang der Affen-Serie war er bestrebt, die Objekte realistisch - in all ihrer Schäbigkeit und Abgewetztheit - darzustellen, doch mit der Zeit wurden sie immer lebendiger und bunter.

 

Yellow monkey © Peter Jones

Ein Stoffhund ...

Stofftiere © Peter Jones

... und was daraus wurde.

Schäferhund © Peter Jones

Ein Stoffhund in bester Gesellschaft!

Stofftier neben Pudel-Porträt © Peter Jones

 

In der Einzelausstellung "The Small Things Matter" wurden vor kurzem vierzig kleine Gemälde von Stofftieren und  Email-Spielzeugen ausgestellt. Mehr dazu sowie ein Interview mit Peter Jones finden sie hier.

Schauen Sie sich auch unbedingt Peter Jones Instagram-Seite und seine Homepage an. Sie werden aus dem Schmunzeln und Staunen nicht mehr herauskommen.

Das Zitat von Peter Jones habe ich diesem Bildband entnommen: Michael Petry: Nature morte. Stillleben in der zeitgenössischen Kunst. Hirmer Verlag. ISBN 978-3-7774-2078-3

alle Bilder © Peter Jones

 

Malerei
7. September 2016 - 12:19

Sehnen Sie sich als kulturinteressierter Wiener oder Wienbesucher, der sich durch die Menschenmassen in der Inneren Stadt treiben lässt, nicht manchmal nach einem Ort der Stille, nach einem Refugium im Ausstellungsbetrieb, in dem Sie der Hektik entfliehen können? Dann sollten Sie den Augarten besuchen. Sie müssen nur vom Schwedenplatz aus der Taborstraße folgen, bis Sie in wenigen Minuten in der ältesten barocken Gartenanlage Wiens sind. Dort finden Sie nicht nur das schöne Augarten Café Restaurant, sondern auch ein Kleinod unter den Wiener Museen, das Augarten Porzellanmuseum.

Seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 1923 ist die Wiener Porzellanmanufaktur im ehemaligen kaiserlichen Lustgebäude im Augarten untergebracht. Sie knüpfte an das Erbe der 1864 geschlossenen K.K Porzellanmanufaktur, nicht ohne einen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunst zu leisten. So setzte sie Entwürfe bekannter KünstlerInnen der 1920er und 1930er Jahre wie Josef Hoffmann, Otto Prutscher, Franz von Zülow, Walter Bosse, Robert Ullmann oder Hertha Bucher um.

In einem Seitenflügel befindet sich das Porzellanmuseum samt originalem Brennofen. Das Museum illustriert die Geschichte des Wiener Porzellans anhand repräsentativer Beispiele aus seinen verschiedenen künstlerischen Phasen. Das Erdgeschoß widmet sich dem 20. und 21. Jahrhundert und bildet das eigentliche Firmenmuseum.

Dass ich den Weg ins Augarten Porzellanmuseum fand - und dieser Beitrag in meinen Blog -, liegt an der aktuellen Sonderausstellung "wild & frei - Tiere aus Porzellan - 1923 bis heute".

Tierdarstellungen gehören zu den wichtigsten Motiven der plastischen Produktion der Porzellanmanufaktur Augarten. Alleine in den ersten Jahren nach der Gründung entstanden fünfzig Tiermodelle. Über die Jahrzehnte werden die Tiere naturalistisch, stilisiert, dekorativ, possierlich oder grotesk dargestellt. Hatte das Art Déco eine Vorliebe für die Darstellung der wilden Spezies, überwog nach dem 2. Weltkrieg die Gestaltung einer repräsentativen Häuslichkeit. Doch die Porzellantiere werden in der Ausstellung nicht nur vom Standpunkt der Kunstgeschichte, sondern auch dem der Wissenschaft und des Zeitgeschmacks aus betrachtet.

Neben exotischen Tieren und Jagdmotiven gibt es natürlich auch eine Vitrine mit einer Ansammlung von Hundeplastiken: Begehrte Hunderassen - naturalistisch ausgeformt und subtil bemalt - zeugen vom ungebrochenem Interesse am Hund.

Die ausgestellten Hunde-Exponate waren in ihren Glasvitrinen schwierig zu fotografieren, weshalb ich den dokumentarischen Blick zugunsten eines "impressionistischen" Zugangs aufgegeben habe. Unten sehen Sie ein paar meiner fotografischen Eindrücke.

 

Französischer Bully, Entwurf Karin Jarl, 1925, Foto:Petra Hartl

Französischer Bully, Entwurf Karin Jarl, 1925, Foto:Petra Hartl

Französischer Bully, Entwurf Möller, 1928, Foto: Petra Hartl

Chinesisches Palasthündchen, Entwurf Joseph Humplik, 1924, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

 

Ein Wandtext gibt Auskunft über die Bedeutung des Hundes für die Kunstgeschichte:

 

Kein Tier steht dem Menschen wohl näher als der Hund. Selbst in der Kunstgeschichte ist der Hund das am häufigsten porträtierte Tier. Vom Hundeblick bis zur bedingungslosen Treue lassen seine Eigenschaften den Hund zum liebsten Mitbewohner des Menschen werden, wenngleich dies nicht auf alle Kulturen und Zeitalter der Welt zutrifft. Als mitfühlender "Seelenversteher" hat sich der Hund sehr früh in den Fokus der psychologischen und philosophischen Erkenntnisse der Aufklärung gespielt. Er ist mitverantwortlich für das bahnbrechende Anerkennen seelischer Empfindungen des Tieres im späteren 18. Jahrhundert. Waren Hunde seit jeher fürstliche Begleiter bei der Jagd und anderem Zeitvertreib, so steht nun ihre emotionale und sogar geistige Ebene im Vordergrund (...)

 

Wenn Sie die Hunde genau betrachten, erkennen Sie, dass in dem Vitrinen-Gehege nicht nur unterschiedliche Rassen zueinander gefunden haben, sondern auch Porzellanhunde verschiedener Jahrzehnte versammelt sind. Das Art Deco nutzte zum Beispiel die Grazie der schlanken Windhunde für seine formalen Ideale.

 

Porzellanhunde im Augarten Porzellanmuseum, Foto: Petra Hartl

 

Bei meinem Foto des Barsoi stehen seine Liebenswürdigkeit und Sensibilität im Vordergrund. Unten sehen Sie den russischen Windhund, den Robert Ullmann 1936 entworfen hat, zur Gänze. Sein vornehmes Wesen, seine Gelassenheit und Würde kommen dabei gut zum Ausdruck. Der östrreichische Bildhauer hat in seinen Windhund-Entwürfen, in Einklang mit Form und Material, die Expression und das Empfinden des Hundes zur Allgemeingültigkeit erhöht.

 

Barsoi, 1936 von Robert Ullmann © Augarten Museum

Greyhound, um 1936 von Robert Ullmann © Augarten Museum

Greyhound, um 1936 von Robert Ullmann © Augarten Museum

 

Zum Abschluss nochmals Karin Jarls Bully von 1925, diesmal vor neutralem Hintergrund.

 

Bully, um 1925 von Karin Jarl © Augarten Museum

 

Die Ausstellung "wlld & frei" ist noch bis Samstag, 5. November 2016 zu sehen. Führungen durch die Ausstellung und das Porzellanmuseum finden jeden Samstag um 14 und um 15 Uhr statt.

Am Samstag, 24. September 2016 um 11 Uhr, führt Frau Dr. Claudia Lehner-Jobst, die Kuratorin des Museums, durch die Ausstellung.

 

Ausstellung, Skulptur
1. September 2016 - 9:59

Im letzten Blogbeitrag berichtete ich über die Ausstellung "Rester vivant" des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. Fotos, Zeichnungen und Gegenstände seines verstorbenen Corgis Clément waren Teil der Präsentation, mit der der Schriftsteller seiner gedachte und den Schmerz, der dem Sterben folgte, verarbeitete.

Der Tod eines geliebten Hundes trifft uns alle gleich, egal ob wir berühmte KünstlerInnen oder unbekannte hundeliebende Menschen sind, egal ob dem Tod des Tieres eine lange Krankheit vorausging oder der Tod "aus heiterem Himmel" kam.

Für viele von uns ist das Schreiben über das Tier, das Malen oder Zeichnen des Hundes ein Weg, mit dem Verlust umzugehen und die Leere positiv zu füllen. Wenn ich ein verstorbenes Tier gemalt habe, war ich ihm ganz nahe - noch einmal mit dem Pinsel über seinen Körper streicheln - und es half mir ein paar Stunden, mich an das Schöne zu erinnern, während ich im Leid und in der Trauer gefangen war. Nicht zuletzt half es, das Weinen zu unterbrechen.

Andrea Antoni, die meinen Blog gerne liest, hat mir ein Porträt ihrer Hündin Ilse geschickt, das sie gezeichnet hatte, nachdem Ilse zwölfjährig wegen einer schlimmen Krebserkrankung eingeschläfert werden musste. Für Andrea war diese künstlerische Praxis Teil der Trauerarbeit, sie schreibt:

 

Die Hunde, die wir liebten, bleiben natürlich in unseren Gedanken und in unseren Herzen. Und manchmal wird man zu einer Zeichnung inspiriert. In der Zeit, in der ich an dem Bild arbeitete, tauchte Ilse vermehrt und sehr intensiv in meinen Träumen auf und ich erinnerte mich an so viele Erlebnisse mit ihr: von dem Moment, als sie in Fuhlsbüttel zitternd aus ihrer Flugbox kam, bis zu dem Augenblick, als ich sie im Garten begraben musste. Zehn Jahre hat sie mich begleitet (Ihr Bruder Ibo leider nur sieben Jahre) und oft, wenn ich meine Hunde ansah, war ich ganz erfüllt von Freude und Glück!

 

Und das ist Ilse, eine Podenco-Mischlingshündin!

 

Ilse, 2016 © Andrea Antoni

 

Als ihre (vorherige) Hündin eingeschläfert werden musste, weil sie sehr krank war, schrieb Andrea Antoni in ihr Tagebuch "Ich fühle mich, als müsste ich zerspringen". Und weiter:

 

Nach einer Weile kam ein neuer Hund aus Spanien zu uns: Ilse, ein kleiner Podenco-Mischling. Ihr Bruder Ibo, ein Scheidungswaise, gesellte sich ein halbes Jahr später noch dazu. Wurfgeschwister, - und doch so verschieden. Ibo war anhänglich, verschmust und etwas ängstlich. Ilse dagegen eine kernige und selbstbewusste Hundedame. Beide waren etwa zwei Jahre alt, als sie zu meinem Mann und mir kamen und hatten ihr Leben bis dahin auf der Finca einer Tierschützerin verbracht.

Ilse erkrankte im Dezember 2014 an Krebs. Ein Tumor und die Milz wurden entfernt und danach war sie wieder ganz die Alte. Sie wurde nur etwas langsamer und grauer im Gesicht … immerhin war sie schon elf Jahre alt. Ein Jahr lang ging es ihr gut. Das Ende kam dann schnell. Der Krebs war zurück und es gab keine Therapie. An einem Sonntagabend Anfang Februar dieses Jahres ging Ilse abends in den Garten und legte sich in der äußersten Ecke unter einen Busch. Und wollte erst nicht zurück ins Haus. Ob sie mir so zeigen wollte, dass es Zeit war, sie gehen zu lassen? Am nächsten Morgen wurde Ilse von unserer Tierärztin sehr sanft und schnell in eine andere Welt gebracht.

Jetzt hängt die Zeichnung bei mir an der Wand (eine von Ibo auch), Ilse schaut mich aus dem Bild heraus an und ich denke: "Ja, genau so war sie".

 

Ibo beäugte die Welt immer etwas ängstlich und gerne von seinem gemütlichen Hundebett aus.

 

Ibo, 2016 © Andrea Antoni

 

Ibo starb im Dezember 2012 bei einem Spaziergang im Schnee. Er war mit großer Begeisterung einem Hasen hinterhergerannt, kam zu mir zurück, fiel um und war binnen Sekunden tot. Für ihn ein schöner Tod, aber für mich ein großer Schock. Zu viel Aufregung für sein kleines, ängstliches Herz, das oft so wild klopfte, wenn er sich fürchtete?

 

Weil für Andrea ein Leben ohne Hund schlichtweg "doof" ist, lebt sie seit ein paar Monaten mit einer kleinen Mischlingshündin aus der Slowakei. Mabel hat in ihre Augen geblickt und ihr Herz angerührt. Und ein neues Leben mit einem neuen Hund nahm seinen Anfang.

Und das ist sie, die zweijährige Mabel. Ein Schatz!

 

Mabel, 2016, Foto Andrea Antoni

 

alle Bilder © Andrea Antoni

Fotografie, Zeichnung
28. August 2016 - 19:30

Ausstellungsplakat Rester vivant

 

Wieder ein Blogbeitrag, der sich nur in meiner Vorstellung einfach anfühlte und bei dem ich mich immer mehr verzettelte. Und ein langwieriges Unterfangen: Ich wollte bloß über die Ausstellung "Michel Houellebecq. Rester vivant“ berichten, doch dann merkte ich, dass das unmöglich ist, ohne sein Buch "Die Möglichkeit einer Insel" (2005) gelesen zu haben, das in der Ausstellung zitiert wird.

Nach über zwanzig Jahren, damals hatte ich "Ausweitung der Kampfzone" gelesen, las ich also wieder etwas von Michel Houellebecq. Die letzten Jahre hatte ich sein Werk nur mehr am Rande über Debatten im Feuilleton wahrgenommen. Ich habe "Die Möglichkeit einer Insel" in den letzten Tagen während eines verregneten Slowenienurlaubs quasi in einem Zug durchgelesen und bin, nicht zuletzt auf Grund seines Humors, restlos begeistert.

 

Meine gegenwärtige Inkarnation verschlechtert sich; ich glaube nicht, daß sie noch lange währt. Ich weiß, daß ich bei meiner nächsten Inkarnation, meinen Gefährten wiedefinde, den kleinen Hund Fox. (Möglichkeit einer Insel S 9)

 

Das ist der erste Satz in Michel Houellebecqs Roman und bereits da taucht der kleine Hund Fox auf. Es gibt in der Sekundärliteratur lange Betrachtungen zur Bedeutung erster Sätze, aber gibt es einen besseren Grund weiterzulesen als diesen Anfang? Doch nicht nur am Beginn des Buches taucht der kleine Fox auf, mit ihm wird der Roman auch nahezu beendet. Auf der vorletzten Seite lässt Houellebecq Daniel25 (den 24. Klon von Daniel1) sagen:

 

Ich würde auf jeden Fall mein obskures Leben als verbesserter Affe so gut es ging fortsetzen, und ich bedauerte dabei nur zutiefst, daß ich den Tod von Fox verursacht hatte, dem einzigen Wesen, dem ich je begegnet war, das es verdient hätte zu überleben; denn in seinem Blick lag schon manchmal ein Funke, der die Ankunft der Zukünftigen ankündigte. (ebd S 442)

 

Eingerahmt durch diese Zitate entspinnt sich auf über 400 Seiten ein dystopischer Roman, der sich in vielerlei Hinsicht lesen lässt: behandelt er doch Themen wie das Altern (von Frau und Mann) und die damit einhergehende abnehmende erotische Attraktivität und sexuelle Potenz sowie die Unmöglichkeit der Liebe zwischen Mann und Frau. Doch die zweitausend Jahre, die im Roman verhandelt werden, zeigen auch die bedingungslose Liebe zwischen Hund und Mensch, die sowohl zwischen Daniel1 als auch Daniel25 und Fox besteht.

 

Ein kleiner rotbraun gefleckter weißer Hund mit spitzen Ohren, der höchstens drei Monate alt war, kroch auf sie zu - eine richtige Promenadenmischung. Sie bückte sich, nahm das Tier in die Arme und ging zum Auto zurück. So hielt Fox Einzug in unser Leben - und mit ihm die bedingungslose Liebe. (Daniel1, ebd S 64)

 

In den Romanen Michel Houellebecqs geht es meistens um Figuren, die dem Leben Momente des Glücks abringen wollen. Auch Daniel, der zynische und sexbesessene Protagonist in "Die Möglichkeit einer Insel", erfährt das Glück nur mit Fox.

 

Einen Monat Ferien mit meinem Hund: auf der Treppe einen Ball werfen, gemeinsam mit ihm am Strand entlangrennen. Leben. (Daniel1, ebd S 123)

 

Fox stirbt, was Michel Houellebecq lapidar und ergreifend, lakonisch und zärtlich schildert.

Der US-amerikanischer Sänger Iggy Pop zählt den Roman zu den Inspirationsquellen seines 2009 erschienenen Albums "Préliminaires", das er für eine Dokumentation des Filmemachers Erik Lieshout mit dem Titel "Les Derniers Mots de Michel Houellebecq" aufnahm.

In einem Video erzählt uns der Musiker, dass sein Lieblingscharakter im Buch der kleine Fox war, in dem Pop seinen Hund Lucky wiedererkannte. Fox wurde zum Vorbild für "King Of The Dogs", in dem Fox erzählt, wie cool es ist ein Hund zu sein. Das traurigste Lied auf der Platte - "A Machine For Loving" - beschreibt den Tod von Fox mit den Worten aus Michel Houellebecqs Roman ins Englische übersetzt.

Eben dieser ergreifende Nachruf als Wandtext und Iggy Pops Song sind in der zur Zeit stattfindenden Ausstellung "Rester vivant" zu lesen bzw. zu hören.

Unten sehen Sie die Alltagsgegenstände eines Hundes, Spielzeugknochen, Plüschtiere etc. Sie befinden sich in einer Vitrine in einem holzgetäfelten Ausstellungsraum.

 

Ausstellungsvitrine Rester vivant, Foto von www.huffingtonpost.fr

Ausstellungsvitrine Rester vivant, Foto von www.huffingtonpost.fr

 

Der Hund, dem die Dinge gehörten, hieß Clement, starb 2011 und war der geliebte tierische Partner des französischen Schriftstellers. Um ihn und die bedingungslose Liebe, die die beiden verband, geht es in einem - autobiographischen - Teil der Ausstellung "Rester vivant" (Lebendig bleiben), der ersten großen Einzelausstellung von Michel Houellebecq (*1958) im Pariser Palais de Tokyo. Houellebecq hat die Ausstellung, von der Musik bis hin zur Farbe der Ausstellungsräume, zur Gänze selbst konzipiert, es ist eine Ausstellung von ihm und nicht über ihn.

Sie behandelt die aus seinen Büchern bekannten Themen anhand von Fotos, Video- und Tonaufnahmen und Objekten. Die Fotos hat Michel Houellebecq, der vor mehr als 20 Jahren die Fotografie für sich entdeckt hat, selbst aufgenommen. Sie sind in 21 Räumen zu verschiedenen thematischen Serien zusammengestellt und könnten als Visualisierungen seiner Romane gelesen werden, die um sein zentrales Thema, den schleichenden Niedergang der Moderne, den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation, kreisen. Als solche sind sie Dokumentation und Kritik zugleich und zeigen triste Orte und verödete Landschaften, verfallende Gebäude, unbelebte Feriensiedlungen. Die Frauen sind seinen Protagonistinnen Esther (aus "Die Möglichkeit einer Insel") und Annabelle (aus "Plattform") nachempfunden.

Viele Fotos zeigen auch Aufnahmen aus dem Leben eines Pembroke Welsh Corgi, womit wir wieder bei Clement wären:

 

Clément in Irland vor den Cliffs Of Moher, Foto von derstandard.at

Clément, Foto von www.huffingtonpost.fr

Clément (2000-2011), Foto von www.huffingtonpost.fr

 

Clément in Irland, Clément auf einem Polster schlafend, Cléments Bild auf seinem Grabstein. Auf einigen Bildern ist auch Houellebecq selbst neben seinem Hund zu sehen, und er sieht darauf sehr glücklich und lebendig aus. Es gibt auch kleine zarte Aquarelle von Clément, die Marie-Pierre Gauthier, eine Freundin, gemalt hat. Eines zeigt nur das Auge von Clément.

 

Michel Houellebecq und Clément, Foto von www.huffingtonpost.fr

Aquarell von Marie-Pierre Gauthier, Foto von www.huffingtonpost.fr

Aquarell von Marie-Pierre Gauthier, Foto von www.huffingtonpost.fr

Aquarelle von Marie-Pierre Gauthier, Foto von www.huffingtonpost.fr

 

Der große Michel Houellebecq, der uns LeserInnen vor allem als präziser Literat und Mahner vertraut ist, zeigt uns mit dem Denkmal, das er seinem Hund Clément setzt, seine zärtliche und liebevolle Seite. Er betrauert öffentlich den Tod seines Hundes Clément. Und sagen Sie selbst: Sieht so ein Zyniker aus?

 

Michel Houellebecq und Clément, Foto von www.huffingtonpost.fr
 

Die Ausstellung "Michel Houellebecq. Rester vivant" im Palais de Tokyo in Paris ist noch bis zum 11. September 2016 zu sehen.

Quellen: Der Standard, Zeit, Spiegel, SRF, Le Huffington Post

Textausschnitte zitiert nach Michel Houellebecq: "Die Möglichkeit einer Insel", Köln, 2016. Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Und zuletzt noch ein Gottesbeweis aus diesem Roman, dem auch ich etwas abgewinnen kann:

 

"Gott gibt es, ich bin reingetreten." anonym (ebd S 101)

 

12. August 2016 - 16:48

Die vorgestellten Fotos, die Eingang in das Fotobuch "Block" fanden, sind in diesem Blog fast off topic. Doch nur fast: Denn so minimalistisch - auf Betonarchitektur und wenige Rückenfiguren reduziert - kann die fotografische Welt gar nicht sein, als dass nicht noch ein oder zwei Hunde in ihr Platz fänden!

 

aus der Serie Block © Aapo Huhta

aus der Serie Block © Aapo Huhta

aus der Serie Block © Aapo Huhta

 

Der junge finnische Fotograf Aapo Huhta hat mit seiner Serie "Block", die er 2014 und 2015 in New York aufgenommen hat, einen fotografischen Essay erschaffen, der aus der Sicht eines Fremden von den Straßen New Yorks erzählt. Dabei ist New York seiner Eigenheiten und Wiedererkennbarkeit beraubt und auf ein anonymes städtisches Umfeld, auf düstere abweisende Architektur reduziert. In diesem Umfeld entwickelt sich an Hand von Einzelbildern eine dystopische Erzählung. Je nach unserer Assoziationsfreudigkeit kann die Abfolge der Fotos eine Geschichte erzählen, die mit dem ersten Schritt hinein in den Schatten beginnt, die uns mit dem ersten Schritt hoffnungslos in das Buch hineinzieht. Genauso gut kann jedes einzelne Bild eine Erzählung auslösen.

Wir sehen jemanden in einen Schatten hinein- und einen Hund heraustreten. Wir sehen "Men in Black" oder "Mad Men" als identitätslose, aber identifikationsstiftende Rückenfiguren. Wir sehen Fotos von Gebäuden, die vom Bildaufbau an um Farbe und menschliche Belebtheit reduzierte Gemälde Edward Hoppers erinnern. Andere Fotos sind von blasser Farbigkeit, reduzierter Farbsättigung.

 

aus der Serie Block © Aapo Huhta

aus der Serie Block © Aapo Huhta

aus der Serie Block © Aapo Huhta

aus der Serie Block © Aapo Huhta

 

Huhta scheint gegen eine Bilderflut und Reizüberflutung anzuarbeiten. Nur wenig ist auf seinen Bildern zu sehen (u.a. kryptische Gegenstände, die Schatten werfen; eine einsame, verlorengegangene Tasche; rätselhafte Verpackungen; Videoüberwachungskameras; ein Fahndungsfoto; ein Fleck am Boden): Inhaltlich ist wenig festgelegt, doch der Raum für Assoziationen öffnet sich.

 

aus der Serie Block © Aapo Huhta

 

Aapo Huhta (*1985) hat an der Aalto University of Arts and Design in Helsinki seinen MA in Fotografie erworben. 2011 war er Finnish Young Photo Journalist of the Year, 2014 einer von Magnum Photos Top 30 Under 30. Er gewann den PDN Photo Annual Student Work Prize.

Das Fotobuch "Block", im Kehrer Verlag veröffentlicht, wurde in der Kategorie konzeptionell-künstlerische Fotobildbände mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2016 in Silber ausgezeichnet. Auf Vimeo können Sie durch das Buch blättern.

Sollten Sie in Berlin leben oder bis zum 3. September 2016 dorthin kommen, haben Sie die Möglichkeit in der Kehrer Galerie die Ausstellung "Virta // Block" zu sehen, die Arbeiten der beiden finnischen Fotografen Ida Pimenoff und Aapo Huhta gegenüberstellt.

 

Installationsansicht Kehrer Galerie, 2016
Installationsansicht Ausstellung "Block", 2016, Foto: Kehrer Galerie

 

alle Fotos der Serie "Block" © Aapo Huhta

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
31. Juli 2016 - 10:06

Ein besonders interessanter Künstler ist Aaron Li-Hill, der nicht nur großformatige Wandbilder anfertigt, sondern seine Malereien auch durch Hinzufügen von gefundenen Materialien zu Skulpturen bzw. raumgreifenden Installationen erweitert.

Der 1986 in Toronto geborene und in Brooklyn lebende Kanadier hat seine künstlerischen Wurzeln in der Graffiti- und Street-Art-Szene. Analog zur zunehmenden Komplexität unserer schnelllebigen Zeit, werden auch seine Arbeiten vielschichtiger und überschreiten die Grenzen von Graffiti, Grafik-Design, Malerei, Zeichnung und Skulptur.

Thematisch setzt er sich mit den Auswirkungen von Industrialisierung, Globalisierung und Kapitalismus auf Mensch und Tier auseinander. Mehr dazu entnehmen Sie bitte seinem Artist Statement.

Seine letzte Installation "Trap the Hunter" ist noch bis Oktober 2016 im Friedman-Mincer-Gebäude in Fort Smith in Arkansas/USA zu sehen. Die Fotos zeigen die Entwicklungsschritte der Arbeit. Ich habe sie von The People's Print Shop und hi-fructose.

 

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

 

Auf der Wand sind in der Bewegung gleichsam eingefrorene Kojoten zu sehen. Vielleicht ist es auch nur einer, der wie bei Eadweard Muybridge Bewegung simuliert.

 

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

 

Mit Aerosol fertigt er Zeichnungen und Schablonen an, die er dann ausschneidet. Die Holzstreifen erweitern die gezeichneten Linien in den Raum.

 

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

 

Wir sehen ein Rudel Kojoten, das ein flüchtendes Rehkitz jagt. Jäger und Gejagte sind aber nicht nur Metaphern für Mensch gegen Natur, sie zeigen vielmehr auch die Auswirkungen des fortgeschrittenen Kapitalismus auf Lebewesen und die Umwelt.
Die Arbeit zeigt, so Li-Hill:

the cycle they are both locked into and the human element that influences this struggle. The white chaotic flow of wood alludes to industry and the global human effect, driving an ever more dire situation within this cycle. (vgl. hier)

Und so sieht die fertige Installation aus:

 

Aaron Li-Hill, Trap the Hunter

 

Bereits 2015 hat sich Aaron Li-Hill in der C.A.V.E. Gallery in Los Angeles in der Ausstellung "Carbon" mit dem Kreislauf und den Zyklen des Lebens auseinandergesetzt. Der Titel erinnert daran, dass alle Materie aus Kohlenstoff besteht und zu Kohlenstoff zerfällt.

Li-Hill hat dafür zehn monochrome Arbeiten aus Graphit und Aerosol, einer Sprühfarbe, angefertigt, vier davon sehen Sie unten. In "Carbon" sind die Tiere nicht nur als Metaphern präsent, sondern auch wirklich gemeint. "Carbon", also Kohlenstoff, will unser Augenmerk darauf lenken, wie CO2-emittierende Industrien den Klimawandel verursachen und somit den Lebensraum der Tiere, Wölfe, Wildhunde, Grizzlybären etc., bedrohen.

Die Bilder sind von der Seite der C.A.V.E. Gallery. Dort finden Sie auch Angaben zur Größe und Technik.

 

Leap © Aaron Hill

 

Der Polarwolf ist eine Unterart des Wolfes und zählt zur Hundefamilie. Er lebt in unwirtlichen und menschenfeindlichen Gegenden und ist weitgehend unerforscht.

 

Constellations @ Aaron Li-Hill

 

Der afrikanische Wildhund ist der größte wild lebende Hund der afrikanischen Savanne.

 

Adapt @ Aaron Li-Hill

 

Der Mähnenwolf ist der größte Wildhund Südamerikas.

 

Search © Aaron Li-Hill

 

Der Grizzly ist natürlich ein Bär und hier, weil er so schön ist!

 

In unmittelbarer Nähe zur Galerie hat Li-Hill ein großes Wandbild eines Mähnenwolfs gesprüht. Die diagonalen Streifen, die zusätzlich zum Rhythmus der Hundebeine Dynamik erzeugen, sind durch aufgeklebtes und nach dem Sprühen entferntes Klebeband entstanden.

 

Li-Hill, Foto von chickenspeak

Li-Hill, Foto von chickenspeak
Fotos von ChickenSpeak

 

Li-Hill schloss sein Studium am Ontario College of Art und Design 2011 mit  einen BFA ab; er stellt international aus. Ein Interview mit ihm gibt es auf The People's Print Shop, eine Übersicht über sein Werk auf Global Street Art sowie natürlich auf Li-Hills Homepage (absolut sehenswert!).

 

26. Juli 2016 - 10:24

Rifugio von Francisco Bosoletti

 

An alte Fresken erinnert dieser Hund in seiner zarten Farbigkeit, wie er sich leicht mit dem Kopf von seiner Liegestatt erhebt, als würde er etwas hören. Doch Sie haben kein Fresko vor sich, sondern eine Wandmalerei des jungen argentinischen Künstlers Francisco Bosoletti. Auf Einladung des Urban Canvas Project und In Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde von Varese hat er in der Unterführung der Viale Belforte das "Refugio" betitelte Bild gemalt.

Unten können Sie die Größe der Malerei abschätzen und seine Positionierung auf dem Brückenpfeiler. Folgerichtig und im wahrsten Wortsinne "unter der Brücke", also dort, wo jene leben, die kein Obdach haben, hat Bosoletti sein "Mural" angefertigt. Sehr interessant ist der Perspektivenwechsel innerhalb der Hundefigur. Zwischen Liegen und Stehen, Geborgenheit und Leere, Fläche und Linie wechselnd.

 

Rifugio von Francisco Bosoletti

 

In this work I intended to represent how the search for a shelter is essential for all living things. Today, people forget how important this is. Instead the purity of a dog makes you realise how easily a shelter is made of material elements, but not so much of love, acceptance and protection. (zit. n. instagrafite)

Bosoletti spiega che in questa opera ha inteso «rappresentare come la ricerca di un rifugio sia essenziale per ogni essere vivente. Oggi le persone dimenticano quanto questo sia importante. Invece la purezza di un cane ti fa capire con semplicità di come un rifugio sia fatto non tanto di elementi materiali ma di amore, accoglienza e protezione». (zit.n. prealpina)

 

Italienisch spreche ich nicht, Englisch verstehe ich mäßig, deshalb der Versuch sinngemäß zusammenzufassen: Er will mit seiner Arbeit darstellen, wie wichtig eine Zuflucht für alle Lebewesen ist. Am Beispiel des unschuldigen Hundes zeigt er wie leicht materielles Obdach zu geben ist, wie schwierig es allerdings ist, Liebe, Akzeptanz und Schutz zu gewähren.

 

Rifugio von Francisco Bosoletti

 

Francisco Bosoletti (*1988 Armstrong/Argentinien), hat Illustration und Grafikdesign in Rosario studiert und arbeitete in einer Werbeagentur, bevor er mit seinen großformatigen Wandbildern bekannt wurde. Wenn er nicht reist, um seine Kunst zu erschaffen, lebt er in seiner Heimatstadt Armstrong.

Auf seiner Instagram-Seite können Sie eine Zusammenschau über dieses poetische und sinnbildliche Werk genießen, das nicht bloß dekorativ ist, sondern mit dem Bewusstsein um soziale Verantwortung einhergeht.

Fotos © instagrafite

 

Street Art
22. Juli 2016 - 10:12

Das erste Foto zeigt den australischen Künstler Joel Rea beim Malen einer Pfote mit einem dünnen Pinsel, der nur aus wenigen Haaren zu bestehen scheint. Bis zu 700 Stunden wendet er für seine größeren Arbeiten auf. Ein Besessener der Malerei, wenn man das umfangreiche Werk des noch jungen Mannes betrachtet! Er möchte technische Perfektion in seinen Gemälden verwirklicht wissen. Das Erklimmen dieser handwerklichen Gipfel führt mitunter durch die Niederungen der Eintönigkeit. Um Durchhalten zu können, braucht er eine interessante Geschichte, die nicht nur ihn selbst begeistert, sondern die er auch dem Betrachter, der Betrachterin erzählen und offenbaren will.

 

© Joel Rea

 

Die Pfote gehört zum Bild "Killing me softly", das sicher nicht nur mich sofort an den Roman "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift erinnert - bloß mit einem Boxerwelpen und winzigen Menschen und Artgenossen erzählt.

 

Killing me softly, 2007 © Joel Rea

Walk alone, Detail © Joel Rea

Walk alone © Joel Rea

The rising sea, 2009 © Joel Rea

The adoration of youth, 2011 © Joel Rea

The ties that bind, 2009 © Joel Rea

Pursuit under silver skies, 2010 © Joel Rea

Save my love, 2008 © Joel Rea

 

Unzählige einsame Stunden malt Joel Rae also an seinen hyperrealistischen Gemälden, die uns in unendliche Weiten und surreale Welten entführen. Er erschafft ein vielfältiges Werk mit Landschaften, Tieren und Menschen. Doch bevor er seine detaillierten Szenarien ausführt, fügt er Vorlagen verschiedener Medien (aufwendig inszenierte Fotoshootings, akribisch angefertigte Skizzen etc.) zu einem Bild zusammen.

Joel Rea ist von der wilden Schönheit, Reinheit und Pracht der Natur begeistert, er setzt sie in barocke Wolkengebirge, windgepeitschtes Wasser, Felsformationen und Lichtreflexe um. Die Natur kann aber auch unkontrollierbare und manchmal zerstörerische Kräfte entfalten, was er uns beispielsweise mit apokalyptischen tsunamiartigen Wellen zeigt. Die Naturkräfte fungieren für ihn aber auch als Metapher für menschliche Emotionen. Aus vielen Gemälden spricht sein Interesse für Gegensätze: Schauen Sie sich dazu auch (ausnahmsweise) die Bildserien ohne Hunde auf seiner Homepage an, dann wird seine Absicht noch klarer. Auch das Zurückgreifen des zeitgenössischen surrealen Malers auf die Ästhetik der Romantik und des Symbolismus wird bei diesen Bildern deutlich.

 

Return to genesis, 2015 © Joel Rea

Thrice, 2007 © Joel Rea

The hungry and the hunted, 2008 © Joel Rea

Envy, 2007 © Joel Rea

Monumental desire, 2010 © Joel Rea

Monument to mankind, 2010 © Joel Rea

Positions of Command, 2011 © Joel Rea

 

Zum Abschluss sehen Sie den Künstler nochmals bei der Arbeit. Ich habe dazu zwei Aufnahmen gewählt, bei der er seine Bilder mit Tiger (im Eismeer) ausführt.

Bei dieser Werkgruppe gibt es nicht nur literarischen oder kunstgeschichtlichen Kontext, die Bilder weisen vielmehr inhaltlich über die Kunst hinaus. Es geht um Fragen der Auslöschung, des Überlebens und des Klimawandels, um den Menschen in seiner Beziehung zur Umwelt, um den Gegensatz von Kultur (Papier wird ins Wasser getrieben) gegen wilde ungestüme Natur.

 

© Joel Rea

Painting Elevation, 2014 © Joel Rea

 

Großartig wie plüschig das Fell des Tigers aussieht! Trotzdem finde ich, dass diese Akribie die Sicht auf den Inhalt auch verstellt. Wie empfinden Sie das?

Joel Rea (*1983) lebt und arbeitet in Queensland, Australien. 2003 schloss er das Queensland College of Art mit einem Bachelor of Fine Art ab. Seither hat er zahlreiche Preise erhalten und stellt in Australien und international aus.

alle Bilder © Joel Rea

 

Malerei
18. Juli 2016 - 12:40

Vom Urlaub in Tirol zurück, möchte ich den Blog mit zwei Hundehaltern fortsetzen, die ihrer Liebe zum Hund mit visuellen Effekten (VFX) und Photoshop Ausdruck verleihen. Auf Mitch Boyer bin ich zufällig während des Schreibens meines letzten Beitrags über Jeong  Woojae gestoßen und er passt perfekt als Anschlusspost. Vielleicht hab ich auch einen Tipp bekommen - wenn ja, danke - ich kann mich nicht genau erinnern, der erholsame Urlaub hat anscheinend eine Erinnerungslücke hinterlassen.

 

© Mitch Boyer

 

Mitch Boyer bläst seinen Dackel zu monumentaler Größe - seinem eigentlichen Charakter und Wesen entsprechend - auf und verarbeitet seine Ergebnisse zu einem Kinderbuch: "Vivian the Dog Moves to Brooklyn". Vivian, der Dackel ist mit seinem Menschen von Albuquerque in New Mexico nach Brooklyn, New York gezogen und erkundet nun die große Stadt. Selbst zu beachtlicher Größe angewachsen, ist New York nicht mehr ganz so groß und bedrohlich! Wird Vivian in der kleinen Stadtwohnung bleiben oder in ihre alte Heimat zurückkehren?

 

© Mitch Boyer

© Mitch Boyer

© Mitch Boyer

© Mitch Boyer

 

Mitch Boyer, er hat sein Projekt über Kickstarter finanziert, will mit seinem Kinderbuch all jenen helfen, die große Veränderungen bewältigen müssen. Alleine in den USA müssen jährlich 5,5 Millionen Kinder zwischen einem und neun Jahren umziehen, das Buch soll mithelfen, ihnen die Veränderung ihrer Lebensumgebung zu erleichtern.

 

© Mitch Boyer

 

Mitch Boyer bearbeitet jedes Foto mit visuellen Effekten, die auch bei der Filmproduktion  verwendet werden. Er lebt als Fotograf, Illustrator, Autor und Regisseur in New York.

 

© Mitch Boyer

 

Mick hat natürlich eine Homepage, Vivian eine FB- und Instagram-Seite.

 

Auch Christopher Cline musste mit den Folgen eines Umzugs zurechtkommen. In Minnesota plagte ihn Heimweh nach Virginia. Doch seine Freundin erweiterte ihre Zweisamkeit um Juji, einen Goldendoodle. Mit ihm kam die Freude und die Inspiration zurück, die digital bearbeiteten Fotos ihrer gemeinsamen Abenteuer entstanden.

 

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

© Chris Cline

 

Chritopher Cline und Juji wurden zur Stars auf Instagram und Facebook.

 

Bilderbuch, Fotografie