27. März 2017 - 23:10

© David Eustace

 

Die kleinen Gemälde von David Eustace sind so britisch und liebenswert, dass ich mich fast nicht entscheiden konnte, welche ich Ihnen zeigen will. Im Anschluss meine "kleine" Auswahl. Sie können selbst bei der Google-Bildersuche noch viele andere entdecken!

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Eustace behandelt - ganz monothematisch - ein einziges Sujet: die Freundschaft des Mannes zu seinem Hund. Doch diesem Motiv ringt er mannigfache Facetten ab. Männer mit Hut, Hunde mit Hut, beide mit Papierhüten, vielleicht ihrem Grad der Beschwipstheit entsprechend. Denn Alkohol ist in diesen englischen Pub-Szenen natürlich in Form von vollen und leeren Pints mit im Spiel. Die vorgestellten Protagonisten schauen mit rosigen und vom Bier geröteten Gesichtern aus der Wäsche - sprich aus ihren Anzügen oder Karopollundern, manche wärmt leger ein Ringelschal.

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Wir lernen Hunde verschiedenster Rassen und Mischungen kennen, manche laborieren wie ihre Herrchen an kleinen Verletzungen. Es wird gekuschelt und geschmust, was das Zeug hält. Nur eines fehlt gänzlich: das Weibliche! Ich habe kein einziges Bild einer Frau mit Hund gefunden - diese Geschichte muss erst noch erzählt werden!

 

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

© David Eustace

 

Die kleinen Gemälde ähneln einander in ihren Versatzstücken - neben Mann und Hund ein runder Tisch, eine angeschnittene Uhr und die Horizontale eines Wandpaneel - und ergeben doch immer wieder neue heiter-melancholische Variationen.

Einen angedeuteten Kubismus, die Perspektiven von Cézannes Stilleben, sogar Chagall finde ich in seinen Werken, subtil zitiert und um Humor ergänzt.

 

© David Eustace

 

David Eustace (*1950 in Birmingham) ist nicht nur Maler, sondern auch Musiker in Blues- und Jazz-Formationen.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Andrea Antoni bedanken, die mich nicht nur auf das Werk dieses Briten aufmerksam gemacht hat, sondern die damit den Blog sozusagen wieder ins Rollen brachte, nachdem ich in einer "Schreibblockade" gefangen war, die mich hinderte begonnene Beiträge abzuschließen und mich neuen zuzuwenden. Vielleicht hören Sie in Zukunft also wieder mehr von mir!

alle Bilder © David Eustace

 

LeserInnen empfehlen, Malerei
1. März 2017 - 11:05

Im letzten Blogbeitrag habe ich Ihnen Anna Jermolaewas Videoarbeit "Motherhood" gezeigt. Während dort die Beziehung des Hundes zu ihren Welpen und dem Menschen, dem ihre Aufmerksamkeit gilt, unklar ist, möchte ich ihnen hier das Bild "Bambina con cani" (1875) von Achille Glisenti vorstellen, das quasi wie ein Gegenentwurf dazu lesbar ist.

 

Achille Glisenti, Bambina con cani (1875)

 

Ein kleines Mädchen entzieht der Hündin ihr Kind, hält es von ihr weg und bedenkt sie mit einem strengen, starren, fast hypnotisierenden Blick. Der Ausdruck der Hundemutter mag fragend oder bittend, flehend sein, wir sehen ihn nicht, da der Kopf des Tieres von uns abgewendet ist. Auch wissen wir nicht, wie diese kleine Szene ausgehen wird. Die Abhängigkeit und Wehrlosigkeit des Hundes gegen den menschlichen Zugriff wird in Grautönen dargestellt, nur die Wangen des Mädchens bilden einen warmen Kontrast.

Viel konnte ich nicht über den italienischen Maler Achille Glisenti (1848-1906) in Erfahrung bringen, dessen Tätigkeit in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt. Verschafft man sich bei der Google-Bildersuche einen Überblick über sein Werk, erkennt man unschwer, dass er von den modernen Strömungen in der Malerei gänzlich unberührt war. Nichts Impressionistisches oder Abstrahierendes findet sich hier, sondern vielmehr Romantisches, Klassizistisches und Historisierendes. Genreszenen, durchaus mit sozialem Hintergrund, sowie mythologische und orientalische Szenen bestimmen sein Werk.

Tief Verwurzelt im akademischen Stil wird er zum Porträtmaler der Bourgeoisie, lediglich bei seinen ländlichen Porträts und Szenen zeigt sich ein spontanerer Stil. Unbestritten sind seine technische Perfektion, allerdings wurde ihm lange ein Mangel an "wahrem" künstlerischen Geist attestiert; erst Jahrzehnte nach seinem Tod kam es zu einer Neubewertung seines Werks.

Achille Glisents Gemälde hat mich an alte Fotos von Lucy als Welpe erinnert. Sie wird getragen, weil der Spaziergang für das vier Monate alte Hundemädchen zu lang war. Inzwischen ist Lucy schon viele Jahre tot, die Fotos über zwanzig Jahre alt. Es war wie eine kleine Zeitreise, die Fotos in einem Album aufzustöbern. Eines habe ein auch als Vorlage für eine Zeichnung verwendet.

 

Lucy als Welpe, 1996, Foto: Petra Hartl

Lucy als Welpe, 2007 © Petra Hartl

 

Und so habe ich 1996 ausgesehen. Schon damals haben mich nur Hunde zum Strahlen gebracht!

 

Lucy als Welpe, 1996

 

Meine Arbeit, Malerei
23. Februar 2017 - 11:48

Die Video- und Fotoarbeiten von Anna Jermolaewa bestechen durch eine unprätentiöse, prägnante Bildsprache. Doch nur vordergründig erscheinen die kurzen Filmstücke anspruchslos und schlicht. Auf den zweiten Blick entblößen sie verstörende Bedeutungsebenen: Die Filmsequenzen thematisieren die sozialen Beziehungsabläufe und Routinen unserer Gesellschaft, zeigen Macht- und Kontrollmechanismen. Dabei steht die Einfachheit der filmischen Darstellung im Gegensatz zur Hintergründigkeit ihrer Werke.

Anna Jermolaewa sieht sich nicht als Videokünstlerin im eigentlichen Sinne, da sie kaum mit dieser Technik experimentiert und das Videomaterial auch nicht durch digitale Nachbearbeitung oder Spezialeffekte manipuliert. Einzig durch den Einsatz des Loops, eines ihrer Markenzeichen, wird die gefilmte alltägliche Situation, das alltägliche Motiv potenziert.

Ich möchte drei Videoarbeiten vorstellen, die mit dem Motiv des Hundes arbeiten.

Untitled, Video, 1 min., 2004

Dieses Video bietet nur einen ersten Eindruck, in besserer Qualität und voller Länge finden Sie die Arbeit auf der Homepage der Künstlerin.

 

 

 

Wie meist in ihren Arbeiten wird der Zuschauer auch hier mit einem starren, das Geschehen strikt begrenzenden Bildausschnitt konfrontiert. Wir sehen batteriebetriebene Spielzeughuskys, deren Augen nacheinander rhythmisch zu blinken beginnen. Erst dieses Blinken verwandelt die Spielzeuge in etwas Außergewöhnliches. Verwandeln sich die Spielzeughunde, ergänzt durch den "belebenden" Ton aus dem Inneren, in Wesen, die bedrohen, ängstigen und nicht nur unterhalten? Kippt des Alltägliche und Belanglose ins Unheimliche? Oder zwinkern sie uns doch nur ironisch zu?

Von drei Seiten ist der Besucher von den blinkenden Huskys umgeben. Wird er Augen- und Ohrenzeuge einer quasi unaufhörlichen Besessenheit und Zwanghaftigkeit?

 

Ausstellungsansicht Galerie XL, Moskau, 2008
Ausstellungsansicht Galerie XL, Moskau, 2008

 

Untitled, Video, HD, 3.48 min., Loop, 2010/2012

Ein Schäferhund ist auf einem Gepäckförderband auf einem russischen Flughafen zu sehen. Er beschnüffelt, von einer Sicherheitsbeamtin instruiert, die Koffer und springt dann vom Fließband hinunter und aus unserm Blickfeld hinaus. Die statische Kamera ist quasi teilnahms- und emotionslos auf die Koffer und mit Plastik verschnürten Pakete gerichtet, die sich in der Kurve stauen, weiterschieben, auftürmen und herunterfallen.

Mein erster Gedanke war, dass es um die Funktionalisierung des Hundes für menschliche Zwecke geht. Der (Arbeits-)Hund hat in dieser Situation keine Entscheidungsgewalt über sein Tun, sondern seine Beziehung zum Menschen ist z.B. von Gehorsam oder Gefallen-Wollen geprägt, sodass er als Drogenhund benützt werden kann. Der öffentliche Ort einer Transitzone im Flughafen wird nicht nur durch Überwachungskameras kontrolliert, auch die Gepäckstücke unterliegen organisierter staatlicher Kontrolle. Die Kontrollgesellschaft hat einen Teil dieser Überwachung an den Hund abgegeben, der ungewollt zum Komplizen des Überwachungs-Staates wird.

Erst beim weiteren Betrachten fiel mir die Ähnlichkeit zum Video "Überlebensversuche" auf, in dem Spielzeug-Stehauffiguren sich immer schneller bewegen, bis sie vom Tisch hinunterfallen. Auch bei Untitled, Video, HD, 3.48 min., Loop, 2010/2012 lässt Anna Jermolaewa die Dingwelt sprechen, die Videoprotagonisten sind allerdings Gepäckstücke. Sind die Koffer Metaphern für das Weiterkommen, Auf-der-Strecke-Bleiben, Hinausfallen (aus der Gesellschaft, dem Arbeitsprozess etc.)? Die Tonspur bringt dumpfe verzerrte Geräusche der weitertransportierten Bündel auf dem Fließband und erzeugt ein Gefühl der Beklemmung.

 

Motherhood, Video, 33 sec., Loop, 1999

Leider habe ich zu diesem Video nur Filmstills gefunden, weshalb das Gezeigte für mich nicht eindeutig ist. Auch in den kunsttheoretischen Texten finden sich unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen. Ich habe vor allem diese Quellen verwendet: Dr. Ulrike Ritter: Narrationen gegen die Monumentalisierung des Bildes, Martin Prinzhorn: Der Blick vorbei aufs Ganze, Martin Pesch: Anna Jermolaewa sowie Texte auf Anna Jermolaewas Homepage.

Der Titel "Mutterschaft" lässt Bilder des Umsorgens, des zärtlichen Zuwendens zu den Welpen in uns entstehen, doch die Filmstills zeigen etwas anderes:

 

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999

Anna Jermolaewa, Standbild aus dem Video Motherhood, 1999
Anna Jermolaewa, Standbilder aus dem Video "Motherhood", 1999, Quelle mumok

 

Während die Welpen an den Zitzen einer Hündin saugen, gilt die Aufmerksamkeit der Hundemutter einer menschlichen Hand, die sie füttert. Die andere Hand hält den Hund an einer Hautfalte am Nacken fest. Dabei ist unklar, ob sich die Hundemutter von selbst dem Menschen zuwendet oder am Nacken gezogen wird.

Der fütternde und manipulierende Mensch, der an einem Tisch sitzt, bleibt für den Betrachter/die Betrachterin ebenso außerhalb des Bildausschnitts wie die Tischrunde, auf deren Gespräch er sich der konzentriert. Viele Arbeiten Anna Jermolaewas handeln von Manipulation. Die Künstlerin sagt selbst: "Wer oder was manipuliert, bleibt dabei fast immer außerhalb des Bildfeldes. Die Machtmechanismen, die ein Individuum heute beeinflussen oder lenken, werden immer feiner und unsichtbarer".

Alexandra Henning beschreibt das Video als "ein so eindringliches wie idiosynkratisches Beispiel für das Ungleichgewicht von Liebe und Zuneigung, Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Manipulation" (vgl. Anna Jermolaewas Homepage)

Ich möchte mich dem anzuschließen: Wenn man die kleine Szene nicht nur kunsttheoretisch betrachtet, sondern auf die Körpersprache der Hündin achtet, bemerkt man, dass sie die Ohren zurücklegt, also zumindest Unbehagen ausdrückt. Die menschliche Berührung ist ihr unangenehm. Trotzdem nimmt sie das Futter an.

Die Videostills bzw. das Video zeichnen in ihrem unklaren Beziehungsgeflecht der Abhängigkeiten ein deprimierendes, hoffnungsloses Bild, das durch unser unbeteiligtes Betrachten umso dramatischer wird.

Die mit 17 Jahren aus Russland geflohene Anna Jermolaewa (geb.1970 in St.Petersburg) studierte in Wien Kunstgeschichte und anschließend bei Peter Kogler an der Akademie der bildenden Künste. Einem größeren Publikum wurde sie 1999 durch Teilnahme an der Biennale Venedig bekannt.

Homepage von Anna Jermolaewa

 

Fotografie, Video
19. Februar 2017 - 21:36

Wie erfreulich für uns, dass das Sammeln von Zeichnungen für Wohlhabende ein kultivierter Zeitvertreib war! Eine Sammlung - ein Konvolut an Zeichnungen, das auch zweihundert Tierdarstellungen enthielt - kaufte 1772 das Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum an. Darunter eine Arbeit, die dem deutschen Tiermaler Johann Melchior Roos (1663-1731) zugeschrieben wurde. Erst dem Leiter des Kupferstichkabinetts Thomas Döring, der bei der Inventarnummer 719 immer ins Sinnieren kam, ist es zu verdanken, dass sie neu bewertet und als Rembrandt erkannt wurde. Vorausgingen eingehende Recherchen, darunter mikroskopische Untersuchungen, Studium von vergleichbaren Originalen Rembrandts in Amsterdam, Paris und Wien sowie Konsultationen von internationalen Autoritäten der Rembrandt-Forschung.

Kein anderer jedoch als Rembrandt hätte einen Arbeitshund so trefflich und mit "traumwandlerischer Sicherheit" porträtieren und auf nur 82 x 99 mm sein ganzes Elend darstellen können. Der Hund ist nicht nur mit expressivem Strich, sondern auch vom Leben gezeichnet: Erschöpft vom arbeitsamen Dasein blickt er uns an!

 

Rembrandt  Harmenszoon van Rijn (1606-1669), Studie eines sitzenden Hundes, um 1
Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), Studie eines sitzenden Hundes, um 1637

 

Immer wieder tauchten Hunde im Werk Rembrandts auf. Vor allem in den 1630er Jahren bereicherte der Künstler seine Gemälde und Radierungen bevorzugt mit Darstellungen von Hunden als bedeutungsvollen Nebenmotiven. Er sammelte seine gezeichneten - und offenbar größtenteils verlorenen - Tierstudien in einem Band, den er mit "beesten nae ’t leven" (dt. Tiere nach dem Leben) beschriftete. Darin dürfte sich ursprünglich auch die neu entdeckte "Studie eines sitzenden Hundes" befunden haben.

Den neuen Rembrandt können Sie erstmals ab dem 6. April 2017 im Rahmen der Ausstellung "Dürer, Cézanne und Du. Wie Meister zeichnen" betrachten, der ersten großen Sonderausstellung des Ende Oktober 2016 neu eröffneten Herzog Anton Ulrich Museum.

Als Draufgabe sehen Sie unten noch eine sehr realistische und karge Winterlandschaft, durch die ein kleiner Hund trottet.

 

Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), Winterlandschaft, 1646
Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), Winterlandschaft, 1646

 

Ausstellung, Grafik, Malerei, Zeichnung
31. Januar 2017 - 11:36

Einem Auftraggeber verdanken wir es, diese wundervolle Holzskulptur betrachten zu dürfen. Er hat in Karin Frank, die sich bis dahin fast ausschließlich auf die menschliche Figur und Porträts konzentriert hat, das Potenzial gesehen, das Aussehen, den Charakter und die Seele von Brezel und von Jesper verewigen zu können. Von alleine wäre die Künstlerin nicht auf die Idee gekommen, Tiere aus dem Holz zu holen - was zweifelsohne schade gewesen wäre. Hoffen wir, dass sie nun auf den Geschmack gekommen ist!

 

Skulptur
Skulptur "Brezel und Jesper", 2015, Privatsammlung

 

Der sanfte Blick, den die Katze dem Hund - vielleicht einem Golden Retriever - zuwirft, scheint zu fragen:. "Gibst du auch acht?" Der Hund, der konzentriert und ein bisschen angestrengt in der Bewegung verharrt und sich um Gleichgewicht bemüht, scheint die Katze beschützend zu umfangen.

 

Skulptur

 

Ich habe schon oft Künstler_innen präsentiert, die gemalten Hunden quasi Leben eingehaucht haben. Aber die Fähigkeit, dem Material Holz solch eine Weichheit, Sanftheit und Zärtlichkeit abzuringen, wie es Karin Frank gelungen ist, erscheint mir noch bemerkenswerter.

Karin Frank arbeitet hauptsächlich in Holz. (Bisher hat sie nur eine große Steinskulptur angefertigt, da der Stein eine geschlossene Form verlangt, was für ihre Absichten ungeeignet ist.) Sie bevorzugt für ihre raumgreifenden Arbeiten Linden- oder Zirbenholz, das farbneutral und leicht ist. Manchmal bezieht sie die Maserung in die Arbeit mit ein. Wenn der Schnitzvorgang beendet ist, bemalt sie das Holz lasierend.

Während die Skulpturen der Haustiere nicht über sich selbst hinaus weisen, werden ihre anderen figurativen Arbeiten oft von Bedeutung überlagert, die auch in den Werktiteln deutlich wird.

 

Karin Frank, Symbiose, 2014
Karin Frank, Symbiose, 2014

 

Auf der Homepage der Künstlerin finden Sie einen Überblick über ihr skulpturales Werk, auf das ich noch kurz eingehen möchte:

Manchmal scheint Karin Frank explizit Werke der Kunstgeschichte aufzugreifen. So erinnert ihre "Partie d'origin" an Gustave Courbets "L'Origine du monde" von 1866, ihr "Tanzbein" lässt mich in seiner Fragmentarität und Verdichtung auf das Wesentliche an Auguste Rodins "Der Schreitende" (1905) denken. Teilweise sehe ich eine formale oder inhaltliche Nähe zu den Arbeiten von Stephan Balkenhol und Paloma Varga Weisz.

Viele Arbeiten von Karin Frank zeigen Figuren in Bewegung (Sockenanzieher, Ballakrobat, Höllensturz etc). Der Mensch mit seinen Ausscheidungen (Schmierblutung, Schleim, Regelsau, Abspritzen, Shit), in seiner Geschlechtlichkeit (Penisfrau, penis face, Futskulpturen) oder Doppelgeschlechtlichkeit ist Thema. Dabei interessiert sich die Künstlerin in erster Linie für die ungewöhnlichen figurativen Formen, Bewegungsmuster, Körperdynamik und die dahinter verborgenen Problemkreise. Diese Problemkreise, in der Bildhauerei oft tabuisiert, werden von Karin Frank konkret umgesetzt. In einem Text zu ihrem Werk formuliert dies Andreas Spiegl hier:

 

Mit ihrer Umschreibungsverweigerung, mit ihrer Ökonomie, aus dem flexibilisierbaren Sachverhalt wieder einen Gegenstand der Diskussion zu machen, ja auf die Gegenständlichkeit der Diskussion zu insistieren, liefert Karin Frank ein Argument für die Bildhauerei, die mit ihrer Materialität einen Widerstand gegen die Auflösung von Fakten formuliert. Bildhauerei als Resistenz gegen die Verwandlung von Fakten ins Fabulöse.

 

Karin Frank, bildhauerin2, 2008
Karin Frank, bildhauerin2, 2008

 

Karin Frank (*1972 in Wien) studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in der Meisterklasse von Michelangelo Pistoletto. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, Arbeiten befinden sich im öffentlichen Raum (Porträts von Wissenschaftlerinnen im Arkadenhof der Universität Wien), in öffentlichen Sammlungen und Museen.

Manchmal fragen mich Leser_innen, wie ich die vorgestellten Künstler_innen und Werke "finde". Manchmal entdecke ich etwas bei Ausstellungen, oft surfe ich ziellos im Internet. Auf Karin Frank bin ich jedoch beim Durchblättern der Zeitschrift "Portrait" gestoßen, in der sich ein Interview mit der Bildhauerin und eine Fotostrecke befand - eine unerwartete und umso schönere Überraschung.

alle Fotos © Karin Frank

Skulptur
17. Januar 2017 - 9:23

Das ist Burschi!

 

Peter Dressler, Aus Zwischenspiel, 1970-74 © Fotohof Archiv

 

Ihn hat der große österreichische Flaneur und Fotograf Peter Dressler auf seinen Streifzügen durch Wien aufgenommen. Gibt es ein besseres Beispiel für einen Hund der 1970er Jahre als diesen Mix, der uns mit intelligenten Augen, ein bisschen misstrauisch und fragend anblickt und dessen kompakter Körper schon damals ein Brustgeschirr trug? Wohl kaum! (Heute ist auch Wien überwiegend von Möpsen und Französischen Bulldoggen bevölkert).

Bei Spaziergängen im Wienflussbecken entdeckte Dressler eine Gedenktafel mit der Inschrift "Unserem lieben Burschi!", so kam der Hundemischling zu seinem Namen.

 

Hedy blättert in Peter Dresslers Zwischenspiel, Foto: Petra Hartl

 

Doch was macht Burschi im Museum?

 

In Pose. Fotofertig im Kunsthistorischen Museum - „Mit großem Interesse“ (1989)

 

Haben Sie sich auch täuschen lassen? Was Sie hier sehen, ist nur ein Pappkamerad. Peter Dressler hat ein Foto des Hundes auf Karton affichiert und mehrere Kartonschichten zusammengeklebt, sodass eine quasi körperhafte, standfeste Hundeplastik entstand.

Hier sehen Sie Burschis schnittigen Körper:

 

Kunsthaus Wien Ausstellungsansicht, Foto: Petra Hartl

 

Das Hundeobjekt hat Peter Dressler als Co-Akteur bei Fotodokumentationen an viele Orte in Wien und im Ausland begleitet.

 

Peter Dressler, Mit großem Interesse, Naturhistorisches Museum 1989 © Fotohof Ar
Burschi in Wien ...

Peter Dresseler, Zu Besuch im Museum of Modern Art © Fotohof Archiv
in New York ...

Peter Dressler, Aus Changement de Propriétaire, 2007-2008 © Fotohof Archiv
in Paris ...

 

Als wissbegieriger und kunstbeflissener Hund ergänzt er nicht nur die Tapire im Wiener Naturhistorischen Museum, sondern auch das Große Glas von Marcel Duchamp im Philadelphia Museum of Art oder Légers Gemälde im MoMA. Peter Dressler nannte diese Serie, die über viele Jahre hinweg entstand, "Mit großem Interesse". Interessiert nimmt Burschi die unterschiedlichen Settings zur Kenntnis, er verwandelt und verfremdet die Orte durch seine bloße Anwesenheit mit subtilem Humor und nimmt den Kunststätten ein wenig von ihrer Aura und Ehrwürdigkeit. Burschi bleibt nur kurz im Museum, seine Anwesenheit ist unspektakulär, er hinterlässt keine Spuren.

 

Hedy blättert im Ausstellungskatalog Wiener Gold, Foto: Petra Hartl

Hedy blättert im Ausstellungskatalog Wiener Gold, Foto: Petra Hartl

 

Peter Dressler spazierte fotografierend durch Wien und erstellte quasi eine Datenbank an Fotos, die er immer wieder in unterschiedlichen formalen und inhaltlichen Zusammenhängen verwendete und kombinierte, dabei entstanden Serien und Tableaus. Er ließ sich dabei von Assoziationsketten leiten und kreierte eine eigene Bildsprache, fand eine eigene Grammatik der Stadt. „Die Ketten der Assoziationen sind meine Welt, da deklariere ich mich!“, sagte er während einer Vorlesung (zit. nach Ausstellungskatalog "Wiener Gold", S 139). Das Ergebnis dieser Assoziationsketten ist poetisch, nicht laut, expressiv, dramatisch, aber auch ironisch und voll hintergründigem Humor. Dresslers Fotogeschichten erschufen neue wehmütige Wirklichkeiten.

 

Peter Dressler, Extérieur, 1975 © Fotohof Archiv

 

Auch Burschi hat Peter Dressler in einem seiner Tableaus gemeinsam mit anderen Wiener Sehenswürdigkeiten gruppiert, zum Beispiel mit einer Statue zwischen deren Beinen ein Hundkopf lugt.

Die Serialität hat sich für Peter Dressler als künstlerisches Hauptprinzip herauskristallisiert. Ab den 1980er Jahren ging er dazu über, in seinen Fotoserien Erzählngen zu inszenieren, in denen er auch als Akteur vorkommt.

"Zwischenspiel", sein bedeutendes Künstlerbuch, entwickelt seinen besonderen Reiz aus den vielfältigen Bezügen und Anspielungen zwischen den Einzelbildern. Schön gemacht ist auch das Cover: Burschi hebt sich erhaben vom Untergrund ab. Folgen Sie Hedys Pfote!

 

Zwischenspiel mit Hedy, Foto: Petra Hartl

 

Das Kunsthaus Wien zeigt noch bis zum 5. März 2017 in der Retrospektive "Wiener Gold" das Werk von Peter Dressler, in dem Wien eine zentrale Position einnimmt. Peter Dressler (1942 - 2013) hat als Fotograf und Filmemacher, Akademielehrer, Sammler, Theoretiker und nicht zuletzt als Leit- und Integrationsfigur die heimischen Fotoszene seit den 1970er-Jahren mit beeinflusst.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog: Peter Dressler, Wiener Gold, 978-3-902993-41-0

 

Kunsthaus Ausstellungsansicht © KUNST HAUS WIEN 2016, Foto Thomas Meyer

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
7. Januar 2017 - 14:52

Nando ist ein wunderschöner, prächtiger Rüde und lebt im Weinviertel. Ganz eindeutig hat er viel von den nordischen Rassen, vielleicht ist er ein Malamute oder Malamute-Mix. Das Bild sollte ein Weihnachtsgeschenk für Nandos Herrchen werden, der den Hund aus einem Tierheim geholt hatte.

Ich habe mit dem Blätterkranz begonnen, und es hat mir viel Vergnügen bereitet, die vielen Grüntöne zu mischen, die ich sehr selten verwende.

 

Nando Malprozess

Nando Malprozess

Nando Malprozess

 

Wagemutig und abenteuerlustig habe ich mich an einen Hintergrund in Goldocker gewagt. Aber Sie haben vielleicht schon bemerkt, wie gerne ich die verschiedenen Grautöne mag. Letztendlich fand ich für Nando doch den kühlen grauen Hintergrund passender und habe die warmen Ockertöne übermalt.

 

Nando Malprozess

Nando, 40x60 cm

 

Ich habe Nando zweimal gemalt, da ich seine Position im Bild ausprobieren wollte. Die Kundin hat sich übrigens für das linke Bild (40x60 cm) entschieden.

 

Nando in unterschiedlichen Formaten

alle Bilder © Petra Hartl

 

Meine Arbeit
22. Dezember 2016 - 16:58

Bill Traylor, Untitled (Figures, Construction)
Bill Traylor, Untitled (Figures, Construction),
Montgomery Museum of Fine Arts, Montgomery, Alabama, Photo by Lyle Peterzell

 

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass die Überschrift des Blogbeitrags neben dem Namen des Künstlers nicht viel verrät. Ich möchte, dass Sie die Arbeiten vollkommen unbeeinflusst betrachten. Woran erinnern sie? Wie wirken sie? Was wird darin erzählt?

 

Bill Traylor, Untitled (Man Carrying Dog on Object)
Bill Traylor, Untitled (Man Carrying Dog on Object),
High Museum of Art, Atlanta, Georgia, Photo by Mike Jensen

 

Der afroamerikanische autodidaktische Zeichner und Maler, der diese Arbeiten am Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre anfertigte, war zu diesem Zeitpunkt schon über 80 Jahre alt.

In seinen einfachen, aber sehr berührenden Zeichnungen kommen vor allem Menschen und Tiere vor. Dabei kombiniert er figürlich-narrative Elemente mit abstrakten Teilen. Die Arbeiten sind sehr flächig, wobei leere und gestaltete Flächen wechseln, der Raum wird nicht perspektivisch behandelt. Die Farbe ist intensiv (Preußischblau, Rot, Gelb), allerdings werden in einem Bild nur wenige Farben verwendet.

Neben Kühen und Ziegen zeichnet er auch viele Hunde, die er oft als gewalttätige und unheimliche fremde Kreaturen darstellt. Sie haben offene Münder und fletschen die Zähne, manchmal kämpfen sie untereinander oder mit Katzen.

 

Bill Traylor, Untitled (Figure Construction with Waving Man)
Bill Traylor, Untitled (Figure Construction with Waving Man),
High Museum of Art, Atlanta, Georgia, Photo by Mike Jensen

 

Doch wer war dieser Bill Traylor, der zum Kanon der US-amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts zählt (und von dem ich noch nie etwas gehört hatte)?

Sein Geburtsdatum ist nicht eindeutig bekannt. Vermutlich wurde er zwischen 1853 und 1856 als Sklave auf der Baumwoll-Plantage von George Hartwell Traylor bei Benton, Alabama geboren. Von Geburt an trug er dessen Familiennamen Traylor. Er war etwa neun Jahre alt, als der amerikanische Bürgerkrieg 1865 endete. Seine Familie und er wohnten auch nach der Befreiung weiterhin auf der Plantage, allerdings hatten sie nun Land gepachtet. 1891 heiratete er und zog mit seiner Frau neun Kinder groß. Nach dem Tod seiner Frau und dem Auszug auch des jüngsten seiner Kinder verließ er um 1930, nach mehr als achtzig Jahren, sein vertrautes Lebensumfeld und zog ins etwa 40 Meilen entfernte Montgomery.

Dort lebte er in der Monroe Street, in der hauptsächlich schwarze Mittelschicht wohnte. Er begann auf alten Kartonresten das zu zeichnen, was er auf der Straße beobachtete: Menschen, Tiere, Alltagsgegenstände, aber auch das, woran er sich erinnerte. Dabei abstrahierte Traylor, ohne dass die Geschichten an Lebendigkeit verloren. Seine Arbeiten wirken gleichzeitig modern und archaisch. Zwischen 1937 und 1942 entstanden über 1200 Zeichnungen.

 

Bill Traylor, Untitled (Figure Construction with Waving Man)
Bill Traylor, Untitled (Figure Construction with Waving Man),
High Museum of Art, Atlanta, Georgia, Photo by Mike Jensen

 

1939 entdeckte ihn der junge Maler Charles Shannon (1914–1996) bei einem Streifzug durch die Straßen. Shannon, der sich sehr für die Kunst des schwarzen Amerikas interessierte, gehörte zur sogenannten New South, einer Gruppe kulturinteressierter junger Leute aus der weißen gebildeten Mittel- und Oberschicht von Montgomery, wo zu dieser Zeit noch strikte Rassentrennung herrschte. Im Februar 1940 veranstaltete die Gruppe in ihrem Klublokal eine Ausstellung unter dem Titel "Bill Traylor. People's Artist" mit einhundert Zeichnungen. Zu dieser Zeit war in Alabama Lynchjustiz vor allem gegen Schwarze noch an der Tagesordnung und der Ku-Klux-Klan hatte Einfluss bis in die Spitzen der Gesellschaft. Die lokale Presse berichtete wohlwollend, die Zeitschrift "New South" widmete Traylor eine Titelstory.

 

Bill Traylor, Untitled (Two Men, Dog, and Owl)
Bill Traylor, Untitled (Two Men, Dog, and Owl), um 1939-1942, Louis-Dreyfus Family Collection

 

Shannon unterstützte Traylor mit Geld und Materialien und holte die unter der Woche entstandenen Arbeiten regelmäßig am Wochenende ab. Traylor soll, so später Zeitzeugen, geglaubt haben, er arbeite für Shannon. 1941 fuhr Shannon ohne Traylors Wissen mit einem Konvolut seiner Bilder nach New York City, um sie dort Freunden aus der Kunstszene zu zeigen. Es war die Zeit, in der intellektuelle Weiße die Kultur des schwarzen Amerikas für sich entdeckten.

Am Beginn der 1940er Jahre zeigte die Fieldston School of the Ethical Culture Schools in Riverdale, New Jersey, die Ausstellung "Bill Traylor, American Primitive (Work of an Old Negro)" und im Juni 1946 erschien in der in den USA weit verbreiteten Zeitschrift "Collier’s" eine große Reportage über Bill Traylor. 

 

Bill Traylor, Untitled (Figures, Constructions)
Bill Traylor, Untitled (Figures, Constructions),
Montgomery Museum of Fine Arts, Montgomery, Alabama, Photo by Lyle Peterzell

 

Der über Achtzigjährige war inzwischen schwer krank, verfiel körperlich zunehmend und konnte kaum noch malen und zeichnen. Nachdem er eine Zeit lang abwechselnd bei seinen Kinder gelebt hatte, kehrte er nach Montgomery zurück und starb dort 1949.

 

Bill Traylor, Untitled (Radio)
Bill Traylor, Untitled (Radio), um 1942

Bill Traylor, Untitled (Exciting Event- Man on Chair, Man with Rifle, Dog Chasin
Bill Traylor, Untitled (Exciting Event- Man on Chair, Man with Rifle,
Dog Chasing Girl, Yellow Bird, and Other Figures), Louis-Dreyfus Family Collection

 

In den 1970er Jahren katalogisierte und betitelte Shannon mit seiner Frau rund 1500 Zeichnungen Traylors aus den Jahren 1939–1942. Ab nun wurde sein Werk in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen ausgestellt. Traylors Erben strengten gegen die Shannons einen Prozess um das rechtmäßige Eigentum an den Zeichnungen - sie erzielten inzwischen hohe Preise - an, der 1993 in einem Vergleich endete. Darin erkannten die Erben den maßgeblichen Anteil Shannons an Traylors spätem Ruhm an.

 

Bill Traylor, Untitled (Legs Construction with Blue Man)
Bill Traylor, Untitled (Legs Construction with Blue Man),
Smithsonian American Art Museum

Bill Traylor, Untitled (Yellow and Blue House with Figures and Dog)
Bill Traylor, Untitled (Yellow and Blue House with Figures and Dog), um 1939-1940,
Smithsonian American Art Museum

Bill Traylor, Untitled (Construction with Yawping Woman)
Bill Traylor, Untitled (Construction with Yawping Woman), um 1939-1942
Smithsonian American Art Museum

Bill Traylor, Untitled (Dog and Cat Fight)
Bill Traylor, Untitled (Dog and Cat Fight)

Bill Traylor, Untitled (Dog Fight with Writing)
Bill Traylor, Untitled (Dog Fight with Writing),
Smithsonian American Art Museum

Bill Traylor, Untitled (Two Dogs Fighting)
Bill Traylor, Untitled (Two Dogs Fighting),
High Museum of Art, Atlanta, Georgia, Photo by Mike Jensen

Bill Traylor, Untitled
Bill Traylor, Untitled

Bill Traylor, Untitled (Brown Dog)
Bill Traylor, Untitled (Brown Dog)

 

In einer Besprechung zu einer 2013 im American Folk Art Museum stattfindenden Ausstellung bemerkt Alana Shilling-Janov, dass in der Rezeption noch immer zu sehr auf Traylors formale Aspekte eingegangen wird, sich die Rezeption zwischen Zuschreibungen von rätselhaft und mystisch versteckt und damit ihre realistische Erzählung unterdrückt. Shannon wählte in den 1970er Jahren Titel wie "Construction" und "Exiting Event" für Traylors Werke, die wenig semantischen Wert haben und konstruierte damit gleichsam eine Sichtweise auf dessen Werk, das zur Verschleierung des Inhalts beitrug.

Heute gilt Bill Traylor als einer der populärsten und bekanntesten afroamerikanischen bildenden Künstler, zahlreiche Bücher und eine Dissertation über ihn sind erschienen. Nicht verwunderlich also, dass das Smithsonian American Art Museum (SAAM) für 2018 die Retrospektive  “Between Worlds: The Art of Bill Traylor” geplant hat. Die Ausstellung wird erstmals die stilistische Entwicklung Traylors sorgfältig beurteilen und seine Szenen als laufende Erzählungen und nicht als isolierte Ereignisse interpretieren.

 

Quellen: Smithsonian American Art Museum, Culture Type, American Folk Art Museum, The Brooklyn Rail, Wikipedia, The Anthony Petullo Collection of self-taught & outsider art

 

Ausstellung, Malerei, Zeichnung
22. November 2016 - 12:35

Zur Zeit findet wieder eine großartige Ausstellung im Unteren Belvedere statt: "Ist das Biedermeier? Amerling, Waldmüller und mehr?". Vor allem das "mehr" ist überaus interessant, da Werke von slowenischen, ungarischen, tschechischen und oberitalienischen Künstlern - also der ehemaligen habsburgischen Kronländer - präsentiert werden, die auch in Wien sonst nicht zu sehen sind.

Im Zentrum der Ausstellung steht die österreichische Malerei zwischen 1830 und 1860, also über das Revolutionsjahr 1848 hinaus, welches die Epoche des Biedermeier zeitlich begrenzt. Gezeigt werden Porträts, Landschaften und Genrebilder. Was mich an der Ausstellung so überaus begeistert hat, ist das handwerkliche Können, die Maltechnik der Biedermeier-Maler. Von den niederländischen Malern des "Goldenen Zeitalters" abgesehen, habe ich bisher nie eine perfektere, realistischere Darstellung der Stofflichkeit gesehen.

Zum unserem Thema "Hund und Kunst" finden sich vor allem Genrebilder, in denen auch Hunde vorkommen.

In Josef Danhausers Gemälde "Der reiche Prasser" von 1836 begleitet ein Hund die Szene, die auf die Verelendung der Bevölkerung am Rande der Gesellschaft hinweist - ein Bettler stört das bürgerliche, verschwenderische Mahl.

 

Josef Danhauser, Der reiche Prasser, 1836 © Belvedere, Wien
Josef Danhauser, Der reiche Prasser, 1836 © Belvedere Wien

 

Derselbe Hund findet sich in Danhausers "Klostersuppe" von 1838. Erst nachdem ich den Hund wiedererkannt habe, habe ich bemerkt, dass auch der ehemalige Prasser beim Verteilen der Armensuppe durch die Mönche anwesend ist. Von seinem Reichtum blieb ihm nur der Hund und ein edles Tuch.

 

Josef Danhauser, Die Klostersuppe, 1838 © Belvedere, Wien
Josef Danhauser, Die Klostersuppe, 1838 © Belvedere Wien

 

In der "Jagdbeute" von Johann Mathias Ranftl, hier sind die Hunde die Hauptakteure, spiegelt sich Ranftls Begeisterung für den britischen Lebensstil wieder. Ranftl, der drei Monate in London verbrachte, lernte dort die Hunde- und Jagddarstellungen von Edwin Landseer kennen. Auch Ranftl entwickelte eine Vorliebe für Hunde, die er in Genreszenen einbaute oder zum Hauptmotiv seiner Bilderzählungen machte. Er perfektionierte die Darstellung der Hunderassen sowohl hinsichtlich ihrer physischen Erscheinung als auch hinsichtlich ihres Verhaltens. Dabei war er so geschickt, dass er den Namen "Hunde-Raffael" bekam!  (vgl. Katalog zur Ausstellung S 204).

 

Johann Mathias Ranftl, Die Jagdbeute, 1851 © Belvedere Wien
Johann Mathias Ranftl, Die Jagdbeute, 1851 © Belvedere Wien

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Februar 2017 in Wien im Unteren Belvedere zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Ist das Biedermeier? Amerling, Waldmüller und mehr, Herausgeber: Agnes Husslein-Arco, Sabine Grabner, ISBN 978-3-903114-11-1

 

alle Bilder © Belvedere, Wien

 

Ausstellung, Malerei
10. November 2016 - 10:30

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

 

Da ich meinen nächsten Urlaub in Barcelona verbringen werde, freut es mich, dass ich eine Künstlerin gefunden habe, die eine Serie von "Barcelona Dogs" gemalt hat: Eine schöne Einstimmung auf meine Reise! Ich zeige Ihnen die Arbeiten, die mir am besten gefallen.

 

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

Barcelona Dogs © Sasha Sokolova

 

Auch in der Serie "Egoism" kommt ein Bild mit Hunden vor. In einem Statement beschreibt Sasha Sokolova, welcher Gedanke dieser Serie zugrunde liegt.

Die Künstlerin geht davon aus, dass viele Menschen nur mit ihrem Wohlbefinden beschäftigt sind, ohne zu bemerken, was um sie herum vorgeht. Sie glauben, dass nichts sie stören oder beeinflussen kann, wenn sie es einfach ignorieren.

Im unteren Beispiel scheint der Mann zu sehr in sein Handy vertieft zu sein, als dass er die drohende Gewitterstimmung wahrnehmen würde. Bedenklicher allerdings finde ich, dass er auch seine Hunde nicht beachtet. Leider ein Phänomen, das ich auf vielen meiner Spaziergänge oder auch in den Hundezonen beobachte. Anstatt sich liebevoll seinem Hund zuzuwenden (mit Worten, Blicken, Gedanken), wird fleißig getippt, gewischt, gesurft. Mich überkommt bei diesen Beobachtungen immer eine Traurigkeit darüber, wie wenig Beachtung den Hunden von jenen zukommt, die mit ihnen leben. Vielleicht eine "Luxus"-Emotion angesichts hunderttausender Hunde, die - als Streuner und Straßenhunde - nicht einmal Nahrung, Schutz vor Witterung oder medizinische Versorgung haben.

 

Egoism © Sasha Sokolova

 

Doch zurück zu Sasha Solokova: Sie stellt den Gegensatz zwischen persönlicher Befindlichkeit und äußeren Einflüssen, zwischen Ruhe und unkontrollierten Naturkräften vor allem durch die Farbgestaltung dar. Für das Vertraute und Bekannte benutzt sie Farbe, monochromes Grau für das Verdrängte und Übersehene. Die Fliesen, ein immer wiederkehrendes Motiv, sind in der Komposition nicht nur dekoratives Element, sondern sollen auch auch ein Gleichgewicht zwischen den Gegensätzen ausdrücken und herstellen.

Zum Abschluss noch zwei Beispiele aus ihrer Serie "Portraits":

 

Portrait © Sasha Solokova

Portrait © Sasha Solokova

 

Sasha Sokolova (*1990 in Moskau) lebt und arbeitet in Moskau und Barcelona/Spanien.

alle Bilder © Sasha Solokova

Malerei