Grafik

4. Januar 2012 - 13:47

Zwei Frauen mit Fächer, ein rätselhafter Titel: Nichts deutet beim Betrachten des Buchcovers von "Die hollandische Schachtel" an eine Erzählung mt Hund hin: Das kann neugierig machen – es wäre allerdings Schade, wenn Hundefreunden dieses kleine Buch entginge, denn unerlässlich ist es für jeden, der Hunde liebt: Spricht doch durch die Hand der Zeichnerin aus jeder Seite tiefes Verständnis und Zuneigung für Hunde. Und dieses Verständnis, durch die Stimme der holländischen Hündin Yette dargeboten, ist es, was dieses Buch ausmacht.

 

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Anke Feuchtenberger erzählt aus der Sicht ihrer Hündin und erspart uns Lesern und Vorlesern Verniedlichungen und Vermenschlichungen jeder Art. Vielmehr erfahren wir von Yettes Alltag und vom Lauf des Lebens, so auch sehr berührend, aber gleichzeitig unsentimental und lapidar von ihrem tot geborenen Welpen. Jeder, der sich mit Tieren beschäftigt, weiß - auch ohne verhaltenspsychologische Untersuchungen zu bemühen - , dass Tiere trauern können, und Yette drückt es ganz simpel aus: "Mein Mensch weinte. Wir hingegen wissen nicht, wie man Tränen macht". Vielleicht hätten manche Menschen mehr Empathie für Tiere, besäßen sie diese Möglichkeit ihr Leid auszudrücken.

Nun, der Hund ist gut aufgehoben in diesem Buch, Yette in ihrer Familie, in der die Hündin als Partnerin von ihren Menschen angenommen, getröstet und umsorgt wird.

 

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Das Buch wird zweifelsohne jeden Hundeliebhaber begeistern. Anke Feuchtenberger bezeichnet es allerdings als "Bildgeschichte für Kinder", das spricht für sie, sollte man Kindern doch nur das ästhetisch Beste anbieten. Da ich mich - neben Hunden - auch sehr für Bilderbücher interessiere und gerade ein Skriptum zur Rolle der Kinder- und Jugendliteratur in Lese- und Mediensozialisation lese, folge ich ihrer Zuordnung gerne. Denn:

"Kinder finden im Bilderbuch konstruierte Modelle für Lebenswirklichkeiten und darüber denken sie nach", lese ich auf Seite 11 (Literaturangabe ganz unten): Richtig, denke ich, das Bilderbuch soll nur nicht didaktisch daherkommen (macht "Die hollandische Schachtel" keinesfalls) oder nach potenziellem Lernzuwachs ausgewählt werden; im Sinne eines "Vorlesens im Dialog" und des "Buchs als Erzählanlass" eignet sich "Die hollandische Schachtel" gut, um über Hunde als eigenständige, individuelle Lebewesen (und nicht als funktionalisierte Bedürfnisbefriedigungsmaschinen für Kinder und Eltern) zu sprechen.

Kinder brauchen "eine große Vielfalt von unterschiedlichsten und bildnerisch wie inhaltlich herausfordernden Bilderbüchern" (S 12): Auch in bildästhetischr Hinsicht ist "Die hollandische Schachtel" ein Gewinn für Kinder: Es ist ästhetisch nicht 'herausfordernd' im Sinne von formaler Neuartigkeit oder Irritation, aber es ist provozierend in seiner Schlichtheit und in seinem Realismus. Wohltuend hebt es sich sowohl in Format, Lese- und Blätterrichtung als auch stilistisch vom kulleräugigen Hundebilderbuchramsch à la Struppi auf dem Bauernhof, der Kindern oft vorgesetzt wird, ab. In kleinen, manchmal hintergrund- und perspektivelosen Zeichnungen, mit Buntstift koloriert, gelingt es Anke Feuchtenberger Yettes Universum - ausgedrückt vor allem durch ihre Mimik und Körpersrache, ihre Vorstellungen und Interaktionen - sichtbar werden zu lassen.

Ein "Bilderbuch für Kinder"? Ja. Ein "Bilderbuch für Erwachsene"? Auf alle Fälle!

Hier einige eingescannte Beispiele aus dem Buch, die hoffentlich nicht zu viel von Yettes Leben verraten:

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel 1

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel 3

Feuchtenbergerowa mit Yette und Ada: Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Anke Feuchtenberger unterrichtet seit 1997 in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Zeichnen und Illustration, ihr vielfältiges Werk umfasst Gemälde, Zeichnungen, Comics, Plakate, Druckgraphik, Kostüme sowie Marionetten und wurde mehrfach ausgezeichnet. Das und viel mehr können sie auf Wikipedia nachlesen.

Besser gefällt mir ihre Selbstdarstellung am Klappentext: "Anke Feuchtenberger wurde 1963 in Berlin/Ost geboren und wuchs in Gärten und in der Nähe von Wäldern mit Seen auf [...] Sie lebt nun mit ihrem Freund und zwei Hündinnen in Gärten und in der Nähe von Wäldern mit Seen." Verwundert es, dass ein derart eingerahmtes Leben solch ein Kleinod wie "Die hollandische Schachtel" hervorbringt?

Anke Feuchtenberger: Die hollandische Schachtel, MamiVerlag, Quilow, 2011. Erhältlich über den MamiVerlag und in ausgewählten Buchläden und Geschäften in Hamburg, Berlin, Greifswald und Bologna.

Zitate aus: Christine Benthin: (Medien)-Kontexte des Lesens. Zur Rolle der Kinder- und Jugendliteratur in Lese- und Mediensozialisation (=Basics 02), Studienstelle für Kinder und Jugendliteratur (Hg.), Wien, 2011

 

Buch, Grafik
2. Januar 2012 - 11:17

Nachdem das Durchforsten meiner Plattensammlung nach Cover mit Hunden nicht sehr erfolgreich war, habe ich ein bisschen gegoogelt und eine kleine, feine Auswahl der letzten 40 Jahre zusammengestellt. Wie wohl jeder, der an einer Stelle zu googeln beginnt, komme auch ich vom Hundertsten ins Tausendste. Bei der Bildersuche sehe ich vieles, was ich gar nicht sehen will und erst verkraften muss: Wo es um Hunde geht, sind Bilder von Tierquälerei und falscher "Tierliebe" nicht weit. Aber ich lerne viel Neues kennen, vor allem aber ergeben sich neue Zusammenhänge, die Welt wird kleiner. Schon wieder sind ein paar Stunden vergangen.

Die Cover, die ich zusammengetragen habe, sind im Wesentlichen chronologisch geordnet, manche mit Bemerkungen oder Links ergänzt.

 

Paddy Roberts
Paddy Roberts, Songs for Gay Dogs, 1963

Auf Paddy Roberts' Cover bin ich in einer Sammlung der hässlichsten Plattencover der Welt gestoßen, der Hall of Fame der Horror-Hüllen. Nun, vieles, was heute als hässlich gilt, war eben früher Mode. Die Hässlichkeit der meisten Cover ergibt sich aus unserer Distanz zu 80erJahre-Disco und Frisuren und Kleidung der 60er. Schönheitspreis gewinnt Roberts' Cover natürlich nicht, aber zu den hässlichsten braucht es wohl nicht zu zählen.

 

The Stooges
The Stooges, I wanna be your dog, 1969

Crosby, Stills, Nash & Young
Crosby, Stills, Nash & Young, Déjà vu, 1970

James Taylor
James Taylor, One Man Dog, 1972

Van Morrison
Van Morrison, Veedon Fleece, 1974

Das zweite Cover von Van Morrison mit Hund - Days like this - steht auch in meiner Plattensammlung, sehen Sie im Blogbeitrag "Birds and Bears".

 

David Bowie
David Bowie, Diamond Dogs, 1974

David Bowie
David Bowie, Diamond Dogs, 1974

Eric Clapton
Eric Clapton, There' s one in every crowd, 1975

Pavlov's Dog
Pavlov's Dog, Pampered Menial, 1975

Pavlov's Dog
Pavlov's Dog, Third, 1994 (Re-Release)

Pavlov's Dog war mir gänzlich unbekannt, bis ich auf diese Cover gestoßen bin. Die Band brachte in den 1970er Jahren zwei Platten heraus. Die dritte Platte  erschien nur mehr als Bootleg, die Band war von der Plattenfirma zuvor gefeuert worden. 1994 erschien beim deutschen Label TRC ein Reissue. (Mehr zur verworrenen Plattengeschichte hier unter Discography.) Interessant daran ist, dass das Cover einfach von Rick Springield übernommen und popart-gemäß bearbeitet wurde.

 

 

Rick Springfield
Rick Springfield, Working Class Dog, 1981

Rick Springfield
Rick Springfield, Success hasn' t spoiled me yet, 1982

Rick Springfield
Rick Springfield, Karma, 1999

Den Namen Rick Springfield habe zwar schon einmal gehört, allerdings kenne ich seine Musik nicht. Ich wollte etwas über den Hundefreund erfahren und habe seine Homepage besucht. Sofort ist mir ein Video aufgefallen, das mich zu Tränen rührte: Eine Liebeserklärung an seinen verstorbenen Hund Gomer. Sie wissen, wie sehr ich alte Hunde liebe, ich lebe ja mit so einem alten "Wackelbären", je älter er wird, desto mehr lebe ich mit der Angst vor seinem Tod. Da viele meiner Bekannten auch alte Tiere aus den Tierschutzhäusern holen, ist ihr Sterben ständig gegenwärtig.

 

 

Joni Mitchell
Joni Mitchell, Dog Eat Dog, 1985

 

The Pogues
The Pogues, The Best of th Pogues, 1991

Wie vermutet ist dieses Cover von William Wegman und einem seiner Weimaraner. Er ist wohl neben Elliot Erwitt inzwischen der berühmteste Fotograf von Hunden - nachdem er in den 1970er Jahren als Zeichner, Maler und Videokünstler begann.

 

Johnny Cash
Johnny Cash: American I, 1992

Blur
Blur, Parklife, 1994

Beastie Boys
Beastie Boys, Some Old Bullshit, 1994

Faith No More
Faith No More, King for a Day, 1995

Beck
Beck, Odelay, 1996

Bei diesem Cover musste ich sofort an Tim Flach und seine Tierbilder denken, Becks Cover zeigt die gleiche Rasse wie Flachs berühmtes Bild, einen Komondor - der Bob Marley der Hundewelt. Ein herrliches und informatives Video über diese Rasse sehen sie auf 101 dogs.

 

Tim Flach
Ein Konmondor von Tim Flach

Snowpatrol
Snow Patrol, Ask me how I am, 2000

The Mole
The Mole, One foot on either side of the ladder, 2005

Weezer
Weezer, Raditude, 2009

Seasick Steve
Seasick Steve, You can' t teach an old dog new tricks, 2011
Foto © Claire Sambrook

Dieses tolle Cover, so liebenswert präsentiert, habe ich auf flickr entdeckt. Sofort habe ich an eine charmante junge Band gedacht. Wie überrascht war ich jedoch, als sich Seasick Steve als ein 1941 in Oakland geborener Bluesmusiker herausstellte. Der Plattentitel - You can' t teach an old dog new tricks - bekommt eine neue Bedeutung, wenn man weiß, dass der Musiker 70 Jahre alt ist. Steve, der ein Leben als Hobo führte, nahm erst 2004 sein erstes Soloalbum auf. In Großbritannien erreichte er 2007 Popularität durch einen Auftritt in der Silvestershow von Jools Holland, wo er drei Titel spielte. (Alles nachzulesen auf Wikipedia). Nun, Jools Holland war heuer mit seiner Show im Porgy & Bess, einer seiner Gäste war Marc Almond, dessen "Vogel-Cover" ich Ihnen bei "Birds and Bears" gezeigt habe. Der Kreis schließt sich.

 

Die Grundlage zu dieser Sammlung bildete ein Bericht über Hundecover auf Four, einem Magazin für Kunst, Design, Lifestyle, Mode und anderen "dog-centric" Themen, die für Hundeliebhaber interessant sein können.

Joni Mitchells und Crosby, Stills, Nash & Young-Cover habe ich von einem Blog für Vinyl-Sammler, der täglich mehrere Platten fotografisch aufwendig dokumentiert. Danke!

 

Grafik, Musik
30. Dezember 2011 - 11:30

Weil ich mit Edwyn Collins den Bereich der Musik und der Vögel betreten habe, möchte ich gleich bei Musik bleiben und - ohne den Tag der Schallplatte im August abzuwarten - meine Plattensammlung nach Hundecover untersuchen.

Ich habe etwa 900 Schallplatten, leider (in Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand) auch viele Maxis in einer bloß schwarzen oder weißen Hülle; die meisten Platten habe ich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre gesammelt, etliche am Beginn der Neunziger. Nun kaufe ich nur mehr gelegentlich, das Sammeln wurde in jeder Hinsicht zu ausufernd.

Ich habe nur die Vorderseite der Platten betrachtet, sie nicht aufgeklappt oder umgedreht. Es hat mir Spaß gemacht, jede Platte wieder einmal in der Hand zu haben, aber ich habe bald bemerkt, dass in meiner Sammlung kaum Hundecover vorhanden sind, weshalb ich dann nach Tieren allgemein gesucht habe. Ich habe nichts weggelassen oder dazugefügt: Diese Platten stehen wirklich "nebeneinander" im Regal! Das Ergebnis ist natürlich in keinerlei Hinsicht aussagekräftig. Es sagt meinem Gefühl nach nicht einmal etwas über meine Musikvorlieben aus, es ist nur dem Vergnügen am Erstellen verpflichtet. Nur eine Tierart ist deutlich überrepräsentiert...

And the winner is? Die Vögel!

 

Edwyn Collins
Edwyn Collins, Losing Sleep, 2010

Edwyn Collins
Edwyn Collins, Coffee Table Song, 1989

Calexico
Calexico, Garden Ruin, 2006. Meine einzige Calexico-Platte, ich habe die Platte vor allem
wegen des wunderschönen Covers gekauft, inzwischen mag ich auch die Musik dieser LP sehr.

Shiny Gnomes
Shiny Gnomes, Some Funny Nightmares, 1987

The Notwist
The Notwist, The Devil, You + Me, 2008

Marc Almond
Marc Almond, Stories of Johnny, 1985

Cymande
Cymande, Cymande, 1972

 

An zweiter Stelle: Der Bär (inklusive Eis- und Teddy-)

Antony and the Johnsons
Antony and the Johnsons, Swanlights, 2009. Eine in jeder Hinsicht herzzerreißend
schöne Platte!

Iglu
Iglu, Eisbaer, 1990

British Sea Power
British Sea Power, Open Season, 2005

Martha and the Vandellas
Martha and the Vandellas, Come and get these Memories

 

Das Pferd, zweimal vertreten:

Frank Tovey & the Pyros
Frank Tovey & the Pyros, Grand Union, 1991

Goden Palominos
Goden Palominos, Golden Palominos, 1984

 

Zweimal auch der Delfin, davon einmal wieder der allerbeste Edwyn Collins mit Orange Juice:

Orange Juice
Orange Juice, You Can't Hide Your Love Forever, 1982

The Impossibles
The Impossibles, Delphis, 1991

 

Jeweils einmal: der Elefant, die Schafe, der Löwe, der Fisch, die Mäuse, die Fledermaus, das ausgestopfte Wildschwein.

The Brand New Heavies
The Brand New Heavies, The Brand New Heavies, 1990 (der Elefant in der Sonne ist das
Bandlogo und befindet sich auf all meinen BNH-Platten)

KLF
The KLF, Chill Out, 1990

Pucho & the Latin Soul Brothers
Pucho & the Latin Soul Brothers, Jungle Fire!, 1969

The Big Dish
The Big Dish, Swimmer, 1986

The UMC's
The UMC's, Blue Cheese, 1991

Meat Loaf
Meat Loaf: Bat out of Hell, 1977. Noch als Schülerin gekauft...
Tja, Tim Buckley hat leider keine Tiere auf seinen Plattenhüllen.

Gang Starr
Gang Starr, Daily Operation, 1992. Im Hintergrund - der ausgestopfte Wildschweinkopf  -
bildet er etwa ein kleines Vanitas-Stillleben mit dem Totenkopf?

 

Doch nun zu den Hunden:

Snoop Doggy Dogg
Snoop Doggy Dogg, Gin and Juice, 1993  

Van Morrison
Van Morrison, Days Like This, 1995

Mirwais featuring Craig Wedren, Miss You, 2002
Mirwais featuring Craig Wedren, Miss You, 2002. Dieses letzte, in Wirklichkeit viel
farbintensivere Cover besitze ich ohne Platte, ich habe es einem Freund abgeluchst, für den nur die Musik wichtig war.

 

Grafik, Musik
16. Dezember 2011 - 10:43

Charming Baker, God's Gift

 

Charming Barker, den Maler mit den langen Bildtiteln, möchte ich aus mindestens zwei Gründen vorstellen: Nicht nur weil er (auch) tolle Hunde malt und diese exlplizit als Inspirationsquelle angibt (neben merkürdig aussehenden Frauen – "odd looking women" - und Pferden etc.), sondern weil man an seiner steilen Karriere gut nachvollziehen kann, wie ein Künstler, der zwanzig Jahre fleißig, aber unbemerkt gemalt hat, nicht gerade über Nacht, so doch innerhalb weniger Jahre im Internet-Zeitalter den absoluten Durchbruch schafft und zum Großverdiener wird.

 

 

Charming Barker, And The Establishment Looks On In Wonder, 2009

 

Noch 2006 wurden seine Bilder um 3 000 Pfund gekauft, 2011 bekommt er Zigtausende für ein Bild. Wie ist so etwas möglich? Kurz zusammengefasst durch Empfehlung des Top-Verdieners der Kunstszene Damien Hirst und ein Mangement, das nichts mit dem klassischen Galerie-System zu tun hat.

Nun etwas genauer: Barker studierte in den 1980er Jahren am Central Saint Martins College of Art & Design in London Grafikdesign und Illustration und arbeitete danach unter anderem als Teilzeitlehrer und Werbegrafiker, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Seine Bilder verkaufte er an Familie und Freunde.

2006 lernte er den street-art-begeisterten Tim Fanell kennen, der ihm nicht nur Bilder abkaufte, sondern ihm auch eine Ausstellung in der Truman Brewery im Londoner East End anbot. Die Ausstellung wurde ein voller Erfolg. Als Barker 2008 in Los Angelas an einer Veranstaltung über urban art teilnahm, lernten ihn die Musikmanager Roger Klein und Pat Magnarella kennen. Letzterer kaufte zuerst zwei Bilder und bot ihm dann einen Managementvertrag an. Nun wurde er also von zwei Agenten vermarktet, die auch die Rockband "Green Day" unter Vertrag hatten. Magnarella, ein Laie in Sachen bildende Kunst, wollte seine Erfahrung aus der Musikbranche nutzen, um talentierte bildende Künstler zu fördern.

2010 setzte in New York Magnarellas PR-Maschinerie mit dem Ziel ein, dass ganz New York Baker kennen lernen sollte: 10 000 Plakate wurden allein in Soho, Greenwich Village and Brooklyn affichiert, 20 000 Postkarten wurden verteilt, der ganze Social-Network-Bereich genutzt usw, ganz so als würde eine neue Band gehypt. Geschätzte 1000 Besucher kamen zur Vernissage. Damian Hirst, Alberto Mugrabi - er besitzt die weltweit größte Warhol-Sammlung - sowie der englische Supersammler Frank Cohen kauften die Bilder.

Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Magnarella beschreibt Baker folgendermaßen: "They've made all the right contacts which is a massive push forward. To be able to show the work to people that collect seriously and people with connections to museums is great." (Siehe dazu Sky News)

Bei seiner letzten Ausstellung - "Everything must go" - 2011 in London waren alle Werke schon vor der Eröffnung verkauft.

 

Charming Baker, That Which Drives Us (Is Beyond Our Control), 2007

Charming Baker, What A Strange And Beautiful Thing Life Turned Out To Be, 2010

Charming Baker, Doghead

 

Noch ein dritter Grund spricht für Charming Baker: Vögel. Während bei uns Vogelbeobachter oder -liebhaber eher einem schrulligen Image unterliegen, scheinen die Briten damit weniger Problem zu haben. Wie Clarke malt Barker Vögel. Während Rob Clarke seine Vogelbilder bei der Ausstellung "British Birds and Dogs" präsentierte, spendete Baker ein Vogelbild mit dem Titel "One Day We Will Reach A Point Where Are Past Will Be All There Is To Look Forward To" für die Ausstellung "Ghosts of Gone Birds", die das Aussterben der Vögel thematisierte.

 

Charming Baker, One Day We Will Reach A Point Where Are Past Will Be All There I

 

Baker hat eine hervorragende Homepage mit einer Sammlung von Presseartikeln, Videos und einem Blog, in dem man viel über seine Arbeit erfährt, aber auch seine Freude am Erfolg erkennt. Sein Aufstieg zum Künstlerstar ist zum Beispiel im GQ-Magazine gut beschrieben.

Alle Bilder © Charming Baker

 

Grafik, Malerei
11. Dezember 2011 - 19:36

Ein Künstler, der seit mehr als 10 Jahren Hunde malt, ist Robert Clarke. Clarke, der auch in einer Werbeagentur gearbeitet hat, ist sowohl in der Kunst- als auch in der Modewelt populär und erfolgreich und für mich ein Beispiel dafür, wie beide Bereiche voneinander profitieren und wie man sein Werk gekonnt vermarket. Seine Zeichnungen und Malereien wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, so zum Beispiel bei "British Birds and Dogs" in Paul Smith's  "Globe" am Flughafen Heathrow.

 

Robert Clarke, Birds And Dogs, 2009

 

Clarke nützt sicher alle Netzwerke der Mode- und Medienbranche, um seine Hundebilder zu lancieren, dementsprechend organisieren Kuratoren der Modewelt seine Ausstellungen mit Hundebildern, lassen VIPs und Celebrities ihre Hunde von ihm malen. Denn Clarke stellt seine Hundebilder nicht nur aus, er verbindet seine Ausstellungen auch geschickt mit Auftragsmalerei.

 

Rob Clarke, Cha Cha, 2011

Rob Clarke, Pickles, 2011

Rob Clarke, Sophie, 2011

Rob Clarke, Molly, 2011

 

Obwohl sich Clarke sehr professionell vermarktet, machen manche seiner Hundebilder einen herzerwärmend charmanten dillettantischen Eindruck (Pip!). Dieser Eindruck täuscht jedoch. Clarke hat an der St. Martins School of Art in London studiert und weiß sehr wohl mir dieser Anmutung zu spielen. Seine Absicht ist es, die Hunde nicht bloß naturalistisch wiederzugeben, sondern deren wahren Charakter zu enthüllen.

 

Rob Clarke, Pip, 2011

Rob Clarke, Patterdale, 2011

 

Clarke trifft und fotografiert bei seinen "Commission-only Dog Painting Tours" Hunde, die er daraufhin um mindestens 1500 Dollar malt. Die Termine sind rar und heiß begehrt, viele wollen ihren Hund als richtigen, ja wichtigen New Yorker oder Londoner Hund verewigt wissen. Er signiert seine Malereien nicht nur, die zukünftigen Kunstbesitzer bekommen auch einen Echtheitsnachweis, z.B. das "Robert Clarke The Dog Painter - The New York Tour" authentication label.

 

Rob Clarke, Freddie, 2011

 

Oben sehen sie das stolze Modell - Freddie - vor seinem fertigen Bild. Unten - ein ganz besonders gut gelungenes Beispiel - sehen sie die Fotovorlage und was Clarke daraus gemacht hat.

 

Rob Clarke, Stig, 2011

Rob Clarke, Stig, 2011

 

Während der Miami Basel 2010 fand "Robert Clarke - Pawdicure and Portraiture" statt. Während HundehalterInnen ihre Maniküre genossen, konnten die geliebeten Hund eine - sinngemäß - "Pfotiküre" bekommen und von Robert Clarke gemalt werden.

Heuer stellte er in London bereits seine "A-Z of Dogs" aus, zur Zeit präsentiert er seine Kunst in New York, beides in der Rebekka Hossack Galerie. Anschließend folgt die "Robert Clarke the Dog Painter - The New York Tour". 2012 kommt die Tour nach Palm Springs.

 

Rob Clarke, Alphabet

Rob Clarke, B is for Border

Rob Clarke, H is for Harrier

Rob Clarke, S is for Schnauzer

 

Viele weitere Beispiele der entzückenden Hundebilder sehen sie auf Clarke's Blog, wo sie auch einen Einblick in seine anderen Motive wie Totenköpfe oder Masken erhalten können.

Bilder © Rob Clarke

 

Grafik, Malerei, Zeichnung
9. Dezember 2011 - 11:18

Jenny Scobel, o.T., 2003

 

Jenny Scobel hat sich in ihrer Kunst auf Porträts spezialisiert. Meist sind die Dargestellten - überwiegend Frauen - frontal und bis zur Hüfte gezeichnet. Manchmal werden sie von Hunden oder Katzen begleitet. Ihre Modelle findet Jenny Scobel in Zeitschriften, in den Werken der Kunstgeschichte, unter ihren Freundinnen. Hintergründe und Kleidung werden von ihr verändert, um eine irritierende, hintergründige Stimmung zu erzeugen.

 

Jenny Scobel: Pink, 2006

 

Die Porträtierten sind in ihrer stereotypen Körperhaltung bis an den Bildrand gerückt, sodass der betrachtende Blick distanzlos nahe kommt. Die Kommunikation wird allerdings verweigert: Die Porträtierten richten ihre schwermütigen Blicke nach innen.

 

Jenny Scobel, Muff, 2008

 

Die Künstlerin verwendet mit Gesso grundierte Holztafeln als Malgrund. Nach Fertigstellung versiegelt sie ihre Arbeiten mit einer Wachsschicht, weshalb die Schattierungen und zarten Farbschichten noch plastischer und haptischer wirken.

 

Jenny Scobel: Willow, 2008

 

Jenny Scobel wurde 1955 in Orville/ USA  geboren, sie lebt und arbeitet in New York und hat schon mehrmals in Deutschland ausgestellt, z.B. in der Galerie Kolb. Auf youtube spricht sie vor Studenten über ihre Arbeit.

alle Bilder © Jenny Scobel

 

Grafik, Malerei
20. Oktober 2011 - 9:28

Buchcover, 2010

 

La carne! Il problema non siamo noi panda, ma quello che mangiamo. Abbiamo da sempre sgranocchiato insipido bambù fino a rinchiuderci nella foresta del presente, dove la vegetazione è troppo fitta e la luce troppo scarsa per immaginare un futuro. Ora il bambù sta per finire e ci sta trascinando verso l’estinzione: glielo impediremo, vero?

Was sagt der Google-Übersetzer dazu?

Das Fleisch! Das Problem ist uns nicht Pandas, sondern was wir essen. Wir waren schon immer knabberte fad Bambus in der Nähe des Waldes selbst bis in die Gegenwart, wo die Vegetation zu dicht ist und das Licht zu arm, um sich eine Zukunft vorzustellen. Jetzt Bambus ist zu Ende und ziehen uns in Richtung Aussterben: verhindert, dass sie, richtig?

Ich habe noch immer wenig Ahnung, wovon dieses italienische Buch handelt, aber außer Zweifel steht, dass die Illustrationen ganz außergewöhnlich gelungen sind. Wer Italienisch kann, findet auf der Homepage des Verlages, neben obigem Zitat, Näheres dazu. Der Autor ist Giovanni Robertini, die Zeichnerin Ana Kras.

Ana Kras, 2010

 

Ana Kras, 2010

 

 

Die 1984 in Belgrad geborene Ana Kras ist bereits als Möbeldesignerin und Fotografin (analog) überaus erfolgreich. Zuletzt hat sie im Auftrag eines italienischen Brillenherstellers die Bügel-Innenseiten von handgemachten Sonnenbrillen gestaltet.

 

2010 hat sie "Il barbecue dei panda"  illustriert. Die Menschen, ihre Körperhaltungen und gemusterten Gewänder passen trefflich zu den Tiermasken, die sie tragen. Der gutmütige Labrador ist im wallenden Ethno-Style gewandet, die Bulldogge ist lässig, klassisch elegant. Sehen Sie sich die anderen Tierdarstellungen auf Ana Kras' Homepage an, sie sind ein Genuss! Kras hat einen scharfen Blick für Details, ist überaus sicher im Umgang mit modischen Codes und besitzt eine Sensibilität, aus der auch die Zuneigung zu ihren gezeichneten Geschöpfen spricht.

 
Ana Kras. 2010

 

Ana Kras, 2010

 

 

Ana Kras, 2010

Ana Kras, 2010

 

 

Buch, Grafik, Zeichnung
7. Oktober 2011 - 9:42

love and hate
Bild von hollywoodchicago / Foto: © Criterion Collection
 

Wahrscheinlich kennen Sie alle die berühmten LOVE und HATE Tätowierungen auf Robert Mitchum's Händen im Film "Die Nacht des Jägers". Ich zeige Ihnen etwas viel Besseres:

 

dog-tattoo

 

Ich mag zwar keine Tattoos, diese kleinen Tätowierungen finde ich aber ganz entzückend. Ich habe das Foto vom Dog Milk Blog, der sich vor allem mit Designfragen rund um den Hund beschäftigt (Designerbetten, Desigerhalsbänder etc., allerdings auch manchmal Künstler rund um den Hund vorstellt). "Würden Sie sich ein Porträt Ihres Hundes 'stechen' lassen?", wird auf Dog Milk gefragt. Hunde-Tattoos werden immer häufiger, wie ich in den Kommentaren lesen kann, viele Menschen wollen ihren geliebten Hund auf der Haut tragen - sowohl, wenn der vierbeinige Partner noch lebt, als auch, wenn er verstorben ist.

Nun hat sich auch die biedere Jennifer Aniston den Namen ihres verstorbenen Welsh-Corgieterrier-Mix - Norman - auf den Fuß tätowieren lassen, da werden sicher viele folgen.

Auf alle Fälle ist mir das viel sympathischer als das Tätowieren von Tieren, wie es der Künstler Wim Delvoye auf seiner Artfarm macht. Das ist nichts anderes als Körperverletzung von Lebewesen, die sich nicht wehren können. Den Vegetarier (!) bei der Arbeit sehen Sie auch auf diesem Blog.

 

Wim Delvoye: Cinderella
© Wim Delvoye

 

Grafik
20. September 2011 - 16:10

Gedenktafel Palais Rasumovsky

 

Im dritten Bezirk in Wien, Ecke Geusaugasse und Rasumovskygasse steht ein Palais, in dem einst der Fürst Rasumovsky - seines Zeichens russischer Botschafter - wohnte. Zur Zeit wird im Palais aufwändig renoviert. Auf einem "Baustellenzaun" vor dem Gebäude entdeckte ich vor einigen Wochen ein neues Wappen: Rosamopsky - mit Mops links unten. Was das wohl bedeuten mag?

 

Wappen Rosamopsky

 

Was es mit der bunten Wand, dem zeitgenössischen Kunstprojekt Perfekt Device, auf sich hat, lesen Sie unten:

 

Perfekt device

 

Perfekt World, ein kreatives Kollektiv aus Wien, gestaltete während der Renovierungs- und Umbauphase eine Spanplattenwand vor dem Palais Rasumovsky. Dabei sprayte und malte es nach Vorschlägen eines globalen Publikums, das ihm über ein Interface auf einer Website Anweisungen gab und ihm via Kamera bei der künstlerischen Arbeit zusah. Perfekt World baute in London, Barcelona, Paris und Berlin Terminals auf, die auch als Interface dienten und gleichzeitig die Bilder aus Wien vorort projizierten.

 

Hund auf dem Baustellenzaun

Hund vor dem Baustellenzaun

 

Grafik, Street Art
17. September 2011 - 20:21

Das Oktoberfest ist eröffnet!
 

Grafik