Buch

4. Januar 2012 - 12:47

Zwei Frauen mit Fächer, ein rätselhafter Titel: Nichts deutet beim Betrachten des Buchcovers von "Die hollandische Schachtel" an eine Erzählung mt Hund hin: Das kann neugierig machen – es wäre allerdings Schade, wenn Hundefreunden dieses kleine Buch entginge, denn unerlässlich ist es für jeden, der Hunde liebt: Spricht doch durch die Hand der Zeichnerin aus jeder Seite tiefes Verständnis und Zuneigung für Hunde. Und dieses Verständnis, durch die Stimme der holländischen Hündin Yette dargeboten, ist es, was dieses Buch ausmacht.

 

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Anke Feuchtenberger erzählt aus der Sicht ihrer Hündin und erspart uns Lesern und Vorlesern Verniedlichungen und Vermenschlichungen jeder Art. Vielmehr erfahren wir von Yettes Alltag und vom Lauf des Lebens, so auch sehr berührend, aber gleichzeitig unsentimental und lapidar von ihrem tot geborenen Welpen. Jeder, der sich mit Tieren beschäftigt, weiß - auch ohne verhaltenspsychologische Untersuchungen zu bemühen - , dass Tiere trauern können, und Yette drückt es ganz simpel aus: "Mein Mensch weinte. Wir hingegen wissen nicht, wie man Tränen macht". Vielleicht hätten manche Menschen mehr Empathie für Tiere, besäßen sie diese Möglichkeit ihr Leid auszudrücken.

Nun, der Hund ist gut aufgehoben in diesem Buch, Yette in ihrer Familie, in der die Hündin als Partnerin von ihren Menschen angenommen, getröstet und umsorgt wird.

 

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Das Buch wird zweifelsohne jeden Hundeliebhaber begeistern. Anke Feuchtenberger bezeichnet es allerdings als "Bildgeschichte für Kinder", das spricht für sie, sollte man Kindern doch nur das ästhetisch Beste anbieten. Da ich mich - neben Hunden - auch sehr für Bilderbücher interessiere und gerade ein Skriptum zur Rolle der Kinder- und Jugendliteratur in Lese- und Mediensozialisation lese, folge ich ihrer Zuordnung gerne. Denn:

"Kinder finden im Bilderbuch konstruierte Modelle für Lebenswirklichkeiten und darüber denken sie nach", lese ich auf Seite 11 (Literaturangabe ganz unten): Richtig, denke ich, das Bilderbuch soll nur nicht didaktisch daherkommen (macht "Die hollandische Schachtel" keinesfalls) oder nach potenziellem Lernzuwachs ausgewählt werden; im Sinne eines "Vorlesens im Dialog" und des "Buchs als Erzählanlass" eignet sich "Die hollandische Schachtel" gut, um über Hunde als eigenständige, individuelle Lebewesen (und nicht als funktionalisierte Bedürfnisbefriedigungsmaschinen für Kinder und Eltern) zu sprechen.

Kinder brauchen "eine große Vielfalt von unterschiedlichsten und bildnerisch wie inhaltlich herausfordernden Bilderbüchern" (S 12): Auch in bildästhetischr Hinsicht ist "Die hollandische Schachtel" ein Gewinn für Kinder: Es ist ästhetisch nicht 'herausfordernd' im Sinne von formaler Neuartigkeit oder Irritation, aber es ist provozierend in seiner Schlichtheit und in seinem Realismus. Wohltuend hebt es sich sowohl in Format, Lese- und Blätterrichtung als auch stilistisch vom kulleräugigen Hundebilderbuchramsch à la Struppi auf dem Bauernhof, der Kindern oft vorgesetzt wird, ab. In kleinen, manchmal hintergrund- und perspektivelosen Zeichnungen, mit Buntstift koloriert, gelingt es Anke Feuchtenberger Yettes Universum - ausgedrückt vor allem durch ihre Mimik und Körpersrache, ihre Vorstellungen und Interaktionen - sichtbar werden zu lassen.

Ein "Bilderbuch für Kinder"? Ja. Ein "Bilderbuch für Erwachsene"? Auf alle Fälle!

Hier einige eingescannte Beispiele aus dem Buch, die hoffentlich nicht zu viel von Yettes Leben verraten:

 

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel 1

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel 3

Feuchtenbergerowa mit Yette und Ada: Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

Feuchtenbergerowa, Die hollandische Schachtel

 

Anke Feuchtenberger unterrichtet seit 1997 in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Zeichnen und Illustration, ihr vielfältiges Werk umfasst Gemälde, Zeichnungen, Comics, Plakate, Druckgraphik, Kostüme sowie Marionetten und wurde mehrfach ausgezeichnet. Das und viel mehr können sie auf Wikipedia nachlesen.

Besser gefällt mir ihre Selbstdarstellung am Klappentext: "Anke Feuchtenberger wurde 1963 in Berlin/Ost geboren und wuchs in Gärten und in der Nähe von Wäldern mit Seen auf [...] Sie lebt nun mit ihrem Freund und zwei Hündinnen in Gärten und in der Nähe von Wäldern mit Seen." Verwundert es, dass ein derart eingerahmtes Leben solch ein Kleinod wie "Die hollandische Schachtel" hervorbringt?

Anke Feuchtenberger: Die hollandische Schachtel, MamiVerlag, Quilow, 2011. Erhältlich über den MamiVerlag und in ausgewählten Buchläden und Geschäften in Hamburg, Berlin, Greifswald und Bologna.

Zitate aus: Christine Benthin: (Medien)-Kontexte des Lesens. Zur Rolle der Kinder- und Jugendliteratur in Lese- und Mediensozialisation (=Basics 02), Studienstelle für Kinder und Jugendliteratur (Hg.), Wien, 2011

 

Buch, Grafik
28. Dezember 2011 - 13:30

Die Blogeinträge über Rob Clarke und Charming Barker, die beide auch Vögel gemalt hatten, waren eigentlich nur Umwege oder besser Zubringer zu Edwyn Collins und seinen "Some British Birds", über die ich unbedingt berichten will – nur selten und in ganz wichtigen Fällen wird der Bereich der Hunde verlassen.

Zum Beispiel im Falle Edwyn Collins! Diesen wunderbaren Musiker (ehemals Orange Juice), dessen Fan ich seit über 25 Jahren bin, habe ich zuletzt im Februar 2011 im Wiener Porgy & Bess gesehen, erstmals nach seiner schweren Krankheit.

 

 

© petra hartl
Edwyn Collins am 26.2.2011 im Porgy & Bess in Wien

 

2005 erlitt Collins zwei Hirnblutungen, die zur Folge hatten, dass er weder sprechen, lesen, schreiben, gehen noch seine rechte Hand benutzen konnte. Nicht zuletzt mit dem Gitarrespielen war es damit für den Rechtshänder vorbei.

Während der folgenden drei Jahre hat Edwyn Collins, angeregt durch seine Frau, begonnen, Vögel nach Vorlagen zu zeichnen - und zwar mit seiner linken Hand. Das Buch "Some British Birds" gibt Einblick in diesen Prozess der Erholung; die Zeichnungen spiegeln seine Genesungsschritte wieder: Mit Collins wachsender Zuversicht schauen auch die Bleistift-Vögel zuversichtlicher von ihrem billigen Zeichenpapier herunter. Was anfänglich als Therapie gedacht war, wurde bald zum Vergnügen. Collins ging im ungestörten Zeichnen auf, er selbst beschrieb es als Wiedererlangung von Individualität und Würde.

 

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

Edwyn Collins: Some British Birds

 

(Wie Sie sehen, habe ich die Zeichnungen aus meinem Buch abfotografiert, die ersten ganz zarten Zeichnungen habe ich dilettantisch "verbessert", damit man sie erkennt. Bitte entschuldigen Sie die Qualität, hätte ich mich noch länger damit beschäftigt, wäre der Beitrag immer noch nicht feritg.)

Edwyn Collins hatte bereits als Kind gezeichnet, er kommt aus einer künstlerischen Familie, und er hatte schon immer Vögel geliebt und sie auch an ihren Flügeln erkannt. Mit acht Jahren hatte er einen verwaisten Grünfink aufgezogen, Jahrzehnte später retten ihm seine gefiederten Freunde wenn schon nicht das Leben, so doch das Überleben, geben ihm Freude und Optimismus zurück.

Mehr zu Edwyn Collins und seiner Genesung mit Hilfe des Zeichnens erfahren Sie zum Beispiel im Guardian-Beitrag "My feathered friends", im VICE-Interview "Edwyn Collins and His Birds of Recovery" oder im Quietus-Feature.

Collins Zeichnungen wurden 2008 auch in einer Einzelausstellung in der Londoner Smithfield Galerie präsentiert und natürlich war er Teilnehmner der Ausstellung "Ghosts of Gone Birds".

Kataj Behre, Creative Director des Labels "Elli Popp" verwendete in einer Kooperation mit Collins seine Vogelmotive zuerst für hochwertige Tapeten, dann auch für feines Porzellan.

 

 

Tapete mit Vogelmotiven von Edwyn Collins

 

Teller mit Vogelmotiven von Edwyn Collins

 

Teller mit Vogelmotiven von Edwyn Collins

 

Tapeten- und Teller-Fotos von craft2eu.net
 

Buch, Musik, Zeichnung
20. Dezember 2011 - 19:22

Bis vorgestern waren die 15 Interventionen von Marianna Gartner "An Eye For An Eye" im oberen Belvedere zu sehen. Eigentlich wollte ich schon im September davon berichten; im November habe ich zur Einstimmung ein Bild Waldmüllers im Blog präsentiert, aber erst letztes Wochenende fand ich Zeit die Ausstellung anzusehen. Die Bilder, die Marianna Gartner großteils zu ausgewählten Werken der Sammlung gemalt hat - sie hat am Artist-in-Residence-Programm im Augarten Contemporary teilgenommen - waren über das ganze Belvedere verteilt, ich musste also beide Stockwerke aufmerksam abgehen, um die Exponate zu finden. Deshalb war ich auch erstmals in der Mittelalterabteilung, die mich wirklich begeistert hat (und nicht nur, weil in vielen mittelalterlichen Tafelbildern auch irgendwo ein Hund herumläuft). Gartners tätowierter Jesus (Tattooed Jesus, 2004) hat sich wunderbar in die gotische Bilderwelt eingefügt.

Die Arbeit der 1963 in Winnipeg geborenen kanadischen Künstlerin Marianna Gartner thematisiert und reflektiert die europäische Porträtmalerei und die beginnende Porträtfotografie des 19. Jahrhunderts. Damals wurden die Fotografierten noch vor bemalten Hintergründen abgelichtet. Auch die Porträtmaler dieser Zeit setzten ihre Modelle oft in erfundene Umgebungen.

 

Marianna Gartner und Ferdinand Georg Waldmüller

 

Gut erkennbar ist das bei Waldmüllers "Julia Comptesse Apraxin" von 1835, die in einer undefinierten Landschaftsidylle sitzt. Gartner bezieht sich in ihrer einzigen Intervention mit Hund auf dieses Bild. Ihr "Dogwalker" ist allerdings auf zwölf flache Holzquader gemalt, wobei in der untersten Reihe die Ordnung der Anordnung gestört wird - Mädchen- und Hundefüße werden vertauscht. Auch eine eindeutige Zeitebene wird destruiert: Der "Lassie" der 60er Jahre trifft auf ein Kind der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert.

 

Marianna Gartner, Dogwalker, 2011

 

Alte Fotografien anonymer Menschen, von namenlosen Fotografen aufgenommen, auf Flohmärkten und in Antiquariaten aufgestöbert, bilden also die Vorlage für Gartners Arbeiten. Diese werden für ihre Bilder natürlich nicht zur Gänze verwendet und 1:1 malerisch wiedergegeben, das hieße ja nur die Technik ändern, sondern aus unterschiedlichsten Ausgangsmaterialien präzise kombiniert. Sie erschafft durch diese Montage neue surreale und hintergründige Bildinhalte, die verstören und irritieren. Dabei hat sie ein Repertoire an Figuren, Attributen und Interieurs entwickelt, die immer wieder kehren: Soldaten, Matrosen, Kinder, Tiere - nicht zuletzt Hunde.

Im Folgenden sehen sie ihre Bilder mit Hund, die sie ab 2004 gemalt hat:

 

Marianna Gartner, Seated child with dog, 2004

Marianna Gartner, Somewhere in Europe, 2005

Marianna Gartner, Green chair soldier, 2005

Marianna Gartner, Pretty boy soldier with dog, 2006

Marianna Gartner, Soldier with girl and dog, 2007

Marianna Soldier, Sailor Gabor, 2007

Marianna Gartner, Double Whammy, 2007

Marianna Gartner, I hate birds, 2008

Marianna Gartner, Hinterlist, 2008

Marianna Gartner, Napoleon figure with Solomon, 2008

Marianna Gartner, Dog with butterfly, 2008

Marianna Gartner, Bad Friedrich, 2008

Marianna Gartner, Scene Mythologique, 2010

 

Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der sehr informativ in Gartners Werk und Methode einführt und Sammlungsstücke und Interventionen nebeneinander stellt: Marianna Gartner. An Eye For An Eye, Hrsg. Agnes Husslein-Arco, Margrit Brehm, Verlag das Wunderhorn, ISBN: 9-783884-233856 (Deutsch/Englisch)

Alle Bilder © Marianna Gartner

Weitere Werke zum Beispiel auf der Homepage der Galerie Michael Haas.

 
Ausstellung, Buch, Malerei
19. Dezember 2011 - 10:22

Gundula Schulze Eldowy
© Gundula Schulze Eldowy

 

Ich kann nicht beschreiben, weshalb mich dieses Bild so unsäglich bewegt, schon beim ersten Ansehen rührte es mich zu Tränen: Liebe und Verzweiflung. Die knochigen großen Hände, die die Tasche mit dem Hund umklammern, der Hund – ruhig und entspannt hängen die Pfoten - lehnt sich vertrauensvoll an seinen Menschen, nur der Blick drückt Skepsis aus. Was mag die Geschichte hinter diesem Foto sein - hoffentlich ist alles gut gegangen!

Das Buch zum Foto: Gundula Schulze Eldowy: "Berlin in einer Hundenacht", Lehmstedt Verlag; 245 Seiten;  ISBN-10: 3942473151, ISBN-13: 978-3942473156; 29,90 €

 

Gudrun Schulze Eldowy, Berlin in einer Hundenacht - Buchcover

 

Zwei Ausstellungen in Berlin zeigen zur Zeit das Werk der herausragenden, sozialkritischen Fotografin Gudrun Schulze Eldowy, die im Ostberlin der späten siebziger und achtziger Jahren die ärmliche Welt von Arbeitern, Rentnern und gesellschaftlich Deklassierten dargestellt hat und nach dem Ende der DDR nach New York zog.

"Die frühen Jahre. Fotografien 1977 bis 1990" bei C/O Berlin, vom 10. Dezember 2011 bis zum 26. Februar 2012 sowie die Doppelausstellung "Verwandlungen: Fotografische Serien nach 1990" im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages und "Den letzten beißen die Hunde. Eine Fotoinstallation der Wendezeit" im Mauer-Mahnmal im Deutschen Bundestag, beide vom 29. September 2011 bis zum 26. Februar 2012.

Mehr über die Fotografin z.B. auf Spiegel Online.

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
20. Oktober 2011 - 8:28

Buchcover, 2010

 

La carne! Il problema non siamo noi panda, ma quello che mangiamo. Abbiamo da sempre sgranocchiato insipido bambù fino a rinchiuderci nella foresta del presente, dove la vegetazione è troppo fitta e la luce troppo scarsa per immaginare un futuro. Ora il bambù sta per finire e ci sta trascinando verso l’estinzione: glielo impediremo, vero?

Was sagt der Google-Übersetzer dazu?

Das Fleisch! Das Problem ist uns nicht Pandas, sondern was wir essen. Wir waren schon immer knabberte fad Bambus in der Nähe des Waldes selbst bis in die Gegenwart, wo die Vegetation zu dicht ist und das Licht zu arm, um sich eine Zukunft vorzustellen. Jetzt Bambus ist zu Ende und ziehen uns in Richtung Aussterben: verhindert, dass sie, richtig?

Ich habe noch immer wenig Ahnung, wovon dieses italienische Buch handelt, aber außer Zweifel steht, dass die Illustrationen ganz außergewöhnlich gelungen sind. Wer Italienisch kann, findet auf der Homepage des Verlages, neben obigem Zitat, Näheres dazu. Der Autor ist Giovanni Robertini, die Zeichnerin Ana Kras.

Ana Kras, 2010

 

Ana Kras, 2010

 

 

Die 1984 in Belgrad geborene Ana Kras ist bereits als Möbeldesignerin und Fotografin (analog) überaus erfolgreich. Zuletzt hat sie im Auftrag eines italienischen Brillenherstellers die Bügel-Innenseiten von handgemachten Sonnenbrillen gestaltet.

 

2010 hat sie "Il barbecue dei panda"  illustriert. Die Menschen, ihre Körperhaltungen und gemusterten Gewänder passen trefflich zu den Tiermasken, die sie tragen. Der gutmütige Labrador ist im wallenden Ethno-Style gewandet, die Bulldogge ist lässig, klassisch elegant. Sehen Sie sich die anderen Tierdarstellungen auf Ana Kras' Homepage an, sie sind ein Genuss! Kras hat einen scharfen Blick für Details, ist überaus sicher im Umgang mit modischen Codes und besitzt eine Sensibilität, aus der auch die Zuneigung zu ihren gezeichneten Geschöpfen spricht.

 
Ana Kras. 2010

 

Ana Kras, 2010

 

 

Ana Kras, 2010

Ana Kras, 2010

 

 

Buch, Grafik, Zeichnung
14. Oktober 2011 - 11:44

Nichts kaufe ich so gerne wie Bücher: Erst aufschlagen, dann zuschlagen! Vor zwei Tagen habe ich einen Bildband erstanden, der schon 2008 erschienen ist, wegen einer Zeichnung - seinetwegen:

Samson!
 

Cornelius Kolig - Samson, um 1980

Cornelius Kolig - Samson, um 1985

 

Die großformatige Kohle- und Acrylzeichnung stammt von 1980, die dreiteilige Kreidezeichnung darunter etwa von 1985. "Kau Kau und Samson" unten ist mit 1997 datiert. Das irritiert mich ein bisschen. Ist Samson, der als Polster für die Katze dient, auf dieser Zeichung bereits über 17 Jahre? Oder ist auch das Doppelbildnis nach einem Foto entstanden wie die meisten Zeichnungen des Buches?

 

Cornelius Kolig - Kau Kau und Samson, 1997

 

Der Künstler ist der 1942 geborene Österreicher Cornelius Kolig, die Bilder dem Buch "Cornelius Kolig. Autonome Zeichnngen aus dem Paradies" entnommen. Koligs Paradies ist ein Gebäude- und Gartenkomplex im Kärntner Vorderberg, mit dessen Bau der Zeichner, Maler, Bildhauer und Objektkünstler 1979 begonnen hat. Hier versammelt er sein künstlerisches Lebenswerk.

Zum realen Kolig'schen Paradies gehören auch seine Tiere, wenngleich sie in seinem veröffentlichtem künstlerischen Werk nur einen kleinen Teil einnehmen. Thomas Zaunschirm geht in dem Text "Lichtecht zur Schamhand", der den Abbildungen in  Cornelius Kolig. Autonome Zeichnngen aus dem Paradies  vorangestellt ist, an mehreren Stellen auf Koligs Tiere und seine Tierzeichnungen ein.

"Seit einigen Jahren porträtiert Kolig wieder alle im Haus oder im Areal um das Paradies lebende Katzen, die liebevoll versorgt werden"  (S 12).

"Zum Familienverband zählen die Tiere. Seit der Hund Samson tot ist, haben die Katzen das Regiment übernommen. Unstimmigkeiten gibt es nur zwischen ihnen, wer ins Haus darf oder im Garten bleiben muss, je nachdem welche der Katzen streitlustig oder kratzbürstig sind. Die eigens konstruierten Katzenhäuser auf der Mauer des Paradieses werden seit der verheerenden Mure (2003) nur mehr eingeschränkt angenommen. (...) Ein Jahrzehnt später schiebt er den uralten Samson auf einer Scheibtruhe. Die Tiere sind in beiden Fällen Attribute, ja Partner des Künstlers. Schließlich nimmt er auch deren Gestaltungen als Malereien und Skulpturen ernst. Die Kotspuren, die die heranfliegenden Schwalben auf Bildträgern hinterlassen, bilden informelle Bilder, vergleichbar den Urinspuren von Samson und dem Künstler selbst. (...)"  S 13

 

Cornelius Kolig mit Hund und Katze, 1983
Foto © Michael Leischner

 

Wie aus dem obigen Textzitat hervorgeht, umfasst Koligs Werk thematisch nicht nur Sexualität, Liebe, Reproduktion und Tod, sondern auch den Stoffwechsel und damit alles, was vielerorts noch tabuisiert ist. Nicht in unglaublicher, sondern in erwartungsgemäßer Primitivität wurde er 1998 von Jörg Haider als Fäkalkünstler bezeichnet. 2006 erhielt Cornelius Kolig den Großen Kulturpreis des Landes Kärnten, der ihm durch denselben überreicht werden sollte. Kolig, der bisher vor allem Gynäkologische Zeichenstühle, TV-Zeichenliegen und Reizspender erfunden hatte, kam mit dem sinnvollen Greifhandobjekt (je eine Plastik(?)-Greifhand an den beiden Enden einer Stange) zur Verleihung, mit dem er Haider die "Hand" gab, um bei der Übergabe des Preises nicht mit ihm in Berührung kommen zu müssen.

Leider habe ich kein Foto der Greifhand ohne den LH gefunden. Wollen Sie dieses praktsche Erfindung sehen, muss ich Sie auf das Verwaltungsportal des Landes Kärnten verweisen.

Noch eine kleine "Fußnote" zu Koligs Werk: Dieser große Zeichner verwendet(e) Butterbrotpapier: damit hat er nicht nur ein für ihn passendes Trägermaterial gefunden (manche Teile der Zeichnung sind auf die Rückseite des tansparenten Materials gezeichnet, um eine leichte Unschärfe zu erreichen), sondern auch ein nur oberflächlich nüchternes Wort dem Vergessen-Werden entrissen.

 

Buch, Zeichnung
13. September 2011 - 7:57

Wenn Sie ebenso wie ich das Werk von Franz Graf mögen, Sie vielleicht auch letztes Jahr seine Retrospektive in der Kunsthalle Krems oder kürzlich seine Ausstellung in der Bawag Contemporary gesehen und dort vielleicht sogar seine musikalische Liveperformance mit dem isländischen Künstler Sigtryggur Berg Sigmarsson erlebt haben, fragen Sie sich vielleicht, was er mit Hunden zu tun hat. Wenig, oder nicht in letzter Zeit, könnte die Antwort lauten. Dennoch bin ich im Besitz eines herrlichen zweifarbigen Siebdruckes auf Hartfolie glasklar/milchig: Flecken Hund aus dem Jahre 1997. Er ist Teil einer Serie von acht Siebdrucken mit dem langen Titel: "Vor dem Garten Bei dem Garten Rings um den Garten Diesseits des Gartens Gegenüber dem Garten Ausserhalb des Gartens."

 

flecken hund

 

Vor fünf Jahren habe ich das Werk bei einer Kunst-Auktion für das Tierparadies Schabenreith ersteigert. Organisiert hatte die Auktion Thomas Winger von der unabhängigen Tierrechtsplattform "United Creatures". Jeden Tag freue ich mich, wenn ich den getupften Hund ansehe. Die vielen misshandelten, missbrauchten, ausgesetzten Tiere, die in Schabenreith erstmals ein Leben ohne Folter, Hunger und Stress erleben, hatten leider nur kurz Hifle durch das bei der Auktion eingenommene Geld.

Ich danke Herrn Graf für die Möglichkeit zu dieser eleganten Linksetzung nach Schabenreith.

Eine gute Möglichkeit sein Werk näher kennen zu lernen, bietet das wunderbare Buch "Franz Graf. Schwarz heute jetzt habe dass schon fast vergessen" das 2010  zu den 15 schönsten Büchern Österreichs gewählt wurde.

 

11. September 2011 - 7:34

Rocco und das Meerschweinchenbuch

 

Ich besitze ein sehr nettes Buch voll mit gemalten Meerschweinchen: etwa 60 unterschiedliche Angora-, Rosetten-, Langhaarmeerschweine, die Struktur und Wuchsrichtung des Fells schwung- und kunstvollst herausgearbeitet, alle auf knallig bunten Hintergründen aus fein verstrichenen Farbverläufen gemalt.

Erst kürzlich bin ich auf gemalte Hunde gestoßen, die mich in der "Machart" an die Werke in meinem Meerschweinchenbuch erinnerten. Nun: Es handelte sich um den gleichen Maler - Cornelius Völker.

 

Ausstellungsansicht sieshoke galerie düsseldorf
Ausstellungsansicht Sies+Höke Galerie,
Düsseldorf, 2003
 

Hund 1

Hund 2

Hund 3

Hund 4

 

Cornelius Völker -  er wurde 1965 geboren und lebt in New York und Düsseldorf - bildet thematisch ein sehr breites Spektrum ab. So finden sich real ganz kleine Dinge wie eine Himbeere, zwei Teebeutel (195 x 285 cm), eine Brustwarze oder eine Tafel Schokolade zur hintergrundlosen Größe von 150 x 300 cm aufgeblasen; die Serie Schwimmer ist von der Größe bescheidener (32 x 30 cm), ebenso die Hunde (50 x 60 cm).

Hunde gibt es auch als Lithografien:

 

Hund 2003, Lithografie

Hund, 2003, Lithografie

 

Es hat den Anschein, dass alle Menschen, Tiere und Gegenstände dem Maler - zur Zeit Professor für Malerei an der Kunstakademie Münster - gleich wichtig sind, irritierend wirkt höchstens die Werkgröße in Relation zu realen Größe (und Bedeutung) des Dargestellten. "Die Motive", sagt Cornelius Völker selbst "sind für mich so etwas wie Widerstandskoeffizienten, an denen sich die Malerei erproben muss". (vgl. Ausstellungseinladung Goslar)

Völkers Meerschweinchen und Hunde haben für ihn nur Bedeutung als Fellträger, das Fell wäre hier der Widerstandskoeffizient, an dem sich Völker der Meister des Farbauftrags und Pinselstrichs messen muss: Farbmaterie und Pinselduktus werden eins mit dem Motiv, die Malerei das eigentliche Thema.

Seit dem Beginn der 1990er Jahre fotografiert Cornelius Völker, auch Hunde - nicht reizlos. Auf seiner Homepage systematisiert er sein fotografisches Werk nach Orten (Paris, Dortmund, Berlin, Florenz..)

 

Cornelius Völker, 1992

Paris 1992

Ratingen, 1996

Düsseldorf, 1996

 

Bis 2. Oktober 2011 sind seine Werke im Mönchehaus Museum Goslar zu sehen.

Alle Bilder stammen von Völkers informativer Homepage / © bei den Fotografen und Cornelius Völker

Das Meerschweinchenbuch: Cornelius Völker: Meerschweinchen, Kunstverein/Kunsthalle Göppingen, Hrsg.. Bernd Finkeldey, Schirmer/Mosel-Verlag, München, 2009, ISBN 978-3-8296-0456-7

 

Ausstellung, Buch, Fotografie, Grafik, Malerei
9. September 2011 - 15:05

Wie bei Erdbeben, Hurricans und anderen Naturkatastrophen kamen auch nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon an die 100 Rettungshunde - von der FEMA, der nationalen Koordinationsstelle der Vereinigten Staaten für Katastrophenhilfe, beschäftigt - zum Einsatz, um Überlebende unter den Trümmern aufzuspüren. Die niederländische Fotografin Charlotte Dumas, sie lebt und arbeitet in Amsterdam und New York, hat nun ihrerseits die noch 15 lebenden Hunde, heute mindestens 12-jährig, aufgespürt und fotografiert. Sie leben über die ganzen Vereinigten Staaten verstreut.

Die Fotos werden in der Julie Saul Gallery in Chelsea, NY gezeigt und als Buch "Retrieved" veröffentlicht. Die New York Times hat schon im August eine Bildstrecke gezeigt.

Vielen Dank an Moira McLaughlin und Ihren wundervollen Blog Dog Art Today, der mir als Anregung diente. Sie hat vorgeschlagen Taschentücher bereitzulegen, bevor man die Hundefotos anschaut. Wie wahr! Ich habe schon Tränen vergossen.

 

Charlotte Dumas Guinness, 14

Charlotte Dumas Red, 11

Charlotte Dumas, Bailey, 14

Charlotte Dumas, Bretagne, 12

Charlotte Dumas, Orion, 13

Charlotte Dumas, Moxie, 13

Charlotte Dumas, Tara, 16

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
1. September 2011 - 17:35

Die Kunsthistorikerin und Vizedirektorin des Zürcher Kunsthauses Erika Billeter starb im August 2011 im Alter von 84 Jahren. Die gebürtige Kölnerin lebte seit 1962 in der Schweiz, wo sie von 1981 bis 1991 das Musee cantonal des Beaux-Arts (MCBA) in Lausanne leitete. In dieser Zeit brachte sie Werke renommierter Kunstschaffender wie Joseph Beuys, Eric Fischl oder Sophie Taeuber-Arp nach Lausanne. Daneben veröffentlichte sie zahlreiche Bücher über Kunst, darunter den für diesen Blog relevanten Bildband "Hunde und ihre Maler", für den sie 350 Gemälde ausgesucht und kommentiert hat. Rezensionen des Buches finden sie auf der Homepage des Verlages.

 

Erika Billeter Hunde und ihre Maler

 

Was die meisten Nachrufe auf Billeter allerdings verschweigen, ist ihre große Leidenschaft für Tiere. Sie war Stiftungsbeirätin der Schweizer Stiftung für Tiere "Animal Trust". Die Vegetarierin engagierte sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Tiere und forderte ein grundlegend verändertes Verhalten des Menschen gegenüber Tieren.

"Ich beschäftige mich in jeder freien Minute mit Tierschutz (…) Wovor müssen wir die Tiere schützen? Vor uns Menschen! Unser Verhalten gegenüber den Tieren ist einfach katastrophal."

Billeter wurde auch als Museumsdirektorin immer von ihren Hunden begleitet. Das nahezu einzige Foto von ihr, das im Internet zu finden ist, zeigt sie mit ihren Chow Chows, allerdings wurden auch die Hunde in manchen Würdigungen einfach weggeschnitten!

 

Foto und Zitat von der Homepage von Animal Trust

 

Buch, Tierschutz und Tierrechte