Buch

23. Oktober 2013 - 7:45

Ein Genre der Fotografie ist die Straßenfotografie, die im öffentlichen Raum entsteht - auf Straßen, in Geschäften oder Cafés - und die Passantengruppen oder Einzelne herausgreift. Da sich im öffentlichen Raum auch viele Hunde aufhalten, finden sie sich auch auf den Arbeiten der Straßenfotografen wieder. Und sollen auch in diesem Blog nicht fehlen.

 

Street Photographers wie der Engländer Matt Stuart arbeiten unter kuriosen Bedingungen. Obwohl in London eine Video-Massenüberwachung der Bevölkerung stattfindet und Unzählige mit ihren Smartphones fotografieren und filmen, stehen Street Photographers quasi unter Generalverdacht, Paparazzi, Terroristen oder Pädophile zu sein – ihr Tun wird von der Polizei und der Bevölkerung kritisch betrachtet. Schutz der Privatheit, Angst vor Überwachung etc. machen die Street Photography - zumindest in London, wo sich Matt Stuart auf die Suche nach Abenteuer und die magischen Momente macht - immer schwieriger. Erkannt werden Street Photagraphers daran, dass ihre Kameras nicht wie Smartphones aussehen. Matt Stuart z.B. fotografiert mit einer Leica MP.

 

Als Straßenfotograf muss er nicht nur nahezu unsichtbar, sondern auch geduldig, optimistisch und von der Sache besessen sein. Denn es ist nicht einfach einen absurden oder humorvollen Moment aufzunehmen, es braucht es Glück und Geschick, vor allem aber Ausdauer. Der einzigartige Moment, stellt sich nur selten ein: This is exactly why it is both the most accessible and the most difficult kind of photography. (zit. n. The Guardian)

 

Von geschätzten 10 000 Fotografien, die Matt Stuart in den letzten Jahren aufgenommen hat, schafften es nur etwa 50 auf seine Website (die Fotos werden nicht mit Photoshop nachbearbeitet).

 

Das untere Bild, im Hyde Park aufgenommen, gehört zu Matt Stuarts Lieblingsbildern, denn hier passieren drei Dinge gleichzeitig: Ein Mann zeigt auf seinen Hund, der Hund streckt dem Fotografen die Zunge entgegen (übrigens ein normales Beschwichtigungssignal eines Hundes, wenn man ihm frontal mit einer Kamera begegnet) und der Ballon verdeckt den Kopf des Kindes.

 

 

Hyde Park © Matt Stuart

 

 

Mit Ausnahme des Hundes nahm niemand Notiz von Matt Stuart, ein großartiges Gefühl für ihn: This is one of the greatest feelings you can have as a photographer – invisibility. (zit. n. Blake Andrews' Blog)

 

Aldersgate Street © Matt Stuart

 

Devonshire Street © Matt Stuart

 

New Oxford Street © Matt Stewart

 

Earls Court @ Matt Stuart

 

Earls Court @ Matt Stuart

 

Hyde Park @ Matt Stuart

 

 

Matt Stuarts (geb. 1974) Interesse an der Fotografie war durch zwei Bücher von Henri Cartier-Bresson und Robert Frank geweckt worden, die ihm sein Vater kaufte. Inzwischen fotografiert er seit fast zwei Jahrzehnten. Seine Neugier, sein Interesse am Leben der Menschen und an der "Street Photography" waren die Voraussetzung für seine eigene Arbeit als Fotograf. (Bis dahin war er schon als begeisterter Skateboarder auf der Straße unterwegs).

 

Seine Fotografien haben stets einen komödiantischen Touch. Sie zeigen humorvolle Alltagssituationen von Menschen und ihrer Umgebung und feiern dadurch die ungewöhnlichsten Absurditäten des Lebens. Für einen Moment extrahiert Stuart einen besonderen und unwiederbringlichen Moment der pulsierenden Metropole London. Seine Fotografien kreieren durch die spezielle Perspektive der Aufnahme scheinbar eine Illusion der Realität. Nichtsdestotrotz sind alle Fotografien Stuarts ungestellte Momentaufnahmen, die sich sofort ins Gehirn des Beobachters einbrennen und mit jedem Foto zum Schmunzeln bringen. (zit. n. EIGENSINNIG)

 

Matt Stuart ist ein Förderer der allgemeinen Street Photography und Gründungsmitglied der britischen Street-Photography-Gemeinschaft In-Public, zu der auch Größen der Fotografie wie Joel Meyerowitz und Saul Leiter gehören.

 

Bis zum 22. November 2013 zeigt er seine Fotografien erstmals in einer Einzelausstellung in Österreich, im EIGENSINNIG – Schauraum für Mode und Fotografie.

 

Sollten Sie weiteres Interesse an Street Photography haben, empfehle ich das Buch "Street Photography Now", das man ebenfalls im EIGENSINNIG (1070 Wien, St.-Ulrichs-Platz 4) erwerben kann.

 

alle Fotos © Matt Stuart

ankt-Ulrichs-Platz 4
ankt-Ulrichs-Platz 4erwerben kann.

 

Ausstellung, Buch, Fotografie
6. August 2013 - 8:10

Da Sie sogar meinen Blog gefunden haben, gehören Sie zweifellos zu den Menschen, die das Internet intensiv nutzen, sodass Sie sicherlich auch schon über Crowdfunding-Projekte gestolpert sind ist. Falls nicht, nur ganz kurz: Beim Crowdfunding werden Ideen zu Projekten. Projektstarter können ihre Projekte mit der Unterstützung von vielen Menschen finanzieren. Das Geld wird erst ausgezahlt, wenn der Starter sein Fundingziel erreicht - andernfalls geht das Geld an die Supporter zurück und neue Projekte können unterstützt werden.

Die Berliner Bildende Künstlerin und Autorin Barbara Wrede fotografiert seit 1994 wartende Hunde und will in einem Buch für Hundefans und treue Menschen 150 Fotografien wartender Hunde versammeln, die in Berlin, aber auch in Venedig, New York und an vielen anderen Orten entstanden sind. Gewidmet ist es übrigens Hachiko, dem japanischen Akita, der zehn Jahre auf dem Bahnhof auf sein verstorbenes Herrchen gewartet hat.

Das Projekt "Wartende Hunde - ein Buch über die Treue" kann nur mit der finanziellen Unterstützung vieler HundeliebhaberInnen verwirklicht werden. Das Geld wird für die Sichtung, Auswahl und Bildbearbeitung der analogen Fotos (entstanden von 1994 bis 2010) und die Sichtung, Auswahl und Nachbereitung der digitalen (seit 2011) Fotos benötigt. Zusätzlich müssen die Layout- und Satzarbeiten sowie der Druck des Bildbandes finanziert werden.

Unten schon ein kleiner fotografischer Vorgeschmack, Fotos © Barbara Wrede

 

Wartende Hunde © Barbara Wrede

Wartende Hunde © Barbara Wrede

Wartende Hunde © Barbara Wrede

Wartende Hunde © Barbara Wrede

 

Wäre es nicht großartig, würden auch ein paar "Hund und Kunst"-LeserInnen dieses Projekt unterstützen? Dann brächte mein Blog nicht nur Vergnügen und Inspiration (wie mir viele liebenswerterweise versichern), sondern auch konkrete Hilfe zur Verwirklichung des Buch-Projektes.

Alles Nähere zu Barbara Wrede und Ihrem Projekt finden sie auf ihrer Homepage, ihrem Blog und der Crowdfundig-Plattform Startnext.

Ich habe übrigens vor einigen Monate erstmals bei einem Finanzierungsprojekt mitgemacht. Damals ging es um die Printausgabe des Online-Magazins von Four&Sons. Da die Finanzierung erfolgreich war, liegt diese wundervolle Zeitung seither in meinem Schauraum zum Angeben und Repräsentieren (an dieser Stelle sollte sich ein zwinkendes Smiley befinden, wüsste ich nur wie ich eines einfügen könnte). Hoffentlich liegt bald der Bildband "Wartende Hunde" von Barbara Wrede daneben.

 

 

Four & Sons © Petra Hartl

 

Buch, Fotografie
7. Juni 2013 - 9:29

Africanis 23, 2009 © Daniel Naudé

 

Was für ein Anblick! Dieser große, stolze, afrikanische Hund ist ein Africanis! Er stammt von den ägyptischen Hunden, die auf den alten Wandmalereien dargestellt waren, ab (Johan Gallant "The Story Of The African Dog"). Die Rasse ist erst seit 2002 bekannt, früher wurde dieses Tier, das Ähnlichkeit mit einem riesigen Windhund hat, unverwüstlich, ausdauernd und genügsam ist, oft abwertend als Zulu-,  Bantu - oder Hottentotten-Hund bezeichnet.

Der Fotograf Daniel Naudé traf ihn erstmals 2006. Er war von der Begegnung mit diesem Africanis in der Karoo, einer Halbwüstenlandschaft in den Hochebenen Südafrikas, derart begeistert, dass er begann, diese großen Hunde in der Karoo und in der Transkei - einem Gebiet im östlichen Kapland - zu fotografieren.

Der Africanis gehört zu den wenigen verbliebenen natürlichen Hunderassen der Welt: Er ist das Produkt von natürlicher Selektion und jahrhundertelanger physischer und psychischer Anpassurng an Umweltbedingungen und nicht Ergebnis der Zucht durch den Menschen. Heute lebt der Africanis in ländlichen Gebieten Südafrikas und wird von der indigenen Bevölkerung für seine Widerstandsfähigkeit, Intelligenz und sein Jagdgeschick geschätzt.

 

Africanis 5, 2008 © Daniel Naudé

Africanis 6, 2008 © Daniel Naudé

Africanis 7, 2007 © Daniel Naudé

Africanis 9, 2008 © Daniel Naudé

Africanis 19, 2010 © Daniel Naudé

 

Naudés fotografischer Zugang ist dem der Maler des 18.Jahrhunderts wie George Stubbs oder Samuel Daniell ähnlich, die die Natur klassifizierten. Er stellt die Africanis kraft- und würdevoll in leichter Untersicht dar, um deutlich zu machen, dass es sich eben nicht um verwilderte streunende Mehrrasse- oder domestizierte Hunde handelt, sondern um eine unabhängige Rasse. Die bewegungslose Präsenz der Hunde, in stillen Bildern festgehalten, ist Resultat der fotografischen Situation. Naudé kann erst auslösen, wenn er als Eindringling in ihr Territorium ihr Vertrauen gewonnen hat.

 

Buchcover

 

Während der fotografischen Jagd auf die Africanis, die Naudé in seinem Verhalten den sowohl scheuen, flüchtenden als auch jägerischen Hunden ähnlich werden ließ, lernte er die reiche Geschichte des Landstrichs und seiner Menschen für sein Projekt "Animal Farm" kennen. Naudé ging Fragen der Herrschaft über Tiere und der gegenseitigen Abhängigkeit von Mensch und Tier nach: Wie leben Menschen und domestizierte Nutztiere - Esel, Rinder, Schafe usw. - in den ländlichen Gegenden Südafrikas? Fotografisch untersuchte er diese Beziehung, die geprägt ist von einem zärtlichen, behütenden Aufziehen der Tiere, die sich letztendlich in eine ausbeutende (als Arbeits- und Lasttier) oder todbringende (als Nahrung) verwandelt.

 

 

David Tieties with his three-day-old donkey. Verneukpan, Northern Cape,
6 April

 

Naudés mehrjährige Aufenthalte im ländlichen Südafrika führten ihn zu einem näheren Verständnis der komplexen Beziehung der Bauern zu ihren Tieren, ja des generellen Mensch-Tier-Verhältnisses. Darüber hinaus findet er die ganze Geschichte Südafrikas - eine Geschichte der Kolonisation und Apartheit - in der Beziehung des Menschen zu den Africanis wieder. Ganz im Sinne Franz Kafkas "Forschungen eines Hundes" von 1922: "All knowledge, the totality of all questions and all answers, is contained in the dog".

I wanted to portray my subject as a reflection on the complexities and diversities in our country [...] I point my lens to these animals so that we can question, challenge and finally learn to relate. (vgl. dazu Artikel in der Time LightBox)

 

Ralles mit seinen Jagdhunden. Waterkrans Farm, Richmond, Nordkap, 12. Mai 2010 ©

Slaughterhouse on Quaggafontein farm. Graaff-Reinet, Eastern Cape,
15 May 2010 ©

Backyard of the Kenhardt Hotel. Kenhardt, Northern Cape, 7 April 2009 © Daniel N

Sneeuberg Pass. Sneeuberg, Murraysburg Distrikt,
 2. Februar 2009 © Daniel Naudé

 

Naudé wurde 1984 in Cape Town geboren, 2007 schloss er an der University of Stellenbosch das Studium Visual Arts ab. Mehr zu Naudé finden sie auf den Seiten der Galerien Michael Stevenson sowie Brodie/Stevenson.

Daniel Naudé: Animal Farm, 2012, Prestel Verlag, ISBN 978-3-7913-4724-0 (engl.)
 

alle Fotos © Daniel Naudé

 

Buch, Fotografie
6. März 2013 - 9:01

Auf Italienisch,

 

Gabrielle Vincent, Un giorno, un cane

 

Spanisch,

 

Gabrielle Vincent, un dia, un perro

 

Französisch,

 

Gabrielle Vincent, Un jour, un chien

 

Tja?

 

© african
Foto © african, via African `Lane´was in Boise

 

und auf Englisch gibt es das herausragende Bilderbuch der Belgierin Gabrielle Vincent, das auf 60 Seiten ohne Worte auskommt.

 

Gabrielle Vincent, a day, a dog

 

Doch wo ist das Buch "Ein Tag, ein Hund"?

Meine Suche ergab, dass das Buch auf Deutsch unter Vincents richtigem Namen Monique Martin und unter dem Titel "Hundeleben" im Verlag Sauerländer erschienen war. Es ist inzwischen vergriffen, ich konnte nicht einmal mehr ein Foto des Covers auftreiben. "Ein Tag, ein Hund" klingt lapidar, neutral, existenziell - bis auf die Knochen abgenagt sozusagen. Solch Nüchternheit war anscheinend zu viel für die Verlagslektoren. Ein "Hundeleben" als Titel musste her, mit all seinen witzigen und beschönigenden Konnotationen.

Zufällig habe ich im Internet Bilder dieses Buches entdeckt, die einem nichts ersparen, die schonungslos auzfzeigen, wie der Mensch sich demjenigen gegenüber verhält, der auf ihn angewiesen ist und ihm vertraut. Auch einen englischen Blogeintrag "Blogging for a good book" habe ich dazu gefunden, er ist sehr berührend geschrieben.

 

Gabrielle Vincent

Gabrielle Vincent

Gabrielle Vincent

Gabrielle Vincent, Cover hinten

 

Gabrielle Vincent (1928 – 2000) gehört zu den bekanntesten Bilderbuchkünstlerinnen im französischsprachigen Raum. Nach ihrem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Brüssel war sie als freischaffende Malerin, Illustratorin und Autorin tätig. Sie illustrierte und schrieb unzählige Kinderbücher, darunter die Reihe Ernest und Celestine, die mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt wurde.

 

Auf Zeit-Online gibt es übrigens eine Rezension aus dem Jahr 1983 von Gert Hauche. Schade, dass es dieses Buch inzwischen nicht mehr auf Deutsch gibt, ist es doch von zeitloser Gültigkeit.

 

 

Bilderbuch, Buch, Grafik, Zeichnung
19. November 2012 - 8:52

Vor einigen Tagen ging in Mailand die Ausstellung "Vecchi Cani" - alte Hunde - der italienischen Grafikerin Giovanna Durì zu Ende. Sie hatte ihre Zeichnungen alter Hunde, die sie bei Bekannten, in Parks, in den Straßen kennen gelernt hatte, präsentiert.

Ich freue mich immer, wenn ich auf jemanden treffe, der meine Liebe zu alten Hunden teilt. Ich mag die ungestüme, draufgängerische, lebensfrohe Art junger Hunde sehr. Meine Nachbarn haben so ein junges, weibliches, italienisches, Exemplar, das seine Freude spontan und unverhohlen zeigt, das stürmisch, aber trotzdem sensibel ist und das sich immer auf meiner Fußmatte vor der Wohnung gewälzt hat, um Rocco seinen Duft zu hinterlassen. Doch nichts geht über die Weisheit alter Hunde, die das Leben und die Welt aus der erhöhten Position ihres/unseres Bettes betrachten.

Auch die - vielleicht im doppelten Sinne - gezeichneten Hunde blicken aus weisen und schwermütigen Augen, auf sie fällt Giovanna Duris zärtlicher Blick.

 

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

vecchi cani  © Giovanna Durì

 

Sie müssen nicht enttäuscht sein, wenn sie Giovanna Durìs Ausstellung nicht gesehen haben - Mailand war ohnehin zu weit weg. Die alten Hunde fanden Eingang in das Buch "Vecchi Cani" - herausgegeben von der Edizioni Nuages. ISBN-13: 978-88-9656-3373

 

vecchi cani  © Giovanna Durì

 

alle Bilder © Giovanna Durì

Die Anregung zu dem Beitrag kam von Laura Ottinas Blog Animalarium. Danke! Noch mehr Zeichnungen könen sie auf der Facebook-Seite der Vecchi Cani sehen.

 

Ausstellung, Buch, Zeichnung
27. Oktober 2012 - 7:23

Pentti Sammallahti, Varanasi, Indien, 1999, © Pentti Sammallahti, Kehrer Verlag

Pentti Sammallahti, Belogradchik, Bulgarien, 2003, © Pentti Sammallahti

Pentti Sammallahti, Helsinki, Finnland, 1982, © Pentti Sammallahti

"Streeeeeeecken": Wenn Schnappschuss und Komposition zusammenfallen, welch ein Glück!

Pentti Sammallahti, Katonah, New York, USA, 2000 © Pentti Sammallahti, Kehrer Ve

 

Der 1950 in HelsinkiI/Finnland geborene Pentti Sammallahti fotografiert seit er elf Jahre alt ist. Als Zwänzigjähriger beginnt er zuerst in Finnland und dann weltweit auzustellen. Seit 1979 hat er dreizehn Bücher oder selbstverlegte Portfolios veröffentlicht, zuletzt "hier weit entfernt – Fotografien 1964 - 2011". Er hat zahlreiche Preise gewonnen und als Professor an der University of Art and Design in Helsinki fast zwei Jahrzehnte lang unterrichtet - eine ganze Generation finnischer DokumentarfotografInnen wurde von ihm beeinflusst. 2003 war er  mit einem Werk bei der Eröffnungsausstellung der Foundation Henri Cartier-Bresson, die dessen 100 liebste Fotografien zeigte, vertreten.
 
In Europa, Asien, Afrika entstehen seine handwerklich perfekten, oft mit einer Panoramakamera augenommenen Fotografien. Er ist ein Reisender, bezeichnet sich selbst als Wanderer, als Nomaden, der den Norden liebt, die Kälte, das Meer, die Dunkelheit. Fotografieren gehört für ihn zum Reisen und so verdanken wir ihm Aufnahmen, die von Liebe zum Menschen, zur Natur, zu den Tieren und besonders den Hunden zeugen. Mir gefallen seine Winterbilder, oft in Weitwinkel aufgenommen, am besten, die nicht nur Stille und Abgeschiedenheit, sondern - so paradox das klingen mag -  auch Wäre ausstrahlen. Die Zeit scheint still zu stehen und gleichzeitig unendlich vorhanden zu sein.
 

 

Pentti Sammallahti, Solovki im Weißen Meer, Russland, 1992  © Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

© Pentti Sammallahti

 

Pentti Sammallahti war auch an innovativen Drucktechniken und der Wiedereinführung des Portfolios interessiert: Beeinflusst von der Idee der "Künstlerbücher", erwachte ein breites Interesse an Fotokunst-Publikationen. 1979 begann er mit der Opus-Serie, bei der die Künstler absolut freie Hand bei der Buchgestaltung haben und den ganzen Herstellungprozess kontrollieren sollten: Fotografie, Grafik, Layout, Druck, Binden. Das Buch oder Portfolio war das Kunstwerk - mehr als die Foto-Originale. Die so entstandenen Opus-Bücher bilden einen wesentlichern Bestandteil der zeitgenössischen finnischen Buchkunst.

 

Pentti Sammallahti, Cover

 

Pentti Sammallahti: "hier weit entfernt", Kehrer Verlag

Auf Pentti Sammallahti bin ich durch Karin Dohrman gestoßen, die die Website ars canis betreibt und einen Blog über Kultur-, Buch- und Ausstellungstipps rund um den Hund schreibt. Doch dazu bald ausführlicher.

 

Buch, Fotografie
25. Oktober 2012 - 7:08

Gustave Caillebotte mit seinem Hund Bergère
Gustave Caillebotte mit seinem Hund Bergère, 1892 vom Bruder Martial Caillebotte aufgenommen auf der Place du Carrousel in Paris. Foto: Kunsthalle Schirn / Privatsammlung

 

Die Frankfurter Kunsthalle Schirn widmet dem französischen Impressionisten Gustave Caillebotte eine umfangreiche Ausstellung mit Zeichungen und Gemälden und kombiniert sie mit Fotografien des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Caillebotte hatte als Maler einen sehr modernen fotografischen Blick. Die Bedeutung der Fotografie zur Herausbildung einer neuen Sehweise wird in seinem Werk deutlich. 

Gustav Caillebotte (1846-1894), das Entfant terrible einer Unternehmerfamilie, war Maler, Millionär, Mäzen und begnadeter Segler - und er war Sammler "der Impressionisten". Nach seinem frühen Tod erbte der französische Staat: Viele Werke des Musée d'Orsay stammen aus seinem Besitz.

 

Henri Rivière, Personen, zwei Hunde und ein doppelstöckiger Wagen auf dem Pont d
Henri Rivière, Personen, zwei Hunde und ein doppelstöckiger Wagen auf dem Pont du Louvre

 

Fotografien wie diese waren Caillebotte bekannt, möglicherweise hat er selber fotografiert, jedenfalls besaß sein Bruder eine Kamera. Die angeschnittenen Figuren öffnen einen Bildraum und ziehen den Betrachter ins Geschehen hinein. Diesen fotografischen Blick wendet Caillebotte auf seine Malerei an - jedenfalls in der Anmutung, tatsächlich sind seine Bilder durchkomponiert und -konstruiert.

 

Gustave Caillebotte, Le Pont de l‘Europe, 1876
Gustave Caillebotte, Le pont de l´Europe, 1876

 

Caillebotte ist der Maler eines modernen, "urbanen" Paris: Seit der Umgestaltung der Stadt durch Georges Haussmann flanieren die Pariser (Hunde) auf breiten Boulevards, überqueren sie weiträumige Plätze und neu gebaute Brücken. Die Rücken- und Identifikationsfigur ist hier der Hund - das gefällt mir ganz besonders - und wir folgen ihm auf dem Weg zum Fluchtpunkt.

 

Gustave Caillebotte, Richard Gallo und sein Hund Dick in Petit Gennevilliers,,
Gustave Caillebotte, Richard Gallo und sein Hund Dick in Petit-Gennevilliers, 1884

 

In den 1880er Jahren zieht Gustave Caillebotte nach Petit-Gennevilliers. Hier malt er Richard Gallo, der an einem sonnigen Tag mit seinem Hund Dick aum Flussufer entlang spaziert. Gallo legt damit Zeugnis ab für ein erwachendes Selbstbewusstsein des Bürgertums, das seinen Wohlstand zeigt und sich Tiere zulegt (meint zumindest Kuratorin Sagner in der Frankfurter Rundschau). 1894 verstarb Caillebotte in Petit-Gennevilliers.

Dazu: Claus-Jürgen Göpfert: "Der ferne Blick" in der Frankfurter Rundschau, Roland Held im Echo online sowie Sabine Weier im SCHIRNMAG.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Schirn auf dem Frankfurter Römerberg ist zu sehen bis 20. Januar 2013. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag auch bis 22 Uhr.

 

Gustave Caillebotte - Ein Impressionist und die Fotografie, Cover

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag: "Gustave Caillebotte - Ein Impressionist und die Fotografie", München 2012, ISBN: 978-3-7774-5411-5

 

Ausstellung, Buch, Fotografie, Malerei
21. Oktober 2012 - 15:00

Four and Sons

 

Ganz sicher habe ich das australische Online-Magazin Four & Sons schon mehrmals als Inspirationsquelle für meinen Blog erwähnt, beschäftigt es sich doch mit Hunden, mit Kultur und allen Überschneidungsmengen, die sich daraus ergeben: Hund und Mode, Hund und Design, Hund und HundehalterInnen, Hund und Reisen, Hund und Lebensstil, aber natürlich auch Hund und Kunst. Alle Beteiligten sind HundenärrInnen, HundeliebhaberInnen, die mit viel Engagement die Kreativen aufspüren, die sich mit unserem besten Freund und seiner Beziehung zu uns beschäftigen.

Nun gibt es den Plan zum einjährigen Geburtstag des Magazins eine Printausgabe mit den vorgestellten KünstlerInnen der letzten zwölf Monate herauszugeben - und mit neuen, frischen, überraschenden Inhalten. Ich gehöre zu den Menschen, die an Druckerzeugnissen riechen, den Duft einsaugen. Noch vor dem Befühlen des Papiers und dem Aufschlagen ist das der erste Genuss. (Erinnert sich noch jemand - meine älteren LeserInnen - an die hektografierten Matritzen der Schulzeit, die mit Hilfe von Spiritus vervielfältigt wurdent? Wikipedia spricht in diesem Zusammenhang von charakteristischem penetranten Ethanolgeruch - die Schweizer sagten Schnapsmatritzen dazu!). Kein Online-Magazin kann ein gedrucktes Produkt ersetzen!

Four & Son sucht nun Unterstützer, die das Projekt (Finanzierung von Druck und Vertrieb) ermöglichen. Ab einem Dollar ist man als Unterstützer dabei, und der wird auch nur dann abgebucht, wenn das Projekt genügend Spender zur Realisierung findet. Ab 10 Dollar bekommt man die Print-Ausgabe. Vielleicht haben Sie Lust, Sie können noch bis zum 30.Oktober 2012 mitmachen. Insgesamt werden 1500 Dollar benötigt.

 

 

Ich spendete auch einen kleinen Betrag - meine Motivation war - siehe oben - aber eigentlich das kleine quadratische Fensterchen im Widget, aus dem Rocco hervorguckt. Ich liebe dieses Foto, zeigt es meinen ehemals armen räudigen Rocco so gesund und stark!

http://fourandsons.com/, zur Pozible-Kampagne

 

Buch, Fotografie, Grafik, Malerei, Skulptur
7. Oktober 2012 - 22:10

Heute möchte ich mich besonders bei allen LeserInnen des Blogs bedanken, die mir Empfehlungen und Anregungen für Blogbeiträge geben. Anne Jurrack hat mir das unvergleichbar herzerwärmende und zugleich traurige "Morran Book Project" vorgeschlagen. Die Illustratorin Camilla Engman hat ein Buch veröffentlicht, das 236 Illustrationen versammelt, die ihre - während des Projekts verstorbene - Hündin Morran darstellen. KünstlerInnen aus aller Welt haben sich daran beteiligt, ihr ein Denkmal zu setzen. Moira von Dog Art Today hatte darüber berichtet (und hier auch über die innige Beziehung zwischen Camilla und Morran).

Ich trauere mit allen, deren Hunde sterben - auch wenn ich sie nicht kenne. Meine Tränen gelten dann auch Lucy und Rocco. Mit Lucy verbrachte ich die glücklichste Zeit meines Lebens - für immer ist sie in meiner Herzkammer verschlossen, Rocco ist inzwischen ein Hunde-Methusalem und ich nehme den kommenden Schmerz seines Todes vorweg. 

 

Rocco liest in Morran © Petra Hartl

 

Damals ging mir Morrans Tod zu nahe, um ihn mit Ihnen zu teilen. Nun hole ich es gerne nach. Auch vom emotionalen Gehalt abgesehen, kenne ich kein vergleichbares Buchprojekt. Ein Hund auf hunderterlei Arten umgesetzt - ein schöner Überblick über zeitgenössische Illustration - und es kommen noch immer neue dazu, die nicht mehr Eingang ins Buch, aber in Studio Morrans Blog finden.

 

Rocco liest in Morran © Petra Hartl

Molly Costello
Molly Costello

Sarah Mazzetti
Sarah Mazzetti

Patrice Aarts
Patrice Aarts

Megan Howe
Megan Howe

Mattias Adalfsson
Mattias Adalfsson

Suana Verelst
Suana Verelst

Mikaela Elf
Mikaela Elf

Kirsten Voortman
Kirsten Voortman

Margaret Reneke
Margaret Reneke

Kathleen Furey
Kathleen Furey

Rocco las in Morran © Petra Hartl

 

Habe ich Ihnen schon gesagt, wie schwierig es ist Hunde zu fotografieren? Siehe oben!

Zurück zum Anfang: Der Tipp kam von Anke Jurrack. Sie ist Expertin in Sachen Tierfotos. Meine ganz kleine Auswahl: Einfach gute Hundefotografie!

 

15 © Anke Jurrack

19 © Anke Jurrack

Mir gefallen die Doppelporträts besonders gut ...

Nelson und Lotta © Anke Jurrack

Pootch und Nupito © Anke Jurrack

Portrait im Nebel © Anke Jurrack

Winter 2011 © Anke Jurrack

Jumping © Anke Jurrack

... und erst die Jungs:

Die Jungs © Anke Jurrack

In dieser Gesellschaft erstrahlt auch der Terrier in Würde!

 

1. Juni 2012 - 8:40

Der italienische Fotograf Giacomo Brunelli fotografierte in Umbrien für die Serie "The Animals" Hunde, die wie Hunde aussehen und die sich wie Hunde verhalten (die Pferde, Füchse, Katzen, Vögel, Igel, Schlangen und andere Tiere seien hier nur am Rande erwähnt). Wild, energiegeladen und unheimlich wirken ein paar der Hunde, fremd und unbekannt erscheinen sie, sind wir doch den Blick auf autonom agierende Hunde kaum mehr gewohnt. Wie anders ist unser Bild vom (urbanen, domestizierten, gezähmten, vermenschlichten...) Hund, millionenfach fotografisch vermittelt.

 

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

 

Oben mein absolutes Lieblingsfoto, mein Lieblingshund dieser Serie.

 

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

 

Was hier besonders wild und unbändig aussieht, ist nur die Reaktion eines blinden Hundes hinter Maschendrahtzaun, der verunsichert und sich bedroht fühlend auf das Geräusch des Kamera-Verschlusses reagiert. Brunelli schreckt die Tiere auf, bewusst provoziert er deren Emotionen und Wildheit..

On my way back to the car, I stumbled over a dog that started barking at me from behind a wire-mesh fence. It had amazing blue eyes, but I think it was blind because it couldn't look in a straight line; its eyes were crossed. As the dog couldn't see, the noise of the camera shutter was making him crazy – that was why he got so angry. But the noise of the shutter is actually very important to me when I photograph animals: I use it to startle them, and get a reaction.

 

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

©Giacomo Brunelli

 

Brunelli liebte Tiere schon als Kind, ihnen mit der Kamera nahe zu kommen, sie mit dem Objektiv herzuholen und zu fotografieren, war für ihn wie das Berühren der Tiere. Als Erwachsener fährt er 2007 im Auto durch Umbrien und findet die Hunde in Hinterhöfen, Dörfern, auf dem Land.

Für Brunelli, der 1977 in Perugia in Italien geboren wurde und in England lebt, ist die Darstellung von Bewegung ganz wesentlich für seine Bilder, nicht zufällig zählt er Muybridge zu seinen Inspirationsquellen. Vielleicht strahlen manche Hundefotos (z.B. die Hunde in Rückenansicht) auch deswegen eine große Anmut, Ruhe und Würde aus, weil sie wie das bewusste Gegenteil von Bewegung, wie die Abwesenheit von Bewegung wirken.

Der Fotograf schießt seine analogen Schwarz-Weiß-Fotos übrigens mit einer 35mm Miranda-Kamera. Mir sagt das überhaupt nichts, aber Sie können bei Interesse an den technischen Voraussetzungen im Cool Girls Shoot Film-Blog mehr darüber lesen.

Brunellis Serie "The Animals"  wurde unter anderem in England, Frankreich und Kambodscha ausgestellt und 2008 auch als Buch veröffentlicht. Mit Vimeo können Sie durch das Buch blättern. Kaufen können Sie es z.B. über Amazon.

 

 

Ein Interview mit Giacomo Brunelli zu seinen Tierbildern finden Sie auf youtube.

 

 

Das Zitat im Text ist von einem Guardian-Interview.

alle Fotos © Giacomo Brunelli

 

Buch, Fotografie